an das Bureau verwiesen und dort werde man einfach an die Luft gefest. Er habe sich freilich an die Gerichte gewendet, aber ber Prozeß bauere jest schon vier Jahre, und noch sei ein Ende nicht abzusehen. Was herauslomme, fönne man fi indeß schon denken, da die Untersuchung auf die Angaben des Direktors fich füße.
Ein weiterer Arbeiter schildert die Gefährliteit des Auf und Abstiegs, den Mangel an Schußvor richtungen, die gesundheitschädigende Räise in den Gruben u.. w. Unglücksfälle tämen faft jeden Tag vor. Die Lohn Jablung erfolge am 10. und 25. jeben Monats; fte sollte alle Woche ftattfinden. Rinder unter 14 Jabren sollten in den Gruben nicht beschäftigt werden. Unterstügungen werden so felten gegeben, daß die Kaffe so gut wie gar nicht eriftire. Wenn der Arbeiter verlegt werbe, so verlange der Auffeber Beugen, auch wenn der Arbeiter 1000 bis 1500 Meter weit von Den Anderen gearbeitet habe(!). Das Beugniß der Arbeitsunfähig Tett werde nur schwer erlangt. Die Kaffen legen niemals Rechnung ab. Man habe ihm einmal einen halben Tag ab aieben wollen; das habe er fich nicht gefallen laffen und man entschuldigte fich es sei ein Irrthum. Aber man 30g ihm immer wieder grundlos einen halben Tag ab, und als er beim Direktor reklamirte, schickte man ihn fort, mit einem Beichen im Arbeitsbuche, worauf ihn teine andere Grube mehr an nehmen wollte.(!) Das Buch wird der Kommission vor gelegt. hätten wir das allgemeine Stimmrecht," so schließt ber Beuge, so würde man uns nicht so zu behandeln
wagen!"
Andere Beugen bestätigen die Mangelhaftigkeit bes Schutes und der leberwachung. Der Delegitte einer Grube
erzählt, wenn ein Unfall paffice, werde Alles aufgeboten, da mit das Bersonal aussage, der Arbeiter habe der eigenen Unvorfichtigkeit die Berlegung zuzuschreiben. Man wähle zu Auf febern nicht die tüchtigsten und unterrichtetften, sondern die rüdfichtsloseften, bie vor nichts, auch vor feinem falschen Eid zurüdichreden. Der Bruge ist felbft früher Aufseher gewesen. Ein anderer, ebenfalls früherer Aufseher, bestätigt seine Aus fage; er felbft ift entlassen worden, weil er au gut gegen die Arbeiter war, und man hat ihn dann nicht einmal als Arbetter baben wollen. Frauen und Mädchen seien den Nachstellungen ber Mufieber ausgefest; sei eine hübsch, so laffe man fte allein arbetten. Kommen einmal die Ingenieure, so wird vorher rasch Alles in schönfte Ordnung gebracht und an gefährlichen Stellen wird die Arbeit ausgesetzt.
Bum Schluß steht eine Reibe verunglüdter Berg Ieute auf, die alle dieselbe traurige Geschichte erzählen: Un fälle, Arbeitsunfähigkeit, Entlassung ohne Benfton, Noth und Hunger, Bettel. Einer erzäblt, sein Bruder set bei der Arbeit getödtet worden. Die alte Mutter habe zuerst 12 Fr. monat lich bekommen, dann 6 Fr. und schließlich habe man ihr auch Diese geftrichen. Als fte rellamirte, fagte man ihr wörtlich: Wenn Ihr Sohn am Leben geblieben wäre, so bätte er ge beirathet, und das wäre für Sie auf das Nämliche heraus. gelommen.
