Rr. 9

2. September 1928

Blick in die Bücherwelt

Das Seelenleben der Jugendlichen

Schriften über die Psychologie der Jugend.

Das Zentrum seiner praktisch- psychologischen Arbeit liegt feit Jahren im Hamburger   psychologischen Laboratorium, das der Aus­bildung der Lehrerschaft dient. Dort pflegt er in Zusammenarbeit mit den Schulen, dem Jugend- und Berufsamt die enge Verbindung der psychologischen Wissenschaft mit der Pädagogik.

Beilage des Vorwärts

Die Polizei in Einzeldarstellungen.

Der Verlag Gersbach u. Sohn, Berlin  , hat die Bücherreihe Die Polizei in Einzeldarstellungen" zu Ende ge führt. Damit ist ein Wert von bleibendem Wert geschaffen. Fast der gesamte Wirkungskreis der Polizei hat darin Aufnahme ge­funden.

Unter den vier gulegt erschienenen Bändchen ist das über Polizei und Wirtschaft" zuerst zu nennen. Die Verfasser find Prof. Dr. Julius Hirsch   und Ministerialdirektor Dr. C. Falk. Einem furzen geschichtlichen Ueberblick über die Stellung der Polizei zur Wirtschaft folgt eine ausführliche Darstellung der jetzigen Ber­hältniffe; die Mannigfaltigkeit des Ineinandergreifens von Bolizei und Wirtschaft erweckt Staunen. Aber gerade dieser Umstand führt zu einer Reihe von Forderungen, die den Rechtsschutz der Wirt chaft gegenüber der Polizei sichern sollen. Das Aufsichtsbeschwerde­recht müßte ausgebaut, die Verwaltungsgerichtsbarkeit weiter ent­widelt, das Polizeiverordnungswesen neu geordnet und eine allge. meine Verwaltungsflage gegen die Polizeiverordnungen eingeführt werden. Alle diese Forderungen und noch andere mehr stellt Mini­ Sterialdirektor   Falt auf. Das Büchlein, reich illustriert, populär und unterhaltend geschrieben, bietet auch dem Laien die größte An­regung.

