Wirtschaft Dke Stillegungsaktion der Kaliinöuftrke. Die Ueberproduktion an Kali hat bekanntlich die Forderung nach der Sozialisierung der Kaliindustrie in verstärktem Maße wach- gerufen. Die Sozialisierungskommission hat dazu ihre Vorschläge ausgearbeitet. Beide Richtungen waren sich darüber einig, daß eine gesunde Produktionsgrundlage nur gefunden werden kann, wenn ein erheblicher Teil der aus kurzsichtiger privatkapitalistischer Speku» lation geschaffenen Anlagen stillgelegt und die gesamte Kali- erzeugung den am wirtschaftlichsten arbeitenden Werken überlassen wird. Diese sogenannte Oekonomisierung sollte, das war der Wunsch aller beteiligten Kreise, so rasch als möglich erfolgen. Worüber jedoch die Meinung auseinanderging, das war die Frage, in welcher Weise die Besitzer der stillgelegten Werke e n t- schädigt werden sollten. Nun hat die Reichsregierung dem Reichsrat einen Vortrag zugestellt, in dem sie ganz, den Standpunkt der Unternehmer einnimmt, halbamtlich wird hierüber mitgeteilt: Dem Neichsrat ist eine umfangreiche Verordnung betreffend Ab- Lnderung der Vorschriften zur Durchführung des Gesetzes über die Regelung der Kaliwirtschaft vom 18. Juli 1919 zugegangen. Die wichtigste Bestimmung ist die über die Stillegung von Kali- s ch ä ch t e n Da noch dem Minderabsatz in den ersten fünf Mo- natcn ein ungünstiges Jahresergebnis zu erwarte« ist, und da der ständig steigende Wettbewerb der elsässischen Kaliwerke ein weiteres Zurückweichen der Auslondserlöse wahrscheinlich macht, da serner die Einführung technisch«! Neuerungen auf den Kaliwerken durch die gegenwärtigen Preise für Neueinrichtungen erschwert wird, erscheint nach dem übereinstimmenden Urteil der aus den Kreisen der Arbeit- geber, Angestellten und Arbeitnehmer gehörten Sachverständigen eine weitgehende Zusammenlegung der Betriebe zur herabminderung der Gestehungs- und Gcneralkosten dringend ge- boten. Nachdem die in der Kaliindustrie gebildeten Konzerne sich be- reits eine große Anzahl von. Kalischächten zwecks Stillegung ange- gliedert haben, ist in erster Linie eine freiwillige Stillegung vor- gesehen. Diese herbeizuführen, dient die Bestimmung, nach der den Besitzern von Kalischächten, die sich zu einer Stillegung bis zum 31. Dezember 1953 verpflichten, die Beteiligung an dem Gesamt- absah verbleibt. Eine freiwillige Einstellung' des Schachtabteufens soll dadurch gefördert werden, daß Besitzern von Schächten, deren Verhältnisse nach Maßgabe der Lagerungsverhältnisie und nach den aufgewendeten und noch aufzuwendenden Kosten oder der erreichten Teufe die Fertigstellung mit Sicherheit erwarten lassen, die Mög- lichkeit einer Beteiligung gegeben ist. Für den Fall, daß die freiwillige Stillegung nicht oder, nicht ausreichend zum Ziele führen sollte, ist auch eine zwangsweise Stillegung vorgesehen. Zur Sicherung der Rechte der Besitzer der stillzulegenden Schächte und Werke besteht eine weitgehende Mit- Wirkung der Kaliprüfurgsstelle und als Berufungsinstanz der Kali- berufungsstelle. Das Abteufen von Schächten, welche noch keine vorläufige oder endgültige Beteiligungsziffer haben, und die Aus- führung örtlicher Vorarbeiten, sowie die Fortsetzung des Abteufens solcher Schächte ist bis zum 31. Dezember 1921 verboten. Wird ein Kaliwerk aus irgendeinem Grunde lieferungsunfähig, so ent- scheidet der Reichskalirot darüber, ob das Werk einen neuen Schacht abteufen oder einen stillgelegten wieder in Betrieb setzen darf. Kali- werkbesitzer und Besitzer von Sonderfabriken dürfen den ihnen zu- stehenden Anteil am Absatz ganz oder teilweise auf andere Kaliwerke und Sonderfabriten, die Befugnis zum Absatz einzelner Sorten wechselseitig untereinander übertragen. Die Kalibesitzer sollen also das Recht erhalten, ihre Beteili- gung dem Gesamtumsatz zu übertragen