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Tagung des AfA- Bundes. Sozialpolitische Erfolge.   Organisatorische

Festigung.

Am Dienstag früh trat der Bundesausschuß des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes im Industriebeamtenhaus in Berlin   zu seiner dritten Tagung in diesem Jahr zusammen. Einleitend be= richtete der Bundesvorsitzende Aufhäuser über die seit der letzten Ziusschußsizung geleistete sozialpolitische Arbeit.

Er hob hervor, daß es möglich war, bei der Verabschiedung des Knappschaftsgefeßes die geplanten Verschlechterungen der Gegenseite abzuwehren, im Kündigungsschußgesez für die älteren Angestellten einen beachtlichen Teilerfolg zu ereichen und auch die Beratung des Arbeitsgerichts: gesetzes zu beschleunigen. Der Reichstag   müsse, in den nächsten Wochen die notwendigen Verbesserungen der Erwerbslosen fürsorge, die Wahlreform zur Angestelltenver­sicherung, die Krantenversicherung der Seeleute und das Reichstheatergesez erledigen. Die zuständigen Ausschüsse des Afa- Bundes haben in den Sommermonaten alle er­forderlichen Vorarbeiten durchgeführt.

Organisatorisch hat sich der AfA- Bund im letzten Jahre be­merkenswert befestigt. Die Zusammenarbeit der Berbände ift die denkbar beste, und die außerordentliche Aktivität der AfA­Arbeitsausschüsse für Sozialpolitik, für die Behörden- Angestellten und für den Bergbau erfreut sich wachsender Anerkennung.

Die in der Berichtsperiode ausgebrochenen Organisations­tonflitte im Verband deutscher Kapitäne und Steuerleute der Handelsschiffahrt und Hochseefischerei und im Verband deutscher Schiffsingenieure können nach den nunmehr erfolgten unbedeutenden Absplitterungen als abgeschlossen angesehen werden. Der Berichterstatter sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß bis zur nächsten Ausschußsigung wiederum ein weiterer Teil des sozial politischen AfA- Programms verwirklicht sein wird.

Alsdann erfolgte die Vorlegung des Rechnungsberichtes für das erfte Halbjahr 1926. Der Bundesausschuß erteilte der Haupt­geschäftsstelle einstimmig Entlastung.

Das Lohnelend in Ostpreußen  .

Will es das Reichsarbeitsminifterium verewigen? Bem Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns geschrieben:

Durch wiederholte Beröffentlichungen ist auf die ungünstige Entlohnung der landwirtschaftlichen Arbeiter Ostpreußens   hinge­wiefen worden. Sie ist die niedrigste in der ganzen deutschen Landwirtschaft. Der vollarbeitsfähige Depu­tant erhält an Bar- und Deputatlohn insgesamt 30 Pf. und der gleichwertige Hofgänger 14 bis 16 Pf. pro Stunde. Deputanten ohne Hofgänger erhalten teine Arbeitsstelle. Dagegen ist es feine Seltenheit, sondern vielfach sogar betriebsüblich, daß zwei Hofgänger oder noch mehr von jedem Deputanten gestellt werden müssen, ein Zustand, der dazu führt, daß der Durchschnittslohn jeder Person noch niedriger ist als eben angeführt.

Seit Jahren strebt der Deutsche Landarbeiterverband nach einer Erhöhung der unwürdigen Entlohnung. Leider hat er nur geringe Erfolge erzielen fönnen, weil ein großer Teil der Landarbeiter in folge der Schikanen nicht magt, sich der Gewerkschaft anzuschließen. Dazu ist den Landwirten ein williger Helfer in dem Zentral. verband der Landarbeiter entstanden.

am

Auf Antrag des Deutschen Landarbeiterverbandes trat 23. September 1926 die Schlichterkammer für die Provinz Ostpreußen  unter dem Vorsitz des Verwaltungsgerichtsdirektors J. R. übe

ner zufammen, um zu einer Lohnerhöhung für die ostpreußischen| wußte in ihrer Hilflosigkeit teinen anderen Rat, als feige die Flucht Landarbeiter Stellung zu nehmen und brachte durch Schiedsspruch zu ergreifen und die Versammlung zu schließen. eine Lohnerhöhung von 1 Pf. pro Stunde für die Freiarbeiter und etwa 8,5 Proz. für die Hofgänger in Vorschlag. Schon in der Ver­handlung lehnten die Vertreter des Landwirtschaftsverbandes den Schiedsspruch ab. Die Arbeitervertreter nahmen ihn an, trotzdem er den berechtigten Forderungen der Landarbeiter auch nicht an­nähernd Rechnung trägt.

