Die PLelüchee Moröe. Ein Beitrag zur„Rechts"-Hfiege. Wir berichteten am Mittwochmoraen über das Verfahren/ das im Anschluß an die Erschießung der zwölf Perlacher Ar- beiter im Mai 1919 eingeleitet wurde und im Jahre 1922 im Sande verlief. Aus dem von der„Münchener Post" veröffent- lichten Material geht hervor, daß die Verhaftung der Arbeiter auf Veranlassung des Leutnants Polzing und des Vize- Wachtmeisters P r ü f e r t vorgenommen wurde und daß ihre Erschießung im Münchener Hofbröu ohne gerichtliche Unter- suchung und ohne Grund erfolgte. Da diese Sachlage bereits nach der verübten Tat kaum zweifelhaft war, wurde das Per- fahren eingeleitet. Ziel des Verfahrens mußte es sein, zunächst einmal die Täter festzustellen. Als der Tat dringendver- d ä ch t i g mußten die Polzing und Prüfert erscheinen. Aus dem Material der„Post" ergibt sich, daß in jenen Tagen des Jahres 1919 von dem Vorgesetzten der Verdächtigen, Major Schulz vom Freikorps Lützcw, zu einer rücksichtslosen und verantwortungslosen Anwendung der Waffengewalt auf- gefordert wurde. Sein Ausspruch:„Lieber ein paar Unschul- dige mehr an die Wand, als nur einen einzigen Schuldigen gehen lassen," steht fest. Nach den Akten des Staatskommissars für öffentliche Ordnung(Bericht vom 28. August 1919) gab der Major weiter in verschleierter, aber für den Eingeweihten klarer Form Ratschläge, wie man gewisse Personen beseitigen könne, auch wenn man nicht angegriffen wurde. Bei den der Tat verdächtigen Prüfert und Polzing mußte diese Instruktion auf nur zu günstigen Boden fallen. Beide waren als„energisch" resp. gewalttätig bekannt. Leutnant "'ölzing mußte später wegen Diebstahls belangt werden, bei Wachtmeister Prüfert bestand schon damals auch bei den "Militärbehörden kein Zweifel daran, daß er eine verbrecherische, > allem fähige Natur sei. Fest steht ferner, daß die zwölf ver- äaiteten Arbeiter von der Abteilung Pötzing bereits in Verlach bei entsicherten Gewehren zweimal an die Wand gestellt wurden und daß ihnen wiederholt die Er- schießung angekündigt wurde. Als man ihnen Kaffee reichte, hieß es:„Die brauchen keinen Kaffee mehr." Die Arbeiter wurden, dann später von der Abteilung Pötzing nach München ins Hosbräu übergeführt, wo sie ohne Untersuchung erschossen wurden. Nach den übereinstimmenden Aussagen der militari- schen und Zivilzeugen hat Prüfert die Leichen ausgeraubt. Das olles läßt den"Verdacht hinreichend begründet erscheinen, daß Polzing und Prüfert die Urheber der Er- m o r d u n g jener zwölf Arbeiter sind. Polzing und Prüfert sind b i s heute noch nicht zur R e ch e n s ch a f-t gezogen worden. Die militärischen Stellen des Freikorps Lützow bemühten sich von vornherein, die Sach- tage zu verdunkeln. Die„Post" nennt den in Frage kommen- den Bericht vom Gerichtsoffizier des Freikorps , der von Major Schulz gegengezeichnet wurde, das Unverschämteste an Lüge. was sich ausdenken läßt. In dem Bericht wird, um nur das cröbste hsrauszugrsifen. zu der Verhaftung behauptet, die Er- 'choflsnen feien mit Waffen in der Hand betroffen worden, sie ' ätten nach ihrer Gefangennahme versticht zu meutern. Dos Gegenteil ist durch eine große Anzahl beeidigter Zeugen fest- 0� stellt