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Nr.369.36.Jahrg.

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Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 15190-15197.

Dienstag, den 22. Juli 1919.

Vorwärts- Verlag G. m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Nr. 117 53-54.

Statt Völkerversöhnung- Bruderkampf!

Sagen wir zunächst, was der 21. Juft sein sollte: eine schen Machthaber der Welt, hat den Unabhängigen zunächst| Tumult fünf oder sechs Revolverschüsse, worauf der Saal sich Demonstration für die Solidarität des Weltproletariats, ganz fern gelegen. Das beweist deutlich der am Mon panifartig leerte. Auf der Balstatt fab es übel aus. Zahlreiche das einleitende Signal zum Kampf gegen den Versailler tagmorgen von uns veröffentlichte Brief der 3en Tische und Stühle lager zertrümmert umher und hunderte von zer­Gewaltfrieden, gegen die Kräfte des Imperialismus und tralleitung der U. S. P. D. an die Münchener Bar- splitterten Bierseidein bedeckten den Fußboden. Anwesende Ar­des Kapitalismus, die der Welt in diesem Friedensvertrage: teiorganisation, in dem gesagt wird, daß für das deutsche beiterfamariter Icisteten den Verwundeten, deren es etwa zehn neue stahlharte Ketten der Knechtschaft angeschmiedet haben. Proletariat tein Anlaß vorliege, sich an der Demon- gegeben haben muß, die erste Hilfe. Zwei der Verletzten wurden Ein Tag der Hoffnung sollte der 21. Juli sein, ein Zeichen stration am 21. Juli zu beteiligen. Hinterher hat man sich nach dem nahe belegenen Bethanienkrankenhause ge­des wiedererwachenden Versöhnungs- und Ver überlegt, daß hier doch wieder Gelegenheit wäre, durch schafft. überall waren nach dem wüsten Kampfe auf dem Fußboden ständigungswillens unter den Menschen. einen Generalstreik das das deutsche Wirt- des Saales und auf den Treppen Blutspuren zu sehen. Zahlreiche Und was ist der 21. Juli geworden? Was hat man fchaftsleben zu sabotieren, und die Arbeitermassen Anwesende bezeichneten einen Mann in Postbeamtenuniform, der hier in Berlin davon gesehen? Wüstesten, leiden- gegen die Regierung zu heben, die doch wirklich an den har- auf dem Podium gestanden hatte, als den Revolverschützen. Die schaftlichen Kampf der Arbeiterklasse untereinander, haz- ten Bedingungen des Versoiller Vertrages unschuldig ist. Masse versuchte ihn zu Ihnchen, jedoch gelang es den Samaritern, erfüllten Bruderftreit, ein wildes Drauflosschlagen in der Dementsprechend hat man gehandelt und im vollen Bewußt den aus mehreren Wunden blutenden Mann vor schwereren An­brutalften, gewalttätigsten Form, blutige Schädel und ver- fein die Sache so arrangiert, daß man in Konflift mit dec griffen zu schüßen. Er wurde unter starker Eskorte nach der Po­zerrte Gesichter. Als ein schwarzer Schatten der Regierung geraten mußte. Dann hat man die Erregung lizeiwache in der Melchiorstraße geführt. Auf dem Hofe und vor Schande senten sich die Auftritte in den gestrigen Ber- bierüber ausgenugt, um die Versammlungen derer zu spren- dem Gewerkschaftshause sekten sich die Szenen wüster gegenseitiger sammlungen über das Bild des Tages. Wer die Szenen gen, die wirklich ehrlich für Völkerversöhnung Beschimpfungen fort. In Kliems Lokal miterlebt hat, die sich gestern im Gewerkschaftshause abge- und einen gerechten Frieden demonstrierten. spielt haben, dem wird die Schamröte darüber nicht so­bald von den Wangen verschwinden, daß so etwa 3 überhaupt möglich war, daß Arbeiter, die doch auch Sozialisten sein wollen, ihr eigenes Haus in dieser eise schändeten.

