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Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts"
10 Pf.
Nr. 142
B 71 47. Jahrgang
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Stalin hat seine Sdywentung vorgenommen, und auf Befehl machen alle Mameluden in der Komintern und in Deutschland halbrechtsum! Die Zentrale der KPD. hat am 20. umd 21. März den Befehl ausgeführt, sich selbst zu ohrfeigen, und das Ergebnis ist eine Resolution. Ihr Inhalt: eine Mischung aus[ ints und rechts, cus Heinrich Brundler und Heinz Reumann aus Propaganda und Butschismus, heraus aus den Gemerfschaften aber zugleich hinein in die Gewerkschaften. Was sollen die großen Führer der KPD. nem Format Thälmann und Neumann fun, menn es mit jeder Linie schief geht und also das Hernieder. faufen einer Mostauer Berdammungsbulle unabmendbar ist? Da fanten sie auf das Ei des Kolumbus: fie fabrizierten eine„ ,, Partei. linie", die alle möglichen Linien in sich vereinigt. Geht es dann schief, haben sie auf alle Fälle eine richtige Linie im Bukett gehabt, und die Schuld tommt auf die Unteroffiziere.
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Diese Resolution hat fo etwas wie eine theoretische Grundlage, und die sieht so aus:
Die Kommunistische Internationale fennzeichnet die gegen wärtige Lage in Deutschland als die Situation des Her anmachsens einer allgemeinen Wirtschafts frife."
Es scheint uns, daß dies eine Parole von vorgestern ist! Seit einem Jahre mindestens steht Deutschland in schwerster Wirtschaftsfrise und nun perden mir belehrt, daß in Deutschland eine Wirt schaftstrife heranmächit? Eine achtbare Leistung selbst für Hohl föpfe, diefe Prophezeiung!
Die Taktik steht der Theorie um nichts nach! Der alte Laden hüter der Einheitsfront von unten" wird wieder hervorgezogen und frisch aufgebügelt!
,, Die Fraktionsarbeit in den reformistischen und christlichen Gewertschaften, die in den letzten Monaten erheblich nachgelassen hat, muß mit verstärfter Kraft in Angriff genommen werden. Jede Bernachlässigung dieser Arbeit bedeutet die stillschweigende lleberlaffung von Mil lionen Arbeitern in der Gefolgschaft der reformistischen und christ. lichen Bürokratie!
Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist es erforderlich, zwischen der tonterrevolutionären Führerschaft der SPD. , den unteren Be triebsfunktionären und den einfachen sozialdemokratischen Be triebsarbeitern und Erwerbslosen zu unterscheiden."
Gleichzeitig aber soll die Politik der wilden Streits, der„ revofutionären Betriebsräte, des maschechten Syndikalismus fortgesetzt merden! An die Stelle des Entweder- oder tritt das Sowohl als auch. Ein täglicher Bersuch, dessen innere Berlogenheit niemanden verborgen bleibt!
Die Kommunistische Partei steht vor einer grandiosen Niederlage. Ihre Gewerkschaftspolitik hat zu eklatanten Zusammenbrüchen geführt. Die Zentrale gesteht:
,, Die Partei ist gleichzeitig verpflichtet, mit rücksichtsloser bolschemistischer Selbstfritt und ernstester Aufmerksamkeit solche Mißerfolge wie bei den Betriebsrätewahlen der Leuna. merte, der Berliner Bertehrs- 2 G., bei den Frei. benfermahlen in Berlin festzustellen."