worden. Aber maßgebend maren dem Gericht nicht die Zioilzeugen. sondern die Pötzing und Prüfert, denn das chama's zuständige Gericht der Reichswehrbrigadc Z, Berlin , legte die II nt er f u ch u n g in die Hand des— Freikorps L ü tz o w. Das Freikorps Lützow ließ die A k te n v?e r- schwinden und sorgte dafür, daß die darauf rekonstruierten Alten dasselbe Schicksal teilten, ein damals nicht ganz unge- bräuchliches Verfahren, wie ein Erlaß des Generalleutnants v. Bergmann, Oberbefehlshaber des Reichswehrgruppen- kommandos I. vom 8. Juli 1920 beweift, in dem es heißt: „In der aus den beiliegenden Abschriften ersichtlichen, auch pali- tisch besonders wichtigen Sache sind erst die Akten und nach Reken - 'struktion des Verfahrens auch die neuen Akten verlorengegangen. Tie Erscheinung dürfte auch dort aufgefallen fern, da gerade in derartigen Sachen die Zahl der Fälle sich mehrt. in denen die Akten in Verlust geraten." Aber damals gab es poch keinen thüringischen Ordnungs- bund und keine Deutschnationalen, die— wie im F a ll H e r- mann— in puncto Moral so mimosenhaft empfindlich sind. Die übrige Behandlung des Falles durch die Militägcrichte schloß sich dem würdig an. Die Vernehmung der Schuldigen als Beschuldigte unterblieb. Sie waren die glaubwürdigen „Zeugen" in dem Verfahren gegen„II n b e t a n n t". Der erste Zeuge wurde glücklich nach einem Jahr„ausfindig" ge- macht. Und so ging dos. luftig weiter, bis im September des Jahres 1920"nalh Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit die Staatsanwaltschaft die ,ß-iche in die Hand nahm. An dem Gang der Untersuchung hat diese Veränderung nichts ge- ändert. Die Akten begaben sich auf die Wanderung. Eine Stelle spielte der anderen in die Hände, und es war nicht mehr verwunderlich, wenn das Verfahren a rn 5. I u l i 19 2 2 wegenMangelsan Beweise neinge st ellt wurde. Gewiß, bei den Akten log eine genaue Liste sämtlicher Offiziere und Vertrauensleute des Freikorps Lützow, durch deren Vernehmung der Hergang im einzelnen hätte festgestellt werden tonnen.. Aber dieser rettemd? Gedanke kam dem Herrn Staats- anmalt nicht bei! Gewiß, der S o? i ol d s m o k r o ti f ch e Verein München legte der Staaisonwoltftiaft das Prb- tokoll eines wichtigen Zeugen vor. Aber w>s käme ein kgl. bayerischer Staatsanwalt dazu, sozialdemokratischem Beweismaterial zu beachten!. Unter diesen Umständen-muß das Urteil, das die„Münckeuer Post" über die Angelegenheit fällt, nach als milde bezeichnet werden. Sie schreibt: „Was bis Militärbehörden in dieser Sache geleistet haben, ergibt ein Gesamtbild einer geradezu stinkenden Korruption: was die Staaisanwoltschoft geleistet hat, ergibt d-'e gänzliche Abwesenheit jedes Willens, dieser Korruption ch e r r zu werden und das sichtliche Bedürfnis, aus Gründen der „Staatsräson" die Sache in einer möglichst geräuschlosen Weise von der Bildfläche verschwinden zu lasten." Die Angelegenheit darf keineswegs auf lich b- r u h c n b l e i b c n. Das Materiol, das die„Post" beibringt, zeigt nur zu deutlich, daß dem Arbeit er m or d von Perloch ein widerwärtiges und ekelerregendes Justiz- verbrechen folgte, das das Vertrauen zu dieser Art von „Justiz" vollends erschüttert. Bisher