fcie Gefahren einer solchen Maßnahme sollte man sich keiner Täuschung hingeben. Sie belastet nicht nur den einzelnen, häuft nicht nur ungeheure Sorgen über Millionen von darben- den Menschen, sondem bringt auch die gesamte Wirtschaft in neue Unruhe. Das Rad der Preissteigerungen wird aufs neue angedreht, so daß die von der Regierung beabsichtigte an und für sich unwirksame Beeinflussung der Arbeitsgemeinschaften zwecks Erhöhung der Löhne und Gehälter im Umfang der Brotpreiserhöhung absolut ungenügend ist. Genau wie von der Kohle geht auch von der Erhöhung des Brotpreises eine all- gemeine Steigerung der Warenpreise aus. So verschärft denn die Haltung der Reichsregierung die wirtschaftliche und politische Lage. Sie offenbart die Absicht, trotz der Teilnahme der Sozialdemokratie an der Regierung die von ihr zu vertretenden Interessen der Arbeiterklasse ge» ringer zu achten als die der Agrarier. Taucht damit bereits die Frage nach dem Wert der Uebernahme der Verantwortung ür die ungeheuren Schwierigkeiten der nächsten Monate auf, o müßte sie verneint werden, falls nicht durch die sofortig« In- angrisfnahme des Zentralproblems der jetzigen Schwierig- ksiten, einer Stützungsaktion für die Mark, die Möglichkeit einer Gesundung der Wirtschaftsverhällnisse eröffnet wird.

Wilhelm II. unü Sethmann. Kreuzzeitungsschmerzen. Unsere gestrigen Feststellungen aus den Wahlrechtsakten des Jahres 191S haben in ihrem Zusammenhang mit den Kaiser-Erinnerungen naturgemäß in der Presse lebhafte Be- ochtung gefunden. Das„Berk Tagebl." sieht den Nachweis als erbracht an, daß Wilhelm II. „geirrt" habe und meint, von da aus falle„auf die historische Zuverlässigkeit der Memoiren Wilhelms II. ein eigentümliches Schlaglicht". Die„Vosi. Ztg. faßt ihr Urteil dahin zusammen: Die Erinnerungen Wilhelms II. werden hier nicht zum ersten- mal mit der Wirklichkeit konfrontiert, aber niemals bisher hat sich so eigenartige Gedächtnisschwäche bei Verhältnis- mäßig kurze Zeit zurückliegenden Dingen feststellen lassen. Anders die„Kreuzztg.". Weil wir von„Unwahrheit" und„Schwindel" gesprochen haben, beklagt sie sich über den schlechten Ton, der nicht angebracht sei,„am allerwenigsten bei einem Manne, von dem man weiß, daß er sicher nicht auf das gleiche Niveau herabsteigen wird". Die„eigenartige Ge- dächtnisschwäche", die bei den Herrschaften des alten Regimes epidemisch ist, macht sich auch hier geltend. Hätten wir in unserer Polemik uns auf das Niveau begeben wollen, auf das Wilhelm II. in seinen Auseinandersetzungen mit der Sozial- demökratie herabgestiegen ist, so hätten wir ihn als einen , Elenden" bezeichnen müssen,„der nicht wert ist, den Namen eines Deutschen zu tragen" oder al?„ein Tier, das an der Wurzel der deutschen Eiche nagt". Solche Rhetorik liegt uns ganz ferne. Wenn wir trotzdem scharfe Ausdrücke gebraucht haben, so deshalb, weil wir die Art, wie Wilhelm II. seinen verstorbenen treuen Diener Bethmann behandelt, als eine Schändlichkeit empfinden. Diese Methode, die Schuld auf andere abzuwälzen, ist verächtlich und fällt auf den, der sie anwendet, zurück. Im weitaus größten Teil ihres Leitartikels beschäftigt sich die„Kreuzztg." mit Herrn v. Loebell als dem Urheber der von uns veröffentlichten Denkschrift. Sie ist sozusagen aus den Wolken gefallen angesichts der Tatsache, daß Herr v. Loebell,„der sich so gerne als modern-konservatw gab", 'em damaligen Kaiser ein solches Bild der konservativen Partei entwerfen kante. In die Verteidigung gedrängt, führt 'ie langatmig aus, daß das allgemeine Wohl stets das höchste besetz der Konservativen Partei gewesen sei(so siehst du aus! 'agt in solchen Fällen der Berliner ), und schmerzbewegt schließt sie:„Nach den bisherigen Beziehungen Herrn v. Loebells zur Konservativen Partei hätte man glauben sollen, daß er diese Auffassung geteilt hätte." Es scheint danach, daß sich in den Beziehungen des

