Weibliche Kriegsopfer.

Der Weltfrieg hat nicht nur das Leben von zwei Millionen deutschen Männern gefordert. Auch die Reihen der Frauen hat er gelichtet. Die Kriegsernährung forderte ihre Opfer sowohl unter den Mädchen wie unter den Knaben. Sie verschonte die alten Frauen so wenig wie die clten Männer. Haben wir nach dem Kriege schon bei den Männern die auffallende Tatsache zu fonsta­tieren, daß trotz aller Kriegsgefallenen die Zahl der Männer zwi schen 15 und 65 Jahren von 58,4 Proz. der männlichen Bevölkerung auf 62,6 Proz. im Jahre 1919 angestiegen ist, so hat sich diese Ent­wicklung bei den Frauen noch viel deutlicher bemerkbar gemacht. Bon der weiblichen Gesamtbevölkerung befanden sich vor dem Kriege 58,4 Proz. im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren. 1919 waren es 64,9 Proz. Der Geburtenausfall und das Masse fierben der Kinder und citen Leute im Krieg prägt sich in diesen Zahlen deutlich aus.

Hatte schon der Weltkrieg mit seiner Blockade Deutschlands für die nichtmobilisierten Bevölkerungsfreise solche vernichtenden Folgen, so ist gar nicht auszudenken, wie das bei einem zufünftigen Krieg werden soll, von dem heute in manchen Kreisen wie von einer Selbstverständlichkeit geredet wird. Es gibt sogar Frauen, die die dumme und gewissenlose Kriegshehe der rechtsstehenden Parteien mitmachen. Nicht wenige von diesen Frauen werden dabei denken, daß ihnen selbst ja nichts passieren fann. Sie haben noch nie über­legt, daß ein kommender Krieg nach der Verbesserungen im Flug­zeugwesen und nach bekanntgewordenen Erfindungen auf dem Ge­ticte der Kriegstechnik nicht mehr zwischen zwei Heeren geführt wird, sondern zwischen der Gesamtbevölkerung der friegführenden Staaten. Nicht mehr der Sieg über die feindlichen Soldaten, for dern die Bernichtung der Völker, clso auch der Frauen, Kinder und Greife würde das Ziel kommender Kriege sein.

Die weibliche friegsbegeisterte Schwärmerei von dem Helden­mut der Männer ist ein Beweis nicht nur für die Roheit, sondern auch für den Mangel an Dentfähigkeit dieser Frauen. Mögen uns ihre Kriegshehereien oft dumm und unwichtig erscheinen, so dürfen wir doch nie vergessen, daß sie damit den Boden bereiten für einen neuen Krieg mit allen feinen Schrecken.

Frauen im Krieg.

Zu den Frauen, die Erzähle doch, Georg" fagen, führt fein Heimweg. Zu den Französinnen, die einen Menschen, der seit 30 Stunden in dem von der Julisonne durchglühten Waggon schmachtet, das Trinkwasser verweigern mit der Croix- rouge­ ( Rote- Kreuz-) Binde auf dem Arm und dem Wasserkruge in der Hand verweigern!.. Zu den Hyänen, die wehrlose, erschöpfte, gottverlassene Gefangene, fern von Weib, Kind, Heimat, Mutter Sprache, einfam in feindlicher Gewait, als Boches" angespien Zu den deutschen Batriotinnen, die, weil achtzigtausend ruffischer Mütter Söhne in Günipfen elendig ersoffen sind, jauchzend die Fahnen vom Speicher holen, ohne Schauder, ohne Mitleid, ohne Empörung; ohne auch nur einen Augenblick daran zu denken, daß achtziglaufend ruffischer Mütter Söhne in Sümpfen elendig ersoffen sind, die Mutter, noch ein legtes Mal einen lieben Frauennamen gerufen. geröchelt. gefnirscht, geheult haben, che die etle Brühe für immer die Kehle füllte!. Zu selcher, nicht nur entweibter, nein, entmenfatter Weiblichkeit führt fein Heimweg."