mag der Vorgang in seinen Einzecheiten nur den Wenigen bekannt gewesen sein, die ein Interesse daran hatten zu schweigen. Jetzt, wo er der Oeffent- nchkeit und damit auch den Behörden bekannt geworden fit, bestehtdie Pflicht, nichf nur das Verfahren wieder auf- zunehmen, sondern es auch auf jene Richter ouszüdebnen, die hurch böswillige Fahrlässigkeit � Aufklärung der Perlacher Morde verhindert haben. Darüber binaus wird man s ch l e u- r. i g st ben Hinterbliebenen der Ermordeten(12 Flauen und 36 Kinder) die Sühne geben muffen, die ihnen aus dem Tllmullschadeugesejz zusteht.
Cm stiller Winkel. Einen stillen, beschaulichen Winkel in einer Großstadt zu finden, ist nicht leicht. Der Lärm, das Hasten und Treiben in d«n Straßen Zwingt oft genug, wenn auch sonst die Vorbedingungen für eine solche Entdeckung gegeben sind, die Phantasie in Anspruch zu nehmen. Der Man biso up laß, im Herzen Berlin ? gelegen, bietet Vorbedingungen genug, und wenn der Straßcnwanderer ein klein wenig Lust und Liebe zur Sache mitbringt, wird er sich beim An- blick der alten Baulichkeiten sehe bald in die Zeit der Altvorderen versetzen können. Main kämmt aus dem ärgsten Großstadtverkehr des Hackeschen Marktes. Die große Priisidmtenftraß« führt auf den Platz, den Hintergrund bildet der Eingang zum Schloß Monbijou. 'Niedrige Bauten mit Kolonadengängen führen zum großen schmiede- eisernen Tor. Linker Hand im Haus ist heute noch eine„Hof- apotheke" untergebracht. Man kann sich nicht entsinn»!, daß Berlin noch eine.Hofhaltung beherbergt und aus dem Schloß selbst sind wirklich schon seit geraumer Zeit alle Prinzen und Prinzessinnen verschwunden. Trotzdem ist man nicht böse darüber, denn der Titel Hofapotheke paßt entschieden besser zur alten Schloßfassode als etwa moderne Firmenschilder. Die Häuser um den Platz herum paffen sich dem Schloß durchaus«r, sie sind zur selben Zeit entstanden. Damals genügte noch die einstöckige Bauweise. Große, hohe Fenster zieren die Fronten; die vielfach geteilten Flügel hoben nieist noch die alten gebogenen Scheiben. Schwere Haustore drehen sich m kunstvoll geschmiedeten Angeln und Klinken und Schloßcinfassungm lassen die handwerksmäßige Herstellung durch den Kunstschmied er- kennen. Das alte Firmenschild eines Brunnenbauers zeigt an, daß er sich damals um die Mitte des Iis. Jahrhunderts, als Waffer- lcituugen und Kanalisationsanlagen noch unbekannte Eimichtungen waren, nm die Wasserversorgung der Bevölkerung erfolgreich be- mühte. Die noch vorhandenen Hofgebäude der alten Häuser haben teilweise noch die Treppenaufgänge außen an der Fassade; gegen- über diesen alten Gebäuden nimmt sich die doch gewiß nicht mehr als modernes Beförderungsmittel anzusprechende Stadtbahn, die in nächster Nähe vorbeifährt, als der Fortschritt selber aus. Und trotz- dem: der Besucher, der etwa zur Abendstunde, wenn der Großstadt. lärm gemildert und der Straßenverkehr verebbt ist, diesen alten Platz betritt, wartet förmlich darauf, daß aus den alten Torwegen die Bewohner in bunten Röcken, Kniehosen und mit der Puderperück« auf dem Kopse treten, und daß sie«sich zu einem Plauderstündchen cuf der Bank niederlassen.