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Nr.284. 36. Jahrg.

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Der, Borwärts" erscheint wochentäglich zweimal Sonntags einmal.

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Sozialdemokrat Berlin ".

Morgen- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

10 Pfennig

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Fernsprecher: Amt Morisplan, Nr. 15190-15197.

Donnerstag, den 5. Juni 1919.

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Sw. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 117 53-54.

Militärische Vorbereitungen in Paris .

Eine dritte deutsche Protestnote.

@ent, 4 Juni. ( Melbung der Telegrafen- Rompagnie".)| Bus Baris wird gemeldet, daß die franzöfifche Regierung angesichts bes Gruites der Lage bereits militärische Vorkehrungen Nachdem weitere Einzelheiten über die Mitwirkung der Fran. gegen die Ausstandsbewegungen getroffen hat. Heute sind weitere zefen an der Rheinischen Republik" bekannt geworden sind, hat Arbeiterkategorien dem Beispiel der Streifenden gefolgt, so daß Reichsminister Erzberger heute sofort eine dritte Note durch sich die Zahl der Ausständigen jest auf annähernd eine General v. Hammerstein überreichen lassen. Diese lautet:

handlungen befürchtet werden. Die Zensur arbeitet febr

halbe Million Mann beläuft. Bon seiten der französischen Im Anschluß an meine beiden vorangegangenen Noten habe Presse wird dem Generalfireif deswegen eine so große Bedeutung ich über weitere unerhörte Begünstigungen des hoch. beigemessen, weil Ginwirkungen auf den Gang der Friedensver- verräterischen Treibens im befeyten Gebiete durch fcharf und läßt nur Rommentare durch, die den Streit als Lehn- franzöfifche Befagungsbehörden nachrüdlichst Beschwerde zu führen. Die beffische Regierung erflärt in einem öffentlichen Auf­bewegung werten. Trogdem läßt sich aus Andeutungen der links­stehenden Organe erkennen, daß neben den wirtschaftlichen Forde ruf: Unter schlimmster Verlegung des Völkerrechts haben die rungen politische Ziele die Triebfeder der Bewegung find. Die Franzosen mehrere politische& ührer verhaftet, darunter den Führer der bessischen Volkskammer, den Beigeordneten de Sozialisten versuchen unmittelbar bor unter­lung- Mainz . Gestützt auf die unz weideutigen zeichnung des Friedensvertrages eine völlige Willenserklärungen der rheinhessischen Be­Niederwerfung und Knebelung Deutschlands zu verhindern, weil sie in der Durchführung des Diftatfriedens terung, erhebt die hessische Regierung vor aller Welt die schlimmste Gefährdung der sozialistischen Entwicklung und eine Erstarkung des kapitalistischen und militaristischen Imperialismus

erbliden.

Politischer Charakter der französischen

Streikbewegung.

lauten Ginspruch gegen die Berfuche der franzöfifchen Militär­behörde, den wahren Willensaukend Rheinhessens zu fnebeln." Ich ersuche den Präsidenten der beffifchen Beltskammer, Bei­geordneter Adelung, alsbald in Freiheit fegen 3u laffen, damit er das ihm vom heffischen Bolt übertragene Amt frei und ungehindert ausüben tann. Die Verhaftung des Präst denten einer Voltstammer, der sich gepon gewiffenlofe ftaatsgefähr liche Treibereien pflichtgemäß zur Wehr sett, ist Te

ein Attentat auf die Voltajouveränität.