und die Zinslast dafür den weiterarbeitenden Betrieben aufzuhalsen. Sehr richtig bemerkte die Sozialisierungskommission in ihrem Vorschlag 2, den die gewerkschaftlichen Arbeitnehmer unterzeichnet hatten, zu dieser Frage: „Diese Löfimg bedeutet, daß die K a l i i n d u st r i e dauernd mit der Verzinsung der volkswirtschaftlich unnütz aufgewandten Kapitalanlagen belastet wurde. Selbst vom kapitalistischen Standpunkt aus wäre es richtiger, statt dieses in Wirklichkeit unproduktive Kapital ständig in vollem Ausmaße an den Erträgnissen der Industrie teilnehmen zu lassen, den Eigen- tümern nur die wirklich aufgewandten Kosten zu er- setzen und sie damit ein für allemal abzufinden." Auch die freigewerkschaftlichen Arbeitnehmer hatten, um die Durchführung der Stillegungsaktion nicht zu ver- zögern, Antröge eingebracht, die an Stelle der Quotenbeteiligung| eine e i n in a l t g e Entschädigung fordern. Die Reichsregie- rung ist offenbar an diesen Vorschlägen achtlos vorübergegangen. Wird aber die Quotenübertragung zugelassen, so bleibt die Kali- industrie weiter eine Gewinnquelle der Spekulanten, denen für ihre
verfehlte Spekulakion noch obendrein mit Reichshllfe große Gewinne zugeschanzt werden. Denn der Zweck der Stillegungs- vorläge ist es ja, die Produktion zu st e i g e r n. An den ge- steigerten Erträgnissen aber soll das arbeitende Werk nicht mehr teilnehmen wie der Besitzer von Anteilen an Kaliwerken, die durch die wirtschaftliche Entwicklung gänzlich wertlos geworden sind. Es wird Aufgabe unserer Genossen im Reichstag fein, eine solche Regelung zu verhindern, die den Interessen der Volksgemeinschaft widerspricht. Welkere Skelgerung des Notenumlaufs. Nach dem letzten Reichs- bankausweis hat der Notenumlauf wieder zugenommen. Er ist um 263,8 Millionen Mark auf 77 654,7 Millionen Mark gestiegen. Der Umlauf an Darlehnskasscnscheinen zeigt demgegenüber einen ge- ringen Rückgang um 81,2 Mill. M. auf 8277,1 Mill. M. Insgesamt sind 182,6 Mill. M. an beiden Geldzeichen neu in den Verkehr gegeben worden, während in der Vergleichszeit des Vorjahres für 254 Mill. Mark Geldzeichen eingezogen wurden. Am 6. August d. I. lief dem- nach Papiergeld im Werte von 85,9 Milliarden Mark um. Erfolge der sozialen Baubetriebe. Das Anwachsen der Auf- träge bei der„Bauhütte Breslau", Soziale Vaugesellschaft m. b. S).y veranlaßte dieses genossenschaftliche ilnternehmen zu dem Be- schluß, das Geschäftskapital von 209 000 auf 350 000 M. zu erhöhen. Die Genossenschaft hat sich bisher gut entwickelt, es stehen ihr neuerdings Aufträge von über 1% Millionen Mark in Aussicht. Wie das Verbondsorgan„Die Soziale Bauwirt- s ch a f t" mitteilt, kann die Bauhütte Breslau mit ihrem bisherigen Umsatz von zirka 600 000 M., einem Auftragsbestande von 350000 Mark und einem Arbeitspersonalbestande von 90 Personen auf ein erfolgreiches halbes Geschäftsjahr zurückblicken. Der innere Aufbau und die Beschaffung der notwendigen Materialien und Gerätevorräte sind soweit vorgeschritten, daß die Bauhütte Breslau auf dem Ge- biet des gemeinnützigen Wohnungsbauwesens in Schlesien , besonders in Breslau , in Zukunft einen beachtenswerten und für das Gemein- wohl bedeutsamen Faktor darstellen wird.— Gute Erfolge verzeichnet auch der Geschäftsbericht der Sozialen Bauhütte Weimar für das erste am 31. Dezember 1920 vollendete Geschäftsjahr. Diese Ge- nossenschaft konnte von Anfang an alle Genossen beschäftigen: bald überstieg die Zahl der Beschäftigten den Mitgliederbestand. Der Erfolg der Bauhütte Weimar ist um so bemerkenswerter, als dort weder Stadt noch Staat noch Reich an dem Unternehmen beteiligt sind und daß sie sich erst in freier Konkurrenz wie jeder andere Bauunternehmer durchsetzen mußte. Das gelang ihr haupssächlich durch ihre billigen Angebote, die jedoch