Der Schmerz über den entsetzlichen Verlauf des 21. Juli in der Hasenheide füllte der große Festsaal sich so rasch, daß schon in Berlin wird nicht gemildert durch die Nachrichten, die aus bor% 45 begonnen wurde, durch Beseitigung von Tischen noch Plat dem Ausland kommen. Wir müssen aussprechen, was ist au schaffen. In argem Gedränge und unerträglicher Hiße er­und feststellen, daß das Proletariat der Ententegroßmächte warteten die Versammelten unter fortwährenden Aeußerungen der bis auf das italienische den 21. Juli feineswegs in der Ungeduld den Beginn der Versammlung. As der eröffnende Gin­Wer sind jene Gesellen, die wie auf einer bayerischen Weise begangen hat, wie die Unabhängigen ihren Anhän berufer die Tagesordnung bekanntgab und den Genossen Richard Kirchweih Tische und Stühle entawei schlugen, die ein gern vorzugaufeln beliebten. In Frankreich hat ein Wint Fischer als Referenten nannte, meldeten sich die Unabhängigen Trommelfeuer von vielen Hundert Biergläsern gegen die Clemenceaus und die Kaltstellung eines herzlich unbeden- mit ihrem Berlangen nach Bureauwahl. Offensichtlich waren sie Bühne richteten, wo Frauen und Männer faßen, die in tenden, Ernährungsministers für die Parteileitung genügt, in der Minderheit, aber gerade deshalb benahmen sie sich um so der friedlichen Absicht gekommen waren, ihre Solidarium den Generalstreif zu ,, bertagen". Obendrein war unter lauter. Genosse Fischer nahm das Wort und ertiärte, daß in diefer tät mit dem elfproletariat zu befunden? Wer den Zielen, denen der französische Generalstreif ursprünglich von der S. P. D. einberufenen Demonstrationsversammlung natur find jene traurigen Helden, die mitten im Tumult Revolver . gelten sollte, der Kampf gegen den Versailler Frieden nicht gemäß sie selber die Leitung in ihren Händen behalten will. To­schüsse in den mit Menschen vollgepfropften Saal ábfeuer einmal genannt. In England ist der Generalstreit gar nicht bender Lärm antwortete ihm. Nachdem die Ruhe notdürftig ten, wodurch unübersehbares Unheil hätte entstehen können? erst beschlossen worden. wiederhergestellt war, ermahnte der Unabhängige Sievers- Neufölln Sollen das wirklich Männer sein, die früher in Neih und Wir müssen uns ruhig eingestehen, daß die geistigen feine eigenen Beute, mehr Disziplin zu zeigen. Einem Redner, Glied mit uns gekämpft, die mit uns gesungen haben: Berheerungen des Krieges noch ebensowenig über- den man nicht gehört habe, fönne man auch nicht widerlegen. Nach ,, Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren, mit wunden sind, wie seine materiellen. Nur langsam und all- längerem Hin und Her zogen die Unabhängigen ihre Forderung­Spick und Schwert nicht fämpfen wir"?! mählich stellt sich das internationale Solidaritätsgefühl einer Bureauwahl zurüd. Genosse Richard Fischer begann dann zwischen den Massen wieder ein. Wir verzagen deshalb nicht, seine Nede; aber er hatte taum einen Satz gesprochen, da setzte denn wir wissen, daß dieser Prozeß unaufhaltsam ist, wenn das Geschrei von neuem ein. Die unabhängigen Gäste zeigten, was wir auch jetzt nur erst schwache Anfänge sehen. Wir werden sie unter Dissiplin" verstehen. Immer wieder versuchte unser alles tun, um ihn zu fördern, wir werden auf das Wieder- Redner durchzubringen, doch immer wieder schrien diese Radau­erwachen der internationalen Gefinnung warten und weder sozialisten ihn nieder. Nachdem dieser Kampf etwa 20 Minuten so Hoffnung noch Geduld verlieren. Solche Szenen, wie die angedauert hatte, brach Genosse Fischer seine Rede ab und der gestrigen, find allerdings nicht angetan, diese Entwicklung Borsigende erklärte die Versammlung für geschlossen. Es war den zu fördern, nicht die Sprengung, sondern nur die Eini- Freiheits"-Selben gelungen, die Versammlung zu sprengen. gung des eigenen Proletariats bringt uns der Verständi- Während ein großer Teil unserer Genossen mit dem Referenten und gung mit dem Proletariat der anderen Länder näher.

