«Lrontheil!� Treiben der Stahlhelmer in Berlin . Der„Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten ", macht sich trotz Küstrin und Münchener Bürgerbräu immer wieder bemerkbar. In seiner Zentrale Magdeburg hat er zwar öffentlich und privatim vor dem Regierungspräsidenten das Bekenntnis zur Republik abgelegt, als aber der Wind die chitler- Ludendorff-Aktion schon durch die Luftlöcher des Stahlhelms ankündigte, zog der Bund seine Erklärung wieder zurück und vertangle die Rechtsdiktatur. Genau wie der„Jungdeutsche Orden", der mit den Stahlhelmern in einem Schutz- und Trutz- bündnis steht. In das Treiben der Stahlhelm-Leute wirft das nachstehende Schreiben, das uns auf den Tisch wehte, ein bezeichnendes Licht: Teuber u. Brandt, Berlin W. 9. Verkaufszentrale Vereinigter Thüringer Glasfabriken. Zweiggeschäft: Dr«sden-A., Struvestr. 34. Berlin W. 9, den........... Königgrätzer Str. 24. Bankkonto: Diskonto-Gesellschaft, Berlin W. 9, Potsdamer Str. 129/130. Darmstädter u. Nattonolbank, Berlin SW. 11, Askanischer Platz. Telephon: Kurfürst 2799 Telegrammadresse: Brateuco Berka. Ä. B. C. Code 5th. Edition. Korrespondenz: Deutsch . Englisch , Französisch, Spanisch, Italienisch. Landesverband„Mark" Stahlhelm Bund der Frontsoldaten. Berlin , den 15. November 1923. An alle Gruppenführer Groß-Verlins. Kameraden I 1. Am Totensonntag, den 25. November 1323, findet nachmittags um 3 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-GedächMiskirchs ein Hclden-Ge- dächtnis-Gottesdienst statt, zu welchem der Gau Groß-Berlin des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten , vom Landesver- bände des 312)0. eingeladen ist. Falls nicht andere Anordnungen nötig werden, wird bestimmt, daß sich die Gruppen geschlossen um 2 Uhr nachmittags am Wittenbergplatz treffen. Der Gau Groß-Berlin wird geschlossen unier meiner Führung nach der Kirche marschieren und dort im Mittelschiff Platz nehmen. Es wird meine Fahnen- gruppe zusammengestellt, bestehend aus 2 Fahncnirägern und b Ossi- zieren in Uniform und Stahlhelm, dazu von jeder Gruppe 4 Mann, ebenfalls in Felduniform. Die Gruppen haben bis zum 20. November dem Gau zu melden, wie stark die Beteiligung von feiten der«in- zelnen Gruppen ist. Die befreundeten Verbände, soweit sie Frontsoldaten sind und an der Feier teilnehmen wollen, mar- schieren nicht innerhalb des Stahlhelmbundes, sondern können sich dem Stahlhelm anschließen. Alle Fragen müssen bis zum 19. November geklärt sein. Es wird gebeten, einen Kameraden mit den Borbereitungen zum Aufmarsch zu betrauen. Zch erwarte, daß die Gruppenführer ihre Gruppen fest in der Hand haben und das schönste Vorbild eines militärischen Auszuges geben. Ich erwarte serner, daß die Uhrzeit 2 Uhr unbedingt eingehalten wird. 2. Der Zungdeulsche Orden Deutschlands Hai mit dem Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten, in Magdeburg ein Schuh- und Truhbündnis geschlossen. Alle Soldatm, die nicht Frontkämpfer sind, können sich demnach dem Iungdeutschen Orden anschließen und hierdurch an der hrhen Aufgabe des Stahlhelm mitarbeiten. Ein weiteres Schreiben mit dem gleichen umfangreichen Briefkopf der gläsernen„Berkaufszentrale" trägt ein mit Schreibmaschine geschriebenes zweites Absenderzeichen und sieht mfolgedesien so am?: Erich Teuber. Oberstleutnant a. D. Berlin , Königgrätzer Str. ... Am Freitag, den 23. November, abends 8 Uhr. findet die Eröffnung unserer Ortsgruppe Kammersäle, Teltower