Der Eierpflaumenbaum. Eine Erinnerung von Pan. Lang', lang' ist's her. Damals war's, als man noch zwei Pfund Pflaumen für fünfzehn Pfennige erstehen konnte. Anderthalb Groschen sagten wir,„sechs Dreier" der Berliner (weil sechsmal drei bekanntlich fünfzehn ist). Damals stand in dem kleinen Garten hinter der elterlichen Wohnung ein wundervoller Eierpflaumenbaum, auf dem ich zu gewissen Jahreszeiten Zweig, und Stammgast war. Sehr hoch war er nicht; daran lag mir auch nichts. Mit sechs Jahren erscheint einem die Höhe aller tragenden Obstbäume das not­wendige Maß durchaus zu übersteigen. Jedenfalls dehnte sich der Baum in behäbiger Breite aus, hatte weit ausladende Aeste und hing einem in guten Iahren die dicken, goldgelben, zuckersüßen Frücht « fast in den Mund. Sie waren groß wie Zwerghuhneier. Mein Later erzählte ja auch, es habe sich früher, ganz früher mal ein fremdländisches Huhn mit goldgelben Federn an den Ort ver- irrt, ein Ei in unseren Garten gelegt, und daraus fei dann eben der Baum entstanden. Warum nicht. Es geschehen so viele wunder- bare Dinge auf der Welt— und dieser Baum war uns ein Wunder. Zur Reifezeit drängten sich die dicken, eirunden Früchte oft fo eng aneinander wie die Trauben an der Rebe, und häusig mußten die Aeste mit Stangen gestützt werden, um nicht zu brechen unter der süßen Last. Ich habe zuweilen versucht, die Früchte zu zählen; weit bin ich nie damit gekommen. Wie lockend« Goldklumpen hingen sie vor meinen Augen und verwirrten mein wenig umfangreiches Zahlensystem— Grund genug, lieber die Kerne zu sammeln. Ein immer bereiter Gastgeber, hielt unser Baum sein« Arme lm Spätsommer freundlich geöffnet. Wenn es knapp im Hause her- ging— das kam nicht selten vor—, so säbelte Mutter einfach eine Scheibe vom Brot herunter und sagte:„Das Fett hängt am Baum." Wie fix war da einer zur Tür hinaus und in den Zweigen l Am merkwürdigsten erschien es mir immer, daß die Pflaumen nie alle wurden— trotz aller Leibschmerzen, die man pflichtbereit auf sich ahm, ttotz gelegentlicher Verkäufe und Gratisabgoben an weniger rgünstigte Mitmenschen. Bis Mutter an's Einkochen ging. Dann 'llerdings wanderten sie viel zu schnell in Töpfe und Gläser und »icßen kahlgerupft« Zweig« zurück. Aber so erfreuten sie unsere Zäumen auch noch, wenn der Schnee dick und weiß auf allen Arsten 'g; wenn das Feuer im braunen Ofen knisterte und knackte, und Butter uns Märchen erzählte. Und in einigen dieser Märchen kehrt« auch der Cierpflaumen- -»um wieder. Denn sein« Bedeutung ging weit hinaus über feine Eigenschaft als Spender von Früchten, die mit den Zähnen zu zer- «almen waren. Er hatte auch ideelle, pädagogische Aufgaben zu er- füllen: ver verschmachtende Wanderer in der Wüste erblickte ihn n der Fern«; neue Kraft erfüllte die müden Glieder und ließ das 1*l erreichen. Ein filziger Geiztragen schloß den Baum mit dicken lttmem von der Umwelt ab und die Aeste verdorrten. Ein

