Nr. 482 39. Jahrgang
Beilage des Vorwärts
Die Anklagerede des
Donnerstag, 12. Oktober 1922
Oberreichsanwalts.
ein prächtiger Kerl."
Bruder damals noch in Deutschland?" Tillessen :„ Ich hatte auf die Mörder?" Angefl:„ Nein." Bors: War denn Ihr ja keine Ahnung, daß er unter dem Berdacht der Beteiligung am ia teine Ahnung, daß er unter dem Berdacht der Beteiligung am Erzberger - Mord stand."
Leipzig, 11. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Scheidemann für unaufrichtig hielt, denn er hat doch das Material,| Bezeichnung, eine Art Rose ausdruck?" Tillefsen: Jawohl, Den Verteidigern der Reaktion schien gestern die zweifel- das ich besaß, seinem Parteivorstand eingereicht und dieser hat es es heißt so viel wie hafte Gestalt des Spigels Brüdigam eine günstige Gelegenheit, Dr. Hahn: Ist Ihr Bruder auch Epileptiker? 3euge: Wenn Sie Bors:„ Der Ausdruck bedeutet also feineswegs eine Anspielung zweifel- Wels übergeben, der es dann in einer Rede verwendete. Justizrat um die Wahrhaftigkeit und die edle Gesinnung ihres Lieb sich dafür interessieren, so fragen Sie ihn gefälligst selbst. R.-A. lings, des Kapitänleutnants Tillefsen, öffent- uetgebrune: Sie haben den Angeklagten Lillessen Anfang lich herauszustreichen. Es kam zu einer Gegenüberstellung, bei mai zum ersten Male besucht. Wurde damals in dieser Unterredung der es sich für jeden unvoreingenommenen Zuhörer von vorn von irgendeinem Mordplan gesprochen? Zeuge: Nein, aber ich herein höchstens darum handeln fonnte, wer von beiden sprach über die Beseitigung Rathenaus fehr offen mit anderen der größere Lügner sei, nicht, wer von beiden der Deutschvölkischen. Juftizrat Dr. Hahn: Nennen Sie deren Namen. Wahrheitsliebende wäre. Der Kapitänleutnant Tillefsen trug Beuge: Die habe ich vergessen. Es erfolgte dann auf Antrag R.-A. Dr. Sads die Verlesung von Briefen, die Brüdigam, als allerdings aus dieser Konfrontation den zweifelhaften Sieg er sich im Harz aufhielt, an den Redakteur Martwald von der davon. Es ergab sich, daß der geschicktere Lügner der" Boltsstimme" geschrieben hat und in denen er Marfwald mahnt, Zeuge Brüdigam war. er möge ihm die versprochene Unterstügung jezt auszahlen, da er, Brüdigam, durch die D. C. in Not geraten
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Gericht beschloß, Brüdigam nicht zu vereidigen,
Täter
Schütt und Diestel wurde noch der frühere Leutnant und jezige Nach Vernehmung von Leumundszeugen für die Angeklagten Kaufmann Fritsche aus Dresden vernommen, der brei Tage vor dem Rathenau- Mord eine Besprechung mit dem Angeklagten Steinbed hatte, wobei diefer in geheimnisvoller Weise um die Bereit auch zu, verhielt sich aber der weiteren Forderung Steinbeck's gegenstellung einer Garage bat. Fritsche sagte ihm die Garage Der geschicktere Lügner zweifellos, aber ebenso auch der sehr gut über die Organisation C Informierte. Der sachlich über, ihm auch gelegentlich ein Auto zu besorgen, ablehnend. nicht zum Prozeß gehörende Einwand der Berteidigung, daß fei. R.- 2. Dr. Sad: Sie behaupten in diesem Brief, daß Sie Steinbed jagte: Seute oder morgen, vielleicht auch gar nicht. Er Bors. Für wann wurde denn die Garage gebraucht? 3euge: die Aufklärungen des Genossen Wels über die Organisation C durch Ihre Tätigkeit für die D. C. fich frank gearbeitet haben. War verlangte auch von mir einen Chauffeur, und zwar sagte er, einen, im Reichstag die Erzählungen Brüdigams zur Grundlage Ihr selbst. bewilligter Ferienaufenthalt im Harz auch eine Arbeit der auch mal„ Gefängnis tnade". Borf.: Sollte das heißen, hätten, ist erstens fein Beweis gegen die Gefährlichkeit der für die D. C.? 3euge: Das nicht. R.