( Aus einem im Frühjahr 1918 erschienenen Aufruf Frauen im Krieg". Verlag Max Rascher, Zürich .)

Der Zug ins Elend.

Süte dich nur und bewahre deine Seele wohl, daß du nicht vergeffest der Geschichte, die deine Augen gesehen haben. ( 5. Moses, Kap. 4, B. 9.) In wundervoller Vertonung, von hellen Knaben und dunklen Männerftimmen gesungen, hörte in dem Bibelvers in einem schönen Konzert und an einem Lage, der für mich eine große Bedeutung hatte. Im Ceifte fah ich mährend des Gesanges lange 3üge junger Menschen, groß, schiant, blühend, fast alle truge fie große gelbe Kartons in der Hand, wenige hatter Kisten, nur einige Koffer. Später, als der Krieg länger dauerte, tamen die Melteren, denen man des Lebens Gorge und Mühe schon ansah, und auch ganz Junge, denen das hineinwachsen in das Lebet noch vorbehalten war. Lange Züge gelber Kartons, die man nicht nergißt. Bei der Auslese wurden immer weniger Ansprüche a Größe, Gesundheit, schöne Glieder und Kraft gestellt. Aber immer noch versuchte man die Gesündesten und Stärksten zu erfassen. Widersinn, der im Kriege liegt.

Und dan, viele, viele Feldgraue, die verbereitet waren für den Kampf", Feldgraue mit Slab helm und Tornister, tausende taufende junge Menschen zogen täglich singend, mit Blumen geschmückt, durch die Straßen zum Bahnhof. Sprach man mit ein­zelnen, fam es heraus: es war ihnen gar nicht zum Singen. Befehl und Maffenfuggeflion. Jeder ließ etwas Geliebtes zurück. Jeder nahm Sorge brennende Gorge mit hinaus.

Viele famen nicht wieder, viele von denen die mit waren, fämpfen heute als Krüppel gemeinsam mit den alten Eltern, Freuen, Waisen der Gefallenen um färgliche Renten, und andere,

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die cheinbar gefund wiedergefommen find, tragen, dem gewöhn­lichen Auge unsichtbar, förperliche und seelische Leiden mit sich herum. Kultureller und geistiger Stillstand der vier Kriegsjahre( Still­stand ist immer Rückentwicklung) hing uns in den vergangenen Nachkriegsjahren wie Bleigewicht an. Und wehe den Besiegten! -Reparationen, Kohlenlieferung, Ruhrbesetzung, alles, was damit als Kriegsfolge zufammenhängt, grinst ganz höhnisch ins Gesicht, Einrichtungen, wie Mutter- und Kinderschutz, Jugendpflege, wenn wenn wir an den Auf- und Ausbau unserer Schulen, der sozialen wir an den Ausbau unseres Verkehrswesens unter Nußbarmachu‍ng aller technischen Fortschritte denken wollen.

Und wenn man dann heute die meisten Tageblätter liest, die doch täglich zu Millionen sprechen, wie viele von denen, die da schreiben und die in den Redaktionen fizet, haben die Geschichte vergessen, die ihre Augen gesehen haben"! Gie peitschen die Leiden­schaft auf im politischen Kampf, die zum Kriege hindrängt und ver­schließen sich der Stimme der Vernunft verantwortungslos. Den Gedanken des Völkerfriedens in allen politischen Hand­lungen zu betätigen und ihn durch die Presse zu propagieren, über­laffet sie den wenigen Demokraten und vor allem der Sozialdemo­fratie und ihrer Presse. Wir aber, alle, die wir an die Möglich= keit des Völkerfriedens glauben, nein mehr, auch davon wissen, wir dürfen nicht eher ruhen, bis eine sozialdemokratische Zeitung in jedem Hause gelesen wird. Marie Juchacz .

Vaterland und Krieg.

