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bat Abg. Barth dasselbe vorgetragen!) Man soll dem Volte die Sache nicht so darstellen, als hätte die Reichsregierung sich zu dieſem bischen Reform drängen lassen. Haben Sie( links) nicht von dem Vorschlage der Regierung noch etwas abge­strichen? Ist es nicht erst beim zweiten Anlaufe gelungen, eine Rübensteuer von 1,70 M. zu erlangen, während die Re­gierung 1,80 M. gefordert hatte?( Buruf: Erportprämie!) Versuchen Sie es doch, Herr Rickert, bringen Sie doch heute eine Novelle ein, welche 65 Millionen Mark aus der Zucker­Steuer bringt, und gewinnen Sie eine Mehrheit dafür. Wenn das nicht geschieht, dann bleibt nichts als die bescheidene sub­jektive Meinung des Herrn Rickert übrig. Herr Rickert fieut fich, daß die Neigung, Finanzminister zu spielen, kleiner gewor den zu sein scheint; nur dem Finanzmister gebühre die Ini­tiative. Freilich müßte er andere Vorlagen machen, als die bisherigen. Auf meine Frage: Welche an deren? hat er keine Antwort gegeben. Die Regierung will ja keineswegs die Initiative der Steuergeseßgebung dem Reichstage zuschieben, aber fie kann doch verlangen, zu erfahren, welche Vorlagen irgend irgend welche Chanzen haben könnten. Meinen Zwischenruf wollte Herr Rickert nicht verstehen; er hat mir ja im Landtag oft genug gesagt, er wüßte ein Mittel, die Finanzlage in Preußen zu reformiren, aber er würde sich hüten, es mir zu sagen.( Buruf Rickerts: Wozu find Sie denn Finanzminister?) Dann hat er von dem niedrigen Effekt der Getreidezölle gesprochen; er glaubte viel­leicht, uns hier auf eine unangenehme, unerwartete Wirkung derselben aufmerksam machen zu müssen. Wenn sich Jemand über den geringen Effekt gefreut hat, so bin ich es gewesen und die verbündeten Regierungen. Die Getreidezölle sollen es verhindern, daß den deutschen Landwirthen der deutsche Markt entzogen werde. Wenn die Getreidezölle also nicht reichere Erträge geben, dann mag man bedauern, daß die Kreise nach der lex Huene weniger erhalten, aber der Staats­fasse erwächst daraus zunächst fein Nachtheil. Wenn die Er­trägnisse immer so niedrig bleiben, wird sich die Regierung stets freuen, weil sie die Ueberzeugung hat, daß die Landwirthschaft bei gehörigem Schuße den Bedarf des Landes selbst produziren kann. Er hat dann die Börsensteuer als einen weiteren Beweis ungesunder Finanzpolitik hinge­stellt. Allerdings hat dieser Posten die allseitigen Erwar tungen nicht gerechtfertigt. Aber die Vorwürfe gegen die Regierung sind dar im doch nicht gerechtfertigt. Diese hatte ursprünglich eine andere, eine Geschäftssteuervorlage gemacht. Mit Recht wird die Schuld an dem geringen Ertrage der Steuer den Defrauden zugeschrieben( hört, hört! rechts), weil die Sicherheitsmaßregeln der Geschäftssteuer verworfen find mit dem bekannten Optimismus, der in jedem Steuerpflichtigen einen ehrlichen Menschen sieht. Wenn die horrible Geschäfts­steuer mit ihren horriblen Kontrolen eingeführt wäre, so wür den uns diese Erfahrungen erspart geblieben sein. Auch ich bin der Meinung, daß es traurig ist, wenn die Parteien in der Presse sich so tränkende Vorwürfe machen, wie die es sind, gegen welche Herr Rickert sich und seine Partei in Schuß ge­nommen hat. Aber wer im Glashause fist, soll nicht mit Steinen schmeißen. Wenn man sich vergegenwärtigt, was für unerhörte Dinge der Regierung seit Jahren vorgeworfen wer den,( Abg. Rickert: Wo denn?) ich werde Ihnen eine Blüthenlese davon nächstens mitbringen, ich nenne jetzt nur das Reichsblatt" so erklärt sich, daß nun auch von an derer Seite Vorwürfe kommen, über welche dann plößlich das Lied der Trauer und Verstimmung erklingt. Ich sage es noch einmal: Sie messen mit zweierlei Maß! Sagte nicht erst heute noch Herr Ridert: Wir betteln nicht um Lotteriekollekten, die Sie Ihren Preßreptilien gewähren mögen". Das ist sehr vorsichtig, aber gegenüber solchen Infi­nuationen verlangen Sie noch, daß Ihnen überall in der unabe hängigen und wenig von Rücksichten gebundenen Presse die Achtung gezollt wird, welche Sie andern verweigern. Herr Rickert führte dann an, der Finanzminister habe sich bei den legten Verhandlungen über die Branntweinsteuer sehr befriedi­gend geäußert. Aber was soll man sich denken, wenn er nun fortfährt: Aber Herr Schweinburg dachte anders." Der Finanzminister wiederholt nun seine früheren Erklärungen über

