Ur. 241.

Dotmerstag» den 15 Oktober 1885.

n._|a])yg

MnVMlM Organ für dir Interessen der Arbeiter.

4

Jnsertioasgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Qh* Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«» Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Re�rtKttlm: Keuthstraße 2. GrpedMo«: Zimmerstraße 44.

s-

F.

ZmtlMrbnt wA ArbeiKlihil. Durch die Blätter geht eine Notiz, nach welcher ein rheinischer Industrieller, ein Mitglied der rheinisch- west- fälschen Hütten- und WalzwerkS-Genossenschaft, ausgerechnet haben will, welchen Schaden die Arbeiterbevölkerung durch eine gänzliche Einstellung der Arbeit an Sonntagen" davon tragen würde. Das W i e dieser Berechnung erfahren wir leider nicht; wir erfahren nur die Resultate derselben.Bis- « i0 Wi es in der Notiz,wurden an Sonntagen Ausbesserungen an Puddel-, Schweiß- oder Wärmeöfen, Revisionen, bezw. Reparaturen an sämmtlichen Maschinen, Dampfhämmern und Walzenstraße», das Reinigen der Dampfkesiel, das Aufräumen in der Hütte sowie auf dem Platze und das Entladen der am Sonntag, bezw. Feiertag zugestellten Eisenbahnwaggons ausgeführt. Wird die Aus- führung solcher Arbeiten an Sonn- und Feiertage» unter- sagt, so muß nothwendiaerweise eine weitere Kürzung der wirklichen Betriebitage erfolge«, so daß im ganzen nur 216 wirkliche Betriebitage verbleiben würden. Für die Arbeiter würde das nach der eingehenden Berechnung des rheinischen tachmanne», der seiner Aufstellung die Verhältnisie eines esielplattenwalzwerkeS mit einer Arbeiter, ahl von 375 Mann zu Grunde legt, einen Ausfall an Arbeitslohn von 190 Mark pro Mann und Jahr ausmachen. Auf Grund dieser Zahlen ergiebt sich für die der rheinisch-westfälischen Hütten- und WalzwerkSgenosienschaft angehörenden 80 000 Arbeiter ein jährlicher Verlust an Arbeitslohn von rund 15 Mill. Mark.- Das wirft ja ein merkwürdiges Licht, auf die Unter- «ehmer in der rheinischen Hütten- und Walzwerkgenosien- schaft. Wenn die SonntagSarbeit verboten würde, "o könnten sich diese Herren demnach eine uSgabe von fünfzehn Millionen Mark ersparen. Diese fünfzehn Millionen würden zwar nicht gerade Unter- nehmergewinn oder Dividende werden, allein ein Ausfall von 15 Millionen im AuSgabebudget müßte jedem Unter- nehmer doch etwas sehr Angenehmes sein. Und diese Unter- «ehmer der rheinisch-westfälischen Hütten- und Walzwerks- genosienschaft wollen die Abschaffung der SonntagSarbeit nicht haben, nur damit die fünfzehn Millionen den Arbeitern nicht entgehen? DaS sind doch die großmüthigsten und edelsinnigste» Leute auf dem Erdenrund! Doch Spaß bei Seite wir wollen die Sache ernst- Haft betrachten. Und da müssen wir aus den prinzipiellen Gehalt der Forderung der Sonntagsruhe zurückgehen. Wir haben immer betont, daß die Forderung der Sonntagsruhe nur eine untergeordnete Angelegenheit und | überhaupt nicht durchgreifend zu erledigen ist, so lange nicht eine c**"«~r60�- JeuMeton.

1

3]

Die Hand der Uemests. Roma« von Ewald August König .