Die Bersuche, die 31legalität zu propozieren, die putschistischen Experimente haben überaus aufflärend auf die fommunistischen Mitglieder gemirft. Der öffentliche Protest einer großen Anzahl von fommunistischen Funktionären zu Berlin hat die innere Krise der Partei aufgebedt. Das ist der Hintergrund der Schwentung, die in der folgenden Ankündigung liegt:
,, Die felbftändige Führung der Massenfämpje ist undenkbar ohne den entschloffenen unverföhnlichsten Rampf: 1. Gegen die größte Gefahr, die Hauptgefahr des rechten Opportunismus, der die Festigung der fapitalistischen Stabilisierung propagiert, das Anmadsen des revolutionaren Auffahmunges und die Zunahme der Kriegsgefahr leugnet, die selbständige Lattif der Kommunistischen Partei in der Gewerffchaftsführung und die felbständige Führung der Massenfämpfe ablehnt, die Kommunisten an den sozialfaschistischen Gewerkschaftsapparat zu feffeln versucht, die Einheitsfront der Kommunisten prit der fonterrevolutionären Sozialdemokratie predigt und sich aftip an der Hege gegen den Kommunismus und die Sowjetunion beteiligt. Der rechte Opportunismus wird nicht durch den partei
feindlichen Brandlerismus und das Bersöhnlertum verkörpert, sondern auch durch den Opportunismus in. der praktischen Arbeit.
2. Gegen das mit linten Phrasen und scheinradi-. falem Geschrei mastierte Settiererium, das den Kampf um die proletarische Einheitsfront von unten, um die Losreißung der sozialdemokratischen Arbeitermaffen nom Einfluß ihrer sozialfaschistischen Führerschaft ablehnt oder vernachläffigt, die Arbeit der Kommunisten innerhalb der reformistischen Ge wertschaften unterschätzt, den Kampf um die Tagesforderungen und Tagesinteressen der Arbeiterschaft qbfchmächt, auf die entschlossene Berteidigung der Legalität der Kommunistischen Partei angesichts der feindlichen Berfolgungen verzichtet und die Taktik der Führung der Arbeiter massen durch eine Tattit der Isolierung der Aro beitermaffen, die mirkliche Organisierung des Massenfampfes durch leere Phrasen über den Massen= fampf ersetzt."
Wer ist mer? Wer ist das mit linten Bhrajen mastierte Settietertum? Ist es Paul Merter? Sind es die Generalstabler vom 1. Februar und 6. März? Thälmann , Reumann und Remmele in höchsteigener Person? Die scheinradikalen Phrafen das ist doch ganz offenbar die Redaktion der Roten Fahne! Und nun gar die, die auf die Berteidigung der Begalität verzichten"! Das kann nur das ganze 3entratomitee fein, das den graßen Ramsch in Bartei. betrieben porhatte! Der ist nun mohl auch auf Befehl abgepfiffen?
Neue Verhaftungen und Hausfuchungen.
Stuttgart , 25. März.( Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Umtrieben in der Reichswehr sind in den letzten Tagen in Elingen am Neckar und in Ulm zahlreiche
aussuchungen vorgenommen und vier Natio. malfozialisten verkaftet worden. Die in Haft genommenen Personen haben, wie aus Ilm gemeldet wird, an geheimen Besprechungen zwischen national sozialistischen Führern und Reichswehroffizieren teil.
genommen.
Die Beratungen der Sachverständigen.
Abschluß für nachmittag erwartet.
Die Beratungen der Finanzsachverständigen der Mehrheitsfraktionen im Reichstag mit dem Reichs finanzminister Moldenhauer und dem Staatssekretär Schäffer haben heute 12 Uhr begonnen, und man hofft, fie am Nachmittag zu Ende zu bringen.
haben já, das sind sie alle, alle!
Jeder erhält seine Ohrfeigen, das ist klar. Aber wer teilt fie aus? Wer ist es, der weder zu den einen noch zu den anderen gehört? Es sind gute Zeiten für die Drehscheibenmänner in der KPD. für die Hallelujo mzen!
Mit der neu zurechtgebogenen Linie wird die KPD. aufs neue ftrampeln, um Einfluß in der Arbeiterschaft zu gewinnen aber ebenso vergebens mie bisher!
