Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 
  

Besonders in Bayern

*

Reichswehr bedarf in jedem Falle der vorherigen Genehmi- 1 Fäusten auf den Tisch des Hauses. Der Präsident Mt nicht in der Lage, die Ruhe wiederherzustellen und unterbricht die Sthung tommt diefer Charakter der Regimentsfeiern sehr scharf zum Aus- gung des Reichswehrministers. Fast durchweg sind brud, Borkommnisse in München , Erlangen und Passau , auf die der die Gedenkfeiern einwandfrei verlaufen. auf eine Viertelstunde. Erst ganz allmählich legt sich der Lärm, Redner näher eingeht, beweisen das zur Genüge. Ein Oberst hat wo Verstöße gegen die Richtlinien des Reichswehrministeriums während die Abgeordneten in erregten Gruppen im Saale beiein­ander bleiben.) die Teilnahme an einer Trauerfeier für Rathenau abgelehnt festgestellt worden sind, ist sofort eingeschritten worden. Die Regi­meil neun Zehntel seiner Leute Monarchisten seien. Der Komman- mentsfeiern follen ein Mittel sein, die Zusammengehörig. Nach Wiedereröffnung der Sißung teilt Präsident Löbe mit, deur eines Truppenübungsplates hat sogar verfügt, daß alle Arteit zu fördern.( Lebhafte Rufe bei den Unabh. und Komm.: die sozialdemokratische Fraktion, zu der gerichtet der Abg. Hensel veiter, die an der Demonstration vom 4. Juli teilgenommen Frechheit! Lüge!" Ordnungsrufe für die Zwischenrufer.) Leider die zu dem Tumult führenden Worte gesprochen hat, fühle sich da haben, fristlos zu entlassen sind. Bei der Enthüllungs- ist nicht zu verkennen, daß die Regimentsfeiern von Persönlichkeiten, durch ganz besonders gefränft, weil ihr Mitglied Ludwig Frank feier des Ulanendenkmals in Potsdam erklärte der Festredner auf die der Reichswehrminister feinen Einfluß hat, zu partei auf dem Schlachtfelde gefallen sei.( Lebh. Sehr richtig! links.) Der Wir fämpfen für Kaiser und Reich".( Lebh. Hört, hört! politischen Zweden mißbraucht worden. Infolgedessen hat der Abg. Hensel habe mitgeteilt, daß er infolge des Lärms nicht in der links und in der Mitte.) Bei derselben Feier senkte der Komman- Reichswehrminister Lage gewesen sei, den Satz zu vollenden. Er habe nämlich diese deur einer republikanischen Truppe vor einem anwesenden Herrn aufgestellte Behauptung durch die Aussage des Unabhängigen Hohenzollern den Degen.( Hört, hört! links.) Die Reichswehr ist zu Bater- Magdeburg erhärten wollen.( Gelächter links.) einem Hort der Reaktion geworden, und die gesamte Arbeiterschaft empfindet die Mitwirkung der Reichswehr an den Regimentsfeiern

als eine unerhörte Provokation.

Unerfindlich bleibt mir, wie man die Mannschaften zu einer Regimentsfeier in Königsberg mit scharfen Patronen ausrüsten konnte. Die Ernennung v. Löwenfelds zum Komman­danten eines Kreuzers wird uns im Auslande wahrhaftig feine Freunde schaffen. In nicht einer einzigen Kaserne sind die Reden des Reichskanzlers und des Reichstagspräsidenten aus Anlak der Ermordung Rathenaus anaeschlagen.( hört, hört! links.) Jeder Versuch, die republikanische Verfassung gewaltsam zu ändern, würde einen Bürgerkrieg zur Folge haben. Wir erwarten, daß der Reichswehrminister jede dienstliche und außerdienstliche Teilnahme der Reichswehr an Regimentsfeiern verbietet, ebenso jede Ber­bindung der Reichswehr mit den Offizieren der alten Armee, und endlich. daß in der Reichswehr auch die Fahne der Republik zur Geltung tommt und mit ihr bei Offizieren und Mannschaften der Geist und das Wesen der republikanischen Verfassung. Wir er­warten weiter, daß rücksichtslos vorgegangen wird gegen solche Reichswehrleute, die immer wieder den Geist der Verfassung ver­lezzen und rufen Ihnen zu: Wollen Sie ein Tänzchen wagen? Wir spielen auf!"( Stürm. Beifall links.)