-A. Dr. Sad: Sie sind einen der Gefängnisse öffnete? 3euge: Nein, einer, der auch mal Organisation C und zweitens feiner gegen die Richtigkeit seiner seit 1918 Mitglied der USP. Haben Sie in dieser Partei Mart- fitzen sollte. R.-A. Bloch: Hat Steinbeck gesagt, es handele sich Behauptungen. Benn es heißt, daß Brüdigam ein Lügner ist, wald und Quint fennengelernt? 3euge: Das ist eine gewaltsame um eine Waffenschiebung? 3euge: Nein, ich nahm an, es handele so beweist das noch nicht, daß seine Angaben sich nicht sehr Konstruktion Threrseits. fich um eine Entente- Angelegenheit. Beuge Fritsche bittet dann oft bestätigt hätten. Der Triumph der Verteidigung ist nicht Brüdigams verhört. Er erklärte, daß niemand Brüdigam zu„ Es muß ein Chauffeur sein, der den Teufel im Leib hat und der Der Angeklagte Tillessen wurde hierauf zu den Angaben noch, feststellen zu dürfen, daß nicht er die Aeußerung getan habe: angebracht. Dieser Brüdigam eben, über dessen Berwerflich glauben vermöge, daß er lediglich aus" Interesse" zu ihm, dem An- auch mal Gefängnis fnact", sondern Steinbeck ihm gegenüber. teit die Berteidiger Beweise herbeizuschleppen sich bemühten, geklagten, gekommen sei. Ich weiß nur nicht, ob Brüdigam mir von R.- 2. Dr. Luetgebrune beantragt die Ladung des Kapitändieser Brüdigam wurde von Tillessen mit Geld beder Frankfurter Boltsfiimme" oder von den Franzosen auf den leutnants Rillinger als Zeugen für den Charakter Kerns und schenkt, für die D. C. als Spigel in Dienst genommen, mit Hals gefchickt worden ist. Für die letztere Annahme spricht der Um- für das Verhältnis Kerns zu Techow . Zur Frage der VereidiEmpfehlungen ausstaffiert. So sehen eben die stand, daß Brüdigam bei seinem ersten Besuch bei mir davon ge- qung Brüdigams führte R.-A. Bloch aus, daß er für den Hilfskräfte der nationalistischen Organisationen aus! Bei der sprochen hat, ob ich die Namen derjenigen Deutschen fenne, die im Fall, daß der Gerichtshof die Bereidigung beschließe, auf der Gegenüberstellung fam außerdem heraus, daß die D. C. eine besetzten Gebiet für die Franzosen Spizeldienste leisten. Brüdigam Bernehmung der von ihm benannten Zeugen bestehen müsse, um Abteilung für Spionagedienste unterhält. Das hat bei seiner ersten Vernehmung in meiner Gegenwart dem so mehr, als auf Grund der Aussage Brüdigams auch in der beweist nicht nur politische Beziehungen, sondern aus Kriminalinspektor Göpner gesagt:„ Ich habe als Spiel den Tillessen Scheidemann- Sache ein Haftbefehl gegen Tillefsen schwebe. reichende Geldquellen und was daraus folgt: die auszuforschen versucht." Brüdigem: Das leugne ich auch gar Der Oberreichsanwalt widerspricht einer Bereidigung Brüdigams nicht, denn ich habe meine Tätigkeit Ihnen gegenüber so aufgefaßt. und das Hinfälligkeit der deutschnationalen Behauptungen, daß dieser Tillessen: Brüdigam hat bei mir den wilden Mann geMord und die vorangegangenen Verbrechen einzig auf das spielt, und ich habe ihn nur deshalb nach München weil er der Teilnahme an der Tat verdächtig ist. Konto einer fanatisierten Jugend zu sehen seien. gefchickt, weil er sich als einen angeblich Berfolgten aufspielte. Bei Nach der Mittagspause bittet R.