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Donnerstag, den 20. November 1890.
7. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
3900
Organ für die Interessen der Arbeiter.
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Das Berliner Volksblatt"
erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem„ Sonntags- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Erpedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn
2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.
Redaktion: Beuthffrake 2.
Die neue Einkommensteuer.
II.
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Insertionsgebühr
das: 30
beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungsAnzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.
Expedition: Beuthstraße 3.
Nach dem Regierungsentwurf ist für ein Einkommen zu dieser
900-1050 M.= 1800-2100 2700-3000 3600-3900 4500-5000 9000-9500
6 M. oder 0,62 pet.
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1: 2
wächst, ist das Verhältniß der entsprechenden Der Regierungsentwurf behält nun den Steuerfuß von fäße gleich
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weniger= 27 M. sondern dreimal weniger= 18 Mart Steuer zu bezahlen. 18 Mark Steuer zu bezahlen." Während also das Einkommen in 106 Millionen gegenüber dem Vorjahr in die Höhe, und ein dreifach niedrigeres Einkommen von 900-1000 unserem Beispiel( annährend) von Mark bezahlt gar nur 6,75= 1/8 des Steuerfazes für| ein Einkommen von 2700-3000 M.
4: 5: 10
15/6 9: 12: 221/2: 46.
Wir werden sogleich nachweisen, daß diese Progression grundsätzlich festgesetzt und für niedrigere Stufen fakultativ, namentlich in den untersten Stufen eine sehr energische, resp. es kann die Selbstangabe hier auf besondere Aufja unverhältnißmäßig starke ist. Sie ist nämlich ebenso forderung seitens der Behörden verlangt werden. Wir bestart, als unter dem Gesichtswinkel der Degression diese grüßen die Einführung der Selbstdeklaration lebhaft und Stufen verhältnißmäßig schwächer herangezogen werden wenn damit ebenso gute Erfahrungen gemacht werden Die bisherige klassifizirte Einkommensteuer umfaßt sollen. wie anderswo, alle Einkommen von über 3000 M. und besteuert sie so darf man sich in Preußen ( klassenweise) mit einem proportionalen Binsfuß von von mehr als Glück Neuerung wünschen. Unseres 3 pCt. Die Klassensteuer dagegen erfaßt die Einkommen Wissens ist sie bereits in Meiningen und wohl unter 3000 M., hat für die einzelnen Stufen feste Säge auch anderswo eingeführt worden. Als durch das Geset und ist degressiv. Ein Einkommen von 2700-3000 M. vom 21. März 1887 der Kanton Baselstadt die bei der bezahlt z. B. 54 M. Ein doppelt niedrigeres Einkommen Einkommensteuer bewährte Selbsttaxation auch für die Don 1350-1500 m. bezahlt also nicht etwa blos doppelt Vermögenssteuer eingeführt hatte, schnellte das steuerbare Vermögen des kleinen Kantons mit einem Ruck um d. h. um volle 22,6 pCt., während die Zahl der SteuerSteuer- Pflichtigen sich um 480= 11,6 pct. vermehrte. Durch die Einführung der Selbstangabe des Steuer3 pCt. prinzipiell bei, er läßt jedoch die Degression schon pflichtigen wendet man sich an dessen Gewissenhaftigkeit bei Einkommen von über 9000-9500 m. eintreten, statt Wie man sieht, ist die Progression in diesen ver- und bringt ihm ein nicht geringes Vertrauen entgegen. wie bisher erst bei 3000 Mark. Man will also glichenen Steuerstufen sehr stark, sogar unverhältnißmäßig Wenn sich alsdann dennoch Steuerdefraudationen ergeben, neben mittleren schonen, ſtart. 