Im Gegensatz zu einer früheren Psychologie, die glaubte, aus| Buch umfaßt die Zeit des Uebergangs von der Kindheit zur Reife­Einzeluntersuchungen( über Empfindung, Barstellung, Gedächtnis, zeit, vom 12. bis 15. Jahre. Kurze Aufzeichnungen, die aus dem Aufmerksamkeit u. a.) die Kenntnis des Menschen zusammensetzen Rindertagebuch vorangeschickt werden, lassen erkennen, daß in dieser gu tönnen, betont William Stern  , Professor der Bhilosophie, Psycho- frühen Periode das Kind rein auf das Tatsächliche gestellt ist, wäh­logie und Bädagogit an der Hamburger Universität  , die Einheit der rend die Reflexion erst in der eigentlichen Pubertät beginnt. Sein Persönlichkeit. Das Seelische ist bei Stern nicht Selbständiges, besonderes Gepräge erhält das Tagebuch durch die Zeit, in der es fordern eng verschmolzen mit den förperlichen und den menschlichen geschrieben ist, die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, und durch Zielsetzungen, die sich aus der fulturellen Lage ergeben. die Umwelt, in der der jugendliche Berfasser lebt: das gebildete Bürgerhaus. Die psychologische Einleitung und die Erläuterungen, die dem Buche beigefügt sind, machen es zur Einführung in die Probleme der Reisezeit geeignet. Es wäre zu wünschen, daß wir nicht nur das Leben des bürgerlichen Jugendlichen, sondern auch das des proletarischen im Spiegel des Tagebuchs verfolgen fönnten. Mit dem späteren Jugendalter beschäftigen fich zwei andere monographische Arbeiten: Als Sachverständiger in Sittlichkeits­prozessen sammelte Stern Erfahrungen über das Verhalten jugend­Das gleiche gilt auch von allen anderen Bänden dieser Bücher­licher Zeugen und faßte sie in dem Buche Jugendliche Beureihe. So liefert z. B. das Büchlein Polizei und Mode" von gen in Sittlichfeitsprozeffen, ihre Behandlung Mag v. Boehm eine reizvolle Schilderung der Entstehung und Ent­und psychologische Begutachtung( Quelle u. Meyer, widlung der Polizeiuniformen. Aeußerst interessant ist es, wie die Leipzig   1926, 193 6.) zusammen. Gerade bei Segualvergehen an Mode auf diese einwirkte. Ernster sind die Probleme, die in dem Kindern und Jugendlichen fehlt es häufig an ermachfenen Beugen, Bändchen Bolizei und Sitte" von Dr. Albert Moll behandelt fo daß das Zeugnis dieser Heranwachsenden in den Mittelpunkt so daß das Zeugnis dieser Heranwachsenden in den Mittelpunkt werden. Die Polizei ist nicht Bollstrecerin von Sittlichkeitsforde­gestellt wird. Sterns Buch wird zum energischen Protest gegen die rungen, sondern bloß Beschützerin der Sitte. Daß sie ihre Aufgabe Heranziehung Jugendlicher in der üblichen Weise und verlangt fo­des öfteren mißversteht und den Staatsanwalt auch dann mobilisiert, wohl im Interesse der Kinder wie des Angeklagten die zuziehung menn der normale Menschenverstand nichts Anstößiges findet, ist psychologisch geschulter Personen, die einmal das Zeugnis zum ja bekannt. Dr. Albert Moll   sizt mitunter über die Polizei scharf zu Swede eines gerechten Urteilsspruches psychologisch werten und die Gericht; er bespricht in tnapper Form die aktuellen Sitten und Kinder, die das wirkliche oder vermeintliche Opfer eines Segual- Sittlichkeitsprobleme, wie Schamgefühl, Nadtkultur, Nadtheit auf vergehens geworden sind, piychologisch behandeln tönnen. Gerade der Bühne, Inserate in den Zeitungen, Schund- und Schmutzgesetz, diese Heranwachsenden bedürfen schon häufig von vornherein einer Prostitution usw. besonderen Fürsorge, da sie vielfach in einer Sphäre ferueller Und schließlich der Band Polizei und Politit" aus der Not aufwachsen: In überfüllten Wohnungen schlafen dicht zufammen Feder des Berliner   Polizeivizepräsidenten Dr. Bernhard Weiß  . gedrängt verschiedene Generationen nicht selten in Bettgemein. Diesen zuletzt erschienenen Band liest man mit größter Spannung. schaft Schlafburschen vermehren die Zahl der Bewohner. Kinder Sowohl die Einwirkung der Politik auf die Polizei, als auch dieser - in solcher Umwelt find deshalb leicht geneigt, Segualvergehen zu auf jene wird darin aufgezeigt. Ein furzer geschichtlicher Ueberblic erdichten. Aber auch bei gefunden Jugendlichen verschmilzt gemäß über den Wandel der Polizei, wobei die politische Polizei Frank­ihrer seelischen Entwicklungsstufe leicht Erdichtetes und Erlebtes reichs, Desterreichs und Rußlands   furz gestreift wird. Die Schilde­ihrer seelischen Entwicklungsstufe leicht Erdichtetes und Erlebtes zu einer falschen Borstellung, die unter Umständen für den Ange- rung der augenblicklichen Berhältnisse innerhalb der politischen zu einer falschen Vorstellung, die unter Umständen für den Ange­flagten verhängnisvoll werden kann. Besonders tragisch wirkt es, Polizei bildet gewissermaßen die Einführung zur Darstellung ihrer wenn der Lehrer bas Opfer einer jugendlichen Zeugenausfage wird, Rampfmethoden und Organisation. Man wird dem Verfasser zu wovon Stern einen besonders trassen Fall berichtet: Ein Studien­stimmen müssen, wenn er sich in scharfer Weise gegen das Spizel direktor wird allein auf Grund eines hinterlassenen Briefes einer tum und in erster Linie gegen das Lockspiteltum mendet; auch wenn jugendlichen Selbstmörderin verurteilt. Stern ist der Ansicht, daß er fich gegen Gewaltmethoden ausspricht. Man wird ihm nicht bei jugenopfychologischer Deutung des Falles das Urteil anders aus­darin zustimmen, daß es für die Polizeibeamten genüge, wenn sie gefallen wäre. in jedem Augenblid ihrer Dienstausübung sich dessen bewußt find, gewichtige Hoheitsrechte des republikanischen demokratischen Staates auszuüben und innerpolitische Machtmittel dieses Staatswesens zu bedeuten; daß aber von ihnen nicht gefordert werden könne, die republikanische Staatsform als die für Deutschland   allein mögliche, die monarchistische als die für Deutschland   allein schädliche anzusehen. Mit anderen Worten: Dr. Weiß ist der Ansicht, daß der Polizei­beamte nicht unbedingt auch gefühlsmäßig die republikanisch- demo­tratische Staatsform bejahen müsse. Diesen Standpunkt fönnen wir nicht teilen. Im übrigen läßt die reich illustrierte Schrift die trau­rigen Ereignisse der letzten Jahre, die politschen Morde, den Lock­spigelunfug, die Kommunistenprozesse usw. vor dem Lejer lebendig erstehen. Leo Rosenthal  .