feine

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Beziehungen" zu Herrn Schweinburg. Er empfange den­felben, wie er auch die Redakteure anderer Blätter empfange und wie er auch den Redakteur und die Patrone des Reichs­blatt" empfangen werde. Ihn für alles das verantwortlich zu machen, was nun in diesen Beitungen geschrieben werde, das müffe er weit von sich abweisen. Wenn an mir Alles hängen bleiben sollte, was darin steht, so müßte ich zu wechseln oder ein Wort auszutauschen, da ja dann unter Umständen Alles, was Herr Rickert sagt, als meine Meinung aufgefaßt werden würde.( Große Heiterkeit rechts.) Wer die Sache so auffaßt, der kennt wahrscheinlich nur den sklavischen Gehorsam ( Seiterkeit rechts.) Die allgemeine Schlußbe­trachtung des Abg. Rickert kam dann darauf hinaus: Ein starkes Heer haben wir und werden es haben; gute Finanzen fönnten wir haben, Zufriedenheit im Innern unter dem System Form der Schlußbetrachtung vom Abg. Rickert schon einmal gehört.( Widerspruch des Abg. Rickert.) Mit dem ersten Punkt hat er doch wohl nicht sich in die Negative zur Heeres­folge segen wollen, denn das würde doch mit seiner ganzen bisherigen Stellung zu diesen Fragen schlecht harmoniren. Bei dem zweiten Punkte, der guten Finanzen, habe ich ganz und gar nicht ironisch dazwischen gerufen: wir könnten sie haben, Sie brauchten nur zu wollen( Unterbrechung links), wir brauch ten uns nur zu verständigen. Aber ich muß immer wieder auch darauf zurückkommen: wir haben keinen Groschen welcher nicht vom Reichstage bewilligt viele find auf Ihre Anregung verausgabt Aber abgesehen von der Vergangenheit: man revidire doch einmal das Budget und streiche alle Posten heraus, die auf Grund der Mehreinnahmen durch neue Steuern mehr veeausgabt worden sind, den Abgeordneten möchte ich sehen, der mit solchem verstümmelten Budget vor feine Wähler zu treten wagte!( Bustimmung rechts.) Ver sprechungen haben die verbündeten Regierungen überhaupt nicht gegeben, sondern blos Programme.( Lachen links.) Ein Volk, welches, wie das deutsche, zwei Milliarden für Tabat, Bier und Branntwein ausgiebt, welches in den größten Bundesstaaten eigentlich ohne Staatsschulden besteht-- die Schulden Preußens find zum größten Theile Eisenbahnschulden, denen ein Eigen­thum werthvollſter Art gegenübersteht, welches an Gewerbe­fleiß, Gelehrigkeit und Gelehrsamkeit, möchte ich sagen, an der Spige der europäischen Staaten steht, sollte geringere Leistungen Nachbarstaaten? Wer das vom deutschen Volfe behauptet, sagt

ausgegeben,

wäre, worden.

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die unwahrheit.

