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Das Land ohne Maientag.

Aber die Idee lebt weiter!

Locarno , 25. April. ( Eigenbericht.)

on der Arbeiterbewegung der Welt ist Italien das Reich Des ewigen Winters geworden. Während die faschistische Großmäuligkeit von Welteroberung faselt, schiebt die Welt Italien langsam beiseite. Das Interesse hat sich von ihm abgewendet, wie die Touristen sich abgewendet haben. Im Grunde glauben biele, wenn das italienische Boll den Faschismus geduldig erträgt, so verdient es wohl auch teine bessere Regierung.

Was sich in Italien vollzogen hat, war etwas mehr als der Sieg einer Partei über die andere, oder eine Politit über die andere. Wir erlebten dort den Versuch einer durch Gewalt herbeigeführten und durch Gewalt fortwirkenden Umgestaltung des sozialen Lebens; diese Umgestaltung vollzieht sich im Dienste gegebener Interessen und nach einer am grünen Tisch ausgeflügelten Schablone, als eine gewaltsame Formung lebendiger Menschen, als wären sie ein totes Metall. Mit allen Machtmitteln der modernen Technik versucht der Faschismus den modernen Geist niederzuhalten, Europa gleichsam mit Tants und Giftgasen ins Mittelalter zurückzutreiben. So ist es im Grunde ein Kampf zwischen Idee und macht, zwischen Geist und Materie, der sich in Italien abspielt, in der ge­meinen und widerwärtigen Form der faschistischen Herrschaft. Ge­länge es mit den modernen Zerstörungsmitteln Idee und Geist zu zerstören, so würden die herrschenden Klassen aller Länder der Welt den Bersuch nachmachen.

Die Angst vor dem Gefängnis, vor der Berfchidung, Dor förperlicher Mißhandlung, vor der Entziehung der Existenz möglichkeit, vor Repressalien gegen die Angehörigen, vor Bernich tung des Besizes ist in Italien allgegenwärtig; sie wird immer wie­der durch neue Episoden bestärkt. Die Frau jenes De Modugno, der in Paris den italienischen Vizekonsul erschossen hat, ist im Zwangsdomizil

vor den Augen ihrer Kinder entfleidef

und dann von Milizsoldaten geschlagen worden. Am 24. März hat ein Milizfeldat in Barefe den Arbeiter Brogini mit dem Ge­wehrkolben getötet, weil er mit Mein" gestimmt hatte. Ohne diese und ähnliche Möglichkeiten der schlimmsten Gewalt, würde sich der Faschismus nicht einen einzigen Tag halten. Die Tagesberichte über Jein Werk in ihrem öden Einerlei von Bluttaten und Unterschleifen, von Diebstählen, Plünderungen des Staatsfädels und der Gemeinden von Bestechung und Betrug, zeigen wo die Macht versagt. Sie tann anständige Menschen nicht an ihren Karren schirren und tann die eigenen Lumpen nicht zu anständigen Menschen machen. Das fönnen auch Maschinengewehre und Flugzeuge nicht. In der Auswirkung dieser Tatsache liegt die Zukunft des Faschismus beschlossen. Der Faschismus geht an dem zugrunde, was an lebendigen Menschheitswerten in seinen Gegnern lebt und durch feine Lodung und Drohung in sein Lager zu bringen war. Rechtschaffenheit, Treue, Amtspflicht, Mut der eigenen Ueberzeugung, Würde, Selbst achtung und Achtung der andern das fehlt dem Faschismus.

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Ihm ist der Staat eine rippe, das Amt eine Mastgelegenheit, die Ueberzeugung ein Handelsartikel. Mussolini weiß das er hat die Ueberzeugung ein Handelsartikel. Mussolini weiß das sich seine Mitarbeiter schließlich selbst gewählt. Er weiß auch, daß man die Pfosten eines Baues nicht den Holzwürmern überlassen sollte. So hofft er darauf, daß ihm aus der neuen Generation anständige Menschen zuwachsen. Leider wissen die jungen Leute mehr von den Verbrechen, aus denen die faschistische Macht zu­sammengeschweißt wurde.

Aber nichts wird dem Faschismus an ideellen Werten zu­wachsen.