\ Und er ist so tief in seine Vorstellung versunken, daß er gar nicht merkte, wie eben die Elektrische oorbeiraffeli-z und ein Auto sein« Sirene blöken ließ. Mus üer Slütezeit See Notenfalschungen. Die käglichen Verhandlungen gegen Münzverbrecher. An der Tagesordnung stehen jetzt täglich bei den Berliner Ee- richten Verhandlungen wegen Münzverbrecheus. Eine Bonknotenfäffcherbande, die sich aus den Mitgliedern einer Fa- milie rekrutierte, wurde vom großen Schöffengericht Wedding abge- urteilt: die Fälscherbando des W s d d i n gs, Binder und Genassen. Der Hauptan geklagt« Kurt Binder hatte früher eine andsre Verbrecherspezialität betrieben. Mit seinen drei Brüdern ge- hört« er jahrelang zu den berüchtigsten Geldschrankknackern und war Mitglied der verrufenen Weddingkolonne. Als in der In- fiationszeit dieses Geschäft insoige der gähnenden Leere der Geld- schränke sich nicht mehr»erlahnte, oerlegte er sich darauf, den Inhalt der Safes selbst herzustellen. Schon iw Jahre 1920 hatte Krimmalkommiflor von Liebermann eine sechsköpfige Verbrechsrboride. zu der auch Binder gehörte, in einem Lokal am Wedding dabei abgefaßr, als sie eifrig mit der Prüfung von Wasserzeichenpopier beschästigk war. Man fand bei ihnen auch gefälschte braune Funfzigmartscheine. Damals wurden alle Beteiligten von den Geschworenen schwer bestraft, bi« aus Binder, den sein« Freunde und Mitangeklagten so günstig entlasteten, daß er freigesprochen werden mußte. Seit längerer Zeit lebte Binder unangemeldet imd hatte einen Schlupfwinkel bei seiner Braut Marie Hildebrandt gefunden. Der Polizei wurde von Vertrauensleuten ge- meldet, daß eines Nachts vor dieser Wohnung ein Auto vorgefahren war, imd daß schwere Kisten und Körb« m die Wohnung hinausgeschafft worden seien. Bei der.Haussuchung wurden alle Zu- behörtelle für ein« regelrechte Falschmünzerwerk- ft ä t t e vorgefunden, so«in« Druckmaschine, eine Schneidemaschine, Stempel, Platten und vor allem ganze Pakete Preußen- dollars zu 4.20 Mark, die aber nock» nicht auseinanderge- schnitten waren. Als man dann auch in der Wohnung des Bruders der Braut, bei dem Händler Karl Hildebrandt, Haussuchung hielt, wurde weiteres Material entdeckt Die Ehefrau Karl Hilde- brandts war bereits wegen Verausgabung falscher Fünfzigmark- scheine, die sie von ihrem Schwiegervater erhalten hatte, zusammen mit diesem verurteilt worden. Die Angeklagten versuchten vor Ge- richt alles zu bestreiten und behaupteten, daß die Sachen ihnen von unbekannter Seite, vermutlich von Lockspitzeln, ins Haus gebracht morden seien. Zu ihrer Verblüffung wurde aber eine Zeugin vor- geführt, der Marie Hildebrandt im Gefängnis als ihrer Zellen- genofsin erzählt hotte, daß sie große Zechgelage und Autofahrten gemacht und mit falschem Geld« be- zahlt hätten. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung von der vollen Schuld der Angeklagten und»eruriellte den Hauptangeklagten Kurt Binder zu SJohren Zuchtdaus. Karl Hildebrandt zu m Jahren Gefängnis, Marie Hildebrandt und die Ehefrau Hildebrandt zu je je 9 Monaten Gefängnis. s Ein« umfangr eiche Falfchmünzerwerkstctte wurde im November 1922 bei dem Buchdruckereibesitzer Otto Wiek« in der Oranienstrohe. entdeckt. Als Kriminalkommissar von Lieber- mann dort Haussuchung abhielt, fand«r eine wohleiuge- richtet« Druckerei für 5 00- M i ll i o n en- Sch«in e und S t« u er ba nd e r o l«n. In der Wohnung des Angeklagten und auf dem Boden wurden in Schränken und Körben Riesen- mengen von Falsifikaten gefunden. Don dem Umfang des Betriebes gewann man einen Einblick durch die großen Stöße von F a l s ch s ch e i n e n. die im Gcrichtssaal aufgestapelt waren. Das Schöffengericht Mitte hatte Wirte zu 6 Iahren Zuchthaus verurteilt. Damit hatte der Angeklagte sich nicht beruhigt, fondern durch Rechsanwalt Dr. T i e d e m a n n Berufimg einlegen lassen, so daß der Straffall gestern nochmals vor der großen Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung gelangte. Wirte, de sich in w ü st e n B« s ch i m p f u n g e n des Zeugen von Liebermann und des Anklage- Vertreters Staotsanwaltschaftsrats Dr. P e l tz« r erging, wollte überhaupt nicht wissen, wie alle diese Ding« zu ihm gekommen seien, imd kam ebenfalls mit der Ausrede, daß die Kriminalpolizei ihn durch ihre Lockspitzel heimlich ein Äuckucksei ins Nest gelegt habe. Das Gericht kam auf Grund der Beweisaiufnahme, die sich sehr umfangreich ge- staltete, ebenfalls wiederum zu der Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten. _ Wegen eine« gefährlichen Wohnnngsbrandes wurde die Witten - ouer Feuerwehr nach der Antonius-Straßs 38 auf dem Eichbaumplan in Reinickendorf - West gerufen. Durch kräftiges Wassergeben gelang es eine weitere Ausdehnung zu verhüten. In Schulzen- dori brannte in der dortigen S'cdlun.z das Dachgeschoß eines Stallgebiiudes und eine Waschküche. Ein größerer Keller- brand bcschäfi'gte die 4. Kompagnie in der Bergstraße 34. wo Hausrat und Kohlen brannten. Auf dem Güterbahnhof in Friedenau -Wilmersdorf stand eine Lore mit Preß- kohle» m Flamm«» und an der Eecke der G»eif«nau- und
Bärwald st raß« brannte ein Bauzaun der Unteegnendbohu Papier ». a. Zwei Tischlereibrände wurden aus der Sla- litzer Straße 103 und Ruppiner Straße 9 gemeldet. Späne und Hölzer brannten dort. Der 15. Zug wurde nach der Markt- halle am Teutoburger Platz alarmiert, wo in emem Stand« Stoff« bramrten. Ein Schuppenbrand beschäftigt» die Riederschönewerder Feuerwehr in der Kaiser-Friedrich-Straße 31. Preßkohlen ivaren dort in Brand geraten. Der Massenmörüer Haarmann. Me er entlarvt wurde. lieber die Entlarvung des Massenmörders Haarmai. iu«rden jetzt folgende Einzelheiten verbreitet. Der auf den ExzelsÜK werken angestellte Werkmeister W. aus Linden vennißt« seit dem 26. April d. Js. seinen 19 Jahr« alten Sohn Robert. Dieser hatte sich an jenem Abend mit seinem Freund« K., einem noch nicht ISjäh- rigen Jüngling, zum Zirkus begeben und war nicht wieder von dort zurückgekehrt, während K. wieder nach Haus kam. JSnd« Mai und im Lauf« des Juni erschienen die Notizen über die Schädelfunde in derLein« in den Zeitungen. Bei einer solchen Notiz ging einem Ingenieur der Cxzrtsiorwerke. der Borge- sttzter des W. ist, plötzlich das Verschwinden von dessen Sohn durch den Kopf. Er verhandelte mit dem techmschen Direktor und veranlaßt« schließlich, daß der Werkmeister mit dem Sozialbeamten der Exzelsiorwerk« in Verbindung gebracht