Genf , 4. Juni. ( Eigener Trahtbericht des Vorwärts".) Die Arbeiterbewegung in Frankreich hat gewaltige Dimen fionen angenommen. Die Volfsoffenfive des französischen Pro- Ich appelliere gegen derartige unerhörte Uebergriffe letariats hat begonnen. Der revolutionäre Cha militärischer Befehlshaber an die Gesamtheit der alli­rakter, den die täglich anwachsende Streifbewegung nicht ierten und affozierten Regierungen. nur in Paris , wo man bereits an die 300 000 Streitende General Mangin in Mainz sett die gröbsten er zählt, sondern auch in der Provinz über eine Lohn- legungen des Waffenstillstandsvertrages fort. bewegung hinaus angenommen hat und diese zu einer Nach glaubwürdigen Nachrichten ließ er in Mainz große Plakate politischen Aktion macht, wird von den sozialistischen des folgenden Inhalts anschlagen: Blättern offen zugegeben und von der Regierungspresse fest­gestellt. Dem Strekk der Pariser Metallarbeiter, der an die 50 000 Teilnehmer zählt, und demjenigen der großen Waren­häuser haben sich auch die Pariser Untergrundbahnen, die Nord- und Südbahn angeschlossen, ebenso die Flugzeugfabriken. In der Humanité" schreibt Marcel Cachin über Ursache und Ziele der Streife, ihm liege die sozialistische Unruhe Diese Berfügung des Generals Mangin ist eine offen zugrunde. Es wird mit einem Worte gesagt, die Arbeiter kundige Berlegung des Waffenstillstandsver. Haffe zweiffe zu fehr an der Lebenskraft und Fortdauer des trages. Alle deutschen Behörden des besetzten Gebietes. müssen Kapitalismus . Er fann wohl einige Zeit den Krieg mit sie als null und nichtig betrachten, da die Besasungsbe seinem Volte überleben, aber überall sieht man die Anzeichen härde nicht das Recht hat, Bestimmungen des bestehenden deutschen seines Verfalls. Strafgefehbudes aufzuheben. Die treubeutsche Bevölkerung in Bezeichnend für die politischen Ziele der heutigen Streif- den befesten Gebieten hat für derartige Rechtsbrüche ber franzö­bewegung ist der in der humanité" veröffentlichte Auf- fischen Besagungsbehörden ruf an die Arbeiter, der sich gegen die Inter­

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Berschiedene Zeitungen melden, daß die deutsche Regie rung Maßnahmen gegen solche Bürger ergreifen will, die sich für die neue Negierung erklären. Diefer Paragraph 81 des deutschen Strafgefehbuch, auf den fich die deutsche Regierung be­ruft, ist aufgehoben. gez. Mangin."

vention in Rusland richtet und worin es heißt: Die dasselbe Gefühl der Empörung und Berachtung, sozialistische Partei beschwört das französische Volk, die Ver- das sie gegenüber der kleinen Zahl deutscher Hochverräter leiden­nichtung der Arbeiterrevolutionen nicht zuzulassen. Im schaftlich zum Ausbrud bringt. Die deutsche Regierung erwartet, gleichen Sinne äußert sich abre im Populaire"; er daß die Hatierten und affoziierten Regierungen dem politi. fagt: Die Stunde ist äußerst ernst, diese enormen Waffen bon fchen Treiben unverantwortlicher militärischer Arbeiter und Arbeiterinnen verlassen nicht ohne Befehlshaber ein rasches Ende segen, es sei denn, sie wollten wichtige Gründe ihre Arbeit. Von unserer Einig- bie Verantwortung dafür auf sich nehmen, daß durch die feit, Disziplin und Fähigkeit hängt der Mut von der Ar- von allen Völkern verworfenen Methoden des Militaris beiterklasse und damit der sozialistische Fortschritt ab. Der Temps" äußert über die Ausdehnung des Streiks" us zu neuer und brutaler Herrschaft gelangen, Neichsminister Erzberger . große Unruhe und schreibt, die Veranstaltung deute dar­auf hin, daß es sich hier um feine rein wirtschaft­

Der tschechische Imperialismus.

Bon Staatssekretär Dr. Wilhelm Ellenbogen- Wien .