Die fürzlich bekanntgegebenen Feststellungen des Professors Dr. Mann in der Frage der Abwanderung aus der Provinz Ost= preußen ergeben, daß in 1% Jahren bis zum 15. Juni 1926 160 000 Personen ihre Heimatprovinz Ostpreußen   verlassen haben. Da die landwirtschaftliche Lohnarbeiterschaft Ostpreußens   schon immer einen großen Prozentsaz der Abwandernden stellte, ist es selbst­verständlich, daß sich unter den 160 000 Personen wiederum in der Mehrzahl Landarbeiter befinden.

Die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches würde zur Folge haben, innerhalb der Arbeiterschaft die Hoffnung wachsen zu lassen, daß der Staat, nachdem er durch seine Hilfsmaßnahmen die Landwirtschaft in erheblichem Umfange gefördert hat, nunmehr gewillt ist, auch den Landarbeitern in ihrer Net zu helfen. Betrachtet das Reichsarbeitsministerium den Antrag auf Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches von diesen Gesichts. punkten, kann die Entscheidung nur zugunsten der Arbeiter fallen.

Um den Schiedsspruch im Bankgewerbe.

Bergebliche Einigungsverhandlungen.

Am Dienstag fanden die vom Reichsarbeitsminister veranlaßten Verhandlungen über die von den Bankleitungen beantragte Ver bindlichkeit des am 27. September gefällten Schiedsspruchs statt. Diese Entscheidung war von allen beteiligten Angestelltenorganisatio. men abgelehnt worden. Die unter Borsiz von Ministerialrat Mewis abgehaltenen Beratungen verliefen teilweise sehr erregt und wurden schließlich ergebnislos abgebrochen. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Minister.

Der Kaiser auf der Flucht.

Der kaiserliche" Betriebsräteausschuß hatte für gestern abend zu einer gemeinsamen Versammlung der Mit­glieder des Baugewerksbundes und des sogenannten Industrie verbandes nach den Musikerfälen eingeladen. Da der Bau­gewerksbund zum Besuch der Versammlung aufgefordert hatte, war der Saal dicht befeht.

Es ist flar, daß zu einer gemeinsamen Versammlung zweier Organisationen eine gemeinsame Versammlungs= leitung gehört. Da stürmisch nach Erledigung des Antrages auf Bildung einer ge Das wurde von den Einberufern abgelehnt. meinsamen Versammlung verlangt wurde, wußte fich der Leiter" der Bersammlung nicht anders zu helfen, als Herrn Kaiser schnell das Wort zur Geschäftsordnung zu geben. Kaiser wurde in größter Ruhe angehört. Und siehe da: derselbe Herr Kaiser, der so oft formales Recht einfach beiseite geschoben hat, der berief sich in einer Arbeiterversammlung auf diefes formale Recht", das dem Einberufer als Mieter des Saales zufomme! Derselbe Kaiser, Wahl eines gemeinsamen Bureaus gefordert hat, der formales Recht der so oft in Mitgliederversammlungen des Baugewerksbundes die Behörden und Vertragskontrahenten des Baugewerksbundes gegen­über jeden Tag zu brechen auffordert.

Die Versammlung ließ sich aber diese demagogische Schaum­schlägeret nicht gefallen. Das Thema der Versammlung war: Warum hat der Baugemertsbund das Lohn. abfommen gekündigt?" Wer sollte darüber besser Aus­funft geben fönnen, als die Leitung des Baugewerksbundes selbst. Aber die Bediensteten in der Versammlungsleitung folgten dem Winke ihres Häuptlings und ließen den Genossen Drügemüller nicht zu Worte fommen. Diefes feige Ausweichen der Leitung löste bei den Anwesenden helle Empörung aus. Die Bersammlungsleitung

Gute Ware!

