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Nr. 182.
Dienstag 4 November 1884.
1. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die die Interessen der Arbeiter.
heint täglich Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Abonnementspreis für Berlin si in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 f. Einzelne. Remmers 6 Bf. Bostabonnement pro Quartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Rach trage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.)
Insertionsgebühr
beträgt für die 3 gespaltene Betitzeile oder beren Raum 40 Bf. Arbeitsmarkt 10 f. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Whe Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.
Wer hat die Schuld?
Wenn der sogenannte Geschäftsgang in einem Staate ein schlechter ist, so wird vielfach die Schuld auf die Regierung geschoben. Dagegen vertheidigt sich und meistentheils mit Recht die Regierung.
Die Maßnahmen der Regierung können allerdings bis zu einem gewissen Grade dem Geschäftsgange im Lande hinderlich oder förderlich sein, die Gefeße eines Landes greifen in noch weit höherem Grade in den Geschäftsgang ein, doch wird derselbe im Allgemeinen durch die herkömm liche Art und Weise der Produktion und Konsumtion beftimmt.
Wenn, wie das am meisten der Fall ist, die Konsum tion von der Produktion überholt worden ist, so tritt ein schlechter Geschäftsgang ein, ist die Konsumtion dagegen der Produktion auf dem Fuße gefolgt, so haben wir einen guten Geschäftsgang, die Arbeit wird leidlich abgelohnt und der Handel blüht.
Nur dann erst greifen die Maßnahmen der Regierung resp. die Gesetzgebung in den sogenannten Geschäftsgang thatsächlich ein, wenn dieselben sich mit der Regelung der Produktionsweise beschäftigen.
Nicht nur würden bei einer solchen ernsten Regelung bie Konsumtion und Distribution( Vertheilung) mit der Produktion gleichen Schritt halten und dadurch Krisen und geschäftliches Unheil mehr und mehr vermieden werden, ondern es würden auch bei den geregelten Produktionsver hältnissen alle Maßnahmen der Gesetzgebung in Bezug auf bie wirthschaftlichen Verhältnisse ungleich größere Wirkungen erzielen, sei es zum Bösen, sei es zum Guten.
Gegenwärtig bei der freien ungehinderten Ronkurrenz, bei der vollen Entfesselung des Individuums in wirthschaft licher Beziehung, bei der regellosen Produktionsweise sind alle Regierungsmaßregeln, alle sozialen Geseze Tropfen Waffer, in vas brausende Meer wirthschaftlicher Unordnung gegossen.
nur
Maximalarbeitstag die Produktion zu regeln und dadurch nicht allein die Arbeiter, sondern die ganze Gesellschaft zu verfichern.
Nicht die Arbeiterklasse allein ist krank, sondern die ganze Gesellschaft und nur durch die Heilung derselben in oben angegebener Weise, kann auch der Arbeiterstand ge= funden.
Wenn wir nun sagten, es sei ein Unrecht, die Regierung eines Staates für den schlechten Geschäftsgang im Lande verantwortlich zu machen, so ist dies, wie wir nachgewiesen, sicherlich richtig. Aber entschuldbar ist es doch, eine solche Verantwortlichkeit der Regierung aufzubürden, weil die Regierung oder richtiger die Organe derselben bei einem guten Geschäftsgange die Ursachen desselben für sich in Anspruch nehmen.
Wir hören noch immer das laute Geschrei von den Segnungen der vor fünf Jahren eingeführten neuen Bollund Wirthschaftspolitik. Wer sich gegen diefelbe erklärt, wird zum Feinde der Regierung und des Reiches gestempelt. Wenn nun die sogenannten Regierungsfreunde den in Folge dieser Politik an einzelnen Orten des Reiches entstandenen guten Geschäftsgang für die Regierung reklamiren, so ist dies ganz felbstverständlich, wenn die Gegner der Regierung für den an andern Orten herrschenden Geschäftsgang gleichfalls die Regierung verantwortlich machen.
Und dabei kommt gegenwärtig die Regierung recht schlecht weg, denn der Geschäftsgang ist in Deutschland kein besonders günstiger.
