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Befreiung Hilde Fermleitner

Die

( 57. Fortsetzung.) ,, Also, etwas müssen S doch darauf antworten, Fräulein

Hilde."

Aber Hilde antwortete noch immer nicht.

Ein Wiener Roman von Paul Burgftaller

,, Ja, das sind tiefere Gründe, als mir zwei es selbst heraus- mur Drobauer hatte sogleich in dem Kunstenthusiasten aus der erste finden können. Aber mon fühlt sie, und was man fühlt, darin hat jetzt wandern wir schon zum fünften Male um ben Hauptplag, ich muß hinauf in mein Hotel. Bir bleiben

man

,, Haben S' denn für mich gar teine Sympathie, Fräulein gute Freunde..." Hilde?"

,, hören Sie mal zu, Herr Edi..." ,, Nun?"

Ich hab' für Sie wirklich Sympathie. Sie haben das richtige Bort gefunden. Aber Sympathie ist halt nicht genug. Und... missen Sie..."

,, Na, was denn?"

,, Sie sind... wie soll ich das nur ausdrücken?"

,, Nur tan Schenierer!"

,, Sie denken zuviel an sich..."

,, Das tut doch a jeder."

,, D nein, jeder tut das nicht."

,, Sie meinen, ich wär' auch Ihnen gegenüber zu egoistisch? Wirklich nöt. Sie und ich... mir zwei wären allein auf der Welt, und dann sollen meinetwegen alle Menschen zugrund' gehen."

,, Sehen S, das mag ich eben nicht. Und es ist Ihnen zu gut im Leben gegangen. Gar feinen Kampf, gar teinen Wunsch, der Ihnen nicht sogleich erfüllt worden wär'. Und trozdem... Sie find ein guter Kerl. Edi, ich weiß es... aber Sie find schlecht, oh, nicht zu den Menschen, die Sie gern haben, aber zu denen, die nicht zu Ihrer Umgebung gehören..."

,, Wie Sie reden. Ihr Verkehr hat Sie da auf Ideen ge bracht..."

,, Möglich. Aber... erinnern Sie sich noch an die kleine Jüdin, die Kara, die sich umgebracht hat? Die hat mir einmal g'sagt: Bom Essen allein fann man nicht satt werden. Die war die erste, bei der ich's gesehen hab', daß es einem Menschenleben noch mas Höheres, was Besseres geben tann, als nur für sich selber sorgen. Und dann... find halt andere in meinen Gesichtskreis gekommen, die so... oder anders... aber im gleichen Sinne zu mir geredet haben. Wissen S', die behagliche Atmosphäre, in der man nur an schöne Kleider und angenehme Bergnügungen denkt, ist mir zu dumpf, zu fad, ich würd' darin mich zu viel langweilen oder er­stiden. Ich glaub' ihr erstickt ja darin auch, es ist euch nur niemals die Idee gekommen, daß man was anderes tun tann als emig dasselbe, mas ihr alle, die Reichen, die Glücklichen, die Zufriedenen, gewohnt seid. Schauen S', diese Sattheit, dieses... nur an sich selbst Denken, das vertrag' ich nicht. Ich find', der einzelne ist zu menig, als daß er sich nur mit sich selbst beschäftigen dürfte...

,, Na ja, ich hab' nicht das Talent zum Beltverbesserer, zum Propheten, wie Sie, Fräulein Hilde."

Seien S' nicht beleidigt, das Talent fehlt Ihnen, weil's Ihnen zu gut gegangen ist."

Ist es Ihnen vielleicht schlecht gegangen auf der Welt?" ,, Nein."

,, Und es tönnt Ihnen doch noch viel besser gehen, seien doch nicht so... Sie entschuldigen schon... so dumm, Sie, fluges Fräulein Hilde. Glauben S' mir, ein schönes Automobil mit einer ganz noblen Karosserie und eine prächtige Billa und eine Perlen­schnur, das ist alles viel mehr mert als alle Ideen über die Not­lage des anderen. Von hundert Menschen kümmern sich neunund­neunzig mur um sich selbst, die neumundneunzig sind doch nicht blöd, Sie find, weiß Gott , mit weffen Nachhilfe, auf 3rrwege geraten..." ,, Nur durch mich selber."

,, Ach was, das werben S' mir nicht einreden, daß man von selber... so a Art materielle Selbstverstümmelung begeht, sich all das Schöne, was diese Welt bietet, versagt, weil's andere auch nicht

haben tönnen."

,, Sie leben in Ihrem Kreis und haben ja teine Ahnung, mas alle die Leute, die nicht um Adolf Grubers Söhne herumfriechen, denten und fühlen."

,, Intereffiert mich auch nicht."