Insbesondere behandelte Stern das Begabungs- und Intelligenz­problem und die psychologische Schülerauslese. Das Hamburger Laboratorium wirkte bei der Auslese der Zehnjährigen für den Ein­tritt in die höhere Schule mit. Im Gegensatz zu den Berliner   Be­gabtenprüfungen will Stern die psychologischen Methoden bei der Schülerauslese im engen Zusammenhang mit den pädagogischen Gesamtmaßnahmen angewandt sehen. Neben der Bedeutung der Tefts( turze, zahlenmäßig auswertbare Aufgaben zur Prüfung von Leistungen) wies er von Anfang an auf die Wichtigkeit des Schüler­fragebogens und der Beobachtung durch den Lehrer hin. Zur Ber­meidung jeder Mechanisierung follen die Tests zwanglos in den Unterricht eingefügt werden. Den Intelligenzprüfungen liegt die Sternsche Auffassung der Intelligenz zugrunde als einer Anlage der allgemeinen geistigen Anpassungsfähigkeit an neue Aufgaben und Bedingungen des Lebens. Seine Erfahrungen und Forderungen legte er in dem Werke ,, Die Intelligenz der Kinder und Jugendlichen und die Methoden ihrer Unter fuchung" nieder.( Quelle u. Meyer, Leipzig   1928, 335 G.) Neben diesen Problemen beschäftigte Stern schon seit Jahr­zehnten das Seelenleben der frühen Kindheit, das auch für die pátere Entwicklung des Kindes und Jugendlichen von besonderer Bedeutung ist. Sein Buch Die Psychologie der frühen Kindheit( Quelle u. Meyer, Leipzig   1927, 332 G.) ift in feiner 4. Auflage völlig umgearbeitet; mehrere Kapitel, wie die über die Testprüfungen der Sprachfähigkeit, über die Montessori- lebungen, über Bfychoanalyſe, über Genießen und Gestalten, über Intelligenz prüfungen der frühen Kindheit, über Selbstbejahung und Selbst­behauptung, Eigensinn, Angst, Erotik und Eifersucht wurden neu hinzugefügt. Die Arbeit behandelt als erstes Sammelwert das Klein­find von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahre. Gerade die Untersuchung dieser Altersstufe bot besondere Schwierigkeiten, da es an dem notwendigen Material fehlte. Es ist deshalb von großer Bedeutung, daß Stern dem Werte in erster Linie seine und feiner Frau vieljährige Beobachtungen an den eigenen Kindern zwei Mädchen und einem Knaben zugrunde legte. Hierdurch sind der Arbeit allerdings auch gewisse Grenzen gefeßt, die durch die Umwelt der Kinder bedingt find. Fast völlig fehlt Material über das Pro­letarierkind. Vielleicht finden sich in Zukunft interessierte Prole­tariermütter, die Tagebücher über ihr Kleinkind führen können; thnen fann das Sternsche Buch Anleitungen zur Beobachtung geben. Stern fetzt sich mit allen neueren wissenschaftlichen Strömungen auseinander. Bei aller Anerkennung der Montessori- Methode fritisiert er an ihr die geringe Freiheit, die sie dem Kinde durch den Zwang des Lernmaterials gewährt. Nach der Ansicht Sterns wie anderer Wissenschaftler hat die Psychoanalyje vor allem das Berdienst, das unterhalb der Bewußtheit liegende Triebleben nach feiner Bedeutung ertannt und zum Teil geklärt zu haben. Gerade beim Kleinkind jedoch geht fie in ihren Deutungen viel zu weit und macht hierbei den Fehler früherer Forschungen, die das Kind als Meinen Erwachsenen ansehen. Er warnt davor, die Kinder- Psycho­analyse zur Grundlage erzieherischer Reformarbeit zu machen.