- 2. Greving um Feststellung, Um 1 Uhr nachmittags war die Beweisaufnahme ge- dieser Unterredung ist ja auch Blaas dabei gewefen. Borf.: Ange: ob die Maschinenpistole, mit der Rathenau erschossen wurde, die schlossen, und der Oberreichsanwalt begann sein flagter plaas, ist das richtig? Plaas: Jawohl, und ich habe dabei ob die Maschinenpistole, mit der Rathenau erschossen wurde, die auch die Worte gehört, die Tillefsen über seinen Bruder Fabrikationsziffer 1920 trage. Es wird festgestellt, daß die- MaPlädoyer. Es war ein Augenblick würdevoller Feierlich sagte:„ Das ist mein Brüderchen, der Erzberger gefilled haben soll." schinenpistole 1920 in der Fabrik Bergmann in Suhl hergestellt worfeit, als der Oberreichsanwalt mit erhobener Stimme die AnR.-A. Bloch zum Zeugen Brüdigam:„ Sie wollen mit den ist, was R.-A. Greving zu dem Hinweis veranlagt, daß der flage gegen die anwesenden Mörder und jene versteckten ab- einem Beauftragten Tillessens nach Berlin gefahren sein?" 3euge: Angeklagte Voß bereits erklärt habe, solche Maschinenpistolen seien wesenden erhob und die Hoffnung aussprach, daß es gelingen Jawohl." Tillessen :„ Das ist ein glattes Märchen. Ich im freien Handel erhältlich. Angeft. Boß: Jawohl, zum freien werde, die verworrenen Fäden zu entdecken, die zwischen den bitte, meine Birtin darüber zu vernehmen, daß Brüdigam zu der Handel sind diejenigen Waffen zugelassen, die erst na.., dem Ent J.- R waffnungsgesetz hergestellt worden sind, und die infolgedessen nicht Angeklagten und ihren Berbänden geknüpft sind. Was die von ihm angegebenen Zeit überhaupt nicht bei mir war. Gewissenhaftigkeit eines offiziell vor der Deffentlichkeit an- Dr. Hahn: Sie haben früher gesagt, daß Sie in Berlin mit der Beschlagnahme unterliegen. Nur diejenigen Waffen fallen unter flagenden Juristen als Vermutung bezeichnen mußte feinem Mitglied der D. C. zufammengetroffen sind." Der Bor - das Entwaffnungsgesetz, die den Stempel der Marine oder Milidaß nämlich die Angeklagten im Auftrag und mit Unter- sigende verliest aus den Aften diese Stelle, stellt jedoch fest, das tärperwaltung tragen. Dann wurde die Beweisaufnahme geschlossen und es folgte das Wort„ tein Mitglied" so undeutlich geschrieben ist, ftügung verborgener Kreise gehandelt haben lebt in uns daß hier ein Zweifel möglich erscheine." Oberreichsanwalt: die Anklagerede des Oberreichsanwalts. schon lange als Gewißheit. Wenn die Anklagerede von„ Angell. Tillefsen, haben Sie den Brüdigam so ernst genommen, den Angeklagten als von„ Gliedern einer Kette" spricht, von daß Sie ihm, als er sagte, der Bolschewismus drohe hereinzu- waren Kern und Fischer und Ernst Werner Techow , und zwar Es handelt sich um einen Mord nach§ 211 St.G.B. dem„ Bestreben nationalsozialistischer Kreise, hervorragende brechen, antworteten:„ Dann ist es immer nech Zeit, Rathenau zu haben diese die Tat im bewußten Zusammenwirten als Mittäter Führer zu beseitigen", von dem„ Unsinn, der einer unreifen erschießen" Tillefsen:„ Ich wollte damit nur den mir lästigen begangen. Welche Beweggründe sie zu dieser Tat geführt haben, Sugend täglich von ihrer Bresse vorgelaut wird", wenn diese Schwäger los fein." Oberreichsanwalt:„ Haben Sie auch die nicht nur ein Verbrechen gegen den Minister Dr. Rathenau selbst, 2nklagerede einen Sag des ehemaligen Deutschnationalen Dr. sonst noch Spitel angestellt? Ich habe einen darauf hinweisender sondern auch Düringer zitiert:„ Es genügt nicht, daß man sie verurteilt, Zettel hier." Angell. Tillessen :" Dieser Bettel rührt aus gegen das deutsche Bolt man muß auch den Geist ausschalten", wenn festgestellt wird, meiner Tätigkeit in Chemik her, über die ich jedoch öffentlich Diese Tätigkeit betrifft aber nicht die D. C." war, dem einer seiner besten und fähigsten Köpfe entzogen worden daß dieser Geist noch existiert und gefördert wird, so ist es die nicht reden kann. autorative Bestätigung alles dessen, was hier