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Die Sigungen der Rommission in Verviers enthüllten wahrhaft scheufliche Bustände in den dortigen Spinnereien und Webereien. Ueber die eine Fabril wurde ausgesagt: Es ift eine Fabrilordnung angeschlagen, aber die Strafen find durchaus willkürlich. Wer zu spät tommt, muß 2 Frants Buße bezahlen. Das Arbeitskleid besteht im Ganzen und für Alle aus einer leinenen Sose; die Frauen tragen dazu noch ein Jädchen aus Kalilot. Die Temperatur beträgt 35-40 Brad; in der Werkstätte wird auch gegeffen. Man gebt barfuß, weil ber Boden schlüpfrig ist. Nur in einer Fabrit wird alle Woche einmal aufgewaschen; in einer anderen wird alle Jahre einmal gereinigt. Es giebt eine Fabril, wo die borte in den Arbeits falen angebracht find. Eine alte Dame in Schwarz fragt entrüftet bazwischen, ob wirklich Männer und Frauen in dem felben Naum fich an und auslleiden, worauf ihr ein viel ftimmiges Jawohl" zur Antwort wird. Ein Beuge ift ent laffen worden, weil er gegen den Mißbrauch der Geldstrafen profeftirt bat. Die meisten Nuffeber find Fremde; fte haben einen Brofit von der Leistung des Arbeiters. Auch halten fte Wirthschaften und Läden, wo der Arbeiter les laufen muß, wenn er nicht chifanirt sein will. Die Arbeiterwohnungen find schlecht und flein; es wohnen 10 und 12 Berfonen da, wo nut für 2 Play ist. Die Miethen find trozdem hoch. Der Beuge bewohnt mit Frau und zwei Kindern zwei Rämmerchen und be zahlt dafür 10 Frs. monatlich. In dem Hause find 10 Haus baltungen. Die Fabritherren laffen fich auf Versicherungen nur ein, um Projeffe zu vermeiden. Wenn ein Unfall paffirt, bes fchäftigt man fich mehr mit der Maschine, als mit dem Berun glüdten. Die verfümmelten Arbeiter find zahlreich; eine Unter fuchung wird nie angestellt.
Ein Delegirter ber Spinner bestätigt, daß er in 36 Sabren leine einzige Untersuchung gesehen habe, obgleich die Unglüdsfälle häufig seien. Für ein verlorenes Leben zahlen die Gesellschaften ein Bauschale von 1200, für ein amputirtes Glied 4 bis 500 Frants. Der Delegitte arigt an einem Faden den 3wischenraum zwischen zwei Maschinen, wo fürzlich eine Arbeiterin verunglüdtift; er ist
Mensch stirbt, und auf seinen Grabstein seht man ein Datum und einen Namen.
Wie Wolten laften bie schweren Erinnerungen auf meinem Gemüth. Gott sei Dant, daß die Zeit, die sie tennzeichnen, vorüber ist.
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Ich erinnere mich des Todes meines Vaters. Ich war bamals noch ein Rind; aber ich erinnere mich der Worte, bie er unter Thränen an meine Mutter richtete: Sollten fie Dir und unserem Sohne nicht verzeihen, wenn ich nicht mehr am Leben sein werbe? Werben sie sich dann noch weigern, Euch zu unterflüßen, lebiglich beshalb, weil Du ben Stolz Deiner reichen Familie durch die Berheirathung mit einem armen Mann beleidigt haft. Kroz alledem ist Dein Datel gutmüthig."
Allein dieser in feinem Stolz unbeugsame Onkel hielt es unter seiner Würde, fich mit meiner Mutter zu be= schäftigen. Ich erinnere mich der Stunde, wo man meinen Bater in sein Grab bettete, und der Rührung, die ich empfand, als ich die Erbschollen auf seinen Sarg fallen hörte. Ich ahnte damals noch nicht, daß man auf den Gebanken lommen fönnte, es fei beffer, in den Eigenweiden ber Erbe zu ruben, als auf ihrer Oberfläche ein tägliches Da fein zu friften. Dort ist die Ruhe des Gerechten ; bort ist ber Troft für den Leidenden.
Balb farb meine Mutter auch und ich blieb allein zurüd. Weshalb tehren biefe traurigen Bilder wieder und bes mächtigen fich meines eben noch so leichten, so fröhlichen Herzens? Weshalb entrollen Sie über mein Glüd ihren Leichenschleier? Wenn ich jedoch dieses Mißgefchid nicht erlebt hätte, fo hätte ich Dich, theure Pauline, nicht fennen gelernt. Die Wege des Schidials find oft unbegreiflich.
