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Nicht Spionage-- aber töricht.

Abschluß des Prozesses Goldmann- Diet.

Nach fechsftündiger Berhandlung find gestern nachmittag| zeichnungen in seiner Wohnung gehabt, die dann bei der Haus die beiden Ungetlagten Dr. Goldmann und Die von fuchung gefunden wurden. Dr. Goldmann wies darauf hin, daß er der Anklage der Spionage und des Spionagebefruges frei- feinerzeit, als er ausschied, nicht selbst seinen Schreibtisch aufgeräumt habe. Ein Unteroffizier hatte den Auftrag, seine Bücher und Wäsche gesprochen worden. in ein Bündel zu schnüren und in seine Privatwohnung zu schaffen. In diesem Bündel habe sich ein Zettel mit Aufzeichnungen gefunden. Er selbst habe das jahrelang nicht gewußt.- Staatsanwalt­fchaftsrat Dr. Kirschner betonte in seiner Anflagerede, daß nicht Berrat militärischer Geheimnisse in Frage komme, sondern daß es fich lediglich um einen Spionagebetrug auf Grund des§ 6 des Spionagegesetzes handele, nach dem jeder Deutsche, der mit einer fremden Macht Berhandlungen antnüpft, zu bestrafen ist, ohne Rüd ficht darauf, ob das von ihm angebotene Material wichtig oder wertvoll ist, oder ob er sich überhaupt im Besiz eines solchen Mate­rials befunden hätte. Er beantragte deshalb gegen die beiden An­geflagten Diez und Goldmann eine Gefängnisstrafe von einem Jahr unter Anrechnung der erlittenen etwa acht Monate langen Untersuchungshaft.

heut dieselben Menschen hier. Auch unter den Häufern finden sich ja noch einige gute, solide Bauten aus den Zeiten, da diese Gegend noch die Kommunifation vor dem Prenzlauer Tore" hieß, ein nder die andere nette Front, sogar mit bildnerischem Schmud aus dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Gegen die Münzstraße zu stehen fogar einige, Häuser, die nur Geschäftszwecken dienen. Aber sonst ist diese Straße bös heruntergekommen. Während in der Kriegszeit die Grenadierstraße zu einer Art Ghetto wurde, 30g fich nach Niederlegung des übrigen Scheunenviertels die niedrigfte Art von Proffifiution hierher. An der Ecke der Schendelgaffe" stehen hier alte Dirnen, die manchmal mehr als sechzig Jahre zählen. Ohne Hut, im Anzug einer Frau aus Arbeiterfreisen; nur das Gesicht verrät nur allzu deutlich das Gewerbe. Quer über die In der Nachmittagsverhandlung äußert sich der Angeklagte Ede weg geht die Unterhaltung, die sich manchmal wirklich nicht für Diez über die politischen Hintergründe dieses Prozesses. Er hatte feufche Dhren eignet. Aber auf derartige Perversitäten scheinen feinerzeit als enger Vertreter der Herren Claß und Bacmeister die Mädels nicht gefaßt zu sein. Doch auch in dieser Gegend werden auch von den Plänen, eine Dittatur zu errichten, erfahren. Er Kinder groß... Natürlich sind nun hier auch mehrere Absteige- hat darauf mit einem alten Freunde und Kriegsgerichtsrat Wolff quartiere, unvermeidliche Nebenerscheinung dieses Marktes. diese Pläne durchgesprochen, der ihn eindringlich vor jeder Beteili­Was aber in dieser Straße darin geboten wird, schlägt jeden Re- gung warnte. Den Inhalt dieses Gespräches mit Wolff hat er ford! In einem Hause soll der Betrieb sogar als ,, Gewerbsmäßige einige Tage später dem Berliner Polizeivizepräsidenten Dr. Frie Bermietung" gemeldet sein. In einem ehemaligen Laden stehen, densburg mitgeteilt. Als die Franzosen schließlich seinen Heimatort durch Bretterwände getrennt, schmierige Chaiselongues. An Frei- befeßten, habe er alles Material, daß er über die deutsche und aus tagen und Sonnabenden steht man hier an, bis eine der Ruhe- ländische Artillerie besaß, verbrannt, um nicht in Verdacht der stätten" frei mird... Aber weder die Steuer, noch die Gesund- Spionage zu kommen. Die Franzosen hätten ihm nie geglaubt, heitsbehörde scheinen sich um die Interna dieses Gewerbebetriebes" daß er das Material über französische Geschütze längst bekannten zu fümmern. Noch schlimmer liegen die Dinge im Rohlenfeller". artilleristischen Zeitschriften entnahm. Der Sachverständige von Eber­Die Wohnungsverhältnisse sind hier so ungefähr die gleichen wie in hard hard ein Profurift der Krupp- Werte gab in seinem Gutachten der Grenadierstraße, die Mieten ebenso teuer, nur daß hier weniger au, daß Dr. Goldmann zu seiner Arbeit Material verwandt hätte, Geschäfte sind. Die Häuser sind meist in Händen von Ausländern, daß zumeist bekannt war und nicht als geheim zu bezeichnen ist. die gar kein Interesse haben, dem Berfall zu steuern. Merkwürdige Lediglich die Tabellen über Gasdrud wären Geheimmaterial. Dinge sind hier möglich: Da werden zwei Häuser durch eine Balfen­Dr. Goldmann behauptet zu diesem Gutachten, daß er nie versteifung gestüht. Das mittlere Haus mußte abgeriffen werden, Statistiken über Gasdrud gesehen und sie auch nicht zu feinen Ar­weil ein Fluttanal, der drunter wegging, es baufällig gemacht beiten verwandt hätte. Major Beder vom Reichswehrministerium weil ein Fluttanal, der drunter wegging, es baufällig gemacht verlas in seinem Gutachten die Vorschriften, die bei der Artillerie­hatte. In der Inflation faufte es sein Besitzer für fünf Millionen als wir alle schon Millionäre waren. Dann baute er auf Sein prüfungsfommission gelten. Danach seien auch alle Privataufzeich nungen der in dieser Stelle arbeitenden Offiziere nach Austritt aus durchgehenden Grundstück sechs Läden mit Wohnung" in zwei nungen der in dieser Stelle arbeitenden Offiziere nach Austritt aus der Kommission abzugeben. Dr. Goldmann habe aber einige Auf­Baraden. Die Wohnungen haben feinen anderen Ausgang als die Ladentür. Zwischen den beiden Bauwerken" liegt der Müll und stinkt zum Himmel. Es existiert ja weder Zugang noch Einfahrt; on Feuersnot darf man hier nicht einmal denken. Jeder Laden Testet hundert Marf Miete im Monat, sechshundert Mart bringen die Baracken alio monatlich ein. Was aber das Merkwürdigste ift: Der Besitzer des Grundstückes soll zur Errichtung dieser Baulich. Telten Hypother aus den Mitteln der Hauszinssteuer bekommen