wurde. Dieser hat sich dann mit dem Werkmeister ausführlich über seinen Sohn und dessen Ver- schwinden uiiterholien. Di« Mitteilung, daß der Freund K. sich wiederholt bei der Familie W. nach Robert erkundigte, machte i» dem Genannten den Verdacht reg«, daß dieser K. von dem Derbleibe» Roberts etwas müsse» müßte. Weitere Angaben des W. bestärkten feinen Verdacht. Er setzt« sich sofort telephonisch mit dem ihm per- jönlich bekannten Chef der Sittenpolizei in Verbindimg und bat diesen, noch dem Sadisten zu forschen, welchen ihm K. sicher an- geben käimt«. Bei einer Vernehmung des K. im Polizeipräsidium am 23. Juni bekannte dieser auch, daß er und der jung« W. am Abend des 26. April mit einem Kriminalbeamten Haarmann zu- sammengewesen feien. Haarmann und der junge W. hätten sich zn diesem Abend verabredet. Am 25. und 26. Juni fand dann auch durch Herrn und Frau W. ein« Besichtigung der in der Lerne gc- fundenen Schädel statt. Infolge einiger zufällig besonderer Merk- male konnten die Eltern«inen dieser Schädel als den ihres Sohnes mit Bestimmtheit feststellen. Am 29. Juni vormittags wurde der Mörder zw» ersten Male mit der Mutter des W. in Verbindung gebracht. Diese hat Haarmonn«in« Stmrde lang gebeten und angefleht, ihr zu sagen, wo ihr Sohn wäre. Haarmann fing schließlich an zu weinen und bat. ihn dem Untersuchungsrichter vorzuführen, wo er alles beichten wolle. An demselben Abend nahmen dann Herr und Frau W. die Hose mit. die zu Jakett und Weste gehört«, die der junge Mann am 26. April angehabt hatte, und baten, daß man nach Jakett und Weste forsche. Es wurde ihnen aber auf dem Präsidium bedeutet, daß man mit der Hofe nichts anfangen könne. Am Somitag, den 29. Juni, gingen dann Herr und Frau W. selbst mil der Hose nach der Wohnung Haarmanns, um noch Jakett und Weste zu forschen, jedoch ohne Er- gebnis. Am 1. Juli von 5 bis 11 Uhr abends befanden sich Herr und Frau W. wieder auf dem Polizeipräsidium. Gleichzeitig war auch die Ouartierwirtin Haarmanne, eine Frau Engel, die in der Roten Reihe unter der Wohnung Haarmanns mit ihrem Manu und ihrem unehelichen Sohn.Hartmann wohnt, anwesend. Plötzlich erschien der Ehemann und Hartmann, um Frau Engel abzu- holen. Do setzte derZufall«in, der den Mörder schließlich über- führte.� Frau W. erkonnte in dem Jakett. das Hartmann trug, das ihres Sohnes. Hartmann gab zu, das Jakett von Haarmann er- hallen zu hoben. Es wurde weiter festgestellt, daß sich in einer Tasche des Iaketts eine Personalkarte der„Cxzelsior" befunden hatte. Hortmonn hat später bei der Vernehmung alles wieder abgestritten. Um 9 Uhr wurde dann der Mörder vorgeführt. Nach zehn Mi- nuten erschien«in Beamter und bat Herrn W., ins Nebenzimmer zu kommen, um, wenn er sich stark genug fühle, zn hören, wi« sein Sohn geendet habe. Der Beamte hat dann Herrn W. eröffnet, Haar- mann habe gestanden, dem jungen W. in der sexuell-sadistischen Er- regung den Hals mit den Zähnen zerfleischt zu hoben. Anschließend hat Haarmann dann weitere Morde zugestanden.