Leider war es nicht möglich, unter Leitung des Baugewerks bundes eine neue Versammlung festzusetzen, da der Wirt durch den Kellner die Hergabe der Musikerfäle unter Hinweis auf den Hausfriedensbruchparagraphen verweigerte! Dadurch wurden die faiserlichen Demagogen vor einer gründlichen Abrechnung geschützt. Der Verlauf der Versammlung bewies, daß die Kaiserlichen wohl aus dem Hinterhalt verleumden fönnen, sich aber vor einer offenen Aus­Sprache feige drücken.

Gewerkschaftseinheit in der Tschechoslowakei  . Zwischen den deutschen und tschechischen Gewerkschafter.

Prag  , 12. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsche und der tschechische Gewerkschaftsbund in der Tschechoslowakei   sind nach langen Verhandlungen übereingekommen, eine gemeinsame Landeszentrale zu errichten, die mit ihrer Tätigkeit am 1. Januar 1927 einsetzen wird. Die Errichtung dieses internationalen gewerkschaftlichen Ueberbaues bedeutet einen großen Schritt in der Annäherung der Arbeiterschaft beider Nationen. Dieser Beschluß ist ein großer Erfolg der Amsterdamer Internationale. Nachdem die deutschen und die tschechischen Agrarier das Beispiel gegeben und die Interessengemeinschaft über die nationalen Gegenfäße gestellt hatten, war die Herstellung der gemeinsamen Arbeiterfront nur noch eine Frage der Zeit.

Widerstand der englischen Kumpels.

Condon, 12. Oktober.  ( Eigener Drahtbericht.) Die Erwartungen der bürgerlichen Presse auf eine starte Rückkehr der Bergarbeiter zur Arbeit in der neuen Woche haben sich nicht erfüllt. Einer Rückkehr zur Arbeit von rund 2000 am Dienstag ftand die neuerliche Ar­beitseinstellung von 7000 Bergarbeitern im Bezirk Derbyshire   gegen­über.

Die Zugeständnisse der österreichischen   Regierung.

Wien  , 12. Oktober.  ( WTB.) Die Regierung erklärte sich den Beamtenverbänden gegenüber bereit, ab 1. Januar 1927 die im Jahre 1926 gewährte Notstandsunterstüßung von einem Monatsgehalt um ein Biertel zu vermehren und die Unterstüßung dauernd zu zahlen. Die Beamtenorganisationen werden heute nachmittag zu dem Regierungsvorschlage Stellung nehmen.

Einigung in der polnischen Textilindustric. Warschau  , 12. Oktober.  ( WTB.) Da die Mehrzahl der Lodzer Textilarbeiterverbände der ihnen von den Unternehmern angebotenen beigelegt angesehen werden. eines Ausbruchs eines tongreßpolnischen Textilarbeiterstreits als fünfprozentigen Lohnerhöhung zugestimmt hat, kann die Gefahr beigelegt angesehen werden.

Achtung, Deutsche Industriewerke und Abt. Motorradban! Am Donnerstag nachmittag 4% Uhr im Rafino, Haselhorst  , Berliner   Chauffee, Versammlung aller SPD.  - Genossen. Bollzähliges Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand.

Freie Gewerkschaftsjugend. Heute, Mittwoch, 7% Uhr, tagen die Gruppen: Neukölln I: Jugendheim Bergftr. 29, Sof. Vortrag: Der Schöpfungsaft nach der Bibel und vont modernen wissenschaftlichen Standpunkt". Schöneberg  : Jugendheim Rubensstraße( Sportplak). August Bebel   Sein Wirken." Südwesten: Jugendheim Bärwaldstr  . 64. Bortrag: Gewerffchaftliche Rämpfe". Norden: Jugendheim Gartenplan 4. Diskussion: Freie Gewerkschafts jugend". Nordring: Jugendheim Eberswalder Str. 10. Bortrag: Jugend und feruelle Frage". Charlottenburg  : Jugendheim Berliner Str. 137( Dtsch. Krantent.- Berband). Bortrag: Das Segualproblem und die Jugend".

Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton  : R. 8. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin  . Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin  . Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen".

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