(Fortsetzung.) Daß er sich außerdem eine willkommene Gelegenheit verschaffte, seiner schönen Koufine näher zu treten, war eine persönliche Angelegenheit, die Niemanden etwas anging, .... kgr auch kein Vorwurf ihm gemacht werden

wie nahe er schon der Lösung

allgemeine Fabrikgesetzgebung die Abkürzung der Arbeitszeit für den einzelnen Arbeiter auch allgemein durchführt. Daher kommt es, daß auch Ausnahmen gemacht werde« ' üssen, wie dies von allen Parteien zugegeben wird. Es .t offenbar, daß man die großen Schmelz- und Hochöfen über die Sonn- und Feiertage nicht ausblasen kann, es mag sein, daß man auch zuweilen oder regelmäßig Reparaturen und Reinigungen an den Maschinen vornehmen muß, die nicht aufzuschieben sind. Was wir aber bestreiten, ist die Behauptung, daß diese Art und Weise der Einrichtung ein Hindcrniß wäre, dem Arbeiter einen vollen Ruhetag innerhalb sieben Tagen zu gewähren. Wir wollen nur auf den Eisenbahn- und Postbetrieb hinweisen; dort darf auch keine Unterbrechung des Betriebs eintreten und doch ist eS leicht möglich, wenn man nur will, den Post- und Eisen- bahnbediensteten einen Ruhetag in der Woche zu ge- währen, was unseres Wissens freilich nicht so ge­schieht, wie es geschehen sollte. Hier tritt eben der Unterschied zwischen Sonntagsruhe und Sonntags- Heiligung scharf hervor. Es kann nicht durchaus darauf ankommen, ob der Ruhetag, den der Arbeiter hat, gerade immer der Sonntag ist. Wenn man starr am Sonntag festhält, so bleibt die Industrie in Verbindung mit dem Verkehr in vielen Fällen die siegende Macht. Auch die frommen Engländer, die sonst, wo es anging, die Sonn- tagi Heiligung gewiß strikte durchgeführt haben, und am Sonntag kaum ungestört einen Schoppen trinken könne», sind nicht im Stande, eine Einstellung ihres Eisenbahnver- kehrs am Sonntag zu bewirken. Vielleicht wünscht auch Niemand eine solche. Was hätte also einzutreten in solchen Fällen, wo, wie bei der rheinisch- westfälischen Hütten- und WalzwerkS-Ge- nossenschaft, eine gewisse Summe von Arbeit am Sonntag unerläßlich ist, vorausgesetzt, daß die in der Eingangs dieses Artikels angeführten Zeitungsnotiz enthaltenen Angaben durchweg richtig sind? Nun, da hätte eben das sogenannte A b l ö s u n g S- s y st e m einzutteten. Die Arbeiter, welche die unerläßlichen Arbeiten am Sonntag zu verrichten hätten, mühten dann einen vollen Ruhetag in der Woche haben. Und da Vielen der Ruhetag in der Woche nicht so ange- nehm ist, als am Sonntag der Vergnügungen und des Ver- kehrs mit Anderen wegen, so müßte das Ablösungssystem so eingerichtet werden, daß für den einzelnen Arbeiter der Ruhetag einmal auf den Sonntag, ein andermal auf de» Wochentag fiele. Aber dann entgeht den Arbeitern immer noch ein Theil der fünfzehn Millionen, wird man sagen. Nu», wir haben schon darauf hingewiesen, daß die Ab- schaffung der SonntagSarbeit in Verbindung stehen muß mit

und aus konnte. Siegfried ahnte nicht, jener Fragen war. Er speiste mit seinem Vater gemeinschaftlich an der Tafel eine» Gasthofes. Der alte Herr hatte sich nach dem Tode seiner Gatttn nicht entschließen können, eine HauS- hälteri» zu enqagiren, und wenn auch mitunter die Gasthof- küche seinem Geschmack nicht zusagte, so fand er doch stets an der Tafel eine heitere Gesellschaft, von der er sich gerne über alles Interessante, was er zu wissen wünschte, unter- richten ließ. Siegstied hatte sich t» diese Gewohnheit seines Vaters hineingefunden, Vater und Sohn tranken nach der Tafel eine Tasse Kaffee und plauderten dabei über persönliche Angelegenheiten, und der Assessor wollte auch heute das Plauderstündchen benutze», um dem alten Herrn feine Be- ssegnung mit Rabe und die aus derselbe» entsprungenen «olgen mitzutheilen. Aber eS follte nicht dazu kommen. Die Tafel war noch nicht aufgehoben, als ei» Kellner bem Assessor meldete, daß der Staatsanwalt in einer dringenden Angelegenheit mtt ihm zu reden wünsche. Diesem Verlangen mußte Siegfried ungesäumt Folge geben, und der Kellner führte ihn in ein Zimmer, in wel- chem der Staatsanwalt ihn erwartete. «Ich bedaure recht sehr, daß ich Sie in einer so an- genehmen Beschäftigung stören muß," sagte der Staats-