Zur Beantwortung der Interpellation, soweit sie das Reichs­juftizministerium betrifft, nimmt das Wort

Reichsjustizminister Dr. Radbruch:

19

einschränkende Bestimmungen erlassen, und im übrigen unterliegt die Frage eines eventuellen Ber bots der Beteiligung der Reichswehr an Regimentsfeiern augenblicklich der Prüfung des gesamten Rabinetts.

Reichsminister des Innern Dr. Köfter:

nur

Dann erteilt der Präsident dem Abg. Hensel erneut das Wort. Als er die Rednertribüne betritt, schallt ihm ein hundertstimmiges ,, Nein!" entgegen. Die weiblichen Mitglieder der sozialistischen Fraktionen, die sich als Vertreterinnen der Mütter, die ihre Söhne im Kriege verloren haben, besonders beleidigt fühlen, dringen auf den Redner ein, und auch die übrigen Mitglieder der sozialistischen Fraktionen fordern in stürmischen Rufen, daß Hensel abtritt. Dieſer ſieht selbst die Unmöglichkeit ein, weiterreden zu können, und perläßt die Tribüne. Daraufhin schließt Präsident Löbe furz nach 7 Uhr und beruft die nächste auf Freitag 4 Uhr ein.

*

Die Rechtsmittel, mit denen die Reichsregierung vor der letzten Verordnung des Reichspräsidenten vorgehen fonnte, waren fehr gering. Wir haben in dem Bewußtsein, daß die weitere Eristenz gewisser Organisationen nicht nur inner-, sondern auch außenpolitisch eine Quelle von Schwierigkeiten sind, verschiedene Dr ganisationen wie Roßbach, Hubertus, Aulod und Ober, and aufgelöst und sie auch verboten, als fie versuchten, unter an­derem Namen weiter zu eristieren. Durch die Verordnung haben Auch die Landtagsfißung nahm ein stürmisches Ende; wir neue Mittel in die Hand bekommen, diese Krankheit zu be­fämpfen. So können wir jetzt gegen den Stahlhelmbund der Bericht steht in der Beilage dieser Nummer. vorgehen; in Preußen, Sachsen , Thüringen u. a. m. find auf Grund der letzten Verordnung des Reichspräsidenten verschiedene Berbände aufgelöst worden, z. B. der Bund der Aufrechten, der Verband na­tionalgesinnter Soldaten. Ferner sind verboten worden alle Landes, Bezirks- und Ortsgruppen des deutsch - völkischen Schutzbundes, der deutsch - völkischen Jugend, der alldeutschen Verbände, des jung­deutschen Ordens usw. Schon vor Jahren ist ein Reichskriminalgesetz

9

Kommt die Linksmehrheit?