„Haltet de» Dieb!" Mit Rasiermesser und Zange arbeitete ein Taschendieb, der auf dem Stettiner Bahnhof festgenommen wurde. Hier stand eine Dame an der Sperre, um auf die Abfahrt ihres Zuges zu warten. Ihren Mantel hotte sie über den rechten Arm geworfen. Di« Hand- tasche trug sie darunter. Plötzlich spürte sie, daß die Lastleich. te r geworden war. Sie sah unter den Mantel trnd fand die Tasche nicht mehr. Ein Dieb hatte sie abgeschnitten. Die Beswhleue sah noch, wie«in Mann eiligst davonlief. Alsbald verfolgt warf der Dieb die Tasche weg, lief weiter und rief noch lauter als die Destohlen«:„Haltet den Dieb!" Ein Krimi- nalbeomter aber hatte den Vorgang bedbachlet und nahm den Dieb fest. Man erkannte in ihm«inen 44 Jahre alten aus Schmal- kalden gebürtigen Zimmermann Reinhold Schmeißer, einen gewerbsmäßigen Taschendieb. Bei sich hotte er lose in der Tasche«in Rasiermesser, mit dem er Lede meinen usw. durchschnitt, und ein« scharfe Zange, mit der er Uhrketten durchlnifi.
Plantsche« im Badeanzug verboten! Aus Tempelhof wird uns geschrieben:„Wir haben in unserem Bezirk eine schön« Plantsch wiese und unsere Kinder freuen sich sehr, wenn sie an. den heißen Tagen hier frei umher- tollen können. Sie legen ihren Badeanzug an und führen so dam Körper Licht. Luft und Sonne zu. Das scheint ober einer hohen Behördz nicht zu pasien und sie ordnete an, daß das Plant- schen im— Bandeanzug verboten ist. Und der anwesende Wärter, der diese»„Verbot" bestätigt, wacht mit Argusaugen darüber, daß die neue Bestimmung auch«ingeholten wild. Knaben und Mädchen dürfen� wenn sie ihre Tageskleider anhoben, im Wasser spielen und tollen. Aber diejenigen, die vielleicht ihre letzten Kleidungsstücke schonen wollen und deshalb einen Badeonzug onaelegr haben, muffen das Wasser verlassen. Di« Zuschrift schließt mit den Worten:„Immer heißt es, daß unsere Kinder Luft und Sonne haben sollen. Bekommt man aber diese geschilderte Verordnung zur Kenntnis, so muß man doch fragen, ob die von der Sittlichkeitsmück« gestochene DeHörde»ich ein« grundvertehrt« Gesundheitspolitik treibt. Mögen dies« Zeilen dazu beitragen, daß dieser Uebelstend schnellstens best ft igt wird." Die neue Straßenbahnftrdcke Rsinickendor-Ost-West im Zuge der Humboldtstraße wird voraussichtlich ab 12. d. M. durch Verlange- runy der Linie 41 zunächst verfuchsweist im SO-Mmutenverkehr bis Berliner - Ecke Schaniwcberstraß« in Betrieb genommen ivert>en. Die vier Kleiderkammern des Bcjirte Treptow , die vom Not- dienst der Berliner Frauen und der Gemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege iu Treptow , Baracke am Rathaus lMittwoch von 10 bis 12 und Sonnabend ven 3 bis 6 Uhr), Ober- schöneweide. Ostendschule. Keplerstraße(Montag 4 bis 6 Uhr). Johannisthal , Amtshaus(Donnerstag von 9 bis 12 Uhr), Adlershof . Zusluchtsanstalt. Waldstraße(Mittwoch 4 bis 6 Uhr) umerhallen weichen, sind durch Spenden immer wieder aufgefrischt worden, so daß sie w d«? Lag« waren, Hilfsbedürftigen Kleidung und vor allem repariertes Schuhzeug gegen ganz geringe Eni- fchödiaung oder m-entgeftlich abzugeben. Bezugsberechttungsfcheine geben die Wohifahrtstommissionen und Wohliahrtsversin« aus. Spende» an abgelegten Kfeidirngs- und Wäschestücken sind dauernd erwünscht und werden eoeniuell abgeholt. An- Meldung in den Ausgaltestundsn od« beim Bezttkewohlfahrtsamt. Drwgemfftee Bedarf U« Mämtt- und Knobenho�n,