Einzelbild herunterladen
 

Nr.392 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 59

Bezugspreis:

Berteljährl. 30,-t, monati.10,- fret ins Haus, voraus zahlbar. Bost bezug: Monatlich 10,- Mt, erfl. 8u stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich 16,50 ML, für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21 50 M. Roftbe. ftellungen nehmen an Desterreich, Ungarn , Tschecho Glowatei, Däne­mart, Holland , uremburg, Schweden und die Schweiz - Eingetragen in die Boft- Zeitungs- Breislifte. Der Vorwärts " mit der Sonntags beilage Bolt u. 8eit" erscheint wochen täglich zweimal. Sonntags und Mon­tags einmal.

Telegramm- Adresse:

Sozialdemokrat Berlin ".

Morgen- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

30 Pfennig

Anzeigenpreis:

Die achtgespaltene Nonpareillegeile tofte: 3.-M., Teuerungszuschlag 50% Aleine Anzeigen", Das jett. gedruckte Wort 1- M.( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 60 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erfte Wort 65 Bfg jedes weitere Wort 40 Pfg. Borte über 16 Buchstaben zählen für wei Borte. Teuerungszufchlan 50% Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 2, M., politische und ge­wertschaftliche Bereins Anzeigen 3. Mt. die geile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 5 2hr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. freaße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3.

Ferniprecher: Amt Morisplas, Nr. 15190-15197.

Sonnabend, den 7. August 1920

Neue Boulogner Konferenz.

London , 6. Auguft. Morning Post" meldet aus| Vorgängerin verantwortlich und auch die Ankündigung der Paris , in wenigen Tagen werde in Boulogne eine neue Kon- Unabhängigkeit und günstiger Grenzen unterscheidet sich ferenz stattfinden. Millerand und Lloyd George werden über einigermaßen von dem Tun der Sieger über die einstigen die Haltung der Sowjetregierung und insbesondere über Mittelmächte nicht wahr? Man wird ja sehen, ob die En deren Beziehungen zu Deutschland beraten.

Dunkel ist der Rede Sinn. Das flingt ja, als ob der Schwindel vom deutschrussischen Geheimvertrag aufnebauscht werden sollte.

Rußlands Antwort,

tente angesichts dieser ho chanständigen Erklärung Tschitscherins die Gelegenheit zum Friedensschluß, die sie durch die Anwesenheit der Bevollmächtigten Krassin und Ka­ menew in London hat, wahrnehmen oder ob Lloyd George so verblendet sein wird, die beiden Delegierten hinauszu­schmeißen, die neue Blockadedrohung gegen Rußlands halb­verhungerte Städtebewohner wahrzumachen und überhaupt Europa in völligen Ruin zu stürzen.

B

Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernbrecher: Amt Moritplass, Nr. 117 53-51.

Den Manen des Alten".

Zum 7. Auguft.

Ein zwviefaches Jdeal hat mir von Jugend an vorgeschwebt: das freie und einige Deutsch­ land und die Emanzipation des arbeitenden Volles, das heißt die Abschaffung der Klassen. Herrschaft, was gleich bedeutend ist mit der Befreiung der Menschheit. Für dieses Doppelziel habe ich nach besten Kräften gefämpft, und für dieses Doppelziel werde ich lämpfen, solange noch ein Hauch in mir ist. Das will die Pflicht!