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das

ganze Programm,

welches ich im preußischen Abgeordnetenhause entwickelt

habe, aufrecht.

und

Es find alle die Aufgaben im Reiche

in Preußen beinahe allein mit dem Ertrage Des Branntweinmonopols zu erfüllen.( Ruf: Tabat!) Der Tabat wird später noch dazu kommen,( Heiterkeit.) Es ist eben bedauerlich, wenn gegenüber dem Dissens, zu dem Sie ja vollkommen berechtigt sind, und der Sterilität, die daraus folgt, ein Theil des Reichstages, und zwar gerade der, der am meisten in der Negation fich befunden hat, immer auf den andern zukommt und sagt: Du hast Deine Versprechungen nicht erfüllt! Das kommt ihm nicht zu. Ich fann die Devise für hr Verhalten nicht besser charakterisiren als mit den Worten: Das Unzulängliche, hier ward's Ereignis, hier im Reichstag! ( Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. v. Benda: Das Mißverhältniß zwischen Einnahmen und Ausgaben in dem vorliegenden Etat wurzelt unbestreitbar in alten Fehlern. Schon in früheren Jahren ist dies mit Be­

zug auf die Rübensteuer von meinen politischen Freunden hier ausgesprochen worden. Der rapide Verfall dieser Steuer wurde freilich nicht vorausgesehen. Mit dem Abgeordneten Rickert bin ich darin einverstanden, daß die Stärke des Reiches nicht blos auf seiner Wehrkraft beruht, sondern auch auf guten Finanzen. Das trübe Bild, das ich aus dem Studium des Etats schon gewonnen, ist aber durch den Vortrag vom Bundesrathstische noch verschlimmert worden. Ein gün stigeres Verhältniß zwischen Einnahmen und Ausgaben wird fich auch in der Kommission nicht erreichen lassen; es mag an den Ausgaben manches gestrichen, etwas den Einnahmen zuge­setzt werden, an dem Gesammtresultat wird die Budget­fommission nichts ändern können, und dieses heißt: Erhöhung der Matrikularbeiträge um 29 Millionen, und Erhöhung der Anleihe auf 62 Millionen. Wir werden also aus den jetzigen Einnahmequellen nicht im Stande sein, in den Finanzen des preußischen Staates durch Ueberweisungen aus den Reichs­einnahmen ein geordnetes Verhältniß herzustellen. Dazu wün­schen wir in Preußen seit Jahren: Erleichterung der Kommunen, Befreiung von der Schullast; und vor allem mußten wir bis­her, was von den Herren, die in der Mitte der Finanz­verwaltung fißen, mitunter nicht genügend beachtet wird, auf Amortisation der Eisenbahnschuld verzichten, welche wir doch nur in der Voraussetzung genehmigt haben, daß ein bestimmter Prozentsaz davon im Interesse der Sicherheit der Zukunft im Etat amortifirt wird. Meine politischen Freunde nnd ich, wir sind der Meinung, daß diese Wirthschaft des Schuldenmachens ein Uebel ist, das auf die Dauer nicht zu ertragen ist. Wir bieten deshalb die Hand, sobald fie uns geboten wird, um aus diesem Zustand herauszukommen. Wir haben dies gezeigt, als die Branntweinsteuer den Reichstag beschäftigte. Nach unseren Vorschlägen wären daraus 60-70 Millionen gewonnen worden, während die Regierung 120 Millionen verlangte. Die von uns vorgeschlagene Summe hätte aber genügt, um die im Reiche und in den Einzelstaaten vorhandenen Bedürfnisse in ausgiebiger Weise zu befriedigen. Man hätte deshalb nicht Phantasieplänen und idealen Steuerprojekten nach­gehen sollen. Meine politischen Freunde bedauern deshalb auch lebhaft und wir scheuen den Vorwurf, der uns hieraus gemacht werden wird, nicht hieraus gemacht werden wird, nicht daß die Regierungen es nicht für angezeigt gehalten haben, diesem Reichs­haben, diesem Reichs­tage neue Steuern vorzuschlagen. Die überwiegende Mehrheit tage neue Steuern vorzuschlagen. Die überwiegende Mehrheit der Branntweinsteuerkommission ist ja auch im vorigen Jahre der Meinnng gewesen, daß der Branntwein ein geeignetes Steuer­objekt sei; die Einen wollten freilich nur 25 Pf., die Anderen 60 Pf. pro Liter bewilligen. Darüber wäre eine Einigung unter den Parteien indessen möglich gewesen; aber die Ne gierungen waren mit einem solchen Ertrage nicht zufrieden. Ein verfehlter Pfad war es auch, daß man auch für die Brennerei­befizer bei der Steuer einen Gewinn erzielen zu wollen schien. Ich würde es nach alle dem also für richtiger gehalten haben, wenn die Regierungen sich entschloffen hätten, von Neuem eine Branntweinsteuervorlage dem Reichstage vorzulegen. Zum Schluß möchte ich betreffs der Militärvorlage nur sagen, daß es natürlich unsere Aufgabe sein wird zu prüfen, ob die Motive in Bezug auf die internationalen Verhältnisse begründet find. Aber die Hoffnung habe ich, daß, wenn die Nothwen: igkeit der Vermehrung unseres Heeres anerkannt wird, unser deutsches Volt in der Opferfreudigkeit und Opferbereit schaft zur Sicherheit und zur Ehre unseres Vaterlandes hinter teinem anderen Volfe zurückstehen wird.( Beifall.)