Habe ich es nöthig, bie Ursache bes tiefen Grams zu schildern, der das Leben meiner Eltern untergrub? Mein Vater war ein armer Edelmann. Er verliebte sich in ein reiches junges Mädchen; fie liebte ihn ebenfalls und wollte ibn heirathen trotz der Vorwürfe und des Widerstandes von Seiten einer stolzen Schaar von Onkeln und Tanten. Wenn meine guten und lieben Eltern noch lebten, so würbe meine und Paulinens Schmerze fie trösten für die Schmerzen, zn benen fie verbammt waren.
fage 30 Bentimeter breit, während das Minimum 1 Meter betragen soll! Die Hiße sei erstidend; fte set aber nur für geringere Sorten Wolle nötbig. Um fie zu steigern, würde Dampf in die Säle gelaffen. Um fi zu überzeugen, daß 35 bis 40 Grab Hige herrsche, müsse man intognito in die Säle gehen, sonst würde der Dampf vorher abgeftellt. Die Maschinen müssen, wäbrend fie geben, gereinigt werden; die Arbeiter effen neben den Maschinen, die im Gang bleiben.
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Ein anderer Arbeiter ergeht fich in politischen Forderungen und wird vom Präsidenten ermahnt, hier feine Bolitit zu treiben; worauf der Arbeiter erwidert: Die Bolitik ist es, die uns ausbeutet; warum sollen wir denn da nicht auch Bolitit treiben?" In der That schließt der Korrespondent der Frantf. 8tg." enthüllt fich in diesen Verhandlungen ein ganges politisches System, wie es niederträchtiger in der Slla Derei des Alterthums nicht gewesen sein konnte. Wann wird endlich eine neue beffere Politit anheben?"
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Politische Uebersicht.
Die Berliner Erfahwahl macht den Konservativen zur Freude aller Freifinnigen" noch immer viel Ropfzerbrechen. Herr Stöder hat nunmehr mit Bestimmtheit erklärt, daß es für ihn politischer Selbstmord wäre, einen mittelparteilichen Mischmaschlandidaten zu unterstüßen, und daß er deshalb ent - obwohl ihm schloffen sei, seine eigenen Wege zu wandeln mit dem Knüppel in der Nordd. Aug. Btg." sebr energisch von diesem Wege abgewinkt wurde. Die fieitonservative und antisemitische Bo" ist über diese Haltung des Hauptes der Berliner Bewegung" natürlich untiöftlich und sieht den Wahl freis schon in den Händen der Freifinnigen. Die„ Kreuz- Big." bricht dagegen in hellen Jubel darüber aus, daß diejenigen Leute eine beschämende Niederlage erleiben werden, welche der wunderbaren Anficht sind, daß es jemals gelingen fönnte, bem Milchsuppen mundgerecht zu machen, wie wir fte die Herren feiner ganzen Natur nach radilal angelegten Berliner die Milchsuppen mundgerecht zu machen, wie wir fte die Herren Gneist und Spinola so unermüdlich lochen sehen." Bon freifinniger Seite wird ist für die Landtagswahl Herr Bindthorft Bielefeld als empfehlenswerthefter Kandidat ge nannt. Sollte mit dieser Kandidatur Ernft gemacht werden, so würden die Wähler in erster Linie zu der Frage verpflichtet fein, in wieweit die Nachricht auf Wahrheit beruht, Herr Windthorst Bielefeld babe fich gegen das allgemeine Wahlrecht bei Kommunalwahlen ausgesprochen. Man wird ja dann sehr bald ben richtigen Maßstab für den " Freifinn" dieses Mannes und jener Bartel, die ihn aufzu ftellen wagt, gewinnen.
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Der Herr Amtsgerichtsrath Frande wagt es auch nos, seinen Versuch einer Vereinbarung mit der sozialdemo fratischen Partei" so drückt fich der tonservative Führer aus
zu rechtfertigen. Aus feiner neueften Auslaffung ist nur hervorzuheben, daß der Schuhmachermeister Boye in der That fofort nach der Absendung des Briefes von dem Mißbrauch mit seinem Namen unterrichtet worden ist, weil man auf seine Buftimmung glaubte rechnen zu lönnen. Herr Boye scheint auch nichts eingewendet zu haben, was die Rageburger Kon fervativen gewiß nicht in einem befferen Lichte erscheinen läßt.