Die nichtoffizielen Einzelverhandlungen der Roalitions­parteien wurden am Donnerstag nicht fortgesetzt. Zentrum und Demokraten richteten einen gemeinsamen Brief an die Deutsche Volkspartei und die Bayerische Volks= entworfen worden, das Ihnen in den nächsten Tagen erneut zu- partei, der diese Parteien auffordert, sich an der Regierung geht. Wir müssen Machtmittel haben. Wir haben bei den Auf- aktiv zu beteiligen. In maßgebenden Kreisen der lösungen im vorigen Jahre die wurzellosen Eristenzen unterzubringen versucht, um sie neuen Berufen zuzuführen und der ozialdemokratischen Reichstagsfraktion steht man Die Interpellation über die Schabloshaltung solcher, die wegen Wirtschaft dienstbar zu machen. Jetzt muß dasselbe geschehen mit diesem Schritt der bürgerlichen Koalitionsparteien äußerst Schadenersak verurteilt sind, bezieht sich auf die sogenannten affchlesien. Wir haben bereits mit dem Allgemeinen Deutschen Ge- daß ein Gesetz zum Schuße der Republik , wie es unter den Handlungen zur Abwehr hochverräterischer Unternehmungen zum den Mitgliedern der Selbstschuhorganisationen in Ober- pessimistisch gegenüber, zumal man sich flar darüber ist, fenprozesse, die nach dem Kapp- Putsch überall in Deutschland werkschaftsbund und der Industrie Verhandlungen aufgenommen augenblicklichen Verhältnissen notwendig geworden ist, nur angestrengt wurden. Es handelt sich da um Schadenersagforderun- und hoffen, daß den Leuten geholfen werden kann. durch eine Linksmehrheit erledigt werden kann. Diese aen wegen der Beschlagnahme von Waffen durch Aktionsausschüsse. Auf Antrag Hoch( Soz.) wird dann in die Besprechung der Linksmehrheit ist jedoch nur mit Einschluß der Unabhängi­Der Zweite Zivilfenat des Oberlandesgerichts Kiel hat entschieden, Interpellation eingetreten. gen zustande zu bringen. daß unter den damals herrschenden Umständen in der Beschlag­Abg. Cuno( D. Bv.): Die Beranstaltung in Ostpreußen war nahme von Waffen durch verfassungstreue Personen, die damit die ganz unpolitisch. Hindenburg hat nur noch einmal Gelegenheit ge­gegenwärtige Staatsform schützen wollten, ein schuldhaftes Bergehen nommen, seine Heimat und die Städte zu besuchen, deren Ehren­nicht zu erblicken ist. Die Klage ist in dem betreffenden Prozeß bürger er ist. Einen Mann wie Hindenburg parteipolitisch zu abgewiesen worden. Mit peinlichem Befremden habe ich die Mit- stempeln, ist unerhört.( Lärm links.) Schämen müssen wir uns teilung des Abg. Bogel über einen Erlaß des bayerischen Innen- vor dem Ausland.( Beifall rechts. Händeklatschen auf der Mit­ministers vernommen. Ich habe von diesem Erlaß noch feine amt- teltribüne. Lärm bei den Unabh. und Komm., die verlangen, liche Mitteilung, weiß auch nicht, ob er ergangen ist. Wäre das der daß die Tribüne geräumt wird, Bizepräsident Bell teilt mit, daß Fall, dann stände er in traffem Gegensatz zur Rechtslage. die fraglichen Tribünenbesucher bereits die Tribünen verlassen haben. Die Reichsanwaltschaft ist, eine vorgefekte Behörde der Staats- Die Unabh. und Komm. zeigen aber noch auf andere Leute, deren anwaltschaft und zwar in den Sachen, für die das Reichsgericht Entfernung fie ebenfalls fordern, und die dann auch von den Die zuständig ist. Die Staatsanwälte haben also in diesen Fällen den Beisungen der Oberreichsanwaltschaft Folge zu leisten, ebenso die Bolizei. Die Ausführungen des Abg. Bogel über den Zweck dieser Berordnung mache ich mir nicht zu eigen, glaube aber, daß der Erlaß die Wirkung haben könnte, die Untersuchung zu hemmen oder aar zu vereiteln. Wir haben volles Verständnis für die po­litischen wierigkeiten der bayerischen Regierung, fönnen aber nicht darauf verzichten, daß

auch in Bayern das Reichsrecht

zur Durchführung fommt. Ich werde feststellen, ob ein derartiger Erlaß ergangen ist und bejahendenfalls dafür sorgen, daß er mit der Rechtslage in Einklang gebracht wird.

Major Schleicher, als Bertreter des erfrankten Reichswehr ministers, beantwortet die Interpellation, soweit das Reichswehr­ministerium in Frage kommt und sagt: Die militärische Feier bei der Anwesenheit Hindenburgs in Königsberg war ausdrücklich ge­

nern hinausgewiesen werden. Im Hause seht sich der Lärm fort, den Präsident Bell vergebens zu beenden versucht.) Nachdem sich der Lärm gelegt hat, geht der Redner auf die Einzelheiten des Besuches Hindenburgs in Ostpreußen ein, wobei er fortgesetzt durch zwischenrufe der Linten unterbrochen wird.

Deutschnationale Provokation.

Abg. Hensel( Dnat.): Hindenburg ist teine politische Bersönlich feit und darum waren auch die Feiern, an denen er teilgenommen hat, feine politischen. Wir werden uns die Erinnerung an unser Heer und unsere Marine und an deren Führer nicht nehmen lassen. ( Beifall rechts. Zwischenrufe links, auf die der Redner nach links Wenn die Heimat unserem Heer nicht in den Rüden gefallen wäre.

antwortet:

Bei der Deutschen Volkspartei scheint seit der Rückkehr Stresemanns die Geneigtheit zur Teilnahme an der Re­gierung start zu wachſen.

Mörderpartei oder nicht?