Str., statt. Ich bitte unbedingr zu erscheinen, da neben anderen wichtigen Punkten vor allen Dingen die DarstandswaHl stattfindet. Ferner finden Sie in der Anlag« Befehl des Landesverbandes „Mark". Versammlung der Ortsgruppe„Berlin-Mitte " ist pünkt- lich 1,45 Uhr nachmittags zum Helden-Gedächtnisgottssdienft. Weitere Anordnungen erfolgen am Freitag in der Versammlung. Fronthell! gez. Erich Teuber. Die kommunistischen Hundertschaften sind verboten und, soweit sie Waffen haben, um den bewaffneten Aufstand vorzu- bereiten, mit Recht. Die..Stahchelm"-Bünde aber lassen ihre Mitglieder in Offiziers- und Frontuniform mit voller Aus- rüftung anmarschieren: glashandelnde Oberstleutnants erteilen „Befehle"— aber der Stahlhelm-Bund ist so wenig verboten. wie der„Iungdeutsche Orden", trotzdem männiglich bekannt ist, daß seine Iungmannen am Hitler-Putfch und an den Feld- zügen in Nordbayern hervorragend beteiligt waren. Den Behörden sind die Dinge sicher bekannt. Aber da außer den Behörden auch sonst noch Leute in Deutschland leben. geben wir den Inhalt der Briefe wieder, um zu zeigen, wte ungeniert militärisch organisierte Bünde in Deutschland ihr Spiel treiben können._
Kohr weist die Preußen aus! Ein neuer Bruch der Reichsverfassung. Der„Bereinsanzeiger" des Derbandes der Maler, Lackierer, An- ftreicher. Tüncher und Wcißbinder veröffentlicht in feiner Ausgabe vom 1. Dezember folgendes Dokument der Kahrsrei in Gestalt eines Ausweisungsbefehls: 1. Der preußische Staatsangehörige Zellechoff, lediger Malergehilft, geb. 7. v. 1883 zu Essen, wird aus München und Bayern ausgewiesen. 2. Gebühren bleiben außer Ansatz. 3. Die Kosten de? Verfahrens und des Dollzuges der Aus- Weisung fallen dem Ausgcw'esenen zur Last. Gründe: Z. steht in dringendem Verdacht, nur deswegen nach Bayern gekommen zu sein, um als linksraditaler Agitator die bayerisch« Arbeiterschaft gegen die bestehende Staatsform aufzuwiegeln Di« derzeitigen Verhältnisse gebieten die Fernhallung solcher Personen. Seine Ausweisung wird daher veranlaßt. Zellerhoss war Vorsitzender der Derbandsfiliale in Bad Reichenhall und zugleich Vorsitzender d«s Ortsausschusses des ADGB . Er wurde ausgewiesen, well er Kartellvorsitzender war. Nach voraufgegangener Haussuchung, die keinerlei belastendes Material gegen ihn ergab, wurde Z. nachts aus dem Bett heraus verhastet und nach achttägig« r Haft, ohne jede Vernehmung von München aus im Transportwagen, ge- meinsam mit gemeinen Verbrechern abgeschoben. Nach I4stündiger Fahrt wurde er an der sächstschcn Grenz« abgesetzt. Sein Schicksal teilte mit ihm der Schriftführer des Bad Reichen- haller Gewerkschaftskartells,«in Metallarbeiter aus Ber - l i n. Beide waren Mitglieder der Sozialdempkrati- fchsn Partei. Die Ausweisung preußischer Staatsangehöriger aus Bayern ist ein glatter Verfassungsbruch, der gerade den jetzigen Reichsjustizminister inlsressteren sollte. Denn der ist ja bayerischer Staatsanwalt und sollte als R e i ch s minister darauf achten, daß der sogenannt« Gcneralstaatstommissar nicht die Reichsverfassung und i-