Ein Seitenstüd sur Rageburger Briefaffäre wird dem Berl. Tagebl." in folgender Weise berichtet: Es war bei der Reichstagswahl im Jahre des Herrn 1884; Herr Reichs tagsabgeordneter Erwin Lüders in Görlis kandidirte; er sollte auch in dem gefegneten Drte Krischa sprechen; der dortige Gastwirib, ein Herr Lehmann, batte uth genug, feinen Gaal den Freifinnigen als Versammlungslokal zuzufagen. Da erhält Herr E. Lüders plöglich einen Brief aus Krischa, unterzeichnet mit Lehmann", enthaltenb bie Burücknahme der Busage. Lehmann erklärt jedoch, den Brief nicht geschrieben zu haben. Die Unterschrift rübre vom Drtsvorsteher Rühn her. Das freifinnige Blatt, der Neue Görliger Anzeiger", zögerte nicht, bas intereffante Bortommnis mitzutheilen. Herr Dits vorsteber Rübn leugnet; Herr E. Lüders und der Rebatteur des Neuen Görliger Anzeigers" werden beim Staatsanwalt verklagt und vor Gericht gezogen; fte werden Beide als Ver leumber dargestellt. Der Amtsvorsteher und der Baflor mischen fich in die angelegenheit; biefe beiden konservativen Herren gewinnen Einfluß auf Herrn Lehmann zu Gunsten bes Ortsvorstehers. Im Termin des Landgerichts wird jedoch der Nachweis geführt, daß der konservative Ortsvorsteher Rühn die Unterschrift Lehmann" au seinen Werlen zu zählen den vollen Anspruch hat.
Sum Arbeiterschnkgesehentwurf. Das„ Recht auf Arbeit " tritt in dem legten seiner sehr beachtenswerthen Ar titel über den Arbeiterschuß dafür ein, den sozialdemokratischen Entwurf in eine Reihe von selbstständigen Anträgen zu that len, die je nach Gelegenheit isolirt einzubringen wären! Das genannte Blatt schreibt: Niemand tann zwar heute wiffen, welche Schritte die Arbeiterabgeordneten beim bemnächftigen Bufammentritt des Reichstags für praktisch und tattisch richtig halten werden, doch gehen wir wohl nicht fehl, wenn wir an nehmen, daß der Gesammtentwurf in seiner jegigen Gestalt als einheitlicher Antrag nicht wieder eingebracht werden wird.
Mein Onkel wollte meine Mutter nicht wiedersehen. Trogbem entschloß er sich, von fern über mich wie eine unsichtbare Vorsehung zu wachen. Paulinens Vater gewährte mir einen Zufluchtsort an seinem Herd. an seinem Herb. Mit seinen Rindern wurde ich auferzogen und wuchs ich heran. So machte ich Deine Bekanntschaft, Pauline, und wie hätte ich Dich von dem ersten Augenblide an, wo ich Dich kennen lernte, nicht lieben sollen? Dir verdanke ich die ersten Freuden meines Lebens, die ersten Eindrücke meiner Jugend, und Dein Bild hat unaufhörlich über mir geschwebt. Es tam ein Tag, wo ich die Wahr nehmung machte, daß das Gefühl, welches uns gegenseitig in allen Erregungen mit einander verband, Liebe war. Als wir uns zur gewohnten Stunde zu ihrem Vater begaben, fagte er zu mir:
Anton, Du mußt morgen nach Petersburg abreifen. Du haft Dir ganz ansehnliche Renntnisse angeeignet. Dein Datel ist zufrieden mit Dir. Jetzt wünscht er, daß Du mit Fleiß und Ordnungssinn in das praktische Leben ein trittst. Wenn Du es so weit bringst, Dir eine geficherte Stellung in der Welt zu erringen, so wird Dein Onkel, welcher zugleich mein Freund ist, für Deine Zukunft Sorge tragen."
Aber fann ich ihn nicht augenblicklich sehn?" " Nein. Er sagt, wenn Du Dich burch Dein Berhalten feiner Buneigung würdig erwiesen haben wirft, so wird er dem Andenten Deiner Mutter verzeihen und Dich zu seinem Erben machen. Unterbeffen gewährt er Dir die Mittel, um anständig zu leben. Hier finb Empfehlungsbriefe für Petersburg. Sie können Dir angenehme Beziehungen verfgaffen und Deinen Weg ebnen. Auf jeden Fall sei dessen eingeben!, baß Du in mir stets einen Freund und Vater fiaben wirft."
Bei diesen Worten brach mein großmüthiger Beschüßer in Thränen uus, und wir alle weinten mit ihm.
Dieser Tag ist mit heiliger Schrift in meinem Gebächt niffe verzeichnet. An ihm schwuren Pauline und ich uns ewige Liebe.