nicht durch Schleuderpreise gemacht wurden. In der kurzen Berichtszeit hatte die Bauhütte Weimar dem Stadtsäckel 222 407 M. dadurch erspart, daß sie mit den von ihr geforderten Preisen hinter den entsprechenden Angeboten der Unternehmer zurückblieb: das alles, obwohl vollwertige Arbeit geleistet und höchste Tariflöhne gezahlt wurden. Zusammenwirken von Erzeuger- und Berbrauchergenossen- schaften. Zwischen dem Zentralvcrbande der Landwirtschaftlichen Genossenschaften Sachsens , der Großeinkaufsgesell- schaft und dem Verbände sächsischer Konsumvereine haben, so be- richtet die„Konsumgenossenschaftl. Rundschau", kürzlich Beratungen stattgefunden, die die direkte Belieferung der Verbraucher mit Er- Zeugnissen der Landwirtschaftlichen Genossenschaften, namentlich cherbstknrtoffcln, zur Grundlage hatten. Soweit die Landwirtschaft- lichen Genossenschaften Sachsens in der Lage sind, werden sie ihre Kartoffeln den Konsumvereinen anbieten, um dazu beizutragen, daß der Weg von der Erzeugung zum Verbrauch unter Ausschaltung aller unnötigen Zwischenglieder ein möglichst kurzer ist. Aufhebung der Höchstpreise für Bier. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Nachdem die Brauereien die Braugerste nicht mehr zugeteilt erhalten, sondern sie im freien Handels beschaffen müssen, erschien es angezeigt, die Höchstpreise, die noch für Einfach- bier und für Vollbier mit einem Slammwürzegehalt bis zu 10 Proz. bestanden, aufzuheben. Das erfolgt am 16. August 1921. Als einzige Beschränkung, der die Brauereien noch mit Rücksicht auf die Ernährungswirtschaft unterworfen sind, bleibt da? Verbot der- Herstellung von Starlbier bestehen. ver Nledergaug der russischen Zuckerinduskrie. In der Ukraine dem Lande größter Möglichkeiten für den Anbau von Zuckerrüben. hatte man gehofft, die Z u ck e r i n d u st r i e in diesem Jahre wieder etwa« heben zu können. Nunmehr wird amtlich gemeldet, daß fast d»e Hälfte der Nübenfelder in der Ukraine durch tierische Schäd- linge vernichtet worden sind. Da im übrigen Sowjet- Rußland nur ganz geringfügiger Anbau statisindeu könnte, wird die dies- malig« Zuckererzeugung für ganz Rußland amtlich auf knapp 21/, Millionen Zentner geschätzt. Dieser geringfügigen Menge stand im Vetriebsjahre 1914/15 in Rußland (einschließlich der jetzt abgespaltenen, aber für die Zuckererzeugung nicht gerade besonders ins Gewicht fallenden Gebtete) eine Zuckererzeugung von nicht weniger als rund S9fiz Millionen Zentner gegenüber.
Sozkales.
Mehr Ehen, mehr Sterbefälle und weniger Geburten. Die jetzt der Oeffentlichkeit übergeben« statistische Zusammen- stellung über die Zahl der Eheschließungen, Sterbefälle und Ge« burten im�Jahre 1920 und der entsprechenden Vergleichszahl des Jahres 191S ergibt eine rapide Zunahme der Heiraten, eine Steigerung der Sterbefälle und eine Abnahme der Geburtsziffern. Im Jahre 1913 entfielen auf 1000 Ein- wohner 7,7 Eheschließungen ,m Deutschen Reiche, im Jahre 1920 aber 14,8, also beinahe die doppelte Zahl. An Sterbefällen wurden im Jahre 1913 16,8 auf je 1000 Einwohner gezählt, im Jahre 1920 aber 16,3. Dagegen sind die Geburten von 28.6 pro Tausend Ein- wohner im Jahre 1913 auf 27,1 im Jahre 1920 gesunken. Be- trachtet man eine graphische Darstellung der Eheschließungen, Ge- burten und Sterbesälle für die Jahre 1913 und 1920, so findet man ein Sinken der Zahl der Eheschließungen bis zum Jahre 1915, wo auf 1000 Einwohner nur etwas mehr als vier Heiraten ent- fielen. Bis zum Jahre 1916 blieb diese Zahl gleich, dann erfolgte das langsame Ansteigen bis auf 6,4 im Jahre 1913 und vom Jahre 1918 ab ein stürmisches Anschwellen der Heiraten bis zum Jahre 1920. Bei den Sterbefällen ist eine umgekehrte Linie sichtbar. Die Zahl der Sterbefälle ist von 1913 bis zum Jahre 1913 bis zum Jahre 1915 