Wie der Sozialdemokratische Parlamentsdienst erfährt, hat der deutsch nationale Parteiausschuß den Bruch mit dem deutschvöllischen Flügel der deutschnationalen Partei mit großer Mehrheit abgelehnt. Auch der besondere Antrag, den Abg. Wulle auszuschließen, fand keine Annahme.

gung:

Naive Berichtigung.

Zu unserer Mitteilung über die Verhaftung des Ingenieurs v. Waßdorf sendet uns dessen Rechtsbeistand folgende Berichti­Es ist unwahr, daß Herr von Waßdorf unter dem Berdacht der Mittäterschaft an der Ermordung Rathenaus verhaftet ist. Es ist auch unwahr, daß Herr von Wahdorf Mitglied der Organi fation Roßbach ist. Die Organisation Roßbach ist seit Mitte De­zember 1921 cuf Grund einer Verordnung der Reichsregierung pom 24. November 1921 aufgelöst worden.

Die Organisation Roßbach ist in der Tat aufgelöst nur haben

-

nehmigt worden. Es waren zwischen Festungskommandant und Großer Lärm links. Die Abgeordneten fämtlicher sozialistischer wir sichere Nachricht darüber, daß fie unter verschiedenen Deckfirmen Polizeipräsident Vereinbarungen getroffen, die leider von den De- Parteien drängen mit erhobenen Fäusten auf den Redner ein. weiter besteht! Und daher ist die Behauptung, daß v. Wah­monstranten nicht gehalten wurden. Die Truppe wurde ange- Burufe wie: Lump, Schuft, Schurke, Mörder, unverschämter Rerl, dorf dieser Organisation nicht angehören fönne, da sie doch aufgelöst griffen und mußte sich verteidigen. Zeugenaussagen bestätigen, runter, Schluß, raus und andere werden gegen den Redner ge- sei, höchstens geeignet, auf ganz naive Gemüter irgendwelchen Ein­daß diefer Ueberfall vorbereitet war. Die dienstliche Teilnahme der schleudert. Einige Abgeordnete trommeln unausgefeht mit den druck zu machen.

Dementis.

getragen habe. In Liebessachen war ftets für Abschaffung des Bri-| teten, zu tun haben. Was dies unglückliche Geschöpft begangen vateigentums. Immer feste druff! haben mag, läßt sich nur dunkel ahnen. Da es ein weibliches, an­scheinend noch sehr junges Wesen ist, wird es sich nicht um Feig­heit, sondern wohl um die uralte Weise von der falschen Liebe handeln, aus der ja auch noch so viel Herzeleid fließt. Jedenfails wurde ihr Bergehen grausam gerächt.

Unsere Mitteilungen über das Treiben der Rechtsbolschewisten NB. Auch republikanischem Bolt muß findlicher Glaube an seine haben uns eine Reihe Berichtigungen ehrenwerter Zeitgenossen höchsten Güter erhalten bleiben. Ersuche daher Preußisches Finanz­eingebracht, denen wir zu unserem Bedauern zu nahe getreten ministerium um schleunige Uebersendung von paar Millionen, damit waren. Wir halten es für unsere Pflicht, die wichtigsten Zuschriften ich mir Vorhänge vor mein Schlafzimmerfenster machen lassen fann. zu veröffentlichen, damit auch unsere Leser sich von der Unschuld der Herren überzeugen fönnen.

So schreibt:

Ehrhardt.

Es ist nicht wahr, daß ich oder meine Brigabe in irgendeiner Beziehung zur Organisation C( Consul) stehen. Meine Brigade ift aufgelöst, seitdem die Brigade C existiert und mein Spigname Kon­

Moorleichenfund.

Bud.

ful" schreibt sich mit" K". Woraus zu ersehen, daß ich nichts mit feinem schwarzen Schoß, der die Fäulnis verhindert, einzelne voll. fpielte? Das Moor gibt wohl ihren Körper, nicht aber ihr Ge

der Geheimorganisation zu tun habe. Im übrigen wiederhole ich nochmals, daß ich durchaus auf dem Boden der Verfassung stand und stehe. Im März 1920 erfuhr ich telephonisch, daß die Regie­rung gefappt werden sollte und rückte sofort zu ihrem Schuhe in Berlin ein. Erst in einem Budapester Kino erfah ich aus der Meßter- Woche, daß ich eine falsche Regierung geschüßt hatte. NB. 3ft fein Posten in der Reichswehr für mich frei? Reinhold Wulle .

