Nr. 586
46. Jahrgang
Technik
Sonnabend 14. Dezember 1929
Mit Recht find in den Jahren der stürmischen Entwicklung des Rundfunks die Ansprüche des Hörers an die Güte feines Laut sprechers mehr und mehr gestiegen. Während die technische Bervolitommnung der Empfangsgeräte mit großen Schritten poraneilte, so daß man heute von einem hochwertigen Empfänger eine nahezu vollkommene Wiedergabe erwarten kann, blieben die Lautsprecher lange Zeit ein Stieftind der Entwicklung; aber je mehr die Güte des Empfangsgerätes sich der Bollendung näherte, desto dringender wurde für die Hersteller von Lautsprechern die Aufgabe, auch diefen Teil der Empfangsanlage auf die entsprechende Höhe zu bringen. In rastloser Arbeit setzten daher die Laboratorien alle. Mittel wissenschaftlicher Forschung für eine Verbesserung der vorliegenden Lautsprechersysteme ein und suchten gleichzeitig nach neuen Begen
Prüfraum für Lautsprecher
im Lautspredjerbau. So gelangte man zu Lautsprecherfonstruktionen, die bereits heute allen vernünftigen Ansprüchen an Wiedergabegüte gerecht werden.
Aber damit war erst ein Teil der Aufgabe gelöst; denn mit Der Ausarbeitung eines wirflich guten Lautsprecher modells im Laboratorium ift der Hörerschaft noch nicht gedient. Entscheidende Bedeutung gewinnt nun erst das Problem einer einwandfreien fabritmäßigen Herstellung des Lautsprechers. Die Fabritation muß die Gewähr dafür bieten, daß wirklich jeder die Werkstatt verlassende Lautsprecher die Güte des Laboratoriummodells erreicht, ohne daß durch unwirtschaftliche Herstellungsweise Der Preis die Grenze der Marktfähigkeit überschreitet. Welche Wege zur Lösung dieser Aufgabe in einem modernen Großbetrieb beschritten werden, sei am Beispiel der Herstellung des Lautsprechers ,, Gealion" der AEG. erläutert,
Vor 37 Jahren
Aus der Geschichte des Radio
Das große Bublifum hat mit dem Radio erst seit Beginn des Rundfunks, also feit etwa sechs Jahren, nähere Bekanntschaft gemacht. Eine Radio- Industrie existiert aber schon seit Anfang dieses Jahrhunderts. Aber daß es Gelehrte gegeben hat, die bereits vor 37 Jahren die großartige Entwicklung des Radio vorausgeahnt haben, dürfte nur wenigen bekannt sein. Der folgende Auszug eines Artikels von Professor William Crookes in der Fortnightly Review" vom Februar 1892 beweist diese erstaunliche Gehergabe.
Db längere Netherwellen, welche das Auge nicht mehr wahr nimmt, ununterbrochen um uns her in Tätigkeit sind, haben wir bis vor kurzem niemals ernstlich erforscht. Aber die Untersuchungen von Lodge in England und ery in Deutschland offenbaren uns eine fast unbegrenzte Fülle von Aethererscheinungen oder eleftrischen Strahlen, deren Wellenlängen Tausende von Meilen bis zu wenigen Fuß betragen. Hier öffnet sich uns eine neue, wunderbare Welt, von der wir schwerlich annehmen fönnen, daß sie nicht auch die Möglichkeit der Uebertragbarkeit von Gebanten enthalten sollte.
Lichtstrahlen dringen nicht durch eine Mauer, auch nicht burch einen Londoner Nebel, wie wir alle nur zu gut wiffen. Aber elektrische Wellen von einem Meter Länge oder mehr werden solche Stoffe leicht durchfeßen, sie werden für sie durchfichtig sein. Es ergibt sich hier die fesselnde Möglichkeit einer Telegraphie ohne Drähte, ohne Pfähle, ohne Kabel, ohne das kostspielige Beiwerk....