haben

"

Die letzten Seßhaften der ordentlichen" Bevölkerung, die in ben von Tag zu Tag mehr verwahrlosenden Häusern sigen, haben einen schlimmen Stand. Alkohol und Geschlechtstrantheiten sind die Seuchen, die hier grassieren. Und als ich bei der Genossin, der Frau des Bezirksporstehers size, tommt heulend schon wieder eine ffeine, frumme Frau: Der Mann hat das Spind aufgebrochen, alles Geld genommen, die Kinder aus den Betten gerissen: und alles perfauft er in der Münzglede."

Aber von der Straße, in der diese Glocke schlägt und von den anderen Resten des Scheunenviertels foll demnächst die Rede sein.

Grzesinski beim Reichsbanner..

Ein Schreiben Cart Geberings.

Treue zur Republik bis zum Lehfen betundele geffern das Neu­föllner Reichsbanner. Det große Saal der neuen Welt war bei der Gründungsfeier, reich mit schwarzrotgoldenen Fahnen und Bannern ausgeschmüdt, bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einem Konzertteil verlas der Ortsvereinsvorsitzende Genoffe Franz Gutschmidt einen Brief des Reichsministers des Innern, Genossen Severing, in dem es heißt:

Fragen der Regierungsform und der Abänderung der Ber faffung in reaftionärem Sinne haben in den Diskussionen der lezten Wochen eine erhebliche Rolle gespielt. Das Reichsbanner hat fie längst beantwortet, und zwar durch die Aufrechterhaltung feiner Organisation. Wäre eine Fortentwicklung der Reichsverfaffung in freiheitlichem Sinne über allem Zweifel erhaben, würden nicht die Feinde der Republik jeden neuen wirtschaftlichen Druck und jede neue politische Berwidlung als willkommene Anlässe betrachten, gegen den Ball der Republik anzurennen, dann tönnte das Reichsbanner den Schutz der Republik allein den staatlichen Organisationen überlassen. Heute ist eine Abwehr, eine geistige und physische Abwehr auf breiterer Front jedoch das Bessere, und man muß dem Reichsbanner dankbar dafür sein, daß es diese Front hergestellt hat und auch weiter aufrechterhalten will."