Ich habe weder im Deutschen Wochenblatt" noch in der Facel" jemals gegen die Regierung gehegt. Meine Artikel waren stets Lobeshymnen. Sollten sie in den fertigen Nummern anders stehen, so ist das wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß bei der Herstellung eintge fommunistische Gezer beschäftigt waren. Ich selbst weiß davon nichts, da ich meine Zeitungen mit Rücksicht auf meine zarte Konstitution grundsäßlich nicht lese. Helfferich.

Ich kenne den verhafteten p. p. Günther nicht, habe ihn weder gesehen, noch mit ihm forrespondiert. Und wenn ich ihn gesehen habe, dann nur flüchtig. Jedenfalls aber habe ich nur ganz kurz an ihn geschrieben, aber feinen Fahnenweihspruch. Der Fahnenweih spruch, den ich ihm geschrieben habe, war für die Kinderfahne seines dreimonatigen Neffen bestimmt. Und vor allem war ich schon immer verfassungstreu; sonst wäre ich nicht 1916 Staatskanzler i. B. ge­

worden.

hinab in jene Tage, und das Moor schweigt

Ihr schön genähtes Oberkleid aus braunem Hirschfell wurde ihr vom Leibe geriffen und um ihre Füße geschnürt, ihr Untergewand aus mühsam gewebtem Flachs oder Hanf zerrissen und zu einem Strid gedreht, der ihr die Hände auf den Rücken zwang und zu­Bon jenen Menschen, die lange vor dem Eindringen der Römer gleich ihren Hals umbroffelte. So, schimpflich entkleidet und ge­in Deutschlands die norddeutsche Tiefebene bewohnten, ist faft teine feffelt, ward fie hinausgeführt aus der Reihe der Stammesgenoffen Runde geblieben. Steinbeile und Bronzegeräte nebst einigen Urnen in die wilde Einsamkeit des düstern Moors und hier im schwarzen Schlamm erftict. und Knochenresten sind die einzigen Zeugen ihres Daseins, nur das War es ein solches Drama, das sich hier vor Jahrtausenden ab­Moor bewahrt in seiner dunklen Tiefe ihr Geheimnis, bewahrt in ständige Körper jener Urmenschen, die uns wenigstens einige Züge und Vermutung reichen ihres Lebens erraten lassen. feine einsame Jetzt hat man im Kanhauser Moor, etwa 15 Rilometer Tiefe ist stumm. Niemand erzählt uns aus jenen Tagen, aber daß. westlich der Stadt Oldenburg , eine dieser merkwürdig erhaltenen wie wir, mit Liebe und Haß im Herzen, das verrät uns der stumme auch damals schon Menschen lebten mit denselben Leidenschaften Leichen gefunden, die neues Licht in jene dunkle Beit zu werfen Mund des armen fleinen gefesselten Mädchens, das eine neugierige Dermag. Ein Torfgräber stieß in etwa einem Meter tiefe auf einen Zeit aus ihrem Grabe hob. harten Gegenstand, grub vorsichtig nach und legte nach mühseliger Und ist unsere Zeit weniger grausam als jene? Man möchte Arbeit den selffamen Fund bloß. Es handelt sich um eine weibliche faft daran zweifeln. Augustinrichs. Leiche von sehr fleiner Gestalt, die Füße waren durch den ersten Spatenstich abgetrennt, der Kopf bereits halb zerfallen, im übrigen aber ist der Körper vollständig erhalten, wenigstens Knochen und Die Deutsche Lichtbild- Gesellschaft E. B. hatte einen Interessen­Haut, denn die Fleischteile werden von der Moorfäure rasch auf- tenkreis in den Primus- Palast eingeladen. Durch einen Vortrag gelöst. Die Haut ist noch feft, von grauweißer Farbe, und das wurden zuerst ert- und Kulturfilme erläutert und Ma­Haar ist noch genau so blond wie bei einem Lebenden. terial herbeigeschafft, um den Beweis zu erbringen, daß man über Und nun das eigentlich Bedeutsame an dem Fund: der Körper den Rahmen industrieller Filme hinaus in den der Kulturfilme hin­war auf eine grausame Art gefesselt, die Füße in einem Fell zu eingewachsen sei. Erst wurden derartige Filme nur gedreht, später fammengeschnürt, die Hände kreuzweise auf dem Rüden mit einem preßte man fie in eine mehr theatermäßige Aufmachung und man Strick gebunden, der nach unten zwischen den Beinen hindurch nach gab oft dem Laien zu viel und unverständliches und dem Fachmann porn über den Leib hinaufgezogen und mit einem starten Knoten nicht genug. In scharfer Selbsttritit lernte man unabläffig, auch um den Hals befestigt war. ein Hirschfell, ist noch mit furzen braunroten Haar besetzt, ein anders. Das Fell um die Füße, anscheinend an den Fehlern, und jetzt wertet man Wert und Kulturfilm ganz Man gibt dem Lernenden leicht faßlichen Unterrichtsstoff, funstvoll gefäumtes Halsloch, aufgesteppte Bierstreifen und der feit dem Fachmann Anregungen und Prüfungsmaterial und dem For­liche Schluß laffen es als ein Dberfleib erscheinen. Der Strid be- scher der Nachwelt reichen Stoff zu Studienzwecken. Vor allen steht aus einem gelblichen, facartigen Gewebe, das mit Nähten zu Dingen wird die Bewegung in voller Naturwahrheit festgehalten, fammengefügt ist. An dem Ende unter dem Nacken verlief er in was die beste, die sauberste Zeichnung nicht vermag. einem verknüllten Ballen, der ausgebreitet ebenfalls ein Gewand- artig rollten Filmausschnitte, die in Bielgestaltigkeit bei vorzüglicher stück vermuten läßt. bildhafter Wirkung zeigten, was deutsche Technit an Wundern schuf. Die Aufnahmen für solche Filme find durchaus nicht leicht und es gehört ein bligartig schnelles Erfassen der Gesamtlage dazu, um sich und die nötigen Beleuchtungsförper immer auf den Boden der Tat­fachen zu stellen. Es ist das hohe Lied der Arbeit, das aus den Filmen aus der Echwer, Leicht, Gebrauchs, Nahrungsmittel- und der Verkehrsindustrie erklingt. Dort wird die Achtung vor der Arbeit gelehrt, vor dem Kopf, der solche komplizierten Maschinen erfand, vor den Händen und Armen, die sie bedienen. Man sieht aber auch, wie überall Gefahren auf den Arbeitenden lauern und ebenso wie Feigheit vor dem Feinde mit Erstiden im Sumpf be- wieviel Geschicklichkeit und nie ermüdender Fleiß des Einzelnen oft straften. Und wenn man sich den Zustand dieser Moorleiche ver- dazu gehört, um, bei sich ewig gleichbleibender Arbeitsverrichtung, gegenwärtigt, fo spricht doch alles dafür, daß wir es hier mit einer Werte. zu schaffen. Diesen Filmen schließen sich solche von liebe­Gerichteten, und zwar auf eine besonders schimpfliche Art Gerich- voller Naturbeobachtung würdig an.