Das Vaterland den Leuten entreißen, die das Vaterland ge­pachtet haben, den Kasten des Militarismus und den Räuber­banden der Finanz allen Nationen die unbegrenzte Ent­wicklung zur Demokratie gestatten, das heißt nicht nur der Inter­nationale und dem internationalen Proletariat dienen, das heißt dem Vaterlande selbst dienen! Jean Jaurès ( ,, Baterland und Proletariat").

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Mut und Geschicklichkeit trifft man sowohl bei Straßenräubern wie bei Helden an. Der Unterschied ist nur der, daß der Landes­eroberer ein vornehmer und berühmter Räuber, der andere aber ein geringer und unbekannter Räuber, und daß der eine für seine Gewalttätigkeit Lorbeerzweige, der andere den Strang davonirägt. Friedrich II. ( genannt der Große").

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Der Prediger des Krieges ist des Teufels Feldpater. Altes Sprigwort.

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den Mord im Krieg zu belohnen. Es ist verkehrt, den Henker Es ist verkehrt, den Mord im Frieden zu bestrafen und

Menschenabschlachtungsinstrument, wie es der Säbel ist oder der zu verachten und selbst, wie es die Soldaten tun, mit einem Degen, stolz herumzulaufen. Berkehrt ist es, die Religion Christi, diese Religion der Duldung, Vergebung und Liebe, als Staatsreligion zu haben und dabei ganze Völker zu Menschenschlächtern heranzu­bitten. Gerhart Hauptmann .

Das schwache Geschlecht.

Ist es wirklich wahr, daß wir das schwache Geschlecht sind? Gerade den Frauen ist doch so vieles auferlegt, das größere Kraft und Stärke erfordert, als sie oft dem Manne beschieden ist. Im Alltagsleben fann sich beispielsweise die Kraft der Frau in solchem Maße bewähren, daß man von Schwäche des weiblichen Geschlechts nicht mehr reben kann. Und besonders in der jezigen Zeit, in der Millionen von Mädchen und Frauen erwerbend im Lebenstampf stehen müssen, zeigen sie euch die nötige Kraft. Am meisten ist es die Doppelbetätigung, die Hochachtung einflößen muß- ob der Viel­feitigkeit der weiblichen Fähigkeiten und Ausdauer

Da sind z. B. Frauen, die Mann und Kinder haben und in der Eile morgens diese mit dem Nötigsten versorgen müssen, auch die Stuben in Ordnung bringen, dann rennen fie fort, der Arbeit zu. Mittag, abend Haft und Last, faum ein Atemzug frei für den Genuß einer Freude am Fer schritt der Kinder, an einem flugen Wort, mit dem Manne gewechselt. Matt und müde ist der Geist, wie zerschlagen der Körper.

Und die jungen Mädchen, die in Geschäfte, Kontore, oder sonstige Arbeitsstellen gehen und doch zu Hause sehr tüchtig mit anfassen, Ge­fchwister oder Eltern verpflegen und das Eigene in Ordnung halten müssen. Und die Mädchen und Frauen, die für sich allein leben, aber auch in den Stunden, die ihnen die Berufsarbeit läßt. Haus, Kleider und Effen beforgen sollen. Aus dem Zustand des Verhebt­feins fommen fie faum heraus. Wer sich einfach in Pension begibt, hat es am besten. Aber für viele ist das zu teuer, und lebt die Familie am Ort. so ist natürlich jede am liebsten bei den Ihren. Ob wohl viele Männer das lange aushielten, ihre Kräfte so an zwei Enden zugleich aufgebraucht zu sehen? Audy jene arbeitenden Frauen, die einen Beruf haben, der im eigenen Sjeim ausgeführt werden kann, haben es nicht viel besser. Denn nur die wenigsten können sich so einrichten, daß sie von der einen Sadje leben.

Ein schwaches Gefchledy fönnte folche Leistungen nicht voll­bringen und diese Berhältnisse sind mit schuld daran, daß der meib­liche Organismus oft unterliegen muß und dann heißt es: die Frau fei untauglich zum Erwerb! M. H.