Ich nehme dabei an, daß man Apparate erfinden würde, welche durch Drehung einer Schraube oder durch Henderung der Länge eines Drahtes so geregelt werden können, daß fie zur Aufnahme Don Wellen. verabredeter Bänge geeignet würden. Waren sie etwa auf 50 meter eingestellt, so würde ber Empfänger nur Wellen von vielleicht 45 bis 55 Meter aufnehmen und für alle übrigen unampfindlich sein. Bedenkt man, daß eine große Zahl von Wellenlängen zur Berfügung steht, von einigen Fuß bis zu Taufenden von Meilen, fo erscheint die Geheimhaltung ausführbar; wäre ein Neugieriger noch so unermüdlich, er würde doch sicherlich vor der Aufgabe zu rüdschreden, all die Millionen von möglichen Wellenlängen zu versuchen, um endlich durch Zufall auf diejenigen zu stoßen, welche die zu Belauschenden benutzen,"
Allgemein hat sich die Erkenntnis durchgesezt, daß eine wirt| sprechen und richtige Tonwiedergabe im Bergleich mit einem Normalschaftliche und in der Güte wirklich gleichbleibende Herstellung lautsprecher geprüft. Dann wird das System in das Traggestell eingrößerer Stückzahlen nur mit Hilfe des Systems der fließenden gebaut, der Comus mit feinem Tragring eingesetzt und schließlic) Fertigung möglich ist, die es durch ihre weitgehende Arbeitsteilung der gesamte Aufbau im Gehäuse befestigt. Am Ende des Bandes ermöglicht, jeden einzelnen Arbeitsvorgang mit den bestgeeigneten werden die fertigen Lautsprecher in bereitstehende fahrbare Gestelle Mitteln und von den am besten dazu befähigten Arbeitskräften gesetzt, die in den unmittelbar neben der Werkstatt gelegenen Prüfverrichten zu lassen. Daher geschieht auch die Herstellung des raum( Bild 2) gefahren werden. Gealion" auf dem Wege der Fließarbeit. Zweit deutlich getrennte Gruppen scheiden sich auf den ersten Blick: die Herstellung der Einzelteile und der Zusammenbau mit anschließender Prüfung.
Bei der Fertigung der Einzelteile kommt es entscheidend auf die absolut genaue Einhaltung der wissenschaftlich ermittelten günstigen Form an. Die hohe Maßgenauigkeit bedingt dementsprechend eine überaus sorgfältige Durchbildung der Bearbeitungswerkzeuge und eine große Zahl von Arbeitsvorgängen. Für die beiden Hauptteile des Systems, nämlich die tragende Grundplatte und die Bippe, in der das einstellbare Magnetsystem gelagert ist, wurde als Ausgangsform der Sprigguß gewählt, weil sich dieser an sich schon mit hoher Genauigkeit herstellen läßt. So werden die in ihrer äußeren Gestalt fertig aus der Form tommenden Spriggußteile mir noch an den wichtigsten Auflagerstellen durch Fräsen, Bohren usw. bearbeitet. Eine peinlich genaue Kontrolle mit eigens dazu angefertigten Meßlehren schließt diesen Arbeitsgang ab.
Entscheidend für die hohe Güte der Wiedergabe ist die Form und Maßgenauigkeit des Anters aus Spezialstahl. Auf die Bearbeitung dieses Teiles wird daher besondere Sorgfalt verwendet. Nicht weniger als 17 Fräsmaschinen sind dauernd für die verschiedenen Arbeitsvorgänge an diesem Teil belegt. Nach jedem einzelnen Arbeitsgang werden alle Anker wieder mit Sonderlehren auf Einhaltung der vorgeschriebenen Maße fontrolliert. Aehnlich sorgfältig erfolgt die Herstellung aller anderen Ersatzteile.
Als Sammel- und Durchgangsstelle aller Teile gift ein Bestandteillager, in dem in übersichtlich angeordneten Regalen für jedes Einzelteil ein mit der Teilnummer gefennzeichnetes Fach vorgesehen ist. Die Einlagerung erfolgt in genormten Transportfästen, die jeweils eine ganz bestimmte Stückzahl des betreffenden Teiles so aufnehmen, daß Beschädigungen und Berlegungen auf dem Transport vollkommen ausgeschlossen sind. Hier im Lager wird der Materialbedarf des Zusammenbaues fazweise für je 100 Lautsprecher zusammengestellt und in den gleichen übersichtlichen Transport geräten dem Bujammenbau vorgegeben, wobei sich die Menge der ausgegebenen Teile nach dem vorher festgelegten Fertigungsplan richtet.