gewachsen, dann im Jahre 1916 wieder etwas zu- rückgegangen, um schließlich im Jahre 1918 mit 24,6 Todes- fällen pro 1000 Einwohner die höchste Steigerung zu erreichen. Im Jahre 1919 sank die Sterbeziffer dann auf die Höhe der Ziffer von 1913, um im Laufe des Jahres 1920 wieder darüber hinaus zu wachstn. Die niedrigste Geburtsziffer seit 1918 wurde im Jahre 1917 mit reichlich 14 pro 1000 Einwohner erreicht. Bon da an datiert die Vermehrung._ Zum Zublläum eines katholischen Marxisten. Sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum begeht am 12. August d. I. der in weiten sozialistischen Kreisen bekannte em. Pfarrer Dr. Wilhelm Hohoff in Paderborn . Die Kulturkampfzeit oerbrachte er auf Schloß Hüffe, woselbst er 15 Jahr« Schloßkaplan war. In diesen Iahren verfaßte Bebel die Broschüre: Christentum und Sozialismus, eine Streitschrift gegen Hohoff . Hohoffs Hauptarbeit liegt auf volkswirtschaftlichem Gebiet«. Die ersten größeren Werke: Protestantismus und Sozialismus, Pader- born 1881, und die Revolution fett dem 16. Jahrhundert, Frei- bürg 1887, lassen schon deutlich den Dolkswirtschaftler erkennen, da sie den Einfluß der Reformation auf die neue kapitalistische Ent- Wicklung untersuchen. Was H. damals über die Entstehung der nihilistischen und anarchistischen Ideen geschrieben hat, verdient auch heute noch unsere volle Beachtung. In seinen folgenden Arbeiten ist Ar auf das Gebiet der Nationalökonomie übergegangen. Am meisten ist H. bekannt als Marx kenn er. Mit scharfem, klarem, vorurteilslosem Blick ist er dem größten Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus in feinen schwierigen Gedanken- gängen gefolgt. Besonders gilt feine Arbeit der Erforschung des modernen Kapitalismus, dessen Gegensatz zu Vernunft und Christen- tum er freimütig in Wort und Schrift hervorhebt. Bei dieser Ge- legenheit können wir uns nur die Worte des verstorbenen Gustav Eckstein zu eigen machen, der in der Besprechung seines Werkes über die Kapitalkritit 1903 im„Vorwärts" sagt:„Katholischer Priester nicht nUr im Kleide, sondern auch im Herzen", und eben- falls, was Karski in der„Neuen Zeit" 1908 erklärt, daß man feine Werke lese mit einem wirklichen Genuß, denn es sind Bücher eines mutigen und aufrichtigen Streiters für den Sozialismus. Wir können nur wünschen und mit Recht hoffen, daß ihm noch viele er- folgreiche Schaffensjahre in der bisherigen Weise befchieden sein mögen._ Neue Vorschriften für die Ausbildung iu der Lronkenpflege hat der Minister für Volkswohlfahrt herausgegeben. Durch sie wird die bisher einjährige Ausbildung auf zwei Jahre ausgedehnt, um eine vertiefte Schulung der Krankenpflegepersonen zu erzielen. Zu diesem Zwecke sind weiter besondere Bestimmungen über auS- reichende theoretische Unterweisung getroffen, die darauf abzielen, daß der Unterricht überall mit der gebotenen Gründlichkeil und von geeigneten Personen erteilt wird. Der Ausbildungsplan und dementsprechend die Prüfungsgegenstände bleiben im allgemeinen dieselben wie bisher, doch soll den ansteckenden Krankheiten, der Tuberkulose und den Geschlechtskrankheiten, vermehrte Aufmerksam« keit zugewendet werden. Entsprechend der vor einiger Zeit er- gangenen neuen DeSinfektionSanweisung soll ferner die Bedeutung der Desinfektion am Krankenbett und der Schlußdesinfektion aus- reichend gelehrt werden; auch Säugling»- und Kleinkinderpflege sind mehr wie bisher zu berücksichtigen. In den P r ü f u n g s- a u S s ch ü s s e n sollen fortan stets zwei praktische Aerzte sitzen. In AuSficht genommen sind ferner FortbildungSlehrgängs in Zeitabständen von etwa fünf Jahren. ES soll erreicht werden. daß in den Krankenanstalten tunlichst nur noch vorschriftsmäßig ausgebildetes Personal beschäftigt wird.
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