Wie wir aber gesehen haben, ist dieser ganze Streit ein Streit um des Kaisers Bart. Bis jetzt hat die Regierung noch keine Maßnahmen getroffen, die in den Geschäftsgang einschneiden können und auch die Gesetzgebung hat sich noch nicht gerührt.
artige im Auslande naturaliftrte Deutsche in die Heimath zurückkehren, haben sie nachträglich ihrer Militärpflicht, der sie sich vorher entzogen, zu genügen.
Daß diese Frage von sehr weittragender Bedeutung ist, Das zeigen die diesbezüglichen Anfragen von Deutschen , welche fich in einer derartigen Lage befinden. So find z. B. der Redaktion des Journals Capland", welches in C a pstadt, Süd- Afrika erscheint, vielfach derartige Anfragen zugegangen, welche dieselben in folgender Weise beantwortet hat:
In Erwiderung verschiedener an die Redaktion des in Capstadt erscheinenden Journals„ Capland" ergangener Anfragen, betreffend Naturaliftrung deutscher Unterthanen in der Kolonie, ist das Blatt im Stande, folgende vom kaiserlichen auswärtigen Amte in Berlin durch das kaiserlich deutsche Konsulat gegebene Auskunft zu ertheilen: Capstadt, 25. September 1884.
Die Thatsache des Erwerbes einer fremden Staatsange=
hörigkeit ist allein nicht geeignet, den Verlust der Reichsangehörigkeit berbeizuführen. Die lettere geht nur verloren aus den im§ 13 Biffer 1-5 des Reichsgefeßes über die Ers werbung und den Verlust der Reichs- und Staatsangehörigkeit vom 1. Juni 1870( R.-G.BI. S. 355) bezeichneten Gründen. Wenn daher ein Deutscher in der Capfolonie naturalifirt wird, so behält derselbe gleichwohl seine Reichsangehörigkeit nach Maßgabe des vorerwähnten Reichsgefeßes bei und bleibt allen denjenigen Pflichten unterworfen, welche ihm in dieser Eigenschaft obliegen und wird namentlich von der Verpflichtung zum Militärdienst in Deutschland nicht befreit. Andererfeits wird auch in den Rechten, welche den Reichsangehörigen als solchen zustehen, durch die in Nede stehende Naturalisation an fich keine Aenderung hervorgebracht; nur wird solchen im Befige einer doppelten Staatsangehörigkeit befindlichen Bersonen, so lange fie in dem Lande wohnen, in welchem sie als Staatsbürger gelten, den Landesbehörden gegenüber ein Schuß seitens der faiserlichen diplomatischen oder fonfularischen Beamten im Allgemeinen nicht zu gewähren sein, auch werden fte z. B. nicht davor bewahrt werden können, staatsbürgerliche Pflichten, als: Kriegsdienste, Entrichtung von Bwangssteuern, zu erfüllen, sofern solche Pflichten den als Angehörige des beDiese Frage wird jedenfalls den Herren Diplomaten noch manches Kopfzerbrechen verursachen.
Möge der nächste Reichstag einen guten Anfang machen, möge er im Prinzip einen Normalarbeitstag proflamiren und veranlassen, daß eine dahingehende Vorlage treffenden Landes geborenen Personen auferlegt werden. gemacht wird.
Auch die sogenannte Sozial- Reform ohne die Unterlage einer geregelten Produktion ist in der That fast ganz wir- thümlichen, fegensreichen funglos, während sie nach einer solchen Regelung die schönsten stehen. Früchte tragen würde.
Dann endlich würden wir am Anfang einer volts= Sozialreform
Wenn also der Regierung irgend welche Vorwürfe über
den schlechten Geschäftsgang( Industrie, Handel und Arbeit) gemacht werden, so sind dieselben völlig unbegründet und bie
weift.
Wenn man der Regierung in dieser Hinsicht einen Vorwurf machen will, so kann es nur der sein, daß sie die sogenannte Sozialreform an der unrechten Stelle, lediglich bei der Arbeiterversicherung angefaßt hat, anstatt durch einen Feuilleton.
Radbrud verboten.]
2
Gesucht und gefunden.
Roman von Dr. Dur.
( Forseßung.)