Sehen Sie, mich interessieren aber gerade die anderen kolossal." " Was das für a Guſto iſt! Freilich war ja Ihr Ideal, wie Sie ein fleines Mädel waren, achtzig Proletariertinder zu scheu­zen. Sie haben eben immer eine Luft zur Asteje gehabt, obgleich diese Anlage sonst nur bei schiachen, ewigen, alten Jungfrauen zu finden ist, die nie hoffen fönnen, einen Mann zu kriegen."

Nicht so ganz. Wenn ich Ihnen sag', daß Sie von der Welt, die teine Automobile und Rennpferde besigt, feine Ahnung haben." Ja, Sie Menschenretterin, Sie Weltverbesserin, was wird jetzt geschehen? Ich werde halt mein Leben mit Tugis und ähnlichen Frauenzimmern verbringen, ich werd' mich ins Geschäft noch meniger fümmern als bisher einen Menschen, aus dem Sie was hätten machen tönnen, haben Sie jeẞt ganz sich selbst überlassen... dieser Mensch mar in Ihrer Nähe, Sie haben ihn gekannt, und er hätte es Ihnen vergolten... und das nur... um Millionen Men schen, die Sie nicht fennen... was, zu retten? Das können Sie

doch nicht... um Ihnen zuzureden, daß Sie sich selbst retten sollen.

Ein tomischer Gedankengang!"

,, Na, seien S' nicht böse, Herr Edi, ich bin Ihnen wirklich eine gute Freundin und wir müssen Freunde bleiben."

O Gott, das sind Romanphrasen. Wenn man nicht beisammen ist, so ist man auseinander. Ihr Herr Gemahl..." Aber reden' doch nicht! Es gibt keinen, und einen, der ein Gemahl sein wird, schon gar nicht."

"

,, Einer wird schon tommen, einer ist schon da, Sie wissen's viel leicht selbst noch nicht..."

,, Wenn ich's nicht weiß..."

schlecht."

,, und dem wird die Hilde Fernleitner zufallen." Bufallen! Wie ein Lotteriegewinn! Da lennen Sie mich " Onein, Sie merden, wenn Sie es einmal wollen werden, schon aktiv sein und sich das, was Ihnen das Glück erscheinen wird, selbst erobern. Aber schade ist's, daß es den anderen Leuten nicht gerade als das Glüd erscheinen wird, Ihrer wert. Schade um Sie, schabe um mich!"

,, Sie werden mich bald vergessen, Herr Edi!" ,, Glauben S' das nicht, Fräulein Hilde. Wenn ich jeht mit der Tuzzi beisammen war, hab' ich oft an Sie gedacht. Ich hab' gemeint, mir paffen so schön zujammen, und jetzt jagen G' nein. Barum? Ich weiß das nicht."

-

,, Roman ! Roman!"

,, und werden uns im Leben nicht aus den Augen verlieren. Das versprechen wir uns gegenseitig. Und nun- auf Wieder­feben!"

,, Benigstens das: Auf Wiedersehen, Fräulein Hilde."

C

Hilde ging, und Edi war stehengeblieben und jah ihr nach und grüßte sie noch einmal, als sie sich vor dem Eintritt ins Hotel umwendete.

Sie dachte bei sich: Ein guter Junge! Und es ist gewiß nicht seine Schuld, daß er so ist, wie er ist. So unbedeutend, so selbst zufrieden, nur auf das eigene Wohlergehen bedacht. Nein, mit dem zusammen leben, hieße in einem dumpfen, überheizten Zimmer bleiben... Nein, es mar gut so... eine Episode ihres Lebens war erledigt, die feit ihrer frühen Schulmädelzeit gedauert hatte... Sie ließ sich am nächsten Tag gutmütig von ihren Spiel und Reisegefährten ob der Desertion zur noblen Jagdgesellschaft hänseln,

Reihe den Herrn Gruber junior erfannt und ergoß über ihn ein Flut von ernstgemeinten Bosheiten. Aber die Fahrt ging weiter und als sie zu Ende war, hatte jeder der Teilnehmer eine Füll von wundervollen Erinnerungen mit und sogar eine fleine Summe mit der man schon bis zum Beginn des Arbeitsjahres auszutomme vermochte.

