völkische Frechheit.
München , 13. Oktober. ( Eigener Drahtbericht.) Für den heutigen legten Tag der Beweisaufnahme des Femeausschusses in München find noch zehn Zeugen vorgesehen. Bunächst wird der zum Kreis der Einwohnerwehr zählende Allweyer vernommen, der felt Jahren und auch heute noch unter dem Verdacht der Begünstigung Jahren und auch heute noch unter dem Verdacht der Begünstigung der Flucht des Schweighart steht. Allwener ist derjenige, der als Angestellter des Böhm zu dem flüchtigen Schweighart nach Münster geschickt wurde, um diesen zurück nach Bayern und zwar nach Landshut und von da nach Aibling zu bringen. Der Beuge erklärt, es sei ihm lediglich der Auftrag von Böhm geworden, den Schweighart zu holen. Er sei zwei Tage mit Schweighart in Münster zusammen gewesen und dann nach Landshut zurückgefahren.
Borf.: Sie wurden im Januar 1921 von der Polizei vernommen und erklärten damals, Sie wüßten überhaupt nichts von dem Aufenthalt des Schweighart. Warum haben Sie Ihre Reise nach Münster perschwiegen?
Jeuge: Wie fomme ich dazu auszusagen, nach dem Schweig hart mein Freund war? Dabei ist zu bedenken, daß die Polizei damals nicht so war wie heute. Es ging alles durcheinander. Levi: Bußten Sie, daß Schweighart unter dem Verdacht des Mordes steht? Zeuge: Nein, das wußte ich nicht. Levi: Wer gab Ihnen das Geld zur Reise? Zeuge: Das weiß ich nicht. Landsberg : Hat Ihnen sonst irgend jemand von der Einwohnerwehr erzählt, daß Schweighart an der Ermordung der Sandmaier beteiligt sein soll? Jeuge: Nein. Der Zeuge wird dann unver
eidigt entlassen, da er nach wie vor unter dem dringenden Verdacht der Begünstigung steht.
Hierauf wird der ebenfalls unter dem Verdacht der Begünstigung stehende Böhm als Zeuge gehört. Böhm, der frühere Tattersall befizer, ist heute Inhaber eines Autogeschäfts, bei dem Schweighart auch heute wieder Angestellter ist. Der Beuge erflärt, taß Oberleutnant Braun damals gebeten habe, ihm den Allweŋer für eine politische Mission auszupumpen. Dabei fand ich, fo erklärt er, ebenso nichts daran, daß ich ihn für die Reife finanzierte. Um Einzelheiten seiner mission fümmerte ich mich nicht. Ich glaubte, es handele sich um eine Waffenfache.
Levi; Weshalb haben Sie das telegraphisch angeforderte Geld nach Münster nicht selbst weggeschickt? Zeuge: Das weiß ich nicht. Mein Sekretär hat das immer so gemacht, daß er Geld von mir unter seinem Namen wegschickte. Levi: Sie machten aber bei der Belizei seinerzeit die Angabe, daß Sie den Schweighart gar nicht tennen? Warum taten Sie das?
Zeuge: Ich wollte aus den Schwierigkeiten herauskommen, da ich mich durch Hereinziehung in die Fälle in meinem Geschäft ge. schädigt fühlte.
Levi: Die Aussage Ihres damaligen Gefretärs lautet, daß Sie ihm persönlich das Geld gegeben hätten, und zwar nicht aus der Geschäftstasse, da es ja sonst hätte verbucht werden müssen. Sie dagegen behaupteten vor dem Staatsanwalt, daß Sie Ihrem Getretär das Geld nicht gegeben hätten. Sie hätten ihn auch nicht beauftragt, es nach Münster zu schicken.
Jeuge: Es ist möglich, daß ich dantals leichtfertig aus gesagt habe.
Levi: Damals waren Sie unter dem Verdacht der Mordbegünstigung. In einem solchen Falle lügt man doch nicht die Behörden an.
Jeuge: Ich dachte mir, ich lüge, damit ich aus dem Verdacht herauskomme.