Zur Prüfung feiner Eigenschaften wird jeder einzelne Lautsprecher an einen mit hoher Energie betriebenen Ueberfagerer( Tongenerator; 7 Watt unverzerrte Ausgangsleistung) angeschlossen, auf dem das ganze in Betracht kommende Frequenzband von tiefsten bis zu höchsten Tönen erzeugt wird. Die ganze Stafa muß von dem Lautsprecher rein tmd fautstart wiedergegeben werden.
Zusammenbau von Lautsprechern am laufenden Band
Die hohe Energie gibt die Gemähr, daß jedes etwa vorhandene Kirren" sidy sofort bemerkbar macht. Gleichzeitig ist ein Bergleichslautsprecher angeschlossen, so daß durch momenDer Zusammenbau erfolgt am laufenden Bandanes Umschalten auch die ausreichende Lautstärke durch Abhören ( Bild 1); in eingehender Vorarbeit sind die einzelnen Arbeitsgänge festgestellt werden kann.⚫ fo unterteilt, daß ein ganz bestimmter Rhythmus eingehalten wird, ohne das irgendwelche tote Zeit verloren geht, aber auch ohne daß durch Uebersteigerung des Tempos eine übertriebene Hezarbeit, die durch Uebersteigerung des Tempos eine übertriebene Hezarbeit, die ja für die Güte des Produktes nur schädlich sein könnte, geleistet merden muß. Die Reihe der Arbeitsgänge beginnt mit der Zusammensehung des Systems, wobei an allen wichtigen Stellen auch Prüfvorgänge mit in den Fluß eingeschaltet find. So wird z. B. jeder Magnet vor dem Einsetzen auf einem starten Elettromagneten nochmals nachmagnetisiert, und das fertig zusammengesetzte System an einem Tongenerator auf leichtes An
uns
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,, Drahtlose Wunder" ( Erinnerungen eines Radio- Ingenieurs)
Was? Telegraphieren wollen Sie, ohne Draht, von unserer Injel zu den Nachbarinseln, zum Festland, ohne Kabel? Mit Radio? Das ist doch undenkbar! Ich erfläre Ihnen, es ist unmöglich, ohne fortlaufenden Leitungsdraht zu telegraphieren!" So versicherie es sind 20 Jahre her der Bürgermeister einer der fleine ren portugiesischen Inseln im Atlantischen Ozean . Sparen Sie sich die Kosten des Stationsbaues, es geht ja doch nicht!" Bir bauten dennoch. Bauten, während die alten Frauen der Inset im respektvollen Abstand von der Baustelle von morgens bis abends für unser Seelenheil beteten, bis die ersten Auspufferplosionen des Dieselmotors auch sie auf Nimmerwiedersehen in die Flucht schlugen.
Endlich stand das Blendwerk der Hölle und fnatterte und funkte nach allen Richtungen. Die erste empfangene Nachricht bejagte, daß ein Dampfer am nächsten Morgen die Insel anlaufen würde. Wir teilten dies sofort dem Bürgermeister mit. Der Dampfer kam zur angegebenen Stunde.
Wunderbar, ganz wunderbar! Großartig hat Ihre drahtlose Meldung gestimmt!" Mit diesen Worten betrat der Bürgermeister tags darauf die Station, gerade als ein neuer englischer Telegraphist die Morse- Zeichen einer portugiesischen Gegenstation aufnahm. Staunend jah der Bürgermeister zu, wie die einzelnen Buchstaben sich zu portugiesischen Wörtern und Sägen aneinanderreihten. Plötzlich verfinsterte sich seine Miene. Was ist denn das nun wieder? Der Engländer, der erst seit einer Woche hier ist und doch kein Wort Bortugiesisch versteht, schreibt alle Telegramme in reinſtem, fehler Losem Portugiesisch nieder. Wie kann der Engländer auf einmal Portugiesisch? Da haben wir's! Es ist also doch alles Bluff unb ausgemachter Schwindel mit eurer Funferei!" Sprach's, drehte fich um und verließ Popfschüttelnd ben Stationsraum.