Die Thronbesteigung in Braunschweig hat auch den Bundesrath bereits in einer der leßten Sizungen beschäf= tigt. Der Vertreter des Fürstenthums Reuß älterer Linie hat sich bei dieser Gelegenheit der Abstimmung enthalten und nachstehende Erklärung zu Protokoll gegeben: Die fürstliche Regierung steht auf dem Standpunkte des mo
feeischen Ländern ist vor Kurzem Gegenstand einer Benarchiſch- legitimistischen Prinzips, gemäß deſſen dem nach den rathung des Auswärtigen Amtes gewesen. Ein Daraufhin erfolgter Erlaß deffelben ist von nicht geringer Bedeutung, da durch denselben von Neuem flargestellt wird, daß der Erwerb einer fremden Staatsangehörigkeit feineswegs den Verlust der Reichsangehörigkeit bedingt und von der Verpflichtung zum Militärdienst in Deutschland befreit. Wenn daher der
ich jung verheirathet, und drittens ist die Reise etwas unbequem. Drei Dinge, welche die Reiselust nicht sonderlich zu weden pflegen. Ich begrüße Sie, meine liebe Schwägerin! Wie wohl Sie aussehen! Wie vortrefflich Sie sich konservirt haben!
Der Bruder des Herrn Amberg war demselben an Wuchs und auch von Geficht sehr ähnlich, doch waren seine Büge vers edelt durch den Ausdruck der Milde, Freundlichkeit und wahren Herzensgüte.
Unterwegs, mein Kind," sagte Amberg , sollst Du Alles erfahren. Vor allen Dingen mußt Du iegt unserer kleinen Helene ein Geburtstagsgedicht einstudiren. Eduard kann, das mit er sich zugleich als Gelehrter dokumentirt, einen lateinischen oder griechischen Vers rezitiren. Was, ist gleichgültig, denn Der Alte Rodenburg versteht vom Lateinischen und Griechischen laubst, daß ich mich erst seße.
nicht mehr als Du.
Heines Gedicht fabriziren. Also beispielsweise:
Für Helene aber werde ich selbst ein
Toilette."
hinaus.
Indem wir heute vor Dich treten,
Laß Alle uns inbrünstig beten
Was hat Dich denn hergeführt?" fragte der Prediger immer noch halb mürrisch.
Das sollst Du bald erfahren, mein Bruder; aber Du er - Was mich hierhergeführt, erräthst Du wohl schon aus dem neulichen Briefe.
Dm, Du schriebft, daß Dein Geschäft schlecht stehe." " Ja wohl, Paul, ich habe arge Geschäftsverluste gehabt, und ich sage Dir offen, meine Eristenz steht auf dem Spiele." Das Geficht des Herrn Predigers umdüsterte sich immer
Man soll tein Geschäft anfangen, wenn man nicht die Fähigkeit hat, es gut zu führen!" fagte er in strengem Zone.
mir den Jungen, und triff die Vorbereitungen zu Deiner mehr. So, es wird schon gehen. Vorwärts, Emmy , inftruire Mit einem Lachen schob er seine Nichte zur Thür In derselben aber trat ihm bereits ein Dienstmädchen ben, grauen Augen, firschrothen Lippen, und alabasterweißen hat mir aber gefehlt; Du weißt ja so gut wie ich, daß das Es war ein hübsches, frisches Landmädchen, mit funkeln
entgegen.
Bähnen.
Sein zudringlicher Blid ruhte mit Behagen und Ver
langen auf ihr.
Nun, Lisette, was hast Du?" Ein Herr ist draußen, welcher Sie zu sprechen wünscht." Ein Herr? Wer ist es?"
Giner, den Du nicht erwartest, Paul!" rief eine Stimme Dom Korridor, und das Mädchen bei Seite schiebend, trat der Fremde ein. Deinen Bruder, Paul, hast Du nicht in Neu
tadt erwartet,
-
was?"
feinen Bruder erblickte.
Das joviale Lächeln, der vorzügliche Humor war von dem Geficht des Herrn Pastors auf einmal verschwunden, als er Sein Geficht 30g fich in die Länge, sein Blick verDu in Neustadt?" sagte er sehr kühl und die Umarmung gar nicht erwidernd.
finsterte fich.
fait
Ja, es wundert Dich mit Recht; denn erstens weißt Du,
Daß meine Gesundheit nicht gerade die beste ist; zweitens bin
Nun, was das betrifft," antwortete der Kaufmann, fo habe ich die Fähigkeit so gut wie Einer; allein das beste Ge schäft tann, wenn fein Betriebskapital da ist, bei der geringsten ungünftigen Konjunktur zu Grunde gehen. Betriebs.apital fleine Vermögen unseres Vaters so gut wie ganz in Deine Hände gewandert ist. Dein Studium, Deine häusliche Einrichtung und" er fügte dies mit einem vertraulichen Lächeln flüsternd hinzu auch die Abfindungssummen für Deine kleine Jugendsünden haben ja so ziemlich Alles verschlungen." So hättest Du Dir wenigstens eine reiche Frau nehmen follen!"