Herm v. Loebell zur Konservativen Partei eine Aenderung vorbereitet. Im übrigen war der Zweck der Denkschrift wohl weniger, von den politischen Verhältnissen ein objektives Bild zu geben, als vielmehr, den Empfängern den Gedanken beizubringen, daß die Wahlreform im Interesse der Monarchie notwendig sei. Allerdings war kein Staatsmann des alten Regimes weitsichtig genug, zu erkennen, daß die rechtzeitige Einführung des demokratisch-parlamentarischen Regimes das einzige Mittel war, um die monarchische Spitze zu retten. Das schimmert in der Loebellschen Denkschrift gerade nur als eine leise Ahnung durch— bei den Konservativen ist auch heute noch nichts davon vorhanden. Sie würden sonst einsehen, daß sie durch ihr starres Festhalten an unhaltbar gewordene Re- gierungssormen zur vollständigen Beseitigung der Monarchie wider Willen das meiste beigetragen haben. OohrWürmer im Aentrumsturm. Dsutschnationalc Wühlarbeit. Seit langem bemühen sich die preußischen Konservativen, die sich heute Deutschnationale nennen, das Zentrum zu spalten. Schon während der sogenannten Hottentotten- wählen von 1997 traten diese Bestrebungen offen hervor. Eine Gruppe von„deutschen Katholiken", die bisher der Zen- trumspartsi nahe gestanden oder angehört hatten, wandte sich mit Auftufen an die Zentrumswähler, um sie zu veran- lassen, nicht ihre bisherige Partei, sondern— Konserva­tive zu wählen. Seitdem nach der Revolution das Zen- trum an der Regierung des Reiches und Preußens betelligt ist, haben diese Unterwühlungsaktionen von deutschnationaler Seite verstärkt eingesetzt. Man weiß, daß sogar der Sohn des alten Zentrumsführers Spahn, der selbstgefällige Martin, sich demonstrativ der Deutschnationalen Partei angeschlossen hat und dort Propagandareden gegen die Partei seines Vaters halten darf. Vor uns liegt jetzt ein Flugblatt, das den Titel trägt: „Die wahren Ziele der Zentrumspolitik" und das äugen» scheinlich aus diesen deutschnational-katholischen Kreisen stammt. Es wird von Frankfurt aus in Briefumschlägen ver- schickt und enthält außer einem aus der„Reuen Züricher Zei- tung" entnommenen Aufsatze, der sich baupisächlich gegen den Reichskanzler Wirth und seine Freunde richtet, noch Schlagworte vom letzten Katholikentag, die sich gegen die Politik des Kanzlers ausschroten lassen. So wird Kardinal F a ti l h ab e r zitiert, der„im Zeitalter der Schutzgesetze auch ein Schutzgesetz für die Wahrheit" fordert, ferner der unver- meidliche Stegerwald, der„will, daß die Sozialdemo- kratic vom christlichen Volksteil überwun- den werde," und endlich der vreußische Staatsratsvorsitzende Adenauer» Köln , der die Katholiken„zur alten Einigkeit" aufruft, die verloren gegangen sei. Das Flugblatt ist eine Perle aus der deutschnationalen Werkstatt. Nachdem der Kanzler wiederholt und unzweideutig erklärt hat, daß für ihn„der Feind rechts steht", will man durch diese briefliche Bcarbeiwng einflußreicher Katholiken augenscheinlich das Mißtrauen gegen alle Zentrumsführer wachrufen, die sich offen auf den Boden der Re- publik gestellt haben. Deswegen wird es so dargestellt, als würden die monarchisch denkenden Kreise der Katholiken aus der Zentrumspartei hinausgeekelt: Entweder fei im Zentrum wirklich Raum für beide Heber- zeugungen, die republikanische und die monarchische, dann möge man die Anhänger der Monarchie mit fortgesetzten Bekehrungsver- suchen verschonen, oder es fei kein Raum für beide, dann möge sich dos Zentrum als republikanisch« und d e m o k r a» tische Partei erklären. Eben dies aber wolle man vermeiden, weil es zur offenen Spaltung der Partei führen müßte, und so ziehe man es vor, die Monarchisten allmählich mürbe zu machen. Man sieht, daß die Deutschmonarchisten im katholischen Lager ganz planmäßig zu Werke gehen und große Kosten zur Unterminierung des Zentrumsturmes nicht scheuen. Tat-