Der Zeuge erzählt dann über den Fall Dobner, zu dem er sein cigenes Auto zur Verfügung gestellt hat. Er bestätigt die Angaben Prachers, mit dem er unter dem Namen Bollinger durch die Polizei bekannt geworden ist. Er will aber über den Ausgang der ganzen Angelegenheit nichts Näheres erfahren haben als daß die Fahrt mit einer harmlosen Prügelei ausgegangen sei. Auch dieser Zeuge wird unvereibigt entlassen.
Es folgt dann die Bernehmung des Zeller. Er soll Bracher auf der Polizeidirektion in Gegenwart von Glaser erklärt haben: Dobner muß meg. Danach erklärt der Zeuge: Ich habe mit Bracher niemals über Dobner gesprochen, das ist ganz unmöglich und vollständig ausgeschlossen. Sämtliche Angaben, die Bracher in Waffenfachen machte, waren stets unwahr.( Diese Ausfage steht in direktem Gegensatz zu der Angabe des vorher vernommenen Böhm, daß Pracher in der Angabe von Waffenlagern wertvolle Dienste geleiftet hat, daß er ihn deshalb mit Gelb warmgehalten habe.) Beller fährt fort: Meine Herren, Pracher ist ein Verbrecher, wie er im Buch steht. Die 14 Jahre schweren Zuchthauses hat er zum größten
Teil mir zu verdanten, dafür will er sich jest rächen.
Borf.: Das ist Ihre Meinung.
Ein fünfzehnjähriger Mörder.
Drei Personen getötet.
dem freundlichen Vorort an der Nordbahn Oranienburg, im Wie wir in der Morgenausgabe bereits mitgeteilt, hat sich in| Haus Königs- Allee 62, eine entsegliche Bluttat ereignet, der drei Personen einer Familie zum Opfer gefallen find, und zwar der 10 Jahre jüngeren Frau Anna, geb. Hanste und seiner 76 Jahre alte Oberpoffiekretär a. D. Josef Dobrindt mit seiner 42 Jahre alten Tochter& äthe, die früher Telephonistin war. Diese ganze Familie wurde von dem Mörder durch Messerstiche getötet. Der Mörder wurde bald nach der Tat in der Försterei Teerofen ergriffen; es ist ein erst fünfzehnjähriger Mensch, ein gewisser Karl Ernst Müller aus Breizingen im Kreis Sangerhausen . Am Tatort.
Das Haus des Unheils ist eines der letzten in der Königsallee. Nicht weit davon beginnt der Schmachtenhagener Wald. Ueber der Familie Dobrindt war gestern bei den Bewohnern ein Mann zu Besuch. Während dieser abends um 7 Uhr Geige spielte, hörte er plöß lich aus der Unterwohnung gellende Hilferufe. Er legte die Geige hin, eilte hinunter und sah gerade noch einen jungen Burschen die Treppe hinunterſtürzen. Er verfolgte ihn, packte ihn auf dem Fahrdamm und zog ihn nach der Haustür zurück. Hier ließ er ihn vor Schreck los, als der Bursche eine Pistole zog. Lbgleich nun auch schon andere Leute herbeigefommen waren, gelang es dem Burschen, in den Wald hineinzukommen und zu verschwinden. Der Besucher der Ueberwohner versuchte jetzt mit anderen Leuten, in die einzudringen, mußte aber erst die vorgelegte Sicherheitskette durchDobrindtsche Wohnung, aus der der Bursche herausgekommen war, Bilde gegenüber. Auf dem Flur lag unmittelbar an der Tür mit fägen. Als man dann eintrat, sah man sich einem entfeblichen dem Gesicht auf dem Fußboden Käthe Dobrindt in einer Blutíache. Auf dem Flur verstreut waren ihr Einholeforb, Brot, Fleisch und Geld aus ihrem Bortemonnaie. Im Schlafzimmer lagen, ebenfalls bereits tot, die Eltern der Ermordeten in ihren blutbejubelten
Betten.