die Rechte der Rsichsangehörigen gröblich verletzt. Denn der§ 110 der Reichsverfassung sagt ausdrücklich: llcder Deutsche hak in jedem Laude des Reiches die gleichen Rechte und Pflichten wie die Angehörigen des Landes selbst. Und der§ III der Rcichsverfassung fügt dieser an sich schon klaren Vorschrift die weitere Erläuterung hinzu: Alls Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Reiche. Jeder hat das Recht, sich an bclicbilzem Orte des Reiches aufzuholteu und nieder, itlafftn. Grundstücke zu erwerben und jede« Zlahruugszmeig zu betreiben. Einschränkungen bedürfen eines Rsichsgesetzes. Die bayerische und die Reichsausnahmeverordnung haben aller- dings eine Reihe von Bestimmungen der Reichsverfassung außer Kraft gesetzt. Aber die ßs 110 und III der Zisichsverfassung sind nicht einmal von der bayerischen Ausnahmeverordnung— deren Rechtsungültigkeit übrigens selbst nach dem Urteil baye- rischer Staatsrechtslehrer keinem Zweifel unterliegt— vorübergehend außer Kraft gesetzt. Sie bestehen also auch dort noch zu Recht, wo sonst alles Recht auf den Kopf gestellt ist. Trotzdem läßt Kahr preußische Staatsangehörige wie Ver- brechsr verhaften und über die Grenze abschieben wie lästig« Aus- länder! Was tut dagegen die preußische Regierung, um die Rechte ihrer Staatsangehörigen zu schützen? Wenn die Machtposition Kohrs übrigens nicht stärker ist als seine„Gründe", dann hat er bald abgewirtschaftet. Denn für den Ausgewiesenen und für alle gewerkschaftlich organisierten Arbeit- nehmer in Bayern wie in den übrigen Ländern des Reiche? konnte es sich doch höchstens darum handeln, für die bestshends Staats- form einzutreten, für die Republik und für die Weimarer Ver- f a s s u n g des Deutschen Reiches . N i ch t der Ausgewiesene und sein Genosse, sondern Kahr ist es, der„gegen die be. stehend« Staatsform" aufwiegelt. Was die freigewerkschosllich organisierte Arbeitnehmerschast, was die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei van einer„Staats- form" zu erwarten hätten, wie sie von den rechtsradikalen Agitatoren und von Kahr mit den bedenklichsten Mitteln einzuführen versucht wird, das kann man sich nach solcher Ausweisung wie nach dem Vor- gehen gegen unsere Parteipresse unter der b e st e h e n d e n Staats- form ungefähr vorstellen.
Amerikas Außenpolitik. Eine Rede Hughes�. Philadelphia, 1. Dezember. (BIß.) Skaakssekretär Hughes erklärte ln einer Ansprache bei Gelegenheil der Jahrhundert. seier der Alonroedokirin, die Bereln'.gten Staaten seien aus dem Kriege mit denselben Zielen hervorgegangen, mit denen sie in ihn cingelreten wären. Obwohl sie Sieger gewesen seien, hätten sie weder Gebietszuwachs noch Reparationen gesucht. Sie wüuschleu, daß Frankreich gedeihe und Sicherheilen erlange, daß seine Bunden heilten und seine gerechten Forderungen erfüllt würden. Ebenso wünschten sie ein ge einigte» und gedeihen- des Deutschland zu sehen, dos den Billen habe. Frieden zu halten und bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit Bieder. gutmachungen zv leisten und das. angemessenen Lohn für seine Arbeit und Tüchtigkeit erlange. Sie wünschteu die Feuer de» Hasse» ausgelöscht zu sehe». Die Vereiniztea Staaten seien immer noch Bündnissen abgeneigt und weigerten sich, sich von vornherein dem auszusehen, daß fle ihre Macht für unbekannte Mögllchkeiieu verwendeten. Sie behielten sich vor. zu haudelu, wie Beruunft und Pflicht es gestatteten. Sie forderten faire und gleiche Möglichkeiten lu den M a u d a t s gebieten, da die Alliierten diese mit amerikanischer Hilfe erworben hätten Sie wünschten zu einer friedlichen Regelung solcher Fragen beizutragen. wie sie es verantworten könnten. Zum Schluß kündigte Hughes an. daß die DereiniFizu Staaten bald eine Reihe von Mzistbe- günstigullgsverträgen mit den laleia-amerikanischen Rationeu ab. zuschließen suchen würden.