Wilhelm der Aeltere zurzeit Doorn. Welches Jahrtausende alte Geheimnis verbirgt sich hier? Mög. Ich protestiere gegen den Vorschlag des ,, Borwärts", die Stand. lich, daß eine Tote bestattet wurde, der man den Gewandrest als bilder der Siegesallee mir auf meine Kosten nach Doorn zu schicken. Polster unter den Kopf leate; das Fesseln der Toten fam noch in unseren Tagen bei wilden Bölkern vor, um den Abgeschiedenen das Denn ich bin stets überzeugter Republikaner gewesen und möchte Wiederkehren als Gespenst oder böser Geist unmöglich zu machen. meine Gesinnungsgenossen von der Demokratischen und Zentrums- Aber brachte man bei einer gewöhnlichen Bestattung einen Toten fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung nicht fränten. so weit in die Wildnis hinaus? Und versenfie man ihn so völlig Sie haben für die Erhaltung der Kaiserbilder in den Berliner Schulen einfam im Sumpf ohne besondere Ursache? gestimmt und sollen zum Lohn dafür auch die Siegesallee behalten. Schon Tacitus berichtet, daß die Germanen eheliche Untreue Wilhelm der Jüngere zurzeit Wieringen. Konstatiere, daß ich mein ganzes Leben lang wie fein Zweiter durch Rede und Tat zur Unmöglichmachung der Monarchie bei­

Panorama­

e. b.