reicher König weigerte einem Bettler jede Gabe; die mitleidige Prinzessin spendete ihm alles, was sie besaß: einen goldenen Pflaumenkern. Den pflanzte der Bettler ein, und über Nacht gedieh daraus ein wundervoller, reich behangener Eierpflcmmenbaum— aber jede Frucht bestand aus purem Golde. Da war der Bettler reicher als der König, und dieser war heilfroh, daß er solchen Schwiegersohn bekam. Moral: Wohltun bringt Zinsen und unter die Haube. Ja, so stumm unser Baum auch schien, er sprach in vielem mit. Wenn die Kmderwünsche über die sehr enggezogenen Grenzen der Erfüllungsmöglichkeit hinausgingen, wenn der Knirps z. B. immer wieder um eine Taschenuhr ansprach—„aber«in«, die richtig g e h ti"—> dann lächelte Mutter melancholisch und nickte vielsagend vor sich hin:„Ja, ja, mein Sohn. Sobald jede Pflaume eine Mark bringt." Das ist nun bald ein halbes Jahrhundert her. Klirzkich kaufte ich ein Pfund Eierpflaumen. Es waren genau sechzehn Stück. Und sie kosteten sechzehn Mark. Run also wäre es Zeit, dachte ich, die richtig gehende laschen- uhr einzufordern. Aber wo ist der Baum? Wo der Garten? Wo das kleine Haus in der kleinen Stadt am Rande der Heide? Bor meinem Fenster qualmen zwei Fabrikschornsteine. Und wo bist du, Mutter? Jede Pflaume eine Mark. Wenn du d a s noch erlebt hättest!... Das heißt: Es ist doch wohl besser für dich, daß du es nicht mehr erlebtest._ Das Poesiealbum. Seit gestern bin Ich mit meinem bisher besten Freund Erwin tödlich oerfsinoet; eigentlich schon seit vorgestern. Die tiefgehende Differenz zwischen unseren Anschauungen— besonders politisch trennte uns ein Abgrund— hatte bisher nicht das Band inniglicher Freundschaft lockern können— jetzt scheint es definitiv gerissen zu sein. Durch meine Schuld? Im Gegenteil: Vorgestern kommt seine Tochter Ingeburg(bitte mit u!) zu mir und spricht:„Ach, Onkel, du kannst doch dichten; schreibe mir doch bitte auch einen Spruch in mein Poestalbuml"„Schön, sage Ich, gehe ein bißchen zu meiner Frau hinein, ich schreib« inzwischen ein.— Gesagt, getan: ich blättere in dem schon beschriebenen Teil de, Albums: lauter fromme, biedere, moral- und ehrpusselig« Sprüchlein von Tanten, Onkeln, Freundinnen und Lehrerinnen:„Wenn Menschenhilfe dir gebricht.., ans Vaterland,~ns teure..., deutsch fein heißt treu seinl..." usw. uff. Hier hieß es also: sich anpassen an chrisllich-un- volittsch-deutschnationalen Geist: ich mußte unbedingt beginnen mit der Anrede„Deutsche Jungfrau" oder„Du teutsches Kind---" Richtig! Da hatte ich es ja schon und schrieb in plötzlicher Eingebung: „Du deutsches Kind, sei tapfer, wahr und treu, Wie Iagow, Ludendorff und Wilhelm 2 ! Zur freundlichen Erinnerung usw. --- Gestern läute ich dann zwecks einer Besprechung über unsere beabsichtigte gemeinsame Kartosfelbestellung bei meinem hi»-

sächlich ist die Umschichtung in dieser aus so verschiedenen so- zialen Schichten zusammengesetzten hauptsächlich katholischen Partei eines der interessantesten Probleme der Gegenwart. Die demokratischen Tendenzen, die in der katholischen Arbeiterschaft vorwiegen, ringen um die Vorherr- schast mit den konservativen, deren Einfluß durch die alte agrarische Aristokratie verkörpert wird. Die fortschrei- tende Industrialisierung läßt aber über den endgültigen Sieg der Demokratie auch in den Zentrumsreihen keinen Zweisel. Der Rathenauprozeß geht weiter. Das Befinden der nach dem Genuß von Pralinen erkrank- ten