ellten unter Führung des stellvertretenden Chefs der Kriminalpolizei, Unterdessen war auch die Polizei alarmiert worden. Bon Berlin Regierungsrats Scholz, die Kommissare der Mordkommission Trettin und 3apfe mit ihren Beamten, dem Erkennungsdienst und dem Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Störmer herbei. Die genauere Untersuchung ergab, daß Käthe Dobrindt vier Stiche in die Brust und drei in den Kopf erhalten hatte, der alte Herr drei und die Frau vier Bruffffiche. Bei einer Durchsuchung der Behausung fand man die der Mörder zurückgelassen hatte. Sie führten jofort zur Fest im Wohnzimmer einen Karton und einen Gummimantel, Sachen, stellung feiner Berson, denn der Karton enthielt außer einem Schlächtermesser mit einer dreifingerbreiten Stahlflinge und einigen Zauberbüchern mehrere Briefe ,, die eine Frau Müller aus Stargard an ihren Sohn in der Fürsorgeanstalt Johanneshaus" in Belgard gerichtet hatte. So wußte man bald, daß es sich um den Für forgezőgling Karl- Ernst Müller handelte, der am 23. November 1911 in Breizingen im Kreise Sangerhausen geboren ist und der am 7. d. M. aus dem„ Johanneshaus" entlaufen ist.
Vernehmung und Geständnis des Mörders.
Der junge Mensch war, über und über mit Blut befubeft, in der mit der För sterei verbundenen Wirtschaft erschienen und be. hauptete, er fei überfallen worden. Der Förster glaubte ihm aber nicht, holte einen Landjäger herbei, der den Sachverhalt durch
Das Telefongespräch Pracher- Glaser. Hierauf wird der Zeuge Abg. Genoffe Timm vernommen, der am Zustandekommen des bekannten Telephongespräch s Bracher- Glafer beteiligt war. Timm gibt eine ausführliche detaillierte Schilderung über diese Angelegenheit. Seine Darstellung deckt sich im wesentlichen mit den bereits beim Untersuchungs ausschuß des bayerischen Landtags im Ottoberfie 1920 gemachten Angaben. Timm stellt vor allem in den Bordergrund, daß, nachdem ihm Bracher zugeführt worden war und er feine Darstellung gehört hatte, er die ganze Sache für abfolut un glaubwürdig gehalten hat und sich nicht vorstellen fonnte, wie hohe Polizeibeamte sich zu solchen Dingen hergeben fonnten.
15000 Läuse und Wanzen gestohlen!
Jerungen- Wirrungen eines Lehrers.
Der Täter geständig.
entfandte die Mordkommission zwei Beamte auf einem Auto nad schaute und den jungen Menschen festnahm. Auf seine Mitteilung Teerofen, die den Täter abholten. Bon der ursprünglichen Absicht, den Mörder an den Tatort zu führen, mußte man Abstand nehmen, Amtsgericht. in Stücke reißen würde. Man brachte ihn also zum Oranienburger da zu befürchten war, daß die maßlos empörte Menge den Mörder
Mörder mit seinen blutigen Händen und in seiner blutgetränkten Im hellen Lampenlicht machte der jugendliche kleine, schmächtige Kleidung einen graufigen Eindruck. Im Verhör erklärte der Bursche, der sich bemühte, auf alle Fragen möglichst höflich zu antworten, daß er gar nicht die Absicht gehabt habe, den Leuten etwas anzutun. Der Familie Dobrindt war er schon lange bekannt. Wie er behauptet, wollte er gestern einen Besuch ohne sowohl wie die Tochter Käthe zu Hause gewesen. Käthe habe ihn besondere Absicht wiederholen. Bei seiner Anfunft seien die Eltern empfangen, während die Eltern schon im Bett gelegen hätten. Sie ziehungsanstalt sei, und ihm gedroht, daß sie ihn der Polizei überhabe ihn gefragt, woher er denn komme, da er doch in der Ergeben werde. Käthe habe ihn nun einen Augenblick allein gelassen, um einzuholen. Ihre Drohung habe unterdessen bei ihm den Blan reifen lassen, sie unschädlich zu machen. Gleich bei ihrer Rüdkehr auch die alten Beute erstochen, erst die Frau und dann den Mann. habe er sie deshalb überfallen und niedergestochen. Dann habe er den die Kriminalpolizei festgelegt hat. Hiernach ist der Mörder in Dieser Darstellung widerspricht der Befund und der Tatbestand, Leute mit der Absicht, sie zu berauben, in ihren Betten zu erstechen. die Wohnung gekommen, während Käthe Dobrindt zum Einholen unterwegs mar. Er benutzte diese Gelegenheit fofort, die alten Als sich der Mörder in der Wohnung nach Wertsachen umfah, wurde und nicht ihre angebliche Drohung veranlaßte ihn, auch sie zu er er von der heimkehrenden Käthe überrascht. Diese Ueberraschung morden. Daß Müller mit Mordabsichten gekommen ist, unterliegt feinem Zweifel. Es ist festgestellt, daß er am Sonnabend in Berlin in der Friedrichstraße eine Pistole und am selben Tage in Charlottenburg noch den Dolch getauft hat.