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Bildfunk und Rundfunkhörer
Mit großer Reflame wurde vor faum einem Jahre der Bildfunt als unentbehrliches Hilfsmittel im Hause, zur Vervollständigung der Rundfunkapparatur angepriesen. Alle Beit war beglüdt ob dieses Fortschritts, doch der Breis von 450 M. dämpfte diese Begeisterung sehr erheblich. Einige besser situierte Rundfunkhörer fonnten sich den Spaß erlauben, die breite Masse aber stand abseits und fonnte sich
Bon Zeit zu Zeit werden einzelne Lautsprecher aus der Reihe außerdem auch noch der ,, praftischen" Prüfung mit Grammophonplatte unterzogen. Vom Prüfraum aus werden die Lautsprecher durch ein Schiebefenster in den unmittelbar anschließenden Pacraum gegeben. So wird die Gefahr einer nachträglichen Beschädigung aufs äußerste verringert.
Bom ersten Arbeitsgang am Rohstoff beginnend bis zur Berpackung des fertigen Lautsprechers forgt eine straffe Kontrolle der gesamten Fabrikation dafür, daß die wichtige Aufgabe, ein völlig gleichmäßiges, einwandfreies Fabrikat herzustellen, erfüllt wird.
dieses Bolksgerät" nicht anschaffen. Der riesige" Absatz muß wohl dazu beigetragen haben, daß der Bildfunkempfänger innerhalb meniger Monate nur noch ein Drittel des erstgenannten Preises toftete. Aber auch jetzt zeigte der kleine Mann keinerlei Neigung, sich einen Bildempfänger zuzulegen. In der Hauptsache lag das daran, daß laut Beschreibungen, Prospekten und Vorführungen die Umständlichkeit der Bedienung eines solchen Apparates auffiel. Bringt doch die Tageszeitung viel einwandfreiere Bilder, als< s das Bildfunkgerät jemals fonnte. Dazu kommt noch, daß man aktuelle Bilder ebenfalls nicht viel schneller erhält als durch die Presse. So ist es denn glücklich soweit gekommen, daß die Bildsendungen für kaum ein Tausendstel der Rundfunkhörer ausgestrahlt werden.
Die geschilderten Zustände beschränken sich nicht allein auf Deutschland . Alle Bildfunk sendenden Staaten haben dieses Mißverhältnis flar erkannt, jo daß England fich genötigt fah, seine Bildsendungen mit Anfang des Oktober einzustellen. Unsere schnelllebige Zeit hat eben erkannt, daß der Bildfunk nur etwas Halbes ist und deshalb nicht fünstlich gestützt werden darf.
Damit soll allerdings nicht gesagt sein, daß der Bildjunk feine Daseinsberechtigung mehr hat, im Gegenteil, die lebermittlung von Wetterkarten für Schiffe, Flugzeuge und Wissenschaftler, sowie die Uebermittlung von Bildern afiueller Natur für die Presse ist unbedingt wichtig. Die breite Masse ist aber an diesen Sendungen uninteressiert und lehnt den Bildfunk genau so ab, wie sie die Uebermittlung von Morsezeichen, Börsenberichten usw. ablehnt. Es dürfte deshalb für die wenigsten einen Verlust bedeuten, daß auch in Deutschland der Bildfunt nunmehr eingestellt wird.
Vgt.
Führer durch die AEG.- Ausstellung im Haus der Technik. Für die Besucher der im Juni d. J. im Haus der Technik, Friedrichftraße 110/112, eröffneten AEG.- Ausstellung der Fabriken ist jetzt ein umfangreicher illustrierter Ratalog herausgegeben worden, der zu jedem Ausstellungsgegenstand in tnapper, leicht verständlicher Form die Eigenschaften, Anwendungen und technischen Einzelheiten der ausgestellten Maschinen, Apparate und dergl. behandelt. Zusammenfaffende Einleitungen zu den einzelnen Ausstellungsgruppen geben einen lleberblick über die wichtigsten allgemeinen Grundsätze. Hinweise auf Spezial- Druckschriften zeigen den Interessenten den Beg zur weiteren Unterrichtung. Als Ganzes bietet der Führer ein anschauliches Bild von der Technik in dem großen Arbeitsgebiet der AEG.
Die Ausstellung. Sie ständig nach dem neuesten Stand aktuell gehalten wird, ist Werktags von 9 bis 19 Uhr und Sonntags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Der Besuch der Ausstellung ist bekanntlich umentgeltlic).