Angeklagten hat sich im Lause des gestrigen Sonnabends so gebessert, daß eine Gefahr für die süns unter verdächtigen Er- scheinungen Erkrankten augenblicklich nicht mehr besteht. Die An- geklagten sind aus diesem Grunde auch nicht in das Geföng- nislozarett übergeführt worden, sondern sind sämtlich im Unter- suchungsgefängnis verblieben. Es ist mit voller Sicherheit damit zu rechnen, daß am Montag der Rathenau-Prozeß fortgeführt werden kann. Die Pralinen waren von einem bisher noch unbekannten Ab- scnder nach dem Untersuchungsgefängnis Moabit gesandt worden, von wo aus sie nach der jetzigen Haftstation Leipzig weitergeschickt wurden. Ueber den Absender konnten in der sofort eingeleiteten Untersuchung bisher keinerlei erhebliche Feststellungen gemacht werden. Das chemische Untersuchungsergebnis wird erst für Montag erwartet. Der Prozest gegen die Scheidemann -Attentäter. Wie die B.S.-Korrespondenz erfährt, ist die Voruntersuchung gegen Oehlschläger und Hustert, die unter dem dringenden Verdacht der Beteiligung an dem Blausäure-Attentat auf Oberbürgermeister Scheidemann vor einiger Zeit verhaftet worden sind, bisher noch nicht abgeschlossen. Der Stoatsgerichtshof zum Schutz der Republik hat mit der. Führung der Ermittelcmgen den Untersuchungsrichter beim Landgericht Kassel beauftragt, doch ist bei dem jetzigen Stand der Untersuchung noch nicht abzusehen, wann der Schcidemann-Prozeß vor dem Staatsgerichtshof zur Berhand- lung kommen wird. Bekanntlich schwebt in dieser Sache auch geg.m Kapitänleutnant a. D. Karl Tillessen , der sich jetzt in dem Rathencu- Prozeß zu verantworten hat, eine Voruntersuchung. Der§echenbach-Vrozeß. München, 7. Oktober. (Eigener Trahtbericht.) Im weiteren Verlauf der Verhandlung, die hinter verschtojsenen Türen weiter läuft, erfährt man die interessante Tatsache, daß zwischen dem De - amten des Auswärtigen Amtes, Legotionsrat Stievs und den Münchener nationalistischen„Süddeutschen Monatsheften", die von Professor Koßncann herausgegeben werden, enge persönlich« Be­ziehungen bestehen. Das Gericht geht all« Berichte eirczcln durch, die Fechenboch dazu in das Rachrichtenburenu Gargas geliefert hat. Dabei hält die Staatsanwaltschaft mir bei denjenigen Berichten die tlnklage wegen Landesverrat aufrecht, die sich mit den bayerischen Geheimorganisationen beschäftigen. Da der Presse in bczug aus die bayerischen Geheimorganisationen Schweigegebot auferlegt ist, kann ich über diese für das Reich so wichtigen Angelegenheiten nichts be- richten. Bon größtem Interesse ist, daß auch General Ludendorfs gelegentlicher Mitarbeiter des Nachrichtenburcaus Gargas war. Dos Volksgericht will erst prüfen, ob auch Ludendorss sich des Landes- verrats schuldig geniacht hat. Zum zweiten Male protestiert heute Justizrat Bernstein gegen das AnNageoerfahren. Er ist der Meinung, baß m diesem Prozeß Dinge geschehen, die bisher in der deutscheu Rechtsprechung noch nicht geschehen sind, und durch welche alle Gegner des Bolksgerichts Waffen in d-e Hand bekommen, an dencn das Lolkegericht sterben kann. Der Vorsitzende antwortet daraus, daß ihm alle Kritik von rechts und links ganz egal sei. Mehrsach be- schäfttgt sich der Vorsitzende mit der USP. Er fragt den Angeklagten Fechenbach, ob es wahr sei, daß die USP.-Führcr in Beziehungen zu französischen Staatsmännern stehen. Der Vorsitzende nahm hier auf die Verleumdungen Bezug, die gegen Genossen Breitscheid er- hoben worden sind. Der Angeklagte Fechenbach erklärte, von solchen Beziehungen nichts zu wissen.