Wilhelm Liebknecht ( Leipziger Homverrateprozeß). London , 6. August. ( W.T.B.) Die Antwort der Sowjetregierung ist hier eingetroffen. In der Antwort­,, Haben Sie schon gehört, daß Herr Liebknecht ge­note wird, wie verlautet, gesagt, die Bolschewisten könnten im Die polnische Abordnung dürfte bereits in Minst storben ist?" Gin Aufseher fragte mich's, und er wußte Augenblickt ihre Operationen gegen Polen nicht auf- fein. Der polnische Botschafter in Washington hat um sicher auch ohne Antwort, daß die Kunde noch nicht zu mir geben. Sie seien der Anficht, daß sowohl aus militärischen Hilfe gebeten- Horthy - Ungarn natürlich hat solche in die Einzelhaft des Bellengefängnisses gedrungen war, wo als auch rechtlichen Gründen der Vormarsch gerecht angeboten. Wenn es überhaupt Truppen gibt, denen wir die ich im August 1900 meine parteijournalistischen Bürgerrechte fertigt sei. Sie erklärten sich bereit, die Verhandlungen Verstridung in die Niederlage gönnen, dann sind es wahr erfigen mußte. In der vertraulichen Frage des Beamten über einen Waffenstillstand und den Friedensvertraglich diese; nur werden die Herren föniglich ungarischen" lag gleichzeitig die verbotene Mitteilung. Ihr Inhalt be­aufzunehmen, sobald polnische Delegierte in Minst ein- Mordoffiziere wohl vorziehen, über unbewaffnete Arbeiter deutete für die Parteigenossen von damals einen furchtbaren getroffen seien und sobald sie den Beweis dafür hätten, daß und Juden daheim weiterzufiegen. Die Bolen melden Schlag. Und gleich mir Einzelnem hinter den schwedischen diefe Delegation die erforderlichen Vollmachten besike, um über zwar örtlich erfolgreiche Gegenangriffe, müssen aber auch Gardinen empfingen draußen in der preußisch- deutschen den Frieden zu verhandeln. Die Sowjetregierung erklärt sich weitere Rückzüge zugeben. General Malcolm, der englische Freiheit Millionen mit gleichem inneren Erbeben die Trauer­außerdem bereit, die volle Unabhängigkeit Polens Militärrefident in Berlin , berichtet jetzt in London über seine funde: Der Alte", Wilhelm Liebknecht ist nicht mehr!" zu garantieren und Polen günstige Grenzen zu polnischen Eindrücke. Wilhelm Liebknecht ! Eine Generation ist herange­gewähren. Die Sowjetregierung wolle mit Bolen über einen Sowjetrußland hat inzwischen weitere Entlastung erwachsen., die nur vom Hörensagen noch den Alten" kennt, Separatfrieden verhandeln. Die Sowjetregierung erfahren: Ostsibirien ist von den Japanern geräumt und der sein unmittelbares Wirken nur als eine Stunde aus ver­Märt ferner, daß Krassin und Kamene w Bollmachten in Mesopotamien wurden etwa drei britische Kompagnien hätten, den Frieden( mit der Entente offenbar! Red.) abzu vernichtet. Wenn England Truppen übrig hat, wird es sie schließen. Die Sowjetregierung weigert sich jedoch, den Ver- wohl für Afien brauchen. tretern der Randstaaten Zutritt zu den Friedensverhand­Inngen zu geftatten.

Hiernach macht die Sowjetregierung nicht das polnische Bolt unter seiner neuen Regierung für deren imperialistische

Die Nachricht von einem französischen Truppentransport­befehl an die Stattowizer Eisenbahndirektion wird durch W. T. B. dementiert. Wir haben schon gestern fühle Ruhe empfohlen.

Italien brandmarkt das Friedensdiktat. und mit den Besiegten bezüglich der Anwendung des Vertrages

Und schluckt e8.

Rom , 6. Auguft.( Stefani.) Die Nammer wird die Be­sprechung des Vertrages von St. Germain beginnen. Der Bericht des Ausschusses fordert die hammer auf, den Vertrag zu rati­fizieren, denn eine Verzögerung oder gar eine Nichtannahme würde die Erfüllung und Anerkennung der gerechten italienischen Bestrebungen hinausschieben. Die Kommission glaube nicht, daß der Vertrag ton St. Germain, der übrigens

ein Abbild des Versailler Vertrages

feiten könnten.

Graf Sforza erklärte, die italienische Bevölkerung an der oberen Etsch und im Trentino würde endlich alle Rechte und Pflichten ihrer Zugehörigkeit zum Königreich übernehmen; die deutsche Bevölkerung, die im Laufe der Jahrhunderte die Alpen überstiegen hätte, würde ihre Sprache, ihre Ansichten und ihre be sonderen Interessen völlig gewährleistet sehen.

Zur russisch - polnischen Frage berichtete Graf Sforza, er habe in Spa den Polen zum Frieden mit Rußland geraten. Der Vorstoß Polens gegen Kiem sei ein Irrtum gewesen. Trotz des jei, die Ursachen zukünftiger 3wiste oder den Anlaß zu zukünftigen Ausdehnungsdranges Rußlands , der die Staatsumwälzung über. Ariegen beseitige, denn lebt habe, müsse man hoffen, daß die Sowjetregierung ihr eigenes Interesse an einem ehrenvollen Frieden mit Polen einsehen werde. Italien wünsche einen baldigen Friedensschluß und die ge­sicherte Unabhängigkeit Polens , dessen Wiederauferstehen einer der Lichtpunkte des Versailler Vertrages sei.