Als erster Redner sprach der preußische Innenminister Genosse Grzesinsti: In der Motzeit des Boltes ist es wichtig, daß neben den staatlichen Einrichtungen Millionen Männer bereit stehen zur Abwehr jeglichen Angriffes auf die Republit. Wer heute die Ver­faffung ändern will, der will dem Volte nicht weitere Rechte geben. Da wir gegen jede Entrechtung des Staatsbürgers anfämpfen, haben mir auch die Republikaner in einer machtvollen Organisation zu sammeln. Die Macht des Reichsbanners ist um so größer, weil diese

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Organisation unbewaffnet ist und trotzdem den Uebermut der Rechtsverbände dämpfen fonnte. Ohne jedes Gefeß, ohne jede Feme androhung hat das Reichsbanner seine Aufgabe aus freier Diszi plin erfüllt. Der Reichsbannergeist, den politischen Kampf mit plin erfüllt. geistigen Waffen zu führen, muß sich immer weiter durchfeßen. Als Vertreter des Zentrums sprach Berbandsvorsitzender Bur lage, für die Demokratische Partei fand Landtagsabgeordneter Otto Musch te zündende Worte, und im Auftrage des Bezirksamtes Neukölln begrüßte Stadtrat Radtte die Kundgebung. Den Schluß att bildete die wohlgelungene Aufführung des schönen Sprechchor. mertes von Dr. Franz Rothenfelder: Fahne der Republit".

Borrechte für Kronprinzens.

Als erster Berteidiger fam Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld zu Wort, der in seinem Plädoyer darauf hinwies, daß tein Anwalt einen wirklichen Landesverräter verteidigen werde. In den letzten Jahren ist aber mit diesen Paragraphen des Strafgesetzbuches nicht immer sehr vorsichtig umgegangen worden. Er hielt die Ueberführung der Angeklagten für nicht erwiesen und verlangte Freispruch. Auch die beiden Rechtsanwälte Justizrat Berthauer und Hertel- Bremen ver­langten Freisprich.

Nach etwa einstündiger Beratung verfündigte das Gericht den Freispruch aus Mangel an Beweisen. Bei flarer Ueber­legung müßten die Angeklagten wohl selbst zugeben, daß sie sich ungeschickt und töricht aufgeführt hätten.

Vorschriften unterwerfen. Es ist nicht einzusehen, warum Friedrich Wilhelm Hohenzollern und seinen Angehörigen ein Sonderrecht auf öffentliche Rosten zugebilligt werden soll.

Rücktritt des Funfintendanten?

Der Intendant der Berliner Funtstunde, Dr. Karl Hage= mann, der sich zurzeit auf einer Auslandsreise befindet, wird dem Bernehmen nach nicht wieder auf feinen Bosten zurüctehren Im September 1927 trat er seinen Bosten an. Er tam aus Wies | baden, mo er jahrelang tünstlerischer Leiter der Staatsbühne gewesen war. Betannt war er auch als Schriftsteller auf dem Gebiet der Regie und der Psychologie des Schauspielers. Man erwartete von ihm, daß er dem Programm des Berliner Rundfunts ein aus geprägtes Gesicht geben würde, und tatsächlich hat er sich auch war bie tulturelle Hebung des Niveaus bemüht, allerdings nicht immer Die nichtöffentlichen Wege in Sanssouct bei Botsdam mit Erfolg. Zu verwundern ist, daß Hagemann, der ein aus­dürfen nach ben bisherigen Bestimmungen von Mitgliedern des ehe gezeichneter Bühnenregiffeur war und fich mit feiner Inszenierung dürfen nach ben bisherigen Bestimmungen von Mitgliedern des eheber Salomé" auch als Rumbfuntregisseur non Rang präsentierte, maligen Kaiserbauses von Fall zu Fall im kraftwagen fo wenig gerade in dieser feiner besten Eigenschaft, nor bie Berliner befahren menden. Jedoch muß der Gartenbirettion vorher Funfhörer traf. Ein Nachfolger ist bisher noch nicht ernannt. davon Mitteilung gemacht werden, die ihrerseits dann Warnungs poften aufstellen müß.

