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BERLIN Freitag 12. April 1929

Der Abend

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Kein Asyl für Trotzki!

Ein unverständlicher Beschluß des Reichskabinetts.

Offizios wird gemeldet:

Das Reichsfabinett hat sich mit der Frage der Einreise Trohfis nach Deutschland beschäftigt. Nach eingehender Prüfung aller Um­ftände hat das Kabinett bejchloffen, dem Gefuch Trohfis night flattzugeben.

Da wir in wiederholten Auffäßen für die Gewährung des Asyl rechts an Troffi eingetreten sind, wird niemand erivarten, daß wir den Beschluß des Kabinetts für einen Gentestreich erklären. Man begründet diesen Beschluß damit, daß man das Ersuchen der zuffifchen Regierung, Trogti gewissermaßen als Schübling aus den Händen der GPU. entgegenzunehmen, abgeschlagen habe und nun ber Brivatperson Trogli nicht bewilligen tönne, was man feiner Regie zung verweigerte. Diese zarte Rücksicht auf die Empfindlichkeit der Mostauer Gewalthaber wird wahrscheinlich nicht einmal von diesen Selbst verstanden werden.

Noch peinlicher ist es, fich mit dem zweiten Argument ausein anderzusetzen: Trotti habe ja ein Asyl in Ronstantinopel, also tomme die Bewährung des Asylredyts überhaupt nicht in Betracht. Daraus Lönnte man vielleicht folgern: wenn die türliche Bolizei Trotti ausweise, wolle man fich die Sache noch einmal über legen. Aber dagegen steht wiederum das Argument Nummer 1. Bir sind auch heute noch der Meinung, baß es politisch tlug gewesen wäre, diese ganze Angelegenheit zu bagatellifieren und Trozti ohne weiteres einzulassen. Wir bedauern, daß man mit soviel Umständen und Bedenken dieser Klugheit aus dem Wege gegangen ist.

Sozialdemokratie und Reichswehr . Noch einmal die politischen 3nffruftionsoffiziere". Zu den Ausführungen des Abend" vom 4. April über Boli tische Instruktionsoffiziere" wird uns aus dem Reichswehrministerium geschrieben:

Eine Arbeiterkolonne überfahren.

Ein Vorortzug fährt in eine Streckenarbeiterfolonne.

Bei nächtlichen Stredenarbeiten in der Nähe Der Blutkoller bei den Thälmännern.

des Bahnhofes Treptow ereignete sich in der ver­gangenen Nacht ein schredliches Unglüd, bei dem ein Bahnunterhaltungsarbeiter getötet und drei andere erheblich verletzt wurden.

Auf dem Bahnförper der Ring- und Vorortbahn, zwischen den Stellwerten V. Tw. und V. Rf., mar gestern nacht eine größere Kolonne von Bahnunterhaltungsarbeitern der Bahnmeisterei Stralau- Rummelsburg mit Gleisausbesse rungsarbeiten beschäftigt. Zu beiden Seiten waren, wie hier 8 non der Reichsbahndireflion mitgefeilt wird, vorschriftsmäßig Sicherheitspoften aufgestellt, die bei der Annäherung eines Buges entsprechende Warnungssignale geben.

11m 23 11hr näherte sich der Arbeitsstelle auf dem Gleis Bororizug 3406., 3u gleicher Zeit fam aus der entgegen Rottbus Berlin der in Richtung Görlitzer Bahnhof fahrende gesetzten Richtung der Stadtbahnzug- 1447 heran. Der Posten nun, nach seinen Angaben, rechtzeitig das Signal gegeben haben, das aber von der Kolonne scheinbar überhört worden ist. Der heran­braufende Zug war nur noch wenige Meter von den Arbeitern ent­fernt,

als einige die furchtbare Gefahr erkannten, in der alle schwebten. Leider famen die Warnungsschreie schon zu spät. Der größte Teil der Arbeiter konnte sich zwar noch durch Zurückspringen auf das andere Gleis retten, aber der 24jährige Bahnunterhaltungsarbeiter alter Heine aus Oberschöneweide , Helmholzstr. 6, und seine Kollegen 30 ch fomie Bled wurden von der Maschine des Vorort­Die vom Abend" wiedergegebene Darstellung des Bolts zuges erfaßt. Während die beiden legtgenannten zur Seite ge­willen" Hannover trifft in feiner Weise zu. Der mit dem Vorschleudert und leichter verletzt wurden, wurde eine auf der trag beauftragte Offizier hat während seines ganzen Vortrages Stelle getötet. Zu gleicher Zeit wurde der Arbeiter Karras, in Hannover weder von einem Linksputsch noch von einem der sich im letzten Augenblick durch Zurückspringen hatte retten können, dabei aber auf das falsche Gleis geraten war, von dem Stadtbahnzug 1447, der gerade die Unfallstelle passierte, erfaßt und erheblich verletzt. Die Leiche des Getöteten murde nach der Buckower Halle gebracht.

