Versammlungsbesucherinnen gewagt. Als ein Erfolg der entfalteten Agitation darf es begrüßt werden, daß in Oberhöchstadt und in Stierstadt je eine weibliche Vertrauensperson aufgestellt worden ist. Die dringend notwendige gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiterinnen wurde zu fördern gesucht. Leider jedoch mit geringem Erfolg. Die Hauptursache daran liegt in dem andauernd schlechten Geschäftsgang, der bei uns, wo die Organisation noch jung und wenig befestigt ist, zu einem Rückgang der weiblichen und männlichen Gewerkschaftsmitglieder geführt hat. Der Fabrifarbeiterverband, die stärkste Organisation am Orte, verlor 84 von 100 Mitgliedern, 70 davon büßte er ein, weil die beiden größten Fabriken von Oberursel geschlossen wurden und viele der darin Beschäftigten abreisten. Die Zahl der organisierten Arbeiterinnen ist von 32 auf 6 gesunfen. Den Verlust wett zu machen und der gewerkschaftlichen Organisation weit mehr weibliche Mitglieder zuzuführen, als sie vor der Krise besessen, muß eine der Hauptaufgaben der Genossinnen sein. Es steht zu hoffen, daß die eingeführten Sprechstunden der Vertrauensperson dazu beitragen, den Arbeiterinnen die Augen für die Notwendigkeit zu öffnen, sich mit ihren Berufsgenossen zusammen der Organisation anzuschließen. Diese Sprechstunden finden abends von 8 bis 10 und Sonntags von 1 bis 4 Uhr statt. In denselben gibt die Vertrauens­person Auskunft über die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Arbeiterinnen und nimmt Beschwerden über ungesunde Arbeits­bedingungen und andere Mißstände entgegen. Teils durch Veröffent­lichung, teils durch Verhandlung mit den Unternehmern ist schon manchem schwer empfundenen Übelstand abgeholfen worden. Die Arbeiterinnen kommen in der Folge immer mehr zu der Einsicht, daß sie ihre Klagen der so schwarz gemalten sozialdemokratischen Frau" vertrauensvoll mitteilen können und bei ihr Verständnis und Hilfsbereitschaft finden. Die selbstverständlich unentgeltliche Auskunft­erteilung wird rege in Anspruch genommen und arbeitet der gewerk schaftlichen Agitation gut vor. Was unsere Arbeit auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet erschwert, soll uns nicht schrecken. Wir wollen fleißig und geduldig weiter im Dienste unseres Jdeals tätig sein. Unsere Losung ist: Vorwärts immer, rückwärts nimmer!" M. Jßbrücker- Oberursel i. 2.

Notizenteil.

Der Behnstundenkampf der Textilarbeiter in Crimmitschau .

Aller Härten des Kampfes ungeachtet stehen die Grimmitschauer Textilarbeiter und Arbeiterinnen noch in unerschütterlicher Solida rität zu ihrer Forderung. Sie wissen, daß sie für eine gute, eine gerechte Sache kämpfen. Um ihr Ringen zu kompromittieren, ihm die Sympathie weiterer Kreise zu rauben, schleuderten die Herren Fabrikanten neuer­dings die Verdächtigung in die Welt, daß die Arbeiter und Arbeite­rinnen gern den Kampf einstellen möchten, aber von den aufheßenden Führern in Berlin " daran gehindert würden. Zum Zwecke der Wider­legung dieser Verdächtigung ließ die Leitung der Ausgesperrten eine ge­heime Abstimmung nach Berufskategorien stattfinden. Dieselbe ergab folgendes Resultat: 5596 Arbeiter und Arbeiterinnen stimmten für die Fortführung des Kampfes und nur 116 für die Wiederaufnahme der Arbeit. Etwa 1000 Personen nahmen an der Abstimmung nicht teil, weil sie entweder schon von Crimmitschau abgereist waren oder aber im Dienste der Bewegung zu tun hatten. Mit der bekannten Un­parteilichkeit der Götter fuhren die städtischen Behörden fort, das Streitpostenstehen zu erschweren und zu bestrafen. Unter den Aus­gesperrten und allen anständig denkenden Menschen erregte es be­sonders flammende Empörung, daß auf Grund der Straßenpolizei verordnung eine 55jährige Frau verhaftet und bestraft wurde, welche in der Nähe einer Fabrik auf ihre Freundin wartete. Sie mußte diesen ihren Frevel mit einem Tage Haft büßen. Ebenso lehrreich wie die Tatsache an und für sich sind die Ausführungen, durch welche der Herr Amtsanwalt die Schuld der Frau nachwies. Er erklärte: Eine Hausfrau, welche sich von 3/49 Uhr bis in die zehnte Stunde auf der Straße herumtreibe, könne keine ordentliche Hausfrau sein. Die Frau gehöre nicht auf die Straße, sondern ins Haus. Die Arbeite­rinnen werden sich diese Äußerung hinter die Ohren schreiben. Sie er­warten, daß der Herr Amtsanwalt als konsequenter Mann mit ihnen zusammen dafür eintreten wird, daß die Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde täglich sie wenigstens für diese Sklavenrast" dem Hause, der Familie zurückgibt. Die Herren Textilbarone dürften da­gegen wohl faure Gesichter ob einer Auffassung schneiden, deren Über­führung in die Praxis zur Folge hätte, sie der billigen weiblichen " Hände" zu berauben und die Männer so anständig entlohnen zu müssen, daß sie allein für den Unterhalt der Familie aufkommen können.