Wir fönnen es nicht glauben. Es können nur jene ehemaligen Gelben gewesen sein, die sich jetzt so zahlreich unter den maulradikalen Elementen finden und thren alten Haß gegen die organisierte Arbeiterbewegung jetzt nur in anderer Richtung austoben. Organi­sierte, geschulte Arbeiter, welcher Ansicht und Nichtung fie auch immer sein mögen, hätten sich niemals so aufführen fönnen mie diese Brügelhelden, die in dem Sause der Az­beiterschaft eine Versammlungsschlacht aufführten, wie fie Berlin bis heute noch nicht zu verzeichnen gehabt hat. Wir müssen es offen aussprechen: An dem Tage, welcher der Er­hebung der Herzen und der Weihe zum internationalen Ge­danken dienen follte, hat das Versammlungsleben der Ber­ liner

Arbeiterichaft durch diese brutalen und wohlorganifier. Alle S. p. D.- Versammlungen gesprengt! ten Sprengungen der Ausdrud ist eigentlich viel zu

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Das Berliner Radaumachertum hatte gestern seinen Tag milde, inn diese Gewaltszenen zu charakterisieren einen das heißt, die Unabhängige Sozialdemokratie ließ ihre Anhänger noch nicht dagewesenen Tiefstand erreicht.

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dem Versammlungsleiter den Saal verließen, führten die Unabhän­gigen einen ungeheuren Tumult auf. U. S. P. D. hier bleiben!" tourde von allen Seiten geschrien, und sie setzten dann unter eige­ner Leitung die Versammlung fort. Sicbers machte jetzt den Re­ferenten und hielt eine Reve in unabhängigem Gtil. Ginige der noch in reichlicher Zahl im Saal gebliebenen Mitglieder der S. P. D. wagten, durch Zwischenrufe zu widersprechen. Aber die Unabhän­überall dort los, wo anständige Menschen sich zu ernstem Protest gigen, die vorher gegen unseren Genossen Fischer so getobt hatten, Diese blutige Brügelei wird nun allerdings auf das gegen den Gewaltfrieden versammelten. Die von der sozialdemo- wurden jest mit einem Male sehr empfindlich und drohten mit Ausland einen ungeheuren Eindruck machen, sie wird wahr- fratischen Partei einberufenen Demonstrationsversammlungen Rausschmeißen. Eine Resolution, die Sievers verlas, wurde an­scheinlich das geeignete Mittel fein, um dem deutschen Pro- wurden nach einem offenbar einheitlichen Plan von den genommen unter Stimmenthaltung eines recht erheblichen Teiles. fetariat die Sympathie der Welt zuzuwenden und um die Unabhängigen und dem mit ihnen sympathischen Janhagel ohne der Bersammelten und dann wurde sie geschlossen. Draußen ausländischen Genoffen anzuspornen, für die Befreiung Ausnahme gesprengt. Alle Säle waren schon in frühen Stunden, fetten Straßenredner die Unterhaltung in kleinen Zirkeln fort. Un­dieses Proletariats aus den Ketten des Entente- Imperialis- teilweise bereits um 3 Uhr, von den Nadaubrüdern besetzt. Nur abhängige schimpften auf Regierungsfozialisten, Nostegardisten mus alle Kräfte anzufrannen. Fürwahr, beffer wäre es ge- die unserer Genoffen fonnten in die sehr bald überfüllten Säle usw." und in ähnlichem Geschimpfe warnten Kommunisten vor wefen, man wäre zu Hause geblieben und hätte nicht 3 tommen, die sehr zeitig aufgebrochen waren. Durch die links Haase und seinen Unabhängigen". getan, als sich vor der Welt mit dieser Schande zu radikalen Radaubrüder ist der internationale Demonstrationstag für beleden. Berlin zu einem Tag der Schande geworden.

Unsere Redner vermochten in keinem einzigen Falle ihre Reden zu Ende zu führen.