immer wieder- Der Borsitzende verliest den Zettel, der nur die Worte enthält: ist, das haben die Täter hier selbst angegeben. Rathenau war für fie ein Schädling. Er war Jude, internationaler Jude. Er hat auch holt wurde. Wir kennen die Schuld dieser Wiederfäuerpresse" Anscheinend gut als Spiel zu verwenden, gut empfohlen." ihrer Ansicht nach den Bolschewismus in Deutschland herbeiführen der parlamentarischen und außerporlamentarischen Verhegung, Oberreichsanwalt:„ Ich verstehe nicht, Angeklagter, daß Sie wollen und es ist ja nichts zu dumm, daß es nicht in diejen der antisemitischen Rhetorit, des Korpsbrüderradaus, des einen Menschen als Spiel gegen die Kommunisten engagieren fanatischen Köpfen Widerhall findet, zumal es ihnen von ihrer Biergeistes, den man für den„ Geist von Potsdam " ausgibt. fonnten, von dem Gie mußten, daß er von den Kommunisten ver Bresse täglich vorgekaut wird er soll sogar seine eigene Der Oberreichsanwalt bezeichnete die Angeklagten als folgt wird." Tillessen :" Das ist ein Irrtum, denn Brüdigam Schwester Radet zur Frau gegeben haben, was natürlich reiner Ungemeine Mörder. Da hört die Politik auf, wo die hat mir erklärt, er werde nicht von der Kommunistischen Bartei ver- finn ist. Mit einer Gewalttat gegen ein Mitglied der Regierung Niedertracht beginnt. Das Todesurteil, das nur gegen Techow folgt, sondern von den Arbeitern in den Betrieben wegen sollten die Linksparteien aufgeputscht werden, es sollte feiner antisemitischen Propaganda." Brüdigam hat mir bei zu einem Bürgerkrieg kommen, in dem jene Kreise mit Waffengewalt beantragt wurde, ist gegen den Geist, der dieses Unglück her seinem ersten Besuch die kommunistische Alarmbereitschaft von auftreten wollten, um sich den Sieg und damit auch die Macht zu aufbeschworen hat, längst gesprochen von dem ganzen deutschen Frankfurt bis Lörrach geschildert. Er sagte mir, daß man einen verschaffen. Ernst Werner Techow hat selbst erklärt:„ Uns ist das Bolt, das mit Entsezen die Tat erlebt und die Enthüllungen Linksputsch ganz leicht verhindern könnte, wenn man nur die von Geld ausgegangen, deshalb haben wir Rathenau ermorden dieses Prozesses vernommen hat. ihm angegebenen Führer der Linksparteien feftfeße." Brüdi. müffen. Uns", damit meinte er die rechtsstehenden Kreise. Das In der Person des Oberreichsanwalts war heute gleich- gam: Ich habe Tillessen fein Material gegeben." Bors: Herr find die Beweggründe, die von den Angeklagten selber vorgebracht fam die Republit verkörpert. Die Anklage der Republik , an Brüdigam, haben Sie Tillefsen schriftliches Material verschafft?" sind und von denen auch Techow angibt, daß es seine eigenen Beder ein Mordversuch verübt worden war zum erstenmal Brüdigam: Jawohl, aber erst nach der ersten Unterredung mit weggründe wären, Beweggründe, wie sie verwerflicher, förichter und fcheuflicher nicht gedacht werden durfte hier in jener Feierlichkeit, die das republikanische Schutz- ihm." Beisitzer Fehrenbach: Angetlagter, äußern Sie sich fönnen. gefeß dem Staatsgerichtshof verlieh, die Republik sich ver- doch einmal, was es mit den Spizeln im besegten Gebiet teidigen und anklagen. Das fühlten die Zuhörer. Die An- für eine Bewandtris hat." Titlefsen: Ich unterhielt nebenbei Sie sind ein Zeichen unbegreiflicher Geringfchätzung eines Menschenein Bureau für Splonage im befehten Gebiet. lebens, und es zeugt von unglaublicher politischer Unreife und Berflagerede des Oberreichsanwalts wird historische Bedeutung gewinnen. Sie gehört zu jenen feierlichen Momenten, deren Brüdigam fragte mich bei seinem ersten Besuch