anmalt, einen scherzende» Ton anschlagend,aber beim besten Willen ließ sich da« nicht vermeiden." Wenn die Pflicht ruft, muß jede Rücksicht schweigen," erwiderte Siegfried.Der Kellner meldete mrr, e« sei eine dringende Angelegenheit" Eine sehr dringende sogar," fiel der Staatsanwalt ihm ins Wort.Ich habe zwar meine ersten Maßregeln schon getroffen, aber bevor wir einschreiten, muß ich Sie über den Fall unterrichten, da Ihnen derselbe wohl unbe- kannt sein wird. Es betrifft einen Mord, der vor neunzehn Jahren begangen worden ist." Die Ermordung des Doktor Wieland?" fragte Sieg- ftied hastig. Jawohl. Wie kommen Sie darauf?" «Ich lernte heute Morgen zufällig den Bruder meiner Tante, der Generali» Stuckmann, kennen, mit ihm und dem Justizrath Walter sprach ich über jenes Verbrechen." Die Einzelheiten sind Ihnen also bekannt?" Nein, aber ich hatte mir vorgenommen, heute noch die Untersuchungsakten zu studiren, und die Untersuchung, wenn auch vorläufig nur im Geheimen, wieder zu eröffnen." Das ist ein merkwürdiges Zusammen treffen," sagte der Staatsanwalt kopfschüttelnd, während er mit dem seidenen Taschentuch die Gläser seiner Brille abrieb,Sie beschließen, die Untersuchung wieder aufzunehmen, die seit neunzehn Jahren geschlossen ist, und an demselben Tage wird der Mörder entdeckt." Er ist bereits entdeckt?" fragte Siegfried überrascht. Wenigstens glaube und hoffe ich e». Aber wenn Sie die Einzelheiten nicht kennen, so muß ich Sie in aller Kürze damit bekannt machen. Der Doktor Wieland war ein ge suchtet Arzt, gesucht, beliebt und geachtet wegen seiner stren gen Rechtlichkeit, feiner gediegenen Kenntnisse und selbst, wenn ich mich so ausdrücken darf, wegen seiner Grobheit, mit der fast jede« Rezept gewürzt wurde, und die stets de» Nagel auf den Kopf traf. Arm oder reich, hoch oder»ied- na, jeder Patient war in seinen Augen eben nichts weiter als ein Patient, der sich seinen Anordnungen ohne Wider- rede füge» mußte, und die Nerve» der gnädigen Gräfin galten ihm keinen Pfifferling mehr, als die Nerven einer

einer umfassenden Fabrikgesetzgebung, wenn sie zur richtigen Geltung kommen soll. Die Emführung eines 8-, 9 oder auch nur 10 stündigen Normalarbeitstages, Abschaffung der Kinder-, Einfchränkung der Frauenarbeit in Verbindung mit Abschaffung der SonntagSarbeit, würde der letzteren Maß- regel ein ganz anderes Gepräge geben. Bald würde sich eine bestimmte wöchentliche Arbeitszeit feststellen. Wenn der Arbeiter nun einmal genöthigt wäre, am Sonntage unerläßliche Arbeit zu verrichten, so würde diese Arbeit da- durch höher angeschlagen, daß für den Ruhetag in der Woche kein Abzug am Lohn zu machen wäre. Denn in den Fällen, wo Sonntagsarbeit einmal nothwendig ist, schadet es nichts, wenn sie, wie in diesem Falle, höher bezahlt wird. Da werden nun die Unternehmer rufen und in der ganzen rheinisch- westfälischen Hütten- und Walzwerks- Ge- nossenschaft wird eS widerhallen:Aber dann haben wir ja noch mehr zu zahlen als bisher!" Aha! DaS ist es auch, was wir wollten. Die Ab- schaffung der SonntagSarbeit läßt sich ganz gut so einrichten, daß der Verdienst der Arbeiter dadurch nicht geschmälert wird; höchstens die Dividende könnte einigermaßen darunter leiden. I» Hunderten von Berufe» wird die SonntagSarbeit theurer bezahlt als die Wochenarbeit, warum sollten die Arbeiter nicht dasselbe verlangen können für die im Ganzen nicht allzu zahlreichen Fälle, in denen sich die Sonn- tagSarbeit nicht aufschieben läßt?