Die Debatte wird vertagt."

Persönlich bemerkt Aba. Ridert: Der Finanzminister habe ihn in einer Reihe von Punkten vollständig mißverstanden, obwohl er ihm so nahe gewesen. Es sei unrichtig, daß er( Redner) über die Schweinburg'schen Bemer fungen über den Reichstag verstimmt und gekränkt sei. Was Herr Schweinburg darüber schreibe, sei ihm und dem Reichstag hoffentlich auch vollständig gleichgiltig. Er habe das nur zur Charakteristit der inspirirten Presse angeführt. In Bezug auf das Fiasko stelle er folgendes richtig: Er ( Redner) habe gesagt, die Regierungen hätten 1879 versprochen. die neuen Steuern zunächst zu Steuerleichterungen zu ver= wenden. So stehe es ausdrücklich in der Thronrede von 1879. Diese Versprechung habe die Regierung nicht erfüllt, die Steuerlasten seien vermehrt. Das seien Thatsachen. Im Uebrigen danke er dem Finanzminister aufrichtig für seine Uebrigen danke er dem Finanzminister aufrichtig für seine legten offenen Mittheilungen. Dieselben seien von schäßbarem Werth.( Glocke des Präsidenten.) Leider könne er darüber heute im Rahmen einer persönlichen Bemerkung nicht reden.( Heiterkeit.)

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Um 4 Uhr wird die weitere Berathung bis Mittwoch 12 Uhr vertagt.

Parlamentarisches.