1050 M. Gintonimen bezahlen 6 M., 1850 M. so ist eine ſtrenge und nachdrückliche Bestrafung um so d. h. mit einem niedrigeren als dem prinzipiellen Steuer- Einkommen aber bezahlen 31 M., also für 800 M. Mehr mehr gerechtfertigt. Im Ganzen hat der„ bürgerliche Staat" fuß treffen. Ob es angezeigt ist, die Degression schon für einkommen 25 M. mehr Steuern oder für jedes 100 M. in dieser Beziehung bisher viel zu geringe Strafen vorgesehen Einkommen von 9000-9500 beginnen zu lassen, wollen Mehreinkommen: 3 M. 12% Pf. oder 31/8 pCt., während und auch der gegenwärtige Entwurf schlägt blos eine toir hier nicht des Näheren untersuchen. Nach unserer ein Steuerfuß von 3 pt. sonst nur für die Stufen von Geldstrafe im 4-10 fachen Betrage der unterschlagenen Ansicht hat man dabei, wenn es sich wirklich nur um über 9500 M. feſtgeſetzt ist und auch bei den höchsten Steuer vor. höchsten Steuer vor. Man wird in der Zukunft hier gewiß schärfer eine schonendere Heranziehung auch der mittleren Einkommen Einkommen nicht überschritten wird. vorgehen. Wer seine Steuer ganz oder theilweise hinterhandelte, vielleicht um 1/ 3-1/ 2 zu hoch gegriffen. Thatsächlich kann der Steuerfuß sowohl des bestehen- hält, schädigt nicht den Staat, dem gegenüber so viele, In der Begründung des Regierungsentwurfs wird den als des vorgeschlagenen Einkommensteuer- Gesetzes als namentlich auch die sogen. guten Bürger über ein unglaubeine mit der wachsenden Höhe des Einkommens fort- progressiv angesehen werden, der aber von einer beſtimmten lich weites Gewissen verfügen; der Staat wird seinen Beschreitende Steigerung des Steuerfußes, d. h. die Progression Söhe des Einkommens weg die Progreſſion nicht weiter darf so wie so decken und sich alsdann an den gewissenabgelehnt, und zwar weil sich dieselbe, ganz abgesehen von fortsetzt, sondern proportional wird. In dem bestehenden hafteren Bürgern und durch solche Steuern erholen, die den entgegenstehenden grundsätzlichen Bedenken, schon aus Ginkommensteuer- Gesez iſt dieſe Höhe mit 3000 m., in überhaupt nicht oder nur schwierig unterschlagen werden praktischen Rücksichten nicht empfehlen solle. Es ist dagegen dem vorgeschlagenen mit 9500 Wt. festgesetzt, in beiden können, wie die Zölle 2c. Der Steuerdefraudant schädigt zu bemerken, daß erstens der Progressivsteuer keine grund- wird die Marimalgrenze mit 3 pCt. erreicht. 3 pCt. des also seine Mitbürger durch Betrug und es ist gar kein tommen unter 9500 M. vorschlägt, schließlich ebenfalls Motive sowohl aus dem Grunde nicht höher festgesetzt in dieser Hinsicht durchaus der Franks. 3tg." zu, welche Degression, wie sie der Regierungsentwurf für alle Gin- ift derselbe zufolge der in der Begründung angegebenen trüger dent Strafgesetz anheimfallen sollte. Wir stimmen ine Progression ist. Es kommt nur darauf an, welchen worden, weil eine Erhöhung des Ertrages aus der die Steuerunterschlagung dem Kriminalstrafgesetz anheimSteuerfuß man als den zu Grunde liegenden, prinzipiellen Einkommensteuer nicht in Aussicht genommen sei, als auch, geben will. ansehen will, 3 pCt., womit alle Einkommen über weil eine derartige Erhöhung angeblich einen gefährlichen Es ist möglich und vor allem wünschenswerth, daß unter dem Einflusse der Selbstdeklaration in Verbindung untersten Steuerstufe( über 900-1050 M.) mit einem weise der Besteuerung zu entziehen, so z. B. durch Wechsel mit der Kontrole, welche die revidirte Erbschaftssteuer festen Steuersatz von 6 M. entsprechen. der Staatsangehörigkeit auch ohne Aufgabe des Wohnsizes bringt, in Preußen bessere Steuerfitten Plaz greifen, als Während daher unter dem Gesichtswinkel der in Preußen. Von diesen in der Begründung angegebenen sie jetzt herrschend sind. Degression und mit einem zu Grunde gelegten Steuerfuß von Motiven soll in anderem Zusammenhange die Rede sein.| Man setzt mit Recht voraus, daß dabei die Arbeit pCt. jede untere Einkommenstufe niedriger getroffen wird, Das meiste Interesse in der Regierungsvorlage kann der Einschäßung, der Erhebung und Kontrole wesentlich Wenn man sich jedoch hin auſieht, so er
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bildet die ganze Reihe zugleich eine Progression, wenn die in Aussicht genommene Selbstdeklaration in Anspruch erleichtert und vereinfacht wird.. man die unterste Steuerstufe zum Ausgangspunkt nimmt. nehiften.