bei mir, ob ich blendung, wenn solche Gründe als hinreichend erachtet werden, um jedes Staatswesen bedarf, und die sich tief in die Erinnerung schon die Namen derjenigen Deutschen wüßte, die im befekten ein fostbares Menschenleben zu vernichten. Welches sind die psychoGebiet für die Franzosen arbeiten. Ich kannte diese Leute und logischen Gründe, aus denen die Angeklagten, die doch keine Gewohndes Volksganzen einprägen. Sie war zugleich die Quintessenz, nannte Brüdigam die Namen Hoffmann usw." Brüdigam: heitsverbrecher sind, die Tat begangen haben? Es ist geradezu der ganzen Berhandlung. Tillessen sagte, er habe von Ser Reichswehrstelle Kassel Nachricht, tragisch, daß niemand anders uns diese psychologischen Gründe vor daß ein gewiffer Hoffmann von der Organisation Oberland Augen führt als der Mann, den jene ermordet haben, nämlich für die Franzosen arbeite." Tillessen:„ Das ist unrichtig. Rathenau selbst. Ich verweise hierbei auf die Veröffentlichung Vielmehr hat Brüdigam versichert, daß er der Polizei in Frankfurt eines holländischen Schriftstellers in einem Rotterdamer Blatt, der die Namen dieser für die Franzosen arbeitenden Spizzel angegeben mitteilt, daß Rathenau ihm nach dem Erzberger- Word über die habe. Also kannte doch Brüdigem bereits die Namen der franzöfi- Pinchologie der Erzberger- Mörder u. a. gesagt hat, daß der ster= schen Spizel, bevor er zu mir fam." Borf.: Weitere Erklärun bende Mittelstand das gefährlichste Gift im Organismus unferes Etaates sei Die Beamten, Offiziere und Kleinrentner gen erscheinen mir unnötig, da das Gericht über fönnten mit ihrem Einkommen nicht mehr leben und fielen dem die Glaubwürdigkeit Brüdigams Elend anheim. Ihre Söhne aber, die konservativ erzogen worden feien, würden dann rechtsradikale Reaktionäre der Tat. Besonders die Studententorps, die bisher eine Brutstätte konservativer Erziehung gewesen seien, würden jetzt der Sammelplatz jener Deflassierten; man fönne die Stimmung dieser jungen Leute begreifen, die in solche Verhältnisse gefommen feien, und aus diesen psychologischen Gründen sei eine solche Tat zu verstehen. Aus diesen Streifen refrutieren sich Nathenaus Mörder. Er mag damals wohl nicht daran gedacht haben, daß er mit der Zeichnung der Mörder Erzbergers die Psychologie feiner eigenen Mörder gab!
Berhandlungsbericht.
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( Fortsetzung aus der Abendausgabe.) Oberreichsanwalt: Beuge, Sie haben in einer früheren Bernehmung gefagt, daß bei Tillefsen ein Blan zur Ermordung von Rathenau und Scheidemann gefaßt worden ist? 3e uge: Als direkten Blan fann ich es nicht bezeichnen. Es war nur eine Besprechung und die fand am 13. Juni bei Tillessen statt. R.- 2. Bloch: Ist es richtig, Herr Reuge, daß Sie Kinder hypnotisiert haben? 3euge: Das hat der Amtsrichter, der das behauptet hat, nur geträumt. Rechts im Bilde ist." Brüdigam: Offenbar bezweifelt man anwalt Bloch: Ist Ihnen bekannt, Herr Zeuge, daß die Angaben, meine Glaubwürdigkeit. Daß ich aber vor dem Attentat auf die Sie dem Reccfteur Marimold von der Frankfurter Bolts- Echeidemann und vor der Ermordung Rathenaus den Behör stimme" über die D. C. gemacht haben, von dem Abgeordneten den von einem bevorstehenden Verbrechen Kenntnis gab, sollte els am 26. Juni dieses Jahres im Reichstag als feststehende Tat- meine Glaubwürdigkeit doch bestärken." Damit ist die Verfachen vorgebracht wurden, und ist Ihnen befannt, daß die Angaben nehmung Brüdigams beendet. des Herrn Abgeordneten Wels fich auf Ihre Angaben gestützt haben? Nach einer furzen Pause richtete