Die Mitwirkung Amerikas . Bei der Prüfung der deutschen Finanz frage. Paris . 1. Dezember. fWTB.)„New Port Herald" will wisien, daß im Ansäzluß an das gestrige Ergebnis der Verhandlungen der Reparationskommission die Washingtoner Regierung sofort auf- gefordert werden würde, der Ernennung von mindestens zwei, l ielleicht sogar vier amerikanischen Sachverständigen durch die „Repto" zuzustimmen. Die Einladung werde durch den Beobachter der Vereinigten Staaten L o g a n erfolgen, der bereits von der Repa, ratienskommission aufgefordert worden sei. den Plan der Einsetzung eine? Sachverstöndigenkomitees seiner Regierung zu übermitteln. Zur Milderung des Militärregimcs noch weit hin. Brüssel , 1. Dezember. lWTB. Nach der„Etolle Beige" hat zwischen der französischen und belgischen Regierung ein Meinungs- austausch über die Frage des Besetzungsregimes im Ruhr- gebiet stattgefunden. Nach dem Blatt soll General Degoutte, als man ihn nach dem Abschluß des(Micum) Vsrlrags über die Möglich- keft einer Verminderung der Okku pationstruppen be- fragte, gesagt haben, eine solche wäre möglich, könnte aber nur allmählich in einem solchen Maße, daß die Sicherheit der französisch-belgischen Truppen gewahrt bliebe, erfolgen. Ausschlag. gebend werds weiter sein, die Wiederaufnahme der Arbeft und di« Art der Einhaltung des Düsseldorfer Abkommens durch dl-e Arbeit- geber und Arbeitnehmer: im übrigen würde die Verminderung nur im Einvernehmen mit den militärischen Autoritäten durchgeführt werden. An dem Tage, an dem die belgisch-sranzösi. schen technischen Kommissionen in Sicherheit würden arbnten tön- neu, werde man zu dem Reaim>e vom 11. Januar zurückkehren. Nach der„Etolle Belg«" wird übrigens binnen kurzem«ine Anzahl Ausgewiesener ins Ruhrgebiet zurückkehren können.
Umschwung in Polen ? Zusammenschluß der Linken und der Minderheiten. Barschau, 1. Dezember. sEigener Drahtbericht.) Nachdem in der gestrigen Sejmsttzung die Regiormig die Auslieferung von drei an den Krakauer Unruhen angeblich beteiligten s o z i a l i st i- schen Abgeordneten durchgesetzt hatte, erfolgte in gemein- samer Versammlung der Zusammenschluß der oppositio- nellen Linksparteien mit den nationalen Minder. heitern Die neue Arbeitsgemeinschaft wird unter dem Lorsitz des Präsidenten der sozialdemokratischen Fraktion, Barlicti, über ihre weltere Taktik im Sejm und Senat beraten. Der Vertreter der Deutschen, Abg. U t t a, stellte sest, daß die Rechtsregierung den Anschluß der Deutschen an die Mehrheit durch erhebliche Kon- Zessionen herbeizuführen versuchte. Es siegte jedoch die Idee der Zusammenarbeit mit der Linken. Im Namen des. jüdischen Klubs erklärte Abg. Reich, die Juden hätten stets zur Linken gravitiert. Da das Rechtskabinett bei der letzten Abstimmung nur 11 Stimmen Mehrheit erzielte, kann die neu« parlamentarische Gruppierung ernste Folgen haben. Todesurteil gegen Faschisten. Berschau, 1. Dezember. lWTB.) Oberleutnant Bagien Ski und Leiiinant W i e c z o r k i e w i c z. die der Mitwirkung an einer geheimen Organisation, unter Milbeteiligung an einer Reihe von Bombenattentaien angellagt Ware», wurden vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt.