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Die Ausgesperrten haben seither bereits die Form des Streifposten­stehens den behördlichen Nücken und Tücken angepaßt. Sie mieten Fenster in Wohnungen, welche in der Nachbarschaft der Betriebe Eine liegen, und beobachten von da aus, was daselbst vorgeht. Wohnungspolizeivorschrift, welche das Streifpoſtensitzen" verbietet, hat die biedere behördliche Weisheit bis dato noch nicht aufgestöbert. So bleiben die Posten unbehelligt und können obendrein ihres Amtes in aller Gemütlichkeit walten. Obgleich den Crimmitschauer Fabri­die kanten das Feuer der Marktlage auf den Nägeln brennt Saison verstreicht und die Muster für die neue sollten baldigst hin­auswollen sie doch bis zur Stunde von einer Verständigung nichts wissen. Ihr Sinnen und Trachten ist, die fämpfende Arbeiterschaft in einer Machtprobe zur bedingungslosen Unterwerfung zu zwingen und ihre Organisation zu zerschmettern. Je länger die Aussperrung dauert, und je öfter in ihrem Verlaufe die Arbeiter und Arbeiterinnen ihren ernsten Willen zum Entgegenkommen bewiesen haben, um so Aber flarer tritt die verwerfliche Absicht der Profitbarone zutage. ebenso fest wie ihre progige Steifnackigkeit ist bis jetzt der Mut, die Entschlossenheit der Ausgesperrten. Das fam in den sechs großen, außerordentlich gut besuchten Versammlungen zum Ausdruck, in denen Ende September die Genossen Eichhorn, Förster, Göhre, Grenz, Stücklen und Genossin Zetkin referierten. In der lebhaften De­batte ward unter Hinweis auf die Berechtigung, den kulturellen Wert der erhobenen Forderung zum treulichsten Ausharren aufgefordert. Eine entsprechende Resolution gelangte einstimmig zur Annahme. Es liegt auf der Hand, daß der langdauernde Kampf manche bittere Sorge, manche harte Entbehrung in das dürftige Heim der Grim­mitschauer Textilarbeiterschaft hineinträgt. Aber diese ist an Sorgen und Entbehrungen gewöhnt. Was sie so oft ertragen muß, weil es der Profitsucht oder der Laune ihrer Herren beliebt, die Arbeits­bedingungen zu verschlechtern: will sie freiwillig weiter auf sich nehmen, um bessere Arbeitsbedingungen zu erringen. Und so hat sich bis jetzt die Not als ohnmächtig erwiesen, Mut und Kampfes­freudigkeit zu ertöten. Den Männern gleich halten die Tausende von Frauen und Mädchen tapfer in der Bewegung aus. Wohl dringt mancher Mutter das Schwert des Schmerzes durch die Seele, den Speisezettel ihrer Kleinen noch färglicher gestalten zu müssen als gewöhnlich. Wohl seufzt mehr als eine ledige Arbeiterin bei dem Gedanken an die Miete, an die abgelaufenen Schuhe usw. Aber trotz allem Schweren, was die Aussperrung über sie und die Ihrigen verhängt, weisen die Spinnerinnen und Weberinnen den Gedanken an eine bedingungslose Unterwerfung zurück. Unverzagt harren sie aus und stärken durch ihren Zuspruch, ihr Beispiel hier und da die Energie der Männer. Sie sind sich flar bewußt, daß die Forderung, um die gestritten wird, ganz besonders im Interesse der Arbeiterinnen liegt. Hoffentlich tritt zu der einen Vor­der bedingung eines erfolgreichen Ausgangs der Bewegung entschlossenen und musterhaft ruhigen Haltung der Ausgesperrten eine andere Voraussetzung: die treue Solidarität der gesamten Arbeiter­klasse. Überall wo in der Textilindustrie das Kapital fühllos, ge= wissenlos lebendige Frauen, Männer und junge Leute an die Ma­schine schmiedet und goldenen Mehrwert aus ihnen herauspreßt, da bekunden die Ausgebeuteten durch Versammlungen, Resolutionen, Geldbeiträge ihre Sympathie. Verschiedene Gewerkschaften haben zur Unterstützung der wackeren Kämpfer in ihre Kasse gegriffen. Der Parteitag zu Dresden sprach ihnen in einer Resolution seine Sym­pathie aus und eine privatim veranstaltete Sammlung unter den Delegierten ergab ein rundes Sümmchen. Der reiche, unerschöpfliche Schatz brüderlicher Solidarität im Proletariat, der auch die Ärmsten zu freudigen Gebern werden läßt, wird hoffentlich die Crimmitschauer Textilarbeiterschaft in den Stand setzen, durch einen erfolgreichen Abschluß ihrer Bewegung Früchte ihrer Entschlossenheit und Ziel­klarheit zu ernten.

Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation.

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Die Errungenschaften der letzten Tarifbewegung für die Buchbindereiarbeiterinnen. Die Buchbindereiarbeiterinnen haben bei dem nun endlich erfolgten Tarifabschluß, der am 7. September zwischen dem Prinzipal- und Gehilfenverband in gemeinsamer Sitzung zustande kam, wieder eine kleine Lohnerhöhung erreicht. Die ma­teriellen Errungenschaften sind diesmal für Arbeiter und Arbeite­rinnen des Buchbindergewerbes zwar recht minimale. Immerhin dürfen sie nicht unterschätzt werden und sind befriedigend zu nennen, wenn man bedenkt, daß die Arbeiterinnen in diesem Gewerbe Arbeits­bedingungen und Löhne haben, die in vielen anderen Berufen für die weiblichen Arbeitskräfte leider noch nicht anzutreffen sind. Die Minimalſtundenlöhne in den drei Buchhandelsstädten Leipzig , Berlin und Stuttgart , für die der Tarif einstweilen Gültigkeit