-
Für einen Pastor flingt dieser Rath etwas sonderbar," antwortete der Kaufmann. Ich habe gedacht, wenn man eine Frau nimmt, steht man vor allen Dingen auf ihre Tugend, auf ihren Charakter, und die Hauptsache ist, daß man sie liebt, und von ihr geliebt wird."
"
Schon recht; aber Du flebst fa, Du fluger Geschäftsmann, was Du von dieser Theorie haft. Hat Dir Euer Turteltaubenleben schon etwas eingebracht?"
,, Dja, Bruder Baul! Unsere Liebe und unser häusliches Glück haben mir Muth gegeben, in den Widerwärtigkeiten, mit denen ich bisher zu fämpfen hatte, auszubarren und meine Kraft nicht erlahmen zu laffen; unfer häusliches Glück allein
betreffenden Ordnungen berufenen legitimen Thronfolger des Souveräns einer erblichen Monarchie die Regierungsrechte mit dem Ableben desselben von selbst zufallen. So erwünscht der fürstlichen Regierung die Betheiligung der herzoglich braunschweigischen Bevollmächtigten an den Verhandlungen des Bundesrathes erscheint, vermag fie doch an einer Abstimmung
"
hat mich entschädigt für Alles, was mir das Leben sonst versagt hat." Du bist ein Schwärmer, Georg, ein unpraktischer Mensch!" " Nun so will ich sofort zur Praris übergehen.- Ich stehe vor dem Konkurs! Mein liebes Käthchen weiß noch nicht, wie es um mich steht. Bweitausend Thaler können mich nicht allein retten, sondern sie können mein Geschäft wieder zur Blüthe bringen, und können mir und meiner lieben Frau eine forglose Existenz gewähren."
Nun? Und?" fragte der Pfarrer, ihn befremdet anblickend.
Auch auf dem Geficht der Frau Paftorin lag ein ahnungsvoller Unmuth.
"
,, Bruder, an wen konnte ich in meiner Verlegenheit mich wohl anders wenden, als an Dich?" sagte Georg. Du hast ein Amt, das Dich und die Deinigen nährt, und hast ein nicht unbedeutendes Vermögen.- Leihe mir die zweitausend Thaler; ich verzinse fte Dir gut.
"
Du bist närrisch, Georg! Hältst Du mich für einen Juden, der borgt und verborgt?"
" Nein, ich halte Dich für einen Mann, der nicht ruhig zusehen kann, wie sein Bruder untergeht," antwortete der Kaufmann. Ich verfichere Dir, daß die zweitausend Thaler mein Geschäft retten und Dir dann sicher genug find."
"
Georg, brechen wir davon ab, ich habe kein Geld zu
leiben."
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Du bist unbarmherzig, Paul. Denke an meine Frau!" " Ich bedenke zunächst die meinige!"
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" Ja, Du hast Recht, mich daran zu erinnern, Paul; so werde ich mich auch zunächst an meine liebe Schwägerin wenden. Indeffen wollen wir uns mit diesen unerquicklichen Geldangelegenheiten die Freude des Wiedersehens nicht ver derben. Wir sprechen morgen davon. Laß uns heute nicht Geschäftsleute sein. Mein Gott, ich bin ja so froh, aus dem Wuft der Geschäfte mich in die liebliche Joylle eines friedlichen Pfarrhauses geflüchtet zu haben. Vor allen Dingen muß ich erst Deine Familie sehen, dann Deinen Garten, Deinen Viehstand,- Deine Aecker, kurz, alle die Dinge, die uns Städtern so neu, und darum so interessant sind. Morgen sprechen wir von Geschäften, nicht wahr, Schwägerin?" Morgen?" wiederholte diese gedehnt, indem sie ihrem Gatten einen Blick zuwarf.
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