Die Einverleibung der deutschböhmischen Gebiete in den tschechoslowakischen Staat bedeutet furz gesagt, die Vergewal­tigung eines wesentlichen Teiles deutschen Gebietes. Deutschösterreich ist ein Land, das ganz unorga nisch aus der Gesamtheit des alten österreichischen Staates berausgefallen ist. Alle übrigen Nachfolgestaaten haben mehr organischen Zusammenhang als dieser.

Insbesondere ist es das Bemühen der Tschechen und das ist ja der Grund, warum sie Deutschböhmen haben wollen, sich ihren Staat so zusammenzustellen, daß er ein selbständiges staatliches Leben führen könne. Daß das eben mur auf Kosten eines anderen Staates geht, entspricht im­perialist schen Grundsäßen, aber feinesfalls den Wilsonichen Brinzipien, denn das zurückbleibende Deutschösterreich erzeugt nur soviel Lebensmittel, daß es bloß die Hälfte der Bevölkerung ernähren kann, muß also selbst bei Friedenspreisen eine bis mehrere Milliarden Kronen Lebensmittel einführen, bezahlen könnte es sie selbstverständ­lich nur mit Industrieprodukten. Aber die hierzu nötige In­dustrie wäre vielleicht in genügendem Maße vorhanden, wenn nicht eben die Tschechen Deutschböhmen nehmen würden.

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Um nur einige Daten zu nennen: Die Spindelzahl in der Wollindustrie beträgt in Innerösterreich 133 000, in Weberei besitzt in Innerösterreich 1280 mechanische Webstühle, Deutschböhmen 349 000, in Tschechischböhmen 101 000. Die in Deutschböhmen 21 592 und in ohne Sudetenland Tschechischböhmen 9638. In der Leinenindustrie gibt es in Innerösterreich 25 Betriebe, in Deutschböhmen 105, in Tschechischböhmen 72. Es geht daraus mit klarer Deutlichkeit hervor, daß die Tich echen den Deutschen ihr indu­strielles Vermögen wegnehmen, um sich aut ihre so sten einen industriellen, leistungs­fähigen Staat einzurichten. So wird also der Stumpf von Deutschösterreich sowohl auf agrarischem, als auf industriellem Gebiet ein Defizit beben. Es wird den notwen­digen Lebensmittelimport nicht mit industriellem Export be­zahlen können. Es wird daher zu einer passiven Zahlungs­bilanz verurteilt sein, das heißt entweder zu einer ewigen Sflaberei gegenüber dem Auslande oder, wenn es eine tiefere handelspolitische Moral hat, zu immer sich wiederholendem Staatsbankerott.

Man lernt an diesen Ziffern mit greifbarer Lebendigkeit den tschechischen Imperialismus fennen. Nebenbei begreift man, wenn man uns die Basis unserer aufrechten Wirtschaft entzieht, warum wir dann den Anschluß an Deutsch­ land mit solcher Leidenschaft propagieren. Wenn Deutsch­fämen wir doch in eine wirtschaftliche Gemeinschaft mit einem land noch so stark durch die Entente gedemütigt würde, so Bande, das doch für uns nicht nur Herz und Gemüt bejäße, sondern das auch starke Möglichkeiten einer starten Arbeits­entwicklung befißt, wir würden stark industrialisiert werden. was die Zschechen uns genommen haben, würde uns durch die Gründung neuer Industrien ersetzt werden. Wir würden mit der Zeit ein industrielles Exportland werden können. In der uns großmütig vorgeschlagenen Donauföderation, deren Möglichkeit übrigens überhaupt in Frage steht, wären wir der bleibende Stlave unserer erbitterten Feinde.