Ein verlorener Sohn.
Müller hat die Boltsschule besucht und erhielt dann auf Beranlaffung feines Baters, der in Stargard Baumeister war und dort vor zwei Jahren starb, Privatunterricht in Englisch und Französisch, damit er, seinem Wunsche entsprechend, einmal 3eitungsredatteur werden fönne. Er taugte aber so Betreiben eines Arztes in Fürsorgeerziehung wenig und war bald sittlich so verwahrtoft, daß er auf gebracht wurde. Er behauptet, daß das nur die Folge eines unbegründeten Geredes gewesen sei. Die Mutter hing mit zärtlicher Liebe an dem mißratenen Sohne. Das beweisen auch die Briefc, die sie an ihn richtete, und die Unterstübungen, die sie ihm ständig gewährte. Aber auch diese zärtliche Mutterliebe war nicht imftande, ihn auf den rechten Weg zurückzuführen.
Der Berhaftete wurde im Laufe der Nacht nach dem ersten Berhör durch Kriminalfommissar Trettin dem zuständigen Untersuchungsrichter, Amtsgerichtsrat Bogel in Oranien burg, vorgeführt und auch von diesem noch pernommen. Er blieb auch ihm gegenüber im wesentlichen bei seinen ersten Angaben. Die Mordkommission kehrte um 3 Uhr nachts nach Berlin zurück. Der Mörder wird dem Jugendgericht in Berlin vorgeführt werden.
nehmen nud brachte sie nicht mehr zurück. Und je mehr Bücher sich bei ihm anhäuften, desto mehr aog er sich von seinen früheren Kollegen zurück, desto scheuer wurde sein Blid, desto größer wurden die Unluftgefühle in ihm. Er suchte Betäubung in der Arbeit, mar von ihr wie besessen und merkte nicht mehr, daß er im Schmuß einWohnung, bis die Haussuchung ihn erlöfte. Die Sachverständigen fach perfam. Er war der Gefangene des Geheimnisses feiner waren der Ansicht, daß n. sich in der letzten Zeit in einem Zustand befunden habe, der an den Ausschluß der freien Willensbestimmung grenzte. Das Gericht sprach den Lehrer N. daraufhin frei.
Die rotgestempelten Tansendmarkscheine.
Bor der 1. Straflammer des Landgerichts II begann heute mittag die Berufungsverhandlung in dem Beleidigungsprozeß, durch den frühere, inzwischen abgebaute Angestellte bei der Finanzverwaltung Herbert Schmidt wegen Beleidigung urteilt wurde. Schmidt hatte auf einer offenen Postkarte Be des Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht zu 10 Tagen Gefängnis verleidigungen schwerster Art gesdrieben. Gegen bas Urteil ist Be. rufung eingelegt worden. Die Radauszenen, die sich vor dem Amtsgericht Tempelhof bei der ersten Verhandlung abgespielt haben, hatten das Gericht veranlaßt, diesmal schon vor Beginn der BerBorsichtsmaßregeln erwiesen sich jedoch als unnötig, da diesmal ber handlung ein starkes Polizeiaufgebot zu stellen. Diese erwartete Massenandrang der Befiger Rotgestempelter" ausgeblie ben war; im Gegenteil war der Zuhörerraum nur schwach besetzt. Auf die Frage von Landgerichtsdirektor. Dr. Hartmann, wie er zu der beleidigenden Bostkarte gekommen sei, erwiderte der Angeklagte, daß es auf Grund der Erklärung von Dr. Schacht geschehen sei, der in der Generalversammlung der Aktionäre der Reichsbant diejenigen, die für die Aufwertung eingetreten feien, als ungebildete Leute und Boltsbetrüger herabgesetzt habe. Er stehe auf dem Standpunkt, daß seine Ehre als Staatsbürger ebenso hoch stehe wie die von Herrn Dr. Schacht. Es kam dann zu einem scharfen 3u fammenstoß des Berteidigers mit dem Borfißenden, als Rechtsanwalt Bahn die Aeußerung tat, es scheine ihm, als ob er verhindern wolle, daß auf die Bersönlichkeit des Dr. Schacht nicht eingegangen werde. Der Verteidiger beantragte weiter als Sachverständigen über Währungsfragen und zur Beurteilung der Frage, ob das Berhalten des Dr. Schacht in bezug auf Inflationshypotheken nicht so einzuschätzen sei, daß der Angeklagte diese Ausbrüde gebrauchen konnte, den Oberlandesgerichtsrat Dr. Saar und den Reichstagsabgeordneten Oberlandesgerichtspräsident Best zu laden. Bur Begründung der Anklage ließ der Borsitzende eine halbstündige.