In Wien begann die alte Arbeit und stellten sich die alten Be fannten ein. Der Seziersaal und die Lateinstunden, und Bagne hatte sich einen Plan von Borträgen und Kurjen zusammengestelli die er in Schulen aller Art hören wollte, und Svectovig war wiede da. Er sah, obgleich sein Gesicht von der Landluft neu gebräun war, doch elend und verfallen aus, und als er zum ersten Mal mit Hilde allein war, fiel er vor ihr schluchzend auf die Knie uni erflärte, daß er die Monate ohne sie es einfach nicht ausgehalte habe. Es brauchte viel fanftes und vernünftiges Zureden, un feine arme Seele zurechtzubringen und wieder in den Alltag zurüd zuführen. Das Studium und die Anatomie ließen ihn bald roman tische Anwandlungen vergeffen, und in dumpfer Entschlossenhei wurde er, wie er früher war. Dann erschien auch Dr. Otto Werne wieder auf der Bildfläche, er war, wie alljährlich, in einem fleiner Drt des Salzkammergutes gewesen und hatte von seinem Sommer aufenthalt eine Novelle mitgebracht, die diesmal zur Zeit der große Französischen Revolution spielte und den Liebeskonflikt zwischen einer Aristokratin und einem der neuen Politiker, Mitglied des Konvents, behandelte.

So war alles mie sonst, und die Gewohnheit der Menschei imm Hilde schuf nach und nach eine Tradition der Beschäftigungen Zusammenkünfte, Distusfionen und einen Rhythmus, der auch durd das Außerordentliche und unerwartete nicht gestört wurde.

So etwas Außerordentliches war nach den Herbstmonaten da Arbeiter Sinfoniekonzert. Wagner bat Hilde, mit ihm dahinzugehen er werde zum erstenmal eine Beethoven- Sinfonie hören. Nicht of hatte er am Abend Zeit und Luft, sich von den Bersammlungen, di er besuchte, von den Kursen, die er hören mußte, und von seine Mitarbeit an Sektion und Organisation freizumachen. Aber da wa es der Genius Beethovens selbst, der zu ihm und seinesgleiche sprechen wollte, und dieser Gnade wollte er sich nicht entziehen.

Es war etwas Wunderbares um Saal und Bublifum, wie beid sich an diesem Arbeiterabend präsentierten. Weihe und Erwartung lagen darüber, und alle Blasiertheit lag hier fern.

Beethovens Fünfte Sinfonie . Mit fünf Taften fängt sie an in denen das Schicksal mahnend pocht oder ein ungeheurer über menschlicher Geist an der Kette des Schicksals rüttelt, von desse: Gebot er sich befreien will. Dann erheben sich die Geigen uni reißen alle Instrumente zu ihrem beschwingten Lauf mit, fie fämpfe und ringen, es dröhnt, und im entfesselten Sturm versinkt de Schrei der leidenden Kreatur da, immitten des Brausens uni Brandens reißt jäh die tobende Flut der Akkorde ab, und wiede mahnt das Schidjal mit seinem Klopfen. Aber jetzt erhebt sich da gegen, die Wehmut verdrängend, Troy, und es ist der Trozz, de zum Triumph des Sieges überleitet. ( Forts. folgt.)

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WAS DER TAG BRINGT.

Prostitution beim Wallfahrtsort.

Ein franzöfifcher Arzt, Dr. Armand Després, Professor der medizinischen Fakultät an der Universität Paris , veröffentlicht eine Unterfuchung über die Prostitution in Frankreich . Er schreibt darin, daß es unter den fünfzig Städten in Frankreich , in denen die Prostitution besonders start ausgeprägt sei, nur drei gäbe, die keine Garnison hätten. Die eigenartigste von ihnen sei zweifellos Cauterets in den Pyrenäen . In Cauterets fämen bereits auf erst auf 609 Einwohner. Cauterets nimmt in dieser Beziehung den 107 Einwohner ein eingetragenes Mädchen, in Paris aber z. B. dritten Platz in Frankreich ein. Worauf ist diese überaus hohe Ber­hältniszahl der Prostituierten in einem fleinen, fast unbekannten Byrenäenstädtchen zurückzuführen? In der Nähe von Cauterets liegt Lourdes , der berühmte franzöftiche Wallfahrtsort. Lourdes ist bekannt geworden durch eine Grotte, in der 1858 an­geblich die Mutter Maria erschienen ist, und zu der jährlich etwa eine halbe Million Menschen pilgern. Da ist die Zahl der Brostituierten in dem Nachbarstädtchen von Lourdes schon er­Härlich. Der hohen Geistlichkeit scheint diese Tatsache übrigens noch nicht bekannt zu sein, sonst hätte sie doch wohl schon längst die Feststellungen des. Profeffors Deprés auf den Inder gesetzt... Das Paradies in der Wüste.