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Das Verständnis der jugendlichen Seele müßte noch mehr als Dom Richter vom Lehrer verlangt werden dürfen. Wie gering es aber zu Zeiten noch ist, davon zeugt das Material, das Stern in Gemeinschaft mit dem Jugendrichter Walter Hoffmann in der Arbeit Sittlichkeitsvergehen an höheren Schulen"( Quelle 1. Meyer, Leipzig   1928, 141 G.) im Auftrage des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Voltsbildung zusammengestellt und begut achtet hat. Minister Becker fordert in einer Borrede die Schule auf zu prüfen, ob ihre erzieherischen Maßnahmen im Einflang mit den Ergebnissen der Jugendkunde, der Heilpädagogik, der Jugendgeseh­gebung und der ärztlichen Wissenschaft und den durch die Jugend selbst gegebenen Anregungen" stehen. In den vorliegenden Fällen hat die Schule die Forderungen Beckers nicht erfüllt. Aeußerungen und Handlungen von Kindern und Jugendlichen, die sich aus ihrer Entwicklungsstufe leicht erklären lassen, werden als schwere diszipli narische Fälle untersucht und behandelt. So werden zehn bis elf jährige Knaben und Mädchen schwer bestraft, weil sie grob feruelle Ausbrüde gebrauchen, deren Bedeutung ihnen aller Wahrscheinlich feit noch gar nicht bewußt gewesen ist. So wertet man die lexuellen" Bergehen vom Standpunkt des Erwachsenen und nicht von dem des Jugendlichen aus. Es fommt vor, daß die Konferenz schärfere Strafen verhängt als das Jugendamt. Strafen, die der wachsenden im allgemeinen überhaupt nicht fittlich beeinflussen, sondern nur im innigen Bertrauensverhältnis fann der Jugendführer das Leben des Jugendlichen gestalten. Das vorliegende Material und seine Behandlung ist nicht nur für die Kreise der höheren Schule, sondern für alle Jugenderzieher von Bedeutung. Else Hildebrandt.

Neben den Problemen der frühen Kindheit werden im Ham burger Laboratorium die der Pubertät behandelt. Stern selbst hat in einer Arbeit Anfänge der Reisezeit( Quelle u. Meyer, Leipzig   1925, 125 6.) bas Tagebuch eines Knaben herausgegeben. ,, beamtete" Lehrer diktiert, werden aber das Leben des Heran­Gerade das Tagebuch ist als Erlebnisbeobachtung geeignet, neben der rein naturwissenschaftlichen Beobachtung Ordnung und Klärung in bie komplizierten Probleme der Reisezeit zu bringen. Voraus­fegung für ihre wissenschaftliche Berwendung ist ein Einblid in die Berfon des Tagebuchschreibers und seiner Umwelt. Diese Bedin. gungen erfüllt Stern überaus gründlich und aufschlußreich. Das

Völker: und Länderkunde.

Ernst Heinrich Schrenzel: Abessinien, Land ohne Hunger, Land ohne Zeit. Berlag Büchergilde Gutenberg, Berlin  , 1928.

272 Seiten.

Dieses Reisewert ist heute politisch aktuell. Abessinien ist der einzige selbständige Eingeborenenstaat in Afrika  . Dieser Erdteil wird durch die Bewegungen in Asien   immer mehr das Objekt der Kolonialpolitik der europäischen   Mächte. Dazu kommt die Bes herrschung der Quellen des blauen Nil durch diesen legten afrika­nischen Feudalstaat. So ist Schrenzels Reisebericht und seine plaudernde Schilderung der verschiedenen Gebiete der abessinischen Kultur nicht nur eine lebensvolle, mit Bildern geschmückte Dar stellung eines fernen und uns fremden Landes, sondern zugleich die Beschreibung einer in Europa   ausgestorbenen Wirtschaftsform, deren

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