Nennen wir ihn N.", Denn auchy Kinder lesen Zeitungen, und die Schüler der Berliner Gemeindeschule Nr. X. sollen nicht mehr über ihren geliebten Lehrer wissen, als es für sie gut ist. Und lieb hatten sie ihn. Niemand konnte ihnen so anschaulich und reizvoll die Physics, Chemie- und Biologiestunden erteilen, niemand so wie er mit ihnen stundenlang Pilze suchen und anderes mehr. Er war zu ihnen wie ein Bater. Und seine Kollegen hatten ihn auch nicht ungern: er war stets hilfsbereit, war immer zur Stelle, wenn seine jungen Kollegen feiner beburften. Näher stand ihm aber niemand. auch fiel fein scheuer Blick auf, unangenehm berührte seine schmutzige Kleidung, sein ungepflegtes Aussehen. Etwas war an ihm, das zu denken gab. Bei ihm daheim verkehrte keiner von seinen Kollegen. herrschte unbeschreibliche Unordnung und Schmuß. Der Fußboden Bie fah es aber in der Behausung des Lehrers N. aus? Es des Schlafzimmers war von zusammengefnülltem Stullen- und anderem Papier überstreut, Manuskripte lagen herum, Stöße von Büchern durcheinander. Und wie in der Wohnung, so sah es auch im Innern des Lehrers selbst aus. Er fand in nichts mehr Behöherem Maße. Es genügte, daß er die Schwelle feiner Wohnung friedigung. Gefühle der Unluft erfüllten ihn von Tag zu Tag in überschritt, die Taufende von Bücherbänden vor sich sah, um sofort ein anderer Menjah zu werden, als er es in der Schule war. Er saß dann bis tief in die Nacht hinein über seine Manuskripte und Rataloge, flassifizierte und rubrizierte Blattläuse und Wanzen, verfaßte über sie wissenschaftliche Werke, die niemand anderes in der ganzen Welt verfassen konnte, durchstöberte Hunderte von Büchern um eines Wortes willen, nahm unzählige von Arbeiten auf, die er nicht beendete und deren Beendigung 600 Jahre erfordern mußten. Er verkam direkt in seiner Arbeit, versagte sich alles. as sollte ihm aber die Anerkennung in der Gelehrtenwelt, wenn was fie ihm gar feinen äußeren Erfolg brachte? Die Doktorpromotion wurde ihm abgeschlagen troß seiner dreihundert wissenschaftlichen Arbeiten und der Differtation, die er speziell zu diesem Zweck geschrieben hatte: es fehlte ihm ja bas Reifezeugnis. Die Dozentur am Technologischen Institut erhielt er nicht, feine Bewerbung um die Assistentenstelle am Biologischen Institut blieb unbeantwortet. Auch feine Annäherungsversuche an Frauen waren fiets erfolglos geblieben. Schließlich war auch feine Mutter gestorben. So 30g er sich immer mehr zurück und lebte das Leben eines Sonderlings, Bis eines Tages bei ihm die Polizei erschien und feststellte, daß Taufende von Büchern teils aus der Bibliothek der Etymologischen Gesellschaft, teils aus dem Zoologischen Institut entnommen waren, Aus diesem stammten auch etwa 15000 3nfettenpräparate. Es wurde gegen ihn Anzeige erstattet. Nun muß der Psychiater in bas Doppelleben diefes Sonderlings hineinleuchten. So gaben gestern in der Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht BerlinMitte Dr. Leppmann und Dr. Leipold ihr Gutachten ab. M. war Sohn eines Deforationsmalers. Bereits der Vater hatte das Intereffe des Jungen zur Naturwissenschaft wachzuhalten verstanden, der Direktor der Volksschule