Die Münchener Allg. 3tg." enthält folgende Buschrift: Münchener Blätter haben sich mißbilligend darüber ausge sprochen, daß seitens der Staatsanwaltschaft zu Chemnitz dem Ansuchen Herrn Viereck's, die ihm vom Landgerichte Freiberg auferlegte neunmonatliche Gefängnißftrafe in München verbüßen zu dürfen, ohne Rücksicht auf dessen von Geheimrath v. Nuß­baum und anderen ärztlichen Autoritäten bescheinigten Krank­heitszustand nicht stattgegeben, vielmehr auf Gestellung des Verurtheilten in Chemnis zum Zwecke des Strafantritts be standen worden sei. Diese abfälligen Urtheile beruhen auf falschen Voraussetzungen. Ein Gesuch der vorbezeichneten Art hat zur fraglichen Zeit der Staatsanwaltschaft gar nicht vor­gelegen. Dagegen hatte Herr Viered um Strafaufschub auf unbestimmte Beit gebeten. Bur Begründung dieses Gesuchs hatte er auf verschiedene Umstände, zuletzt auch auf körperliches Leiden Bezug genommen. Ein ärztliches Zeugniß war dem Gesuche nicht beigefügt. Deshalb und weil der Staatsanwalt­schaft bekannt war, daß Herr Viereck häufige Agitations­reifen unternehme, derselbe auch in seinem Gesuche an erster Stelle fich darauf berufen hatte, daß er zum Reichstag nach Berlin einberufen sei und an den Arbeiten desselben sich zu be= theiligen beabsichtige, hieraus aber gefolgert werden durfte, daß es mit dem Gesundheitszustand Herrn Vierecks doch nicht so schlimm stehen könne, erachtete die Staatsanwaltschaft einen Strafaufschub wegen Krankheit zur Zeit nicht für ausreichend begründet. Das Gericht, auf dessen Entscheidung Herr Viereck eventuell angetragen hatte, trat der Staatsanwaltschaft bei. Nach seinem Eintreffen in Chemniß ist Herr Viered gerichts­ärztlich untersucht und die Vollstreckung der Strafe als unbe denklich bezeichnet worden. Die Beugnisse der Herren Geheim­rath von Nußbaum und Profeffor Dr. Martin in München , sowie des Dr. Epenstein in Würzburg hat Herr Viereck erst in Chemnitz der Staatsanwaltschaft überreicht. Das von ihm unter Bezugnahme auf diese Beugnisse nachträglich gestellte Ge­such um Gestattung der Strafverbüßung in München , dessen Genehmigung überhaupt nur eintreten könnte, wenn die Staats­anwaltschaft zu München sich zur Uebernahme der Strafvoll­streckung bereit erklärt, ist dem fgl. sächsischen Justizministerium zur Entschließung angezeigt worden. Chemnig, den 27. No­vember 1886. Drr Erste Staatsanwalt: Schwabe."

Lokales.

Neue Reichsbauten in Berlin nach Maßgabe des Reichshaushaltsetats pro 1887/88. Nachstehend geben wir ein Verzeichniß derjenigen Positionen, welche im neuen Reichs­haushaltsetat pro 1887/88 für neue Bauten in Berlin neu auf­geworfen find. Unser Verzeichniß umfaßt also nur die ersten Raten bezw. Bauraten, nicht aber diejenigen Pofitionen, für welche in früheren Etats schon eine Bewilligung stattgefunden welche in früheren Etats schon eine Bewilligung stattgefunden hat. Erstens: Neubauten von Magazingebäuden, in Berlin ,

Grundstückserwerbs- und Enthebungskosten für die im Nord­westen und Südosten der Stadt geplanten zwei Fouragemagá zine 1 600 000 m.( im vorigen Jahre find zur Projektbearbei Inng 35 000 M. bewilligt worden). Der Plan umfaßt die Aufs gabe der militärfistalischen Proviantamtsmagazine, Königsgraben Nr. 16, Neue Friedrichstraße 2, sowie der Garnisonbäckerei in der Alexanderstraße 11a; der Verkaufserlös hierfür ist auf 4745 244 M. geschäßt und Ersaßbauten hierfür find geplant auf dem fiskalischen Grundstück Köpenickerstraße 16-17, sowie sowie durch Anlegung zweier Fourage- Etablissements im Nord­westen der Stadt und im südöstlichen Theile in möglichster Nähe des Spreefluffes. Zur Erweiterung der Diensträume für das Kriegsministerium in Berlin , erste Rate zum Grundstückserwerb und zur Entwurfsbearbeitung 1262 250 M. Es liegt im Plan, die Grundstücke Wilhelmstraße 82, 83, 84 für 1225 000 M. anzu­kaufen und an deren Stelle ein Dienstgebäude zu errichten. Nach Vollendung des Erweiterungsbaues würden die Grund­stücke Wilhelmstraße Nr. 101 und Leipzigerstraße Nr. 19 und außerdem die für Zwecke des Kriegsministeriums bisher refer­virten Grundstücke Belle- Allianceplas Nr. 13 und Neue Grün­straße Nr. 19 für zusammen 1692 800 M. zum Verkauf ge= langen. Neubau eines Kasernements für ein Regiment Garde feldartillerie, erste Rate zum Grundstückserwerb und Entwurfs­bearbeitung 700 000 M. Dafür soll die Kaserne am Oranien­burger Thor für 2056 000 Mart verkauft werden. Die Kupfergrabenfaserne dagegen soll nach einem Umbau mit In­fanterie belegt werden. Zur Errichtung eines Dienstgebäudes für das Patentamt, erste Baurate, 200 000 M. Das Grund­stück ist bereits erworben. Zur Ausführung außerordentlicher Bauarbeiten auf dem Dienstgrundstück des Reichsamts des Innern 12000 M. Zur Errichtung der physikalisch- technischen Reichsanstalt für die erperimentelle Förderung der eraften Naturforschung und der Präzisionstechnik ist ein Extraordinarium des Innern im Reichshaushaltsetat vorgesehen. Die Gesammt­bausumme dafür ist auf 868 254 M. berechnet, während sich die Ausrüstung mit Instrumenten 2c. auf 296 000 m. belaufen wird. Davon find als erste Raten 480 000 refp. 120 000 M. in den Etat gestellt worden.