dieser Frieden gebe der Welt nicht die Rauhe,

die Europa notwendig sei, um zu fruchtbarer Arbeit zurückzukeh­ren und die Wunden des Krieges zu heilen. Der Bericht hebt her­vor, daß die Bedingungen, welche Leuten eine Strafe auferlegen, die Hinsichtlich der neuen Gebiete. die annektiert werden sollen uz den Gesezen ihrer Nation gehorchten, eine Strafe, die durch feinerlei Geseb vorgesehen ist, nur dazu dienen können, den Haß( Tirol bis zum Brenner usw. Red.), schlägt der Ausschuß zwei zu nähren. Hinsichtlich der Wiedergutmachungen und der finan-| Tagesordnungen vor: die eine fordert die Regierung auf, baldigit ziellen und wirtschaftlichen Bedingungen betont der Bericht, daß Wahlen in diesen Gebieten vorzunehmen, damit die gesetzmäßigen vor Aufstellung dieser Bedingungen die Möglichkeit ihrer Ausfüh- Vertreter ihrer Bevölkerungen mit der Regierung zufammen dar­rung durch Desterreich hätte geprüft werden sollen. Der Bericht fährt fort: Jett find alle einig in der Erkenntnis, daß es Deutsch Oesterreich unmöglich ist, überhaupt irgend etwas zu bezahlen, und Stalien müßte sogar mit vorbildlicher großartiger Hochherzigkeit für die Ernährung der österreichischen Bevölkerung sorgen. Der Ausschuß betont dann

bie ungerechtigkeit des Artifels 88

an arbeiten können, die örtliche Gesetzgebung mit der des König­reiches in Uebereinstimmung zu bringen; die zweite Tagesordnung schlägt Amnestien vor, entsprechend den im Königreich verkündeten.

schollener Welt herübertönt. Probleme und Kämpfe der Gegenwart sind zweifellos anders geartet, als am 7. Auguſt 1900, da Wilhelm Liebknecht die Augen schloß. Aber für jeden, der in den politischen und sozialen Fragen des Tages nur Glieder in einer langen Reihe von weithin wir­tenden Ursachen zu sehen gewöhnt ist, bleibt die Vergangen­heit eine Lehrerin für Gegenwart und Zukunft. Deshalb ziemt es sich, daß wir heute, da, sich sein Todestag. zum zwanzigsten Male jährt, ein Wort, des Gedenkens jagen dem Mitbegründer und Führer der deutschen Sozialdemokratie, dem nimmermüden und nimmer rastenden Streiter für die Befreiung der Menschheit aus der kapitalistischen Unfreiheit.

In den Spalten dieses Blattes hat Wilhelm Liebknecht manchen scharf geschliffenen Auffaz veröffentlicht, manches. umstrittene Wort niedergelegt, aber immer begeistert für die große Sache, der er sein Leben gewidmet hatte. Zehn Jahre lang, seitdem das Berliner Volksblatt" nach dem Fall des Sozialistengesetzes unter dem Namen ,, Vorwärts " zum Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei umgestaltet war, hat er als Chefredakteur dieses Zentralorgans gewirft. So war er auf das engste mit dem Vorwärts" selbst be.­fnüpft bis zu seinem Tode. Buchstäblich genommen. Denn noch am Abend des 6. August hatte er an einer Sigung teil­genommen, war in alter Kampfesfreude aus dieser Sigung geschieden mit den mahmenden Worten: Niemals in der De­fensive, immer in der Offensive!" In der Nacht war er ohne Kampf entschlafen.