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
lili da com
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lebenden Hecke umgeben ist, welche die Sonnenblumen und Er theilte ihr mit, daß ein Brief für sie eingetroffen Georginen nun hoch überragen, läuft der kleine Nanzi um sei, ein Geldbrief aus Wien . Sie können ihn gleich selbst her, wie ein eingefangenes Füllen. Die Pepi war, das in Empfang nehmen und so den Botenlohn ersparen. Kleinste am Arm, fortgegangen, sie kannte eine gute Frau, Franzel trat in das Postbureau und erhielt den Brief. die immer ein wenig, Ziegenmilch für sie und das Kleine Sie war ganz verwirrt. Wer konnte das sein, der ihr von übrig hatte, und sie hatte versprochen, auch dem Nanzi ein Wien aus Geld schickte? Räme es von ihrer Tante? Töpfchen zu bringen. ihr Erstaunen war nicht gemindert, als sie auf der Rückseite Dieser, durch den Jubel der Knaben aufgeregt und des Briefes Namen und Adresse des Absenders las: Ein darauf neugierig gemacht, war mit seinen kleinen Füßchen an der Marianne Schiller, Parkring. folgende Hurrahs begrüßten diese kühne That. Konnte es Hecke emporgeklettert und sieht nun darüber hinweg auf das
Haupt
etwas Schöneres geben? Wie auf einem Flußpferd saß er da glizernde Wasser und die bekränzten lärmenden Kinder, die schattet waren, unverwandt auf diese Zeilen gerichtet. oben. Schon frabbelte ein Zweiter, ein Dritter, ein Vierter sich auf demselben herumtreiben. Er schlägt die Händchen| hinter Gustel. auf den Ast, er trug sie Alle. Weiter unten zusammen in unsäglichem Entzücken und jubelt mit. Er gute Mirzel." aber fingen die übrigen Knaben das belaubte Flußpferd mit möchte auch dabei sein, auch einen Kranz haben, und hin- verloren. Striden auf, es wurde zurück remorquirt und auf's Neue unter schwimmen am Wasser. bestiegen. Und nun wurden die kleinen belaubten Zweige| abgerissen, und die Knaben wanden sie als Kränze um's
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" Das ist die Mirzel," flüsterten ihre Lippen, die Sie ging über die Brücke, wir traumEinmal warf sie einen flüchtigen Blick auf das Treiben Wie sein kleines Herz vor Verlangen ihm schwillt! der Knaben im Flusse, und ein schwaches Lächeln glitt über Er ruft ihnen zu sie hören ihn nicht. Mit der dies verstörte junge Gesicht. Gestern noch hätte die Freude sie fühlten sich wahrhaft als Sieger. Sehnsucht, hinaus zu kommen, wächst ihm der Muth. Mit der Kinder die gleiche Empfindung in ihr geweckt, heute war Es kam wohl vor, daß einer der Helden, der auf dem den Händen sich an die obersten Theile der Hecke klammernd, sie jeder Freude entrückt. schwankenden Ast saß, plößlich unter denselben kam und ins beginnt er mit der Geschicklichkeit eines Aeffchens Sie wendete den Kopf. Nein, Franzel, sie nicht weg! Waffer tauchte, aber gleich darauf schwang er sich wieder aufwärts zu klimmen. Er bejauchzt sein eigenes Beginnen, Wirf einen Blick, nur einen, nach der, Seite des Hauses, du
hinauf, und die Lust wuchs mit der Gefahr.
Welch Lachen und Schreien! Wie hell flangen die
der des Volkes.
Kinderstimmen und wie hell leuchtete die Morgensonne über in einem Bauernhof Unterkunft für die Nacht gefunden, und fällt kopfüber auf den vom Regen erweichten Boden. Es
Es liegt jene Poesie darin,
die
und er wächst höher und höher, der Freiheit entgegen! würdest das Kind bemerken, das an der Hecke empor geflettert ist. Um diese Stunde kamen die Franzel und Andreas, die Verlangend beugt es sich vorwärts, verliert das Gleichgewicht hat feinen Laut ausgestoßen und steht schon wieder auf den Bei der Fabrik machten sie Halt und lasen die Kund- Beinchen. Es hat erreicht, was es wollte, es befindet sich foto außerhalb der Hecke in Freiheit. Sie suchte ihm hierauf etwas verständlich zu machen,
die lichten Röpfe und die braunen Wangen. Welche unge durch den Ort. bändigte Jugendlust, welche Unbekümmertheit und Verwegenheit! Ein so überquellendes Glück kennen nur Rin- machung. gerade die Wermsten noch unverfümmert genießen, etwas das er, wie es schien, nicht begreifen wollte, dann gaben sie Worte, die Dir kaum etwas sagen, dort aber läuft ein unDon jener ursprünglichen Kraft, die an der Gefahr sich er- sich die Hände zum vorläufigen Abschiede. Andreas ging bewachtes Kind dem Wasser zu! Beide Hände streckt es der gött, und spielend bemeistert, was mit Verderben ihr droht. nach dem Hause des Pechers, fie ging weiter. Unweit der schimmernden Fluth entgegen. Es möchte den schwimmenden
In dem Gärtchen vor Hubers Fenster, das von einer Post wurde sie
Franzel! starre nicht so auf den Brief, hier stehen nur
von dem Postboten erkannt und angehalten. Aft erreichen, auf dem die Großen so fröhlich sich tummeln,