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Ueber das Schnüren plaudert Balduin Groller im ,, Neuen Bester Journal": Ich habe keineswegs vor, dem Mieder etwas am Beuge zu flicken und eine scharfe Philippika gegen das Schnüren los­zulaffen. Ich hege nämlich die wohl kaum anfechtbare Meinung, daß es nicht angehe, Waffer zu predigen und Champagner zu trinken, gegen das Schnüren zu wettern und sich im Uebrigen an dem Anblick einer feinen Taille zu erfreuen. Das wäre eine unehrliche Geschichte. Auch ein wißbegieriger Forscher kann viel fragen. Sie müssen Nachsicht mit mir haben, ich verstehe von der Sache gar nichts. Wie käme ich auch dazu, woher und wieso? Sie glauben, daß, wenn man über eine Sache schreibt

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aber, ich sage ja nichts gegen das Schnüren, und ich bitte, daß mir das entsprechend hoch angerechnet werde. Seit Jahrs hunderten wird dagegen gepredigt vom fittlichen, vom sanitären, vom ästhetischen Standpunkt, ich brauchte nur hineinzugreifen in das reiche Arsenal der Waffen, mit welchen es bereits be­fämpft worden ist, aber ich wünsche gar nicht zu den Gegnern gezählt zu werden. Also zu den Anhängern? Ich weiß es nicht, bazu habe ich zu wenig Sachkenntniß; Alles, was ich von mir sagen kann, ist, daß ich entmentscht genug bin, an einer zierlichen Taille Gefallen zu finden, und ein solch sträflicher Wüstling, das auch ungescheut am helllichten Tage auszusprechen. Den fittlichen Standpunkt in dieser Frage fönnen wir beruhigt den Fastenpredigern überlassen. Wir wissen, daß auch die vollendetste Unschuld ein Mieder tragen kann, ja tragen muß. Ich gehe noch weiter und sage, daß auch die vollendetste Unschuld ohne Mieder wenn auch nicht gerade unfittlich, so doch zum mindesten einigermaßen unanständig erscheinen würde, das heißt, wenn- Herr Gott ; hat das manchmal seine Schwierigkeit, über die allernatürlichsten Dinge zu reden! also, wenn es nicht sowieso Alles eins wäre oder, um uns juristisch- kriminalistisch auszudrücken, wenn nicht der Abgang jeglichen Thatbestandes, jede weitere Prozedur ohnedies unnöthig machen würde. Nor­male Verhältniffe erfordern den Schnürleib, daran können auch die Sittenprediger nichts ändern. Oder sollten Moralisten sich darum kümmern, daß man sich nicht zu eng schnüre? Ich glaube nicht, daß man Glück haben würde mit dieser Berechnung der Tugend nach der Anzahl Zentimeter einer Taillenweite. Zudem ist dieser Gesichtspunkt ein medizinischer, und darum bitte ich, ihn außer Acht lassen zu dürfen. Mit den Medicis, seien sie nun ge fürstet oder nicht, möchte ich nichts zu thun haben. Eines darf ich übrigens auch hier erwähnen: die Medici verwerfen den Schnürs leib nicht im Bausch und Bogen, fie verwerfen ihn überhaupt nicht und in besonderen Fällen verschreiben sie bekanntlich be­sondere Mieder. So kommen wir nun zum ästhetischen Stand­punkt. Da wird immer der alte Trumpf ausgespielt, daß die Venus von Milo bekanntermaßen auch ohne Mieder eine ganz gute Figur mache. Vor diesem Gemeinplatz hat man einen ungeheuren Respekt; er schneidet gewöhnlich jede