Dieser Zuwachs wendet sich den Unterdrückten zu. Das Regime ist wie ein tonstitutionell tranter Organismus, der lebenswichtige Substanzen nicht assimilieren fann und dadurch ver­fällt. Was hat die Gewalt am Wahltag vermocht? Die Leute unter Androhung sofortiger Entlassung zur Wahl zu schleppen, Pakete von Wahlzetteln in die Urnen zu schieben, so daß mehr Ja. Stimmen heraustamen, als Stimmberechtigte da waren, die antifaschistischen Zettel von außen zu tennzeichnen, sie vielfach überhaupt nicht auszuhändigen, die Wähler von Miligleuten in die Rabine begleiten zu lassen, folche, die mit Mein" stimmten, öffentlich zu mißhandeln. Trog dem hatten bis zum Nachmittag nur 30 Proz. der Wähler gestimmt. Das ist ein bescheidenes Fazit eines Großtages der Gewalt. Gewiß ist das italienische Proletariat materiell ge= schlagen. Aber die Ideen des Sozialismus, der Freiheit und der Demokratie leben troß seiner Niederlage. Und wie der Faschis. mus alle materiellen Güter des Landes an fich saugt, so zieht die Opposition, so zieht das Proletariat, die ideellen Güter an sich. Der Faschismus wird an der Verworfenheit seiner Werkzeuge und Mittel zugrunde gehen. Nicht durch unser Berdienst. Aber die Ideale, für die Hunderttausende von Proletariern in Italien gearbeitet, ge­fämpft und gelitten haben, diese Ideale, die schließlich leben, weil Menschen sie mit ihrem Blut und Hirn nähren, die sind so unlösbar an Alltagstugenden gebunden, daß ein Staat verludert, der sie nicht hat. Der Faschismus ist dabei, das zu beweisen. Darum möge das europäische Proletariat aus seinem sich in Freiheit vollziehenden Kampfe auch einen Blid auf Italien werfen, wo man in Fesseln fämpft. Man vergesse der italienischen Arbeiter nicht, die 35 Jahre hindurch mit der Internationale den 1. Mai gefeiert haben. Sie find wert, daß man ihrer am 1. Mai gedenkt. Sie werden wiederkommen.

Berlin will Exerzierplatz Eichkampf taufen.

Zur Abrundung des Messe- und Ausstellungsgelän des plante der Magistrat schon seit längerer Zeit den Erwerb des angrenzenden Egerzierplages Eichlamp. Er hat jetzt mit dem Reichs mehrfistus ein Abkommen zustande gebracht, das dieses Raufgeschäft an einen anderen Grundstücstauf bindet. Für den Egerzier plag von 208 000 Quadratmeter Fläche werden

312 000 m. gefordert. Gleichzeitig foll aber bie Stadt vom Reichs wehrfistus das ihm gehörende Haus und Barfgrundstüc Alt Moabit 117/118 faufen, das für 3mede der Bezirksver waltung Tiergarten gebraucht wird. Hier fordert der Fistus für das Grundstüd von 28 251 Quadratmeter Größe 2 200 000 m. Dazu tommt die Bedingung, daß vom Tempelhofer Feld der nördlich der Ringbahn liegende Streifen in Breite von 10 Meter und der zwischen Schwiebuser Straße und verlängerter Dreibundstraße liegende Ge­ländeteil von der Freiflächenbeschränkung ausgenommen werden müssen.

Wie's gemacht wird.

Was haben die Gasarbeiter beschlossen?

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Als Arbeiterforrespondenz" brachte jüngst das Moskaublatt einen Bericht über die letzte Versammlung der Gasvertriebsarbeiter. Mit Ausnahme der Zahl der 205 Versammlungsbesucher von 1300 Arbeitern ist der Bericht in seinem wesentlichen Teil voll­ständig falsch.

Der von dem Oppofitionsmann Weinert geleiteten Versamm lung wurde von der Opposition" eine Entschließung vorgelegt, die in ihrem ersten Saz zur Arbeitsruhe am 1. Mai auffordert. Dieser Teil der Entschließung wurde einstimmig angenom.

men.

Der zweite Teil der Entschließung, der sich gegen das Demon ſtrationsverbot wendet und die Kapitulation der Gewerkschaften" verurteilt, fand dagegen teine Mehrheit. Trotzdem verdrehte der Bersammlungsleiter das Abstimmungsergebnis und verweigerte die geforderte Auszählung der Abstimmenden.

Daraufhin verließ ein Drittel der Anwesenden, meist S genoffen, die Versammlung. Selbst wenn man alle übrigen 132 Bersammlungsteilnehmer der Opposition" überlassen könnte, ständen diesen 132 Arbeitern immer noch über 1100 gegenüber. Das hindert die Opposition" natürlich nicht, einen Lügenballen zu legen, die Gasarbeiter hätten gegen ihre eigenen Gewerkschaften und gegen das Demonstrationsverbot protestiert.

120000 ftreifen in Bombay!

London , 29. April.

mehr dreiviertel völlig still gelegt. Mit der Schließung Von den Baumwollspinnereien in Bomban sind nun­auch der reſtlichen Betriebe wird in den nächsten Tagen gerechnet. Insgesamt werden von dem Streit entweder in den Baumwoll­spinnereien direkt oder in den davon mitbetroffenen verwandten Industriezweigen 120 000 Personen erfaßt.

Wetter für Berlin und Ur gegend: Woltiges Wetter mit wenig Besten regnerisch, auch im Osten langsame Verschlechterung, überall Deränderten Temperaturen, später Regen. Für Deutschland : Im

mild.

Berantwortlich für die Rebattion: Franz Klühs , Berlin : Anzeigen: Th. Glocke Berlin Berlag: Borwärts Verlag 6. m. b S., Berlin . Drud: Borwärts Buch bruderci und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Sierzu 1 Beilage.

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