Beisitzer Hartmann an Zeuge Das ist mir in der Tat bekannt. Rechtsanwalt Bloch: Tillessen die Frage, wie er die Differenz zwischen seiner Auslage Wissen Sie weiter, daß die Frankfurter Bolfsstimme" heute der An- und den Bekundungen Brüdigams über seine, Tillefsens, angebliche Ist es möglich, daß die Anstiftung zur Tat den Köpfen der Anficht ist, Sie hätten das Geld, das Sie von dieser Zeitung für die Be- Aeußerung erfläre:„ Das ist mein Brüderchen, der das Schwein fpigelung der D. C. erhielten, lediglich für private Swede verwendet? Erzberger gefillet hat." Tillessen :„ Ich habe nur gesagt:" Das geklagten selbst entsprungen ist, oder standen hinter ihnen weitere Am 10. Juli ist in der genannten Zeitung ein Artikel erschienen, in ist mein Bruder, der Erzberger getötet haben soll," wobei ich, Kreise und Organisationen? Kurz nach der Ermordung Rathenaus dem diese Tatsache feftaenanelt wird? Und weiter die Behauptung wie immer, wenn die Sprache auf meinen Bruder gekommen ist, ist die Behauptung aufgetaucht, daß gewisse Bünde oder Organisatioaufgestellt wird, daß Sie ein franzöfifcher Spigel sind?( Bewegung den Ton auf das foIt" gelegt habe." Beisiger Hartmann: men hinter den Angeklagten ständen, aber bis heute ist diese Behaup im Saal.) 3euge: Davon ist mir nichts bekannt. Justizrat Dr. Sie sollen noch dem Erzberger- Mord und zwar am 30. August tung nicht volt ermiesen. Noch sind die Fäden zu verworren, Hahn: Seit wann haben Sie Beziehungen zur Frankfurter Bolts- 1921 an Ihren Bruder u. a. geschrieben haben:„ Du bist ja eine als daß man sich ein flares Bild machen könnte. Bielleicht werden Stimme"? Beuge: Schen feit dem Jahre 1914. Justizrat Dr. urbreite Art." Weiter haben Sie noch herzliche Grüße an sie eines Tages entwirrt, aber es fenn nicht Sache der AnklegeHahn: Wieviel Geld haben Sie von der„ Boltsstimme" erholten? den zweiten Erzberger- Mörder Schulz beigefügt." Tillessen : behörde sein, deren Aufgabe vollste Objektivität ist, derartige BeZeuge: Gar nichts. Borsigender: Weshalb hat Herr Ober- Das ist richtig. Diefer Brief ist schon in Offenburg zur Sprache hauptungen ohne Beweis vorzubringen. Ich habe noch nicht bürgermeister gekommen. Es handelt sich um einen Antwortbrief auf ein Glüd einmal die subjektive Ansicht, daß es so ist, wie die Gerüchte wissen Scheidemann in Kaffel Sie nicht empfangen, wunschschreiben meines Bruders, der mir zusammen mit Schult wellen. Ich halte es aber auch für meine Pflicht zu sagen, daß fich das Tagebuch der Sturmtompagnie zu meinem Geburtstag gewiffe Umstände herausgestellt haben, die erkennen lassen, daß die Täter mit gewiffen Organisationen in Verbindung als Sie ihn nach Ihrer Aussage warnen wollten? 3euge: Weil am 22. August überfandt hatte. Damals habe ich aber noch nicht rine fo prominente Persönlichkeit nicht jeden 20bend empfängt. gewußt, daß die beiden als Täter in Frage famen." Borf.: gebracht werden können und daß diefe Organisationen den Tätern Suftizrat Dr. Hahn: hat es Scheidemann nicht vielmehr abge- Was bedeutet denn diese Wendung eine urbreite Art"." Lil- den Gedanken zur Tat eingegeben haben. Ich gehe sogar noch einen lehnt, weil er Sie nicht für ganz aufrichtig hielt? Ich bitte hierzu lefsen( lächelnd):„ Das läßt sich schwer erklären; es ist ein Aus- Schritt weiter. Ich sage, daß diese Organisationen ihnen bei der Herrn Scheidemann zu laden. 8euge: Ich glaube nicht, daß mich druck, den ich ständig gebrauche." Bors: Also eine scherzhafte Tat behilflich gewesen find. Bei allen Attentaten auf Erzberger,
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