Dort habe ich brei Jahre verbracht. Das mir ausge fette Jahreseinkommen reichte faum aus, am meine Klei
Eine Berlegung desselben in mehrere selbstständige Anträge, welche auch sehr gut zu verschiedenen Beiten eingebracht werden lönnen, je nachdem für den einen oder den andern die Situa tion im Hause günftig ist, scheint uns nach Lage der Sache bas richtigfte zu sein. Es frägt sich dabei nur, welcher Theil Des Entwurfes am bringendsten der gefeßlichen Anerkennung bedarf, und da glauben wir, daß nach den Vorkommnissen der legten Beit das Augenmerk vor allem auf die Erreichung einer ausreichenden gefeßlichen Grundlage für bie Berufsvereinigungen zu richten ist. In dem dem Reichstag vorgelegten Entwurfe wird verlangt, der Gewerbe ordnung einen Baragraphen einzuverleiben, welcher folgenden Wortlaut bat: Unternehmer und Arbeiter und Hilfspersonen fönnen zur Förderung ibrer Interessen in Vereinigungen zu fammentreten, insoweit diese Vereinigungen den Bwed baben: a) die Lohn und Arbeitsverhältnisse zu regeln; b) Fachschulen und Bibliotheken zur Förderung der gewerblichen und geiftigen Ausbildung ihrer Mitglieder ins Leben zu rufen; c) Unters fügungstaffen für Arbeitslose und Invaliden oder Erwerbs Genossenschaften aum Nugen ihrer Mitglieder zu bilden, find Dieselben von allen die Bersammlungs- und Vereinsfreiheit beschränkenden Gesetzesvor schriften befreit. Auf ihren Antrag find solchen Ver einigungen unter den von den Landesgelegen vorgeschriebenen Bedingungen Korporationsrechte zu ertheilen. Diese Forde rung bedt fich mit Dem in der gewertvereinlichen Petition am Schluffe ausgesprochenen Wunsche und fann auf die Buftimmung aller Kreise rechnen, welche überhaupt den Arbeitern das Recht einer selbstständigen Regelung ihrer An
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gelegenheiten augefteben. Aber noch einen anderen Grund haben die Arbeiter, gerade diesen Buntt jegt in den Border grund ihrer Agitation zu stellen. Durch den Buttlamer'schen Streilerlas sowie durch die Angriffe, welche das Koalitions recht der Arbeiter, wie es§ 153 der Gewerbeordnung diesen gewährt, von Seiten der Arbeitgeberverbände und speziell ber Bünfiler, diesen Schoflindern der Realtion, erfährt, ist außer allen Zweifel gestellt, daß dieses Recht in Gefahr steht, den Arbeitern verloren zu geben. Unter folden Umständen wird es Pflicht der Arbeiter, alle ihre Kraft auf den einen bedrohten Bunit zu vereinen. Da es aber eine alte, stets bewährte Fechterregel ist, daß die beste Form der Vertheidigung der Angriff ift, so wird es fich gewiß empfehlen, den von der Antrag auf Beseitigung der vereinsgefes Realtion geplanten Streich dadurch zu pariren, daß der lien Saranten und die Gewährung der Rorporationsrechte für die Berufsvereini gungen in den Bordergrund der parlamen fartsmen Attion der Anbänger des Arbeiter fuses gestellt wird. Die rudfichtslofe Anwendung der realtionären Vereinsgefeße auf die Arbeitervereine, welche man als politisch erklärt, während den Arbeitgeberverbänden rubig gestattet wird, offenlundig Politit in ihren Vereinen und Jahreszusammenlünften zu treiben, ohne daß sich in diesen Fällen ein Staatsanwalt des Sages erinnert, daß vor dem Geseze alle Bürger gleich sein sollen, muß im Reichstage zu gründlichen Erörterungen benügt werden. Eine wirkliche Ar beiterschutzgesetzgebung lann nur gedeiben, wenn die Arbeiter selbst das treibende Element dazu bilden. Das ist aber wieder nur möglich, wenn diesen ein gefeßlicher Boden für ihre Orga nisationen geschaffen wird. Heute fehlt dieser Boden in den meisten deutschen Staaten, diesen zu schaffen und die reaktios Rechte auf diesem Gebiete rauben wollen, zurück zu drängen, nären Gelüfte, welche den Arbeitern auch noch die geringen dürfte für die nächste Bukunft die Hauptaufgabe der Anbetterpartei auf dem Gebiete der Arbeiterschußgesetzgebung sein.