Rechtsputsch, noch auch von der Haltung der Reichswehr in solchen Fällen gesprochen. Er hat in seinen Ausführungen auf die Gegenfäße innerhalb ber Sozialdemokrati: schen Partei zum Wehrprogramm hingewiesen, wie sie fich bei Besprechung dieses Programms in der Presse gezeigt haben, und hat dazu bemerkt, daß es sich auf dem Magdeburger Partei­tag zeigen werde, ob und wie diese Gegenfäße überbrüdt würden. Bezüglich der in der Deffentlichkeit vielfach behandelten Frage einer etwaigen Spaltung der Partei hat der Bortragende bemerkt, daß Anzeichen für eine Spaltung nicht erkennbar seien.

Ein Vergleich der tatsächlichen Ausführungen des vortragen­den Offiziers mit der von Ihrer Zeitung übernommenen Wieber­gabe des Boltswillen" zeigt, daß der Berichterstatter des Bolks willen zum mindesten einem schweren Mißverständnis zum Opfer gefallen ist.

"

Der Reichswehrminister hat, wie wir hören, die Absicht, die ganze Angelegenheit der politischen Vorträge noch einmal im Haus­haltsausschuß zu erörtern. Das Bedürfnis zu einer solchen Aus fprache ist zweifellos vorhanden. Denn wenn faft gleichzeitig aus Stuttgart und Hannover alarmierende Berichte über diese Borträge tommen, ist es nicht leicht, anzunehmen, dies sei etwa nur auf Mißverständnisse zurückzuführen. Und selbst wenn dem so wäre, fo gäbe cine so leidyt mißzuverstehende Ausdrucksweise des Vor. tragenden Anlaß zu ernster Beanstandung.

Tatsache ist jedenfalls, daß der Major Richter in Hannover . über die Wehrdebatte der Sozialdemokratie und über die Frage einer Spaltung der Partei gesprochen hat. Darf man glauben, daß ein Reichswehrmajor, der vor Offizieren über die Parteien spricht, dabei mit vollendeter Objektivität Licht und Schatten gleichmäßig vertei't? Wäre es da nicht besser, Bertreter der verschiedenen Barteien selbst sprechen zu lassen und an den Bortrag eine Distuffion anzuschließen, an der sich jeder Zuhörer beteiligen fann?

Aber, so wendet man erschroden ein, das hieße ja die Poli. tit in die Armee tragen! Geschieht das aber nicht auch, wenn den Offizieren eine Meinung vorgetragen wird, die sie ge­missermaßen dienstlich zur Kenntnis zu nehmen haben? Und läßt es fich rechtfertigen, den Kreis der Zuhörer auf Offiziere und Be­amte zu beschränken und so eine Art geistiger Offiziers. füchen einzurichten? Auf keinen Fall geht es aber an, daß in Offiziersversammlungen den Parteien Zensuren erteilt werden, die Diesen entweder überhaupt nicht oder nur auf Umwegen zur Kennt nis lommen. Hier tut Aenderung dringend not!

Sie möchten am 1. Mai wieder Arbeiterblut sehen!

Die kommunistischen Führer, die mit Schrecken die immer geringer werdende Zahl ihrer Parteimitglieder feststellen, suchen wieder einmal einen großen 3u­jammenpra II zwischen der Staatsgewalt und der Ar­beiterschaft herbeizuführen. Die Art, in der sie durch ihre Preise zu Straßendemonstrationen auf rufen, die zeitweilig verboten sind, läßt deutlich erkennen, daß ihnen an einem blutigen Zusammenitoj mehr liegt als an einer wirklichen Kundgebung der Arbeiter. Aufmachung die Meldung, Polizeipräsident Zörgiebel klasse. Neuerdings bringt die Rote Fahne" in großer habe sich, an die Reichswehrstellen gewandt, damit diese ihm Silfsmannschaften für den 1. Mai zur Verfügung stelle. Auch solle er oftpreußische Schutzpolizei zur Hilfe­leistung angefordert haben.

Selbstverständlich glauben die kommunistischen Führer an diese ihre Behauptungen selbst nicht. Sie sehen sie nur in die Welt, um ihre noch vorhandenen Arbeiteranhänger aufzuheken und für ihre Maikund­gebung", die im Gegensatz zu den Gewert. fchaften geplant ist, die notwendige Rabaustim. munisten anstellen, desto ruhiger und in ihrer Sach. mung zu schaffen. Je aufgeregter indessen sich die Kom lichkeit unüberwindlicher werden sich die ge werkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten an die Parole ihrer Verbände halten und die Kom munisten mit ihrem Geschrei und ihren Sonderveran­staltungen unter sich lassen!

Der Brand im Warenhaus.

Unsere Bilder zeigen den großen Brand, der gestern im Neubau des Warenhauses am Hermannplatz ausbrach und unge­heure Mengen von Neugierigen anlockte. Links: Ein Feuerwehrmann auf der vier Stockwerke hohen Steigeleiter.