War er also troß seiner 74 Jahre bis zu allerlegt im Dienste der Partei und ihrer Breise tätig, so gab er damit ein leuchtendes Vorbild der Pflichterfüllung nicht nur für die Genossen seiner Tage, sondern auch für diejenigen, die nach ihm leben und nur selten von ihm hören. Der Name Wilhelm Riebknecht gehört der Geschichte der deutschen Arbeterklofis. Tem jungen Studenten aus der Sickener Beamtenfamilie, als welcher er einst in die Welt zog. um sich das Land der Freiheit Auch Belgien kein Landsknecht . zu suchen, ist der unermüdliche Agitator, der ewig fampfbereite Paris , 6. August .( WTV.) Vandervelde erklärte einem Vorfämpfer der Arbeiteremanzipation gefolgt. In fast allen Vertreter des Echo de Paris" in Genf , er set mit den Mitgliedern Ländern des Kontinents war er daheim. Und so Großes er des Vertrages, welcher Desterreich verbietet, sich mit Deutschland ber belgischen Regierung über die Notwendigkeit eines Abkommens an Arbeit und Opferkraft in Deutschland geleistet, so bekannt, zu vereinigen. Dieses Verbot sei eine Gefahr und ein Schaden zwischen Belgien und Frankreich und, wenn möglich, auch England geachtet, geehrt war Wilhelm Liebknecht in der sozialisti für die italienischen Interessen und eine offenfundige Ungerechtig einig. Aber im Einverständnis mit der belgischen Arbeiterparteichen Internationale. Angesichts der eben beendeten feit. Der Ausschuß weist ferner auf die außerordentliche Tatsache sei er jeder Allianz feindlich gesinnt, die Belgien niederdrückende Genfer Tagung der sogenannten Zweiten Internationale darf bin, daß der Vertrag als vertragsabschließende Partei die aus der militärische Lasten auferlege, die nur die imperialistische und besonders daran erinnert werden, daß Wilhelm Liebknecht zu Auflösung Oesterreich - Ungarns hervorgegangenen Staaten betrach nationalistische Politik begünstigen könne und der Wiederherstellung ihren Mitbegründern und zu ihren bedeutendsten Führern ge­hörte. Er war eigentlich noch ein rechter Internationaler der tet, die so ganz anders behandelt würden als Deutsch- Defterreich, des wirklichen Friedens in Europa Hindernisse bereite. als wenn sie an dem Kriege nicht in demselben Maße wie letzteres Camille Huysmans erklärte, Frankreich sei in diesem Augenbld alten Beit: in Frankreich , in Belgien , in der Schweiz und teilgenommen hätten, während andere Staaten wie Montenegro su reaktionär, als daß es wünschenswert erscheine, daß das foziali- talien, in Desterreich und England gleicherweise zuhause. gar nicht zur Stonferenz zugelaffen wurden. Der Bericht weist stische und demokratische Belgien sich mit ihm alliere, und außerdem Satte ihn schon früh die Konterrevolution von 1849 ins Gril darauf hin, daß der Vertrag einen beträchtlichen Teil der italie wolle er nicht, daß sein Land dem linken Flügel des Marschall Foch nischen Grenze noch unbestimmt läßt, und betont außerdem den Gegensatz zwischen den Grundsägen, die durch feierliche Erklärungen bekräftigt

als Glacis diene.

Da wird sich ja der Scho- de- Paris "-Mann Herzlichst bedankt haben! Das Türkeidiktat.

wurden, welche die Grundlage des Friedens bilden sollten einerseite, und den wirklichen Vertragsbedingungen Paris , 6. August .( T. 11.) Die Hinausziehung der Unterzeich andererseits. Der Bericht preist die Mitaufnahme des Völkerbund- nung des türkischen Friedensvertrages ist auf eine Forderung bertrages und des grundlegenden Teils der internationalen Ar- Italiens zurückzuführen, Italien will Griechenland zur Zu beitsorganisation. Der Bericht erklärt, der Ausschuß habe den stimmung der Annektierung der griechischen Insel Rhodos Bertrag nicht im einzelnen prüfen wollen, denn es sei doch keine zwingen. Da die Alliierten zurzeit von der polnischen Frage Abänderung mehr möglich, aber er hoffe, daß seine Bemerkungen in Anspruch genommen find, find sie nicht in der Lage, die grie und die von den Boltsvertretern feierlich bekundete Meinung die ifchen Intereffen gegenüber Jtalien wahrzunehmen. Beniselos Regierung in ihren weiteren Beziehungen mit den Verbündeten lift in Bondon eingetroffen.

-

getrieben, so fand er zunächst in der Schweiz , später in London eine Freistatt . Deswegen behielt er bis an sein Ende eine starke Neigung für das England, das ihn gaftlich aufgenommen hatte, als er von seinem Vaterlande vertrieben war. Aber er war nichtsdestoweniger ein Deutscher, der seine Heimat liebte wie nur irgend etwas auf der Welt und gerade deshalb unerschrocken und nie ermattet fämpfte, um auch diefem Deutschland einen Strahl der politischen Freiheit zu verschaffen, die er in England fennen gelernt. Seine Rede im Leipziger Sochverratsprozeß von 1872, aus der wir oben zwei Säke wiedergeben, zeugt in stärkster Weise gerade für sein deutsches Empfinden, von seinem Streben für das große, freie, einige Deutschland . Das um so stärker, als er mit Bebel und Hepner gerade damals unter der Anklage des Hochverrats