TjütftHaft Werlbestcmöige Spcandgllchkc-Isca. Der Zwang zum Sparen sst heut« größer als sc. In„, Regel kommt die Aussparung größerer Summen, um für das Wer oder für unoorhersehbar« Fälle einen Notgroschen zu haben, bei den im Verhältnis zur Teuerung viel zu geringen Löhnen kaum erulthafi in Betracht. Dagegen hat jeder Arbeitende Meidung nötig. Auch hier sind die Preise so hoch, daß sie von einer einzelnen Lohn- rate nicht bestritten werden können. Unter diesen Umständen ist es wichtig, die Möglichkeiten wertbeständigen Spörens zu kennen. Es ist volkswirtschaftlich durchaus unerwünscht, wenn die wert- beständigen Geldzeichen in den Haushaltungen oder in ber Brief- tasebe gehamstert und so dem allgemeinen Bedarf an Zahlungs- Mitteln entzogen werden. Besser ist es, wenn man sie einer öffent- lichen Kasi« übergibt, die die Gewähr bietet, daß das Ersparte wert- beständig, asso nach dem Kurswert der Anlage zurückgezahlt werden. Der Deutsche Sparkajsenverband und der Deutsch « Zentral-Giroverband veröffentlichen soeben zusammenfassend ihre Bestimmungen über die Errichtung von Rentenmarkgirokonten. Mit Hilf« dieser Konten, die übrigens auch von den meisten Banken eingerichtet worden sind, ist es möglich, Rentenmark bargeldlos an andere zu übertragen. Die Koitten. die jedermann zuganglich sind, kommen sedoch für die große Masse der Arbeitnehmer nicht in Betracht, weil sie einen Mindest- bestand von 100 Rentenmark voraussetzen. Wichtig ist die B-stim- mung, daß diese Konten auch ais Spar tonten, also ohne Usber- Weisungsmöglichkeit, aber dafür wohl auch ohne Mindesteinlaoe» benutzt werden können. In diesem Falle wird, genau wie bei andc- ren Sparkonten, ein Sparbuch ausgehändigt und jede Verfügung über den Bestand von der Einreichung dieses Sparbuches abhängig gemacht. Die Einzahlung kann dann erfolgen in Rentenmark oder-n anderen Zahlungsmitteln, umgerechnet nach dem jeweiligen amtlichen Kurs; die Auszahlung erfolgt in wertbeständigen Zah- lungsmitteln, soweit solche verfügbar sind. Die Einlagen werden verzinst. Neben dem Rentenmarkspar- und Giroverkehr bleibt der Goldsparmarkvertehr in etwas abgeänderter Form be- stehen. Eoldsparmarkkonbzn sollen an di« Stelle der alten Papier - marksxarkonten treten, aber ihre Inhaber vor der Gefahr einer Entwertung ihrer Spareinlagen bewahren. Die jetzigen Bedrngun- gen dafür lauten: Die Sparkasse nimmt Spareinlagen auf der Grundlag? der Goldsparmark entgegen. 1 Goldsparmark ist— 1/jo Dollar nach dem jeweiligen amtlichen Kurse der 6 Proz. wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches an der Berliner Börse für groß« Stücke. Es können auch Hundortstel-Goldsparmarkbeträge(Goldsxarmark- Pfennige) verrechnet und verbucht werden. Einzahlungen können im Mindestbetrage von 1 Gold- sparmark erfolgen: in Stücken der Goldanleihe oder in Teilstücken dieser Anleihe oder in Intcrimsscheinen von solchen; in wertbestän- digen Notgeldscheinen: serner in Rentenbankschei» nen zu dem von der Reicbsban? festgesetzten limredmungskurs der Rentenmark. Ist ein solcher nicht festgesetzt, so gilt der amtliche Berliner Börsenkurs der 5proz. Rentenbrief« der Deutschen Renten» baut schließlich in Papiermark nach dem Kurs der Kproz. wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches . Der Ein- Zahler hat nur Anspruch auf den Kurs, zu dem in Berlin di,? Ein- d e ck u n g erfolgt. Jedoch steht es der Sparkasse frei, nach Maß- gäbe der in ihrem Besitz befindlichen und abeabefähigen Deckung den jüngsten bekannten Kurs der llmred)nunq zugrunde zu legen. Die Rückzahlung erfolgt in gleicher Weise, also wenn mög- lich in wertbeständia>en Geldzeichen oder in Papiertnark unter Zu- grundeüegung des Kurses der wertbeständigen Anleihe des Deut schen Reiches . Der Sparer hat nur Anspruch auf den Kurs, zu dem in Berlin der Verkauf der Deckung erfolgt. IillZoch steht es auch hier der Sparkasse frei, nach Maßgabe ihres Bedarfs an Deckungs- Mitteln den jüngsten bekannten Kurs der Umrechnung zugrunde zu legen. Ter Einleger erhält ein Eoldsvarbuch, die Rückzahlung ist an Kündigungsfristen gebunden. Die Verzinsung beträgt zurzeit 8 Proz. jährlich. Eine höher verzinsliche Anlagemöglichkeft für kürzer« Zeit biete« die sog. unverzinslichen Goldschatzanweisungen Preu» ß e n s, über die wir kürzlich berichteten: man kann Stück« von 10 Goldmark an aufwärts und mft Fälligkeit in ein, zwei oder drei Monaten bei der Preußischen Staatsbank erwerben. Der Zins der vorweg vergütet wird, beträgt bis zu 5 Proz. jährlich. Erwähnt sei noch, daß auch die Konsumgenossenschaf» ten wertbeständige Spareinlagen entgegennehmen. Da diese aber nur mit längerer Kündigungsfrist abgehoben werden können, kom- men sie für das heute so notwendig« Sparen zu Anschaffungen weniger in Betracht. Vielleicht genügt dies« Anregung, um durch ein« Verkürzung der Kündigungsfrist dahin zu wirken, daß es den Genossenschaftern leichter gemacht wird, ihre flüssigen Beträge den Genossenschaftskassen zuzuführen.