Eine echt Potsdamer Angelegenheit.

Opfer des Berkehrs."

Wegen mehrerer im Herbst vorgefommener afferrohre brüche im Südosten Berlins mar aus der Stadtver­ordnetenversammlung an den Magiftrat die Anfrage gerichtet worden, was er hun molle, solche Schäden zu verhüten. Der Magistrat antwortet jegt in einer Vorlage zur Kenntnisa beiten bei der Untergrundbahn und auf Absentung des Wafferipiegels, zum Teil aber auf eber I aftung der Straßen durch schwere Transportwagen und Autos. Um den Wasserrohrbrüchen vorzubeugen, will man fünf­tig für derartige Leitungen nur noch Stahlrohre vers wenden, die in besonderer Stärke gewalzt werden sollen. Verhängnisvolles Spielzeug.

Um 22. Oftober v. J., dem Geburtstag der verstorbenen ersten Frau des früheren Kaisers, hatte nun die Hofverwaltung des ehe maligen Kronprinzen mehrere Kraftwagen angemeldet. Gin Bosten war ausgestellt. Aber an der Kurve vor dem antiten Tempel, wo mehrere ältere Personen weiblichen Geschlechts Aufstellung genom men hatten, war eine Frau hau bidh aus Berlin beim Ein­biegen des tronprinzlichen Wagens zu Fall gekommen. Es hießnahme, diese Rohrbrüche seien zurückzuführen zum Teil auf Ar­damals, fie fei nom Wagen zu Fall gebracht worden. In dem Kraftwagen faß der ehemalige Kronprinz mit seiner Frau. Ueber diese Angelegenheit ließ man nach bestem Können Gras wachsen: man gab vor, die betagte Hohenzollernschwärmerin jei über einen Draht gestolpert, der ihr in die Kniekehle gegangen wäre. Die Frau zog sich bei dem Fall einen Armbruch zu, erhielt aus der Kronprinzenschatulle 1400 M. und alles schien erledigt, da Strafe antrag ihrerseits wegen Körperverlegung nicht gestellt war. Der Justizminister hat nunmehr einen Bericht darüber eingefor­dert und es fand ein großer Lofa! termin in Sanssouci statt. Der Erfte Staatsanwalt von Potsdam Dr. Fuhrmann hielt ihn persönlich ab. Als Sachverständige fungierten Oberpolizeisekretär Balzer vom Bolizeipräsidium Berlin und Zivilingenieur Mann fred- Berlin . Der ganze Borfall wurde genau demonstriert, und die Gutachten, die dem Justizminister zugehen, füllen faft fünf zehn Schreibmaschinenseiten.

Warum werden überhaupt von Steuerpflichtigen bezahlte Be amte beauftragt, die Anfahrt der kronprinzlichen Herrschaften" im Auto zum Grabe der verstorbenen früheren Kaiferin zu überwachen auf Wegen, die sonst dem Kraftwagenverkehr nicht freige geben sind? Gewöhnliche Sterbliche müssen sich, wenn sie Toten, die ihnen teuer sind, ihren Gruß bringen, den allgemeinen

Auf seltsame Weise sind gestern abend zwei Jungen, der elf­jährige Herbert G. aus der Schöneberger Straße 6, und der neun­jährige Erwin K. aus dem Nachbarhause, schwer zu Schaden ge­tommen. Mehrere Kinder spielen abends um 19 Uhr auf dem Hose des Grundstückes Schöneberger Straße 7 und machten sich an dem Wagen eines Straßenhändlers, der allabendlich dort unter­gebracht ist, zu schaffen. Blöglich entbedte einer der Jungen am Untergestell eine SelbstschußDorrichtung; es mar Mehrladepistole, die sich der Wagenbesizer entsprechend umgearbeitet hatte. Der Knabe kam dem Abzug zu nahe, und ein Schuß ging los. Die Knaben wurden von der Kugel getroffen und schwer ver legt. Beide wurden durch das Städtische Rettungsamt ins Urban­tranfenhaus gebracht.

eine

Eine andere Kindertragödie ereignete fich gestern abend um 22 Uhr am Königsdamm in Plößensee Dort fuhr der

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