Der Abend
Erfcheint täglich außer Sonntag Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3
Spätausgabe des„ Vorwärts
"
10 Pf.
Nr. 520
B 259 46. Jahrgang
Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. oftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297
Während der Chor der Anfimargiften" in trauter Gemeinschaft mit den Kommunisten sich heiser schreit, um die Sozialdemokratie und ihre Vertreter in der Boltsmeinung herabzusehen, ist unsere Parteiorganisation in ununterbrochenem Aufstieg begriffen. Allein in Berlin find fcit Mitte Oftober nicht weniger als
4582 Neuaufnahmen
zu verzeichnen, und zwar
3497 Männer
1085 Frauen.
Angesichts der Schlammfluf von Verdächtigungen, die fäglich über die Sozialdemokratie ausgefchüttet werden, find diese Zahlen ein schlagender Beweis für die feste Organisation der Partei und das unerschütterliche Bertrauen, das sie bei dem arbeitenden Bolte Berlins genießt. Noch immer hat sich gezeigt, daß das Uebermaß von Beschimpfungen die Abwehrkräfte in der Partei der Schaffenden wedt. So die Abwehrkräfte in der Partei der Schaffenden wedt. So wird auch diesmal der Berleumdungsblod von Hugbenberg bis Münzenberg die Sozialdemokratie nicht innerlich schwächen, sondern ihre Organisation stärken und für den Abrechnungstag, den 17. November, den Sieg der Sozialdemokratie vorbereiten.
Die Einzel- Ergebnisse.
Die frische Werbearbeit unserer Genossen hatte in allen Stadt teilen Groß- Berlins erfreuliche Erfolge. Im einzelnen verteilen fich Lie Neuaufnahmen auf die Verwaltungsbezirke wie folgt:
Männer Frauen insgesamt
Seute um 11 Uhr vormittags erschien im Sejm gebäude der remierminister Switalski und überreichte dem Sejmmarschall Daszynski ein Dekret des Staatspräsidenten, durch das die Budgetsession für 30 Tage vertagt wird.
Der Sejmmarschall hatte eine Reihe von besonderen Verfügungen
getroffen, um das Sejmgebäude während der heutigen Sigung vor dem Eindringen Unberufener zu bewahren. Für die 400 Personen faffende Galerie find nur 25 Barfen ausgegeben worden. Das Sejm. postamt wird für das Publikum gesperrt werden. Alle Abgeordneten follen von der Sejmwache fontrolliert werden. Die Journalisten will man durch einen Nebeneingang in den Saal gelangen lassen. Wie der„ Kurjer Poranny" berichtet, hielt Sejmmarschall Daszynski gestern abend an die versammelte Saalwache eine Ansprache, worin er fie ermahnte, feine Unberufenen. und fei es auch ein General, in den Sejm einzulaffen.
In der Presse wird heute das Rätselrafen über die mutmaßliche Entwicklung der innerpolitischen Cage fortgesetzt. Wird die Sejm fizung zustandekommen, wird der Landtag vertagt over fogar aufgelöft?- das ist eine der Fragen, die von der Morgenpresse leidenschaftlich erörtert werden. Der zionistische Nasz Przeglond" ftellt fest, daß sich der Schlüssel der Lage im Belvedere , dem Wohnsitz Pilfudffis, befindet.
Am gestrigen Spätnachmittag fand in Warschau eine Reihe fozialistischer Massenversammlungen stall, bei denen einstimmige Entschließungen gefaßt wurden, die das Eindringen der Offiziere in den Sejm und das Hereinziehen des Heeres in die Polifit verurteilen. Am Abend versuchten sozialistische Arbeiter an mehreren Punkten der Stadt Kundgebungen zu veranstalten. Polizei zerstreufe jedoch überall mühelos die Demonftranten, ohne dabei Berhaftungen vorzunehmen.
Heute mittag, im Augenblick der Sejmeröffnung, findet in Bielit. Biala eine große Kundgebung der Arbeiterschaft zu Ehren der Bolts
Mitte
297
120
417
Tiergarten
•
125
51
176
Wedding.
402
77
479
311
89
291
96
400 387
.
Kreuzberg
208
101
309
Charlottenburg.
133
36
169
153
38
191
Wilmersdorf
72
16
88
Zehlendorf
31
20
51
115
29
144
•
67
22
89
Tempelhof
44
19
63
•
Neukölln
294
102
396
142
70
212
Köpenick
59
19
78
190
54
244
Weißensee
38
11
49
69
28
97
148
38
186
Bezirkssekretariat.
308
49
357
WAHLT
3497
1085
4582
WAHLT
SED
WAHLT
Bankow
Reinickendorf
Riefenspeicherbrand in Lübeck .
Die gesamte Lübecker Feuerwehr eingesetzt.