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asien, wo die Sowjet- Regierung den Versuch machte, die Sandwüsten Man erinnert sich noch der verrieselten Millionen in Mittel­vermittels eines umfangreichen Berieselungssystems in blühendes Land umzuwandeln. Da hatte der Amerikaner Bramain mit seinen Trockenlegungs- und Berieselungsarbeiten in Kalifornien schon größeren Erfolg: es gelang ihm tatsächlich, aus Büstensand blühen­des Land entstehen zu lassen. Nun hat er der italienischen und fran­zöfifchen Regierung den Vorschlag gemacht, die Büfte Sahara in ein Baradies auf Erden" umzuwandeln. Er verspricht, selbst in solchen Paradies auf Erden" umzuwandeln. Er verspricht, selbst in solchen Orten Bäume zu pflanzen, wo sie zweitausend Jahre nicht mehr ge­wachsen sind. Vermittels eines groß angelegten Beriefelungsnetzes, für dessen Schaffung er nicht mehr als drei Jahre beansprucht, hofft er, in Zukunft in der ehemaligen Büfte fünf Millionen Menschen ansiedeln zu fönnen. Fünf Jahre nach der Herstellung des Ranals," fagie Bramain, wird die Sahara mit den blühendsten Ländern Europas wetteifern." Die Sowjetregierung sollte diesen Mann für ihre Berieselungspläne in Mittelasien heranziehen. Da gebe es vielleicht doch statt verrieselter Millionen rieselndes Wasser. Der elektrische Fisch.

Ueber die Quelle der elektrischen Schläge des 3itterrohens haben neuerdings angestellte Versuche zweier Professoren der fran­ zösischen Akademie der Wissenschaften neues Licht verbreitet. Mit besonders empfindlichen Meßapparaten tonnte festgestellt werden, daß

die Tiere auf eine plötzliche Berührung im gleichen Augenblid mi einem elektrischen Schlage reagieren, dem einige Sekunden später ein zweiter folgt. Auch die Stärke dieser Entladungen wurde ge meffen, fie erreichte in einzelnen Fällen bis zu 50 Bolt. Die beider Gelehrten tamen auf Grund ihrer Versuche zu der Ansicht, daß dit Elektrizität auf eine Reaktion der Nerven zurückzuführen ist. Jedi unerwartete Berührung ruft einen elektrischen Schlag als nervöser Refler hervor. Dagegen wird der zweite Schlag abfichtlich vom Fisch bahnen ihren Weg zum Gehirn gefunden hat. Diese Art tierischen hervorgebracht, sobald die Wirkung der Berührung durch die Nerven Elektrizität ist daher, entgegen der bisherigen Annahme, nich chemischer, sondern dynamischer Natur.

Der Mann mit dem künstlichen Schädel.

Eine Meisterleistung der Chirurgie ist in den Bereinigtes Staaten pollbracht worden: ein Mann, der nach menschlichem Er messen dem Tode verfallen war, ist durch Anfertigung einer künstliche Schädeldecke dem Leben erhalten geblieben und geht seiner frühere Beschäftigung als Elektromechaniker nach. Er war in einer Kraft station in Toronto beschäftigt und arbeitete unter einem Leitungs draht mit 5000 Bolt Spannung. Die Leiter, auf der er stand, gerie ins Banten, und Douglas Ellis stürzte mit dem Kopf- gegen eisern Röhren, die mit der 5000- Bolt- Leitung in Berührung famen. Ein etwa 8 Meter hohe Stichflamme schoß auf, die Hitze war so start, da schmiedet wurde und in der Luft hängen blieb. Im gleichen Augen Ellis mit den Nägeln seiner Schuhe förmlich an die Röhren ge blid versagte in 28 Städten Ontarios der Strom. Ellis wurde vo den Aerzten für tot gehalten, doch nach den Wertvorschriften mußte: Biederbelebungsversuche angestellt werden, die wider Erwarten nae 45 Minuten von Erfolg gekrönt waren. Nach 11 Monaten stellte sic jedoch an der Schädelbede des Verlegten Knochenbrand ein, schließlic mußten die Aerzte aus der Schädeldecke ein 25 Zentimeter langes un 15 Zentimeter breites Stüd entfernen. Versuche, die Deffnung mi Hautlappen zu verschließen, schlugen fehl, da der stüßende Schädel knochen fehlte. So goß man dann aus Bakelit eine künstlich Schädeldede, die zwar leicht im Gewicht, aber von großer Festigke mar. Bor einigen Wochen fonnte Ellis das Krankenhaus verlasse und seine frühere Stellung antreten. Er hat von dem schweren elet trischen Schlage außer der Schädelverlegung nur noch eine leicht Lähmung im linken Bein zurückbehalten, die ihn zwingt, fich beir Gehen der Hilfe eines Stodes zu bedienen. Gehälter.

,, Das überrascht mich, daß Sie so wenig als Flieger verdienen So ein gefahrvoller Beruf! Der müßte doch besonders hoch bezah merden!"- ,, Ach, liebes Fräulein, nach Ihrer Theorie müßten di Bergarbeiter die bestbezahlten Leute sein!"

( Aus dem Wahren Jacob"