Politische Ueberstcht. Man darf das Sozialistengesetz nicht versumpfen lassen", meinte der bekannte nationalliberale Dr. Gneist, in

«KWWWMW

soschen Gesetze liege, bei'weitem das überwiege, was etwa der bisherigen Agitation im Einzelnen durch die sozialistische Dema- gogie entzogen werden könne. Man kann also einigermaßm darauf gespannt sein, wie sich die Herren bei der in der nach- sten Session des Reichstags zur Sprache kommenden Verlange- rung dieses Gesetze» verhalten werden. Daß dasSozralisten-

dern können, ebensowenig kann es die Ausschreitungen einzelner exaltirter Menschen verhüten. Mithin ist es überflüsfig und seine Beseitigung müßte von allen denen verlangt werden, die

Tagelöhnerin. Er war Hausarzt Ihres Onkels, des Generals v. Stuckmann, und als die Frau Generalin ihrer Nieder- kunst nahe war, wurde der Doktor Wieland zugezogen. Die Ereignisse jener Nacht werden Ihnen bekannt fein. Es war eine schwere Niederkunft, der Doktor hatte eben das Kind in die Arme der Wärterin gelegt, als er in die Gemächer des Generals beschieden wurde. Der General hatte schon seit mehreren Tagen sich leidend gefühlt, die furchtbare Auf- reaung, hervorgerufen durch die begründete Besorgniß. die geliebte Gattin verliere« zu können, wird ihm den Rest ge» geben und die Blutergießung ins Gehirn bewirkt haben. Der Doktor fand eine Leiche, ein Gehirnschlag hatte den General aetödtet." Uno, verzeihen Sie die Unterbrechung, machte sich gar kein Verdacht geltend, daß der General möglicherweise eines unnatürlilhen Todes gestorben sein könne?" Der Staatsanwalt blickte den jungen Mann be» ftemdet an. Nein," erwiderte er,worauf auch hätte dieser Ver« dacht sich stützen sollen? Jeder Verdacht muß vor allen Dingen eine glaubwürdige Grundlage haben, die hier voll- ständig fehlte. Wem hätte der Tod des General« Vortheil bringen können? Starb das Kind auch, dessen Leben doch an ernem sehr dünnen Faden hing, dann war Ihr Herr Vater der Universalerbe. Der General war ein alter Herr, und sein plötzlicher Tod konnte Niemand beftemden und noch weniger Argwohn erwecken. Der Doktor kehrte, nach- dem er das Ableben des Generals konstatirt hatte, in da« Zimmer der Wöchnerin zurück, traf hier alle nöthigen An- ordnungen und bestieg darauf sein Pferd, um nach Hause zu reiten. Der Morgen graute schon, als er den Heimweg antrat, einige Stnnden später fand man die Leiche des Arztes in einem kleinen Gehölz, durch welches der Weg vom Schlosse zur Stadt führt. Dieser Weg besteht heute noch, er kann nur von Fußgängern und Reiter« benutzt werden, während man zu Wagen die Landstraße benutzen muß. Der Doktor hat jenen näheren Weg gewählt, und der Mörder muß das voraus gewußt haben, denn e« läßt sich schwer annehmen, daß die Begegnung eine zufällige gewesen fein soll. Ein Schuß hatte den Arzt niedergestreckt, die Kugel