Neue Privatposten. Eine Privatpoft foll auch in Hannover eingerichtet werden und war soll der geschloffene Brief 2 bis 3 Bf, die Postkarte 2 Pf., Drucksachen bis 50 Gramm 2 Bf. foften. Bugleich übernimmt die genannte Bris vatanstalt die Rolportage von Birtularen und Betteln ohne Angabe bestimmter Adressen und zwar das Tausend zu Geld und eingeschriebene Gendungen scheint bie selbe nicht übernehmen zu wollen. Auch in Stuttgart soll aum 15. Dktober eine Privatpoft ins Leben treten.
9 Mart.
Sozialistisches. Aus Meißen schreibt man dem ,, Sächs. Wochenbl": Bergangene Woche wurde ber hier begründ: te Arbeiteriousverein auf Grund des Sozialistengefeßes aufgelöst und ber sirla 40 Mark betragende Kaffenbestand beschlagnahmt. Veranlaffung zur Auflösung mag eine in jüngster Beit durch den überwachenden Beamten aufgelöfte Mitgliederversammlung des betreffenden Bereins gegeben haben. Mit dieser Auflösung wurden auch eine Anzahl aussuchungen vorgenommen, die gar nichts Belaftendes für ben Berein ergaben, so daß hoffentlich auch die Auflösung des Vereins nicht aufrecht erhalten bleibt. Es scheint unter dem tegiment unseres neuen Bürgermeisters eine andere Luft richtung über Meißen au weben. Leipzig , 30. Septbr. Der Tischlergeselle Hoffmeister, den man für den Arrangeur der sozialdemokratischen Demonstration hielt, ift in baft genommen worden. Der Landtagsabgeordnete Raden in Dresden erhielt am 26. September folgendes charakteristische Schreiben:
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bung zu bezahlen und mich vor Rälte oder Hitze zu be schüßen. Die Empfehlungsbriefe, die mir so nüßlich sein follten, waren mir nur dazu behilflich, mir eine Stellung zu verschaffen. Ich war zu peinlicher Arbeit verpflichtet, die von feinem Vergnügen unterbrochen wurde. Meine Jus fionen schwanden allmälig. Ich lebte allein und versant in einen Zustand der Verrohung.
Exblich kehrte ich nach dieser langen Prüfung nach Moskau zurück und fah fte wieber. Welche Veränderung war in diesem breijährigen 3: itraume mit ihr vor sich gegangen. An Stelle des lebhaften, des muthwilligen Rindes, deren Spiele ich mitgemacht hatte, fand ich ein entzüdenbes junges Mädchen vor, die die Bierbe der besten Gesellschaften hätte bilden können. Doch ba fühlte ich mich ihr gegenüber linfisch, häßlich, verlegen. Ich sah in ihr die schöne, die liebenswürdige, die bezaubernde Tochter eines reichen Mannes und ich war nur ein gewöhnlicher Unterbeamter. Ihre Eltern empfingen mi gütig wie ehemals als eine Waise, als einen alten Bekannten, und ich verließ Moskau mit serriffenem Herzen. Die Ueberzeugung jedoch nahm ich mit mir fort, daß ich von ihr geliebt sei. Ich hatte mich nicht mit ihr allein unterhalten können, ich hatte ihr nichts zu fagen gewagt; allein ich sah, daß fie mich liebte.
Wiederum verfloffen brei Jahre, brei qualvolle Jahre. Irgend ein thörichter Gebante, mit dem sich Paulinens Bild verband, riß ich mich in den Strudel ber Welt fort. Hatte ich mich bis dahin in schwarzem Menschenhaß von meinen Standesgenoffen in einer gewiffen Ent fernung gehalten, fo suchte sie jest aus eigenem Antriebe auf, fchloß mich ihnen an, und sie führten mich in ihre Abendgesellschaften, Bälle, Kneipgelage ein.
I follte diefe Selbstvergessenheit theuer büßen. Wie oft fühlte ich das Unbehagliche meiner Lage inmitten einer Gesellschaft von jungen und eitlen Stußern; wie oft fühlte ich mich in jenen glänzenden Salons vereinsamt, wie schämte ich mich meiner Schüchternheit im Verkehr mit jenen vornehmen Damen, die mir so hinreißend erschienen! 34 fonnte in einer Quadrille als Gegenüber dienen, und das war bei den meisten von ihnen meine befte Empfehlung. ( Fortsetzung folgt.)