Die Reukenmarkausgabe. Der Rentenbank ist es gelungen, bis jetzt utjgfäbr 750 Millionen Rentenmark herzustellen. Aller- dinqs hat sich die Ueberleitung des neuen wertbeständigen Zahlungsmittels in den Kleinverkehr verzögert, well die öffentlichen Kassen gezwungen sind, für ihren Bedarf ansehnliche Summen anzusammeln. So braucht die R e i ch s b a n k allein für ihnen Giroverkehr 200 Mil- Konen und die P o st als Stock im Scheckverkehr 10 Millionen, außer- dem als Vettiebskapital 35— 43 Millionen. Die BeHorden haben bereits Löhne und Gehaltsvorschüsse bis zu 50 Proz. in Rentenmark ausbezahlt. Auch hat das Hamstern der Reittenmart erheblich nach- gelassen. Bedeutende Beträge fließen durch Käufer und Steuer- zahler an den Handel und die Behörden zurück. Die Folge dieses Vorganges Zeigt sich in der Stillegung der Notenprrsse. Ein wesent. licher Tell der Papiermartnotenprodukiion, die bis jetzt noch auf Arund der bis zum 15. November diskontierten Schatzanweisunacn Papiermark hersteitte, konnte stillgelegt werden. Man rechnet Ende der kommenden Woche mit de? völligen Stillegung der Notenpresse. der größten und ungerechtesten Steuereintreibung', die das deutsche Volk bisher erlebte. Ein neues Zulaudlager der GEG. Am 1. November wurde in Magdeburg ein weiteres Lager der Großeinkaufsgesellschaft seiner Bestimmung übergeben. In Verbindung mtt dem Einkaufs- tage der Magdeburgischen Einkaufsvereinigung fand dann am 14. Ztovember im großen, neu«ingebauten Sitzungssaale des Lager- gebäudes die Einweihung statt. Das Lager ist nur etwa fünf Minuten vom Hauptbahnhos Magdeburg entfernt. Das Haupt- g e b S u d« ist über 85 Meter lang und besitzt in jeder der vier Etagen drei nsbeneinonderliegende Böden mit je rund 4IZ0 Ouadrat- meter Fläch«, die mit je rund 280 Tonnen belastet werden können. Außerdem besitzt das Hauptgebäude sehr hohe, schön« Kellsrräum«, rund 85 Meter lang, 17 Meter tief und 331 Meter hoch. Sieben einer Mühle hat die Großsinkausegesellschaft noch«in zweites Lager- gebäude übernommen, in dem ein neuer Betrieb der Eigenproduktton entstanden ist. eine Rährmittelfabrik. Hier werden in eigenen Packunaen Puddingpulver, Backpulver, Rote Grütze. Natron, Salizylpulper, Vanillinzucker und Vanillesoßenpulver hergestellt, wo- durch einem langjährigen Vedürfniss« der Verein« entsprachen wird. Das von der Graheinkaussgesellschaft auf 15 Jahre von der Reichs- finanzverwaltung gepachtete Grundstück und die vorgenommenen Umbauten fanden allgemeine Anerkennung. Man sah, was aus ein- fachen Lagerräumen geschaffen werden kann, wenn der Wille vor- Händen ist. Heut« enthält das Hauptgebäude auch ein großes, helles Kontor und«inen Sitzungssaal für rund 100 Personen.