förderte es noch mehr. Im Lehrerseminar zu Dranienburg entdeckte N. eine neue Zifadengattung. Er schickte Eine Reihe von Fragen des Abg. Stoehr( Bölt.) endete jeweils die Beschreibung des Insekts dem Direktor des Zoologischen Instituts, mit einer mehr oder weniger großen Blamage des Fragenden. Professor Brauer, ein. Der nahm den jungen begabten Naturforscher Stoehr schließt mit der Gegenüberstellung Auer- Buttkamer, Timm zu sich. Er bemühte sich auch um seine Berseßung nach Berlin , Bracher, womit er offenbar den 3eugen diskreditieren wollte. Das vermittelte ihm breimal Reisen nach dem Balfan, die n. teilweise ruft einen lebhaften Proteft der sozialdemokratischen Mitglieber bes auf eigene Rechnung unternommen hatte. 3ehntausende von Ausschusses hervor, wobei vor allem der Abg. Levi den Vorsitzenden Infetten brachte er mit, die er unentgeltlich dem Museum zur Verfügung stellte. Er wurde Bibliothekar der Etymologischen um Einschreiten ersucht, ba Stoehr den Beugen angepöbelt habe. 17, Areis Lichtenberg: Achtung! Die für heute Abend angefegte Sigung bes Bildungsausschusses finbet nicht statt. Der Ausschuß unterhält sich in geheimer Beratung darüber. Gesellschaft, war auf seinem engen Gebiet der Wanzen und Blatt. 46. 16t. 7 Uhr im Lokal Burdhardt, Görliger Str. 53, Mitgliebernerfammlung Das Ergebnis ist je ein Ordnungsruf für den Abg. Stoehrläufeforschung der erste Kenner. Im Jahre 1920 stellte es sich aber heraus, daß er einige Kartothetzettel vernichtet hatte. Run per Bortrag: Der Rampf um die politische Macht. Referent; Fris Subeil, M. d. und für den Abg. Dr. Bevi, für Stoehr beswegen, weil in feinen wehrte man ihm, in den Nachmittagsstunden in der Bibliothet zu Gäfte herzlich willkommen. Ausführungen eine Beleidigung des Beugen Timm erblidt murde, arbeiten. So mußte er Hunderte von Büchern nach Hause mit- Budau sente abend, 8 Uhr, Sahlabend im Rotal Thuring.
Nach dem Telephongespräch hatte er den Eindruck, daß der Glaser von dem Ueberfall auf Dobner wiffen mußte und genau informiert war. In diesem Augenblick befam für ihn auch der Mord an der Sand. meier eine ganz andere Bedeutung.
Borf.: Konnte der Glafer teine andere Auffassung des Telephon. gesprächs mit Bracher haben? So wie der Glaser es ja heute be zeichnete, mußte er es so verstehen, wie Bracher es uns zuletzt ge sagt hat.
Zimm: Ich habe den Einbrud gewonnen, daß der Bracher sich dem Glaser gegenüber klar als Mörder bezeichnete und daß ihn von Glafer Schuh zugesichert wurde.
Pause eintreten.
Das Jeft der goldenen Hochzeif feiert heute das Chepaar erdinand Miete. Bon Beruf Holzarbeiter, befleibete Ge noffe Miete bis vor einigen Jahren den Posten als Kaffierer der Berliner Ortsverwaltung. Seit feiner frühesten Jugend gehörte er der Sozialdemokratischen Partei an. Benn es galt, auf dem Bosten zu sein, war er einer der ersten an Ort und Stelle. Noch heute steht man den Alten bei der Partei. arbeit und bei der Flugblattverbreitung. Die jüngeren Genoffen follten sich an diefem alten Kampfgenoffen ein Borbild nehmen. Wir wünschen dem Jubelpaar an seinem Festtage gute Gesundheit und einen schönen Lebensabend.
Groß- Berliner Parteinachrichten.