I ische Bewegung, fondern um eine solche re volt Die Prüfung der deutschen Gegenvorschläge. ja den Krieg angeblich geführt, um die Welt in Sinkunft von

Entscheidung Donnerstag.

nären und politischen Charakters handelt, die auf die Regierung der Entente einen Drud ausüben will, um ihr die Früchte des Sieges zu entreißen, was zur Folge hätte, daß der Schuldner Deutschland seiner gerechten Baris, 4. Juni. ( Havas.) Die vier Regierungschefs Sühne entzogen werde. Das Journal des Débats" fetten Dienstagnachmittag die Prüfung der deutschen schreibt, die dortige Arbeiterbewegung fei eine Folge der bol. egenvorschläge fort. Man hofft, daß sie am schewistischen Propaganda und diene den Intereffen des in Donnerstag damit zu Ende sein werden. den lebten Zügen liegenden Feindes. Deutschland habe immer werden dann eine endgültige Entscheidung über die auf eine bolichewiftische Bewegung in Frankreich gerechnet, um Antwort treffen. den gerechten Folgen seiner Niederlage zu entgehen.

Amfterdam, 4. Juni. Aus Paris meldet Neuter: Der Ausstand der Transportarbeiter bauert fort. Die Bahnhöfe der Metropolitain sind von Soldaten besetzt. Der Straßen bahn- und Omnibusverkehr liegt still.

Amsterdam , 4. Juni. Das Handelsblad erfährt aus Paris , daß die Anzahl der streifenden Arbeiter immer mehr zunimmt. In Paris ist man in großer Sorge über die Haltung des Eisenbahn perfonals.. Diese haben für Freitag eine große Versammlung ein­berufen und man fürchtet, daß fie fich ebenfalls der Streifbewegung anschließen werden. Das Charakteristische der ganzen Bewegung ist, daß die Ausstände ohne einen Beschluß der Syndikate und gegen ben Rai ber führer ausbrachen,

Sie

Genf , 4. Juni. ( Meldung der Telegrafen- Kompagnie".) Nach den letzten Pariser Meldungen kann die für Freitag erwartete Antwort der Alliierten auf die deutschen Noten bis zu diesem Termin noch nicht erfolgen, weil die leitenden Staatemänner sich erst seit gestern wieder mit der ganzen Materie befassen und in der kurzen Zeit die Beratungen und die Redaktion der Antwortnote nicht erlebigen fönnen. Voraussichtlich werden dem Grafen Brockdorff- Rankau die Beschlüsse des Viererrats erst nach ben Feiertagen überreicht werden. Die deutschen Delegierten er halten dann drei oder vier Tage Frist, um sich mit der Reichs­regierung wegen Annahme oder Ablehnung der Friedens bedingungen in Berbindung zu sehen.

Man spricht in Paris von dauerndem Frieden. Man hat dem Scheusal eines Arieges zu befreien, man hat ihn für die Demokratie geführt. Können sich die Italiener vorstellen, in deren Volfe, trotz aller Gegenvorstellungen, sich die Idee bon der Zugehörigkeit der österreichischen Italiener zu ihnen so lebendig erhalten hat, daß es sich, obwohl unangegriffen, obwohl ihm die Zurückgabe eines Teiles dieser Völker frei­willig angeboten, in den Krieg gestürzt hat, ich frage, fönnen sich selbst die irredentistisch gesinnten Italiener vorstellen, daß, wenn man nun 312 Millionen Deutsche wider ihren Willen von ihrem eigenen Volke, zudem fie wirtschaftlich gehören, dessen wirtschaftliche Existenzmög­lichkeit ihre Bugehörigkeit bedeutet, Ios reißt, sich einem solchen Terrorismus, auch wenn er von den mäch­tigsten Staaten und siegreichsten Staatenverbindungen auf­gezwungen wird, auf die Dauer gefallen. Iaffen werden? Die Elsaß- Lothringer haben sich wenigsten zum Teil nach Frankreich gesehnt. Aber kann sich Wilson vor­stellen, daß die Deutschen , die nunmehr Jahrhunderte hin­durch nationale Rämpfe von fich fortwährend steigernder Leidenschaftlichkeit gegenüber den Tschechen geführt haben, die bisher in Desterreich den Traum eines Herrenboltes geträumt baben, sich nunmehr geduldig in ein Stiaven­