Der Uebergewechselte
VOLKSCHEN
OLAY SITHER& BEOBACHTER
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Da schreibt der Völkische Beobachter von Unters mensch, rofer Mordbestie, Zuchthausgesindel. Wenn id so bedente, daß ich selber das noch jestern war und heute fchon Nationalheld..
Die blöden Märchen des Angeklagten.
Die Bernehmung des Angeklagten Walter Kuhbach im Potsdamer Raubmordprozeß ist abgefchloffen. Der Aufmarsch der 159 Zeugen hat begonnen.
Gegen 21 Uhr am 27. Februar 1927 fand man den 17jährigeir Raffenboten mit tödlichen Kopfverlegungen auf dem Ruinenberg . Man fah auch auf dem Boden zwei Eindruckstellen, wo der Täter noch furz vor der Tat beim Verzehren von Apfelsinen neben seinem Opfer gesessen hatte. Spuren eines Kampfes waren nicht vorhanden. Kutzbach wurde verhaftet, leugnete aber sein: Täterschaft, sein Ativi mar nicht zu widerlegen, er murde wieder auf freien Fust gefeßt. Seine großen Geldausgaben führten zu einer neuen Berhaftung, man tonnte ihm wieder nichts nachweisen. Seine Geldausgabeit dauerten aber an. Man verhaftete ihn zum dritten Male. Izzt half alles Leugnen nicht mehr. Man hatte unterdessen festgestellt, Daß seine Zeitangaben nicht stimmen Lonnten. Run bequemte fich Kuzbach zu einem Teilgeständnis. Er tischte ein Märchen auf, das einem Schuldbekenntnis gleichfam. Er habe am Tattage Hammer meister getroffen und sei seiner Einladung, nach Bornstedt zu fahren, gefolgt. Auf dem Ruinenberg habe Hammermeister ihm einen Revolver gezeigt und ihm den Vorschlag gemacht, gemeinsam etwas zu unternehmen. Er, Kußbach, sei damit einverstanden gewesen. Blötzlich habe Hammermeister den Revolver auf ihn angelegt. Er habe in Notwehr mit einem Eisentantel auf H. eingeschlagen. In seiner Bestürzung über das, was geschehen war, sei er nach Berlin gefahren. Wo maren aber die 3000 m. geblieben, die Hammer. meister bei fidh gehabt hat? Auch dafür findet der Angeklagte eine Erklärung. Hammermeister habe ihm unterwegs eine Butter ftulle zugesteckt und auf dem Ruinenberg thm eine zweite gegeben. Die eine habe er hinterher maggeworfen, die andere Butteritulle habe sich in Wirklichkeit als ein Pädchen Zehnmartscheine entpuppt. Er habe das Geld in einem Keller verftedt, es sei aber von dort verschwunden. Alle im Gerichtsjaal Anwesenden zuden die Achseln über das blöde Märchen, mit dem der Ang: flagte zum ersten Male nach der dreißigsten Bernehmung bet der Kriminal. polizei hervortrat.
Der Name Rubach ist von einem Potsdamer Fa. milienbrama im Jahre 1924 her in Erinnerung. Der Vater, ein Trinker, mißhandelte die Mutter. Als diese eines Tages den Sohn, den jüngeren Bruder des jegigen Angeklagten, zu Hilfe rief, tam es zur blutigen Tat. Der Neunzehnjährige mar gerade beim Holzhacen. Er nahm das Beil, begab sich zum Bater ins Zimmer und schlug hier auf ihn ein. Der Mutter sagte er dann: ,, Jezt wird er dir nichts mehr tun!" und stellte sich der Bolizet. Die langjährige Buchthausstrafe murde ihm auf dem Gnadenwege gefürzt. Die häus lichen Verhältnisse, versinnbildlicht durch den Vatermord, be schatteten auch bie Jugend des jezigen Angeklagten Walter Kußbach. Er schwänzte die Schule, beging mit Kameraden Einbrüche von