Die Prachtsäle des Westens" waren schon von 3 Uhr ab von den Unabhängigen und Komma Die Unabhängigen und Kommunisten nisten befest worden, die unter Führung des Vorsitzenden Fabian trifft die Schuld daran, daß der 21. Juli, anstatt ein das Verlangen stellten, daß außer dem Redner der S.P.D. je ein großer Tag in der Geschichte des deutschen Proletariats zu Blutiger Tumult im Gewerkschaftshause. Vertreter der U. S. P. D. und der K. P. D. als Korreferenten be­werden, ein schwarzer Tag der Schande vor der Welt und Die Mehrheit der Versammlung stimmte diesem bor der Internationale geworden ist. Sie werden sich darauf Im Gewerkschaftshause sollte Genosse Suttner das timmt würde. berufen. daß ihre Anhänger durch das Verbot ihrer eigenen Referat halten. Die zahlreichen Unabhängigen und Kommunisten Antrage zu. Es zeigte sich jedoch bald, daß sie nicht gewillt war, Versammlungen unter freiem Simmel erregt gewefen find. verlangten die Leitung der Bersammlung, und als sich die eben unseren Redner anzuhören, obwohl Genosse Lüdemann sich Das wollen wir gern glauben, aber feine Erregung bermag falls start anwesenden Mehrheitssozialisten diesen Terrorismus große Mühe gab. durch Eachlichkeit und Objektivität der Dar­derartige Auftritte zu rechtfertigen. Das ist eben das Un- nicht gefallen lassen wollten, verursachten sie einen unbeschreiblichen stellung der Versammlung einen würdigen Verlauf zu sichern. Die fortgesetzte Unterbrechung zahlloser unqualifizierter glück. daß die Unabhängigen und Kommunisten nicht3 Tumult. Vergebens juchte der Referent den Aufgeregten flar zu kennen als ihr Parteiinteresse, und daß ihnen machen, daß dieser Tag der denkbar ungeeignetste sei, um der 8 wischenrufe machten schließlich die Fortführung der Ver­Bolts- und Weltinteressen dagegen vollkommen Welt anstatt des Anblids der Einigkeit des Proletariats das Schau- fammlung unmöglich und nötigten dazu, die Versammlung um gleichgültig sind. spiel des Bruderkrieges und der Berfleischung zu geben Geine 6% Uhr zu schließen. Batenhofer Brauerei. Das baben sie ja schon mit dem ganzen Arrange- Worte gingen im Tumult unter. Als die Bersammlungsleitung ment ibrer Demonstration und des Streifs bewiesen. Bei darauf erklärte, die Bersammlung zu vertagen, bis die Nuhe wieder Der Raum war größtenteils von Unabhängigen und Kom­ibrem gesamten Vorgeben mor es ihnen in erster Linie um hergestellt fei, griffen die Unabhängigen und Kommunisten zu an- munisten angefüllt. Als der Leiter der Versammlung bei Gröff den Rampf gegen die Regierung zu tun, nidit um deren Mitteln. Mit Stöden, Stühlen und Tischen begannen fie nung fagte: Ich erteile hiermit dem Genossen Brüdner das Wort," den Kampf gegen den das deutsche Proletariat erbroffelnden eine allgemeine Schlägerei. Gegen die Bühne, auf der außer dem wurde der Zwischenruf gemacht: Nur die Wahrheit gesagt!" Frieden. Sie haben es deutlich gernug ausgesprochen, und Vorstand auch zahlreiche Zuhörer Blak genommen hatten, wurde Darauf wollte der Referent erwidern, wurde aber durch Schreien diefer Bedanke hat ihr ganzes Vorgeben geleitet. Eine Un- ein wahres Trommelfener mit Biergläfern ufw. eröffnet, durch das und Johlen am Sprechen gehindert. Es entstand eine wilde Schrei­terstützung des Weltproletariats, namentlich des Proletariats zahlreiche Personen mehr oder minder schwer verlegt wurden, dar- erei, infolge der vielen Hoch- und Niederrufe tonnte man überhaupt der Ententeländer in seinem Kampf gegen die imperialisti- unter auch der Referent. Plöblich ertönten in dem allgemeinen tein Wort mehr verstehen. Der Referent bemühte sich nochmals,