weitere Dis­fussion ab. Wir wollen uns aber das Reden nicht verbieten lassen und rund heraus sagen, daß dieser Einwand ein sophisti­scher und unsinniger ist. Das Kostüm der hochwohl und schaumgebornen Göttin verträgt eben keinen Schnürleib. Wenn fie aber, wie sie geht und steht, ohne Mieder in cine moderne Toilette gesteckt wird dabei faffe ich den Begriff ,, modern" sehr weit und gebe gleich ein paar Jahrhunderte, wenn man will ein halbes Jahrtausend und mehr Spielraum menn man ihr nur einen ganz gewöhnlichen Regenmantel anthut, so wird sie, ich bitte tausendmal um Entschuldigung, aussehen, wie eine moderne Zierpuppe. Ich verehre die Tugend, aber ich halte auch etwas von der Grazie und leider haben sich nun die Dinge im Laufe der Jahunderte so entwickelt, daß wir uns eine ungeschnürte Grazie nicht mehr recht denken können. Die Ungebundenheit des Wesens mag ja recht schön und gut sein, aber doch nicht immer. Dabei möchte ich aber doch nicht den Uebertreibungen und den zweck­losen Anstrengungen nnd Strapazen das Wort reden. Das Schnüren hat einen vernünftigen Zweck und dieser kann nicht durch unvernünftige Mittel gefordert werden. Schließlich muß doch Alles Sinn und Verstand haben. Sich die Seele heraus zudrücken für nichts und wieder nichts hat feinen Sinn. Vers geffen wir nicht, daß es in der Architektur keine absolute Größe giebt. Ein ungeschickter Baumeister wird auch einem gewaltigen Bau nicht dazu verhelfen können, daß er einen gewaltigen und großen Eindruck macht, während ein geschickter Architekt durch fluge Benüßung der Terrainverhältnisse, sowie durch glückliche Kontrastirungen oder Zusammenfassung der einzelnen Baus glieder auch durch einen kleineren Bau die Wirkung der Größe wird erzielen können und so kann es wohl geschehen, daß der in Wirklichkeit kleinere Bau einen imposanteren Effekt macht als der absolut größere. Aber die absolute Größe entscheidet nicht, die relative Größe macht es. Wenn das Größenverhältniß der einzelnen Bauglieder unter einander fein harmonisches, ist dann nüßen alle aufgebotenen Massen nichts, die Wirkung bleibt aus. Das Verhältniß zwischen Last und Stüße muß vor allen Dingen stimmen, sonst flappt die ganze Geschichte nicht. Auf eine zarte, schlanke Säulenarchitektur darf ich nicht toloffal ausladende Maffen seßen und auf einen Unter­bau von mächtigen Boffagen nicht eine zierliche Gartenhaus­Architektur. Die Anwendung der architektonischen Grundgefeße ergiebt sich von selbst. Man kann sich fürchterlich zusammena schnüren und doch mit der dünnen Taille absolut keinen Effekt machen, wenn man nicht in der Lage ist, auch das Gesetz der Kontraste für fich sprechen zu lassen. Mit der absoluten Dünn heit ist auch da absolut nichts erreicht. Der Säulenschaft für fich allein fagt nichts, das Auge wird erst befriedigt, wenn zu dem gewölbten Oberbau das rechte Verhältniß hergestellt ist. Ist die Architektur nur sonst entsprechend, dann giebt ein Bentimeter mehr oder weniger nicht den Ausschlag. Eines ist unzweifelhaft: Schnüren muß man sich, aber mit Maß und

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