herigen Freund Erwin an— in Magenfragen trennte uns kein Ab- grund— aber kaum hatte er mich erkannt, als er lostobte:„Was, du wagst es, mich noch anzurufen? Solche Sudelei einem Kind ins Album zu schreiben, ist eine Schamlosigkeit, eine kolossale Unver- schämthett auch gegen mich als Vater! Hast du verstanden? Schluß!" — Ich stand wie vertattert, war sprachlos, rang nach Fassung. Dann ging ich heim, wo mir meine Frau ringen half.„Du hättest nicht schreiben sollen: Sei wahr und treu! Das hört sich so an, als habe das Kind schon mal gelogen oder sei ungetreu gewesen. Du weiht doch, wie national dein Freund ist!—„Ach was! Alle die Tanten und Lehrerinnen haben ihr doch auch lauter solche Crmahnungen eingeschrieben! Das kann nicht der Grund sein! Und daß ich ihr ein paar deutsche Jdealgestalten als Muster hingestellt habe, doch auch nicht! Roch dazu, wo sie in allen möglichen stramm nationalen Jugendbünden ist! Und Iagow, Ludendorff und Wilhelm 2 sind doch deutsche Jdealheldenl Und sind sie nicht etwa nicht„tapfer, treu und wahr?" Na also! Was will Erwin? t. r. Zum Z00. Male:„Oberen". Tie Staatsoper spielte zum 399. Male Webers„Oberon". Das soll ihr gedankt sein: man will den„Oberon", ein Stiefkind der Bühne wie der„Barbier cai Bagdad " etwa, immer wieder hören, wenngleich er sich vom Musik- dramatischen Ideal, ja von den Grundbedingungen guten Theaters fernhält. Das sind dem Leben nicht etwa oerwandte Menschen, Episoden von aneinandergereihten, kalt-gezimmerton, fast antcil- los dahinschlummernden S'encn. Der todkranke Weber nahm sich diesen Text des englischen Poetasters, um sein eigenes Gold dare'm auszubreiten. Zwar bleibt es ein unmögliches Theaterstück, aber in der ehrfürchtigen und zusammendrängenden Bearbeitung Gustav Mahlers werden di? szenischen Gleichmäßigkeiten verdeckt, wird vor allem Weber der Melodiker, Märchenbildner, der Romantiker dcz Waldes, des Mocres und der Elfen in ein Helles Licht gerückt Aus dem englischen Ausstattungsstück mtt obligatorischer Musik ist nun ein mit musikalischen Glanznummern reichgesegnctes Singspiel geworden. Es bleibt ein Rest, da dennoch die schöne Musik immer wieder ans Wort gefesselt Ist und der szenische Apparat notwendig viel Anteilnahme verschlingt. Dieses geht an, wenn es so künst- lerisch durchdacht, so üppig und doch beweglich, so wechselvoll und märchenhaft farbenfroh ist, wie gestern in der Staatsoper. Ära- v a n t i n o s hat viel Geschmack und Phantasie, er nutzt Tiefe und Breite der Bühne gut aus und bringt in Farbe und Linie erotischer Ausstattung aparte Märchenstimmung. Auch das Realistische, wie der Sonnenaufgang, die Meereswogen, der Sturm gelingt glänzend. Blech leitete mit oft bewährtem Stilgefühl eine Aufführung, die Eindrucksvolles an Ausstattung, Tanz, Ballett und Orchester, ober wenig Leht-ausgealichems an G-sangskunst erleben ließ. Vera Schwarz , zuerst merklich zaghaft, sparte ihre Stimme für die Ozean-Arie,, wo ihre Steigerung elementarer wirken kann. Robert Hütt war gleich im ersten Bild schwach: er scheint zu den ewig Indisponierten zu gehören, die ihr Detonieren und Sich- quälen einem Singfehler verdanken. Am ehesten konnten Henke und die M a r h e r r gesanglich gefallen. Aber woher soll der Sänger die Kunst nehmen, das zu gestalten, was nicht gestaltbar ist? K. S.