Um Montagabend gegen 20% Uhr ist im Zentrum der Stadt Cübed in der Bedergrube ein Riefenfeuer ausgebrochen, das von der gesamten übeder Feuerwehr bisher noch nicht In dem großen Speicher der Firma gelöscht werden konnte. Tamms u. Garfs, in dem riesige Mengen von Kolonialwaren, Insbesondere Kaffee, lagerfen, ist aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache in einem der oberen Stodwerte ein Feuer ausgebrochen, so daß die Lübeder Berufsfeuerwehren und viele freiwillige Feuerwehren eingreifen mußten. Bon der Trave aus wird das Feuer von dem Löschboot der Lübecker Berufsfeuerwehr bekämpft. Ueber 20 Schlauchleitungen sind zur Eindämmung des Feuers eingesetzt worden. Die gesamten Kolonialwaren, viele Maschinen und die erst vor furzem eingerichtete große Kaffeerösterei find vollkommen vernichtet. Gegen 22% Uhr stürzte der Schornstein des Gebäudes mit gewaltigem Krachen zufammen. Menschen find glüdlicherweise nicht getroffen worden.
Werbefäule der Sozialdemokratie rele fie an verschiedenen Stellen in Neukölln aufgefiellt find
vertretung ffaft. Die Zeitungstonfistationen werden fortgefeht. Bom heutigen Leitartikel des sozialistischen Robotnik" steht nur die Ueberschrift: Es lebe der Sejm der Republik .
Das Giegelsdorfer Eisenbahnunglück. Cin Riefenprozeß: 230 Zeugen.
Fürth , 5. November. Am Dienstag begann vor dem Erweiterten Schöffengericht Fürth, das wegen ungünstiger Raumperhältnisse seine Tätigkeit in den Fürther Rathaussaal verlegt hat, der Riesenprozeß megen des Eisenbahnung! üds von Siegelsdorf am
Morgen des 10. Juni 1928. Angeklagt find der 39jährige ver heiratete Oberbahnmeister Alfred Stuhlfath, der 47jährige verbeiratete Rottenführer Georg Bolland und der 61jährige Giegelsdorf wohnhaft. Die Anklage legt ihnen zur Last, daß fie verheiratete Oberbahnwärter Johann Greller, sämtlich in burch Fahrlässigkeit und Außerachtlassung der ihnen obliegendeir Sorgfaltspflicht den Tod von 24 Menschen und weiter die Körperperlegung von 118 Personen verschuldet haben. 230 3eugen und 17 Sachverständige sind zu der Berhandlung geladen.
Nach der über 100 Seiten starten Anklageschrift hat der Schnellzug D 47 außer der Lokomotive und dem Tender aus zwölf Bagen bestanden. Der Zug entgleiste bei der Ausfahrt aus der Station Siegelsdorf . Als die Lokomotive, so heißt es in der Anfiageschrift, auf gerader Strecke schon aus den Schienen gesprungen mar, sei turz darauf die eigentliche Entgleisung innerhalb eines Gleisbogens erfolgt. Beim Absturz von der Böschung fei das Dampfspeiserohr der Maschine gebrochen, wodurch der kochend heiße Dampf in den über der Lotomotive liegenden Personenwagen eingedrungen sei. und die Fahrgäste so entsetzlich verbrüht habe, daß fie unter qualvollen Schmerzen starben. Die Ursache der Entgleisung sieht die Anklageschrift in der schlechten Gleisanlage und der Nichtbeachtung wichtiger Vorschriften des Sicherungsdienstes. Die Gleisanlage an der Unglücksstelle sei schon stets ungünstig und die Kurve, an der sich die Katastrophe ereignet habe, schon von jeher ein Sorgenfind der Bahnmeisterei" gewesen. Bei den am 8. und 9. Juni erfolgten Gleisarbeiten, hätten sich unter den 28 Arbeitern nur zwei gelernte Kräfte befunden. Für die Züge sei während der Arbeiten das Langsamfahrtsignal 5 gesteckt worden. Die Regulierungsarbeiten sollen nach der Anklageschrift den allgemeinen Anforderungen und Dienstvorschriften nicht entsprochen haben. Der Hauptsachverständige der Staatsanwaltschaft, Prof. HalterMünchen, neige der Anschaumg zu, daß die schlechte Gleisanlage die Ursache des Unglüds war. In der Anklage wird weiter erwähnt, daß ein Lokomotivführer in seiner Würzburger Wohnung am Sonnabend, dem Vortag des Unglücks, um 4 Uhr früh eine melbetarte mit Mitteilungen über die schlechte Beschaffenheit der fraglichen Stelle geschrieben habe.
ver=
Paris, 5. November. ( Eigenbericht.) Das Echo de Paris" veröffentlicht heute aussehenerregende Mitteilungen feines Mitarbeiters Pertinag über Einzelheiten der Verhandlungen zwischen Macdonald und Hoover vom gangenen Monat. Bertinag beruft sich dabei auf einen Privat= brief, den er aus Amerita erhalten haben will und von dem er von vornherein erklärt, daß er jedem Dementi standhalten werde. Macdonald habe, so erflärt das Blatt, am 5. und 6. Oftober, als er als Gaft ,, im Feldlager Hoovers" meilte, in der Frage der Freiheit der Meere Zugeständnisse an die amerikanische These gemacht, die einer Aufgabe des englischen Standpunktes in diesen aften Konflikt gleichgefommen wäre. So habe er auf die englischen Ansprüche einer Kontrolle auf hoher See zu Kriegs zeiten verzichtet und der Auffassung mehrerer wichtiger englischer Flottenbasen zugestimmt. Er habe aber, ehe er die bereits fertigen Ahmachungen unterzeichnete, noch die Meinung seiner beiden Begleiter, Funktionäre des englischen Auswärtigen Amtes, eingeholt,