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Die Gleich beit
tungsbehörden sollten Frauen einziehen, die mit der Arbeiterbewegung verwachsen waren.
Alle diefe Frauen waren von dem Wunsche erfüllt, für die notleidenden arbeitenden Massen zu wirken und hatten in dieser Arbeit das Gefühl, für die Volkswohlfahrt etwas zu leisten. Sie befanden sich auf einmal mitten in einer Tätig. teit, deren Erfolg sich nicht nur in einem Stimmenzuwachs bei den Wahlen zu erkennen gab, und dessen Wert auch dann nur den Einsichtigsten begreiflich werden kann, sondern in einer, deren Ergebnis in manchen Fällen doch wirklich sicht bar wurde. Sie wurden hineingezogen in das Getriebe der öffentlichen Verwaltung, von deren Fehler Väter. Brüder und Gatte soviel gesprochen und sie jahrelang befämpft batten. Sie standen nun mitten drin, zur Leistung berufen und konnten ihrer Weltanschauung hier durch die Tat Aus. druck geben. Das alles erfüllte sie mit Liebe für diese Arbeit. Aber das viele, doch Fremde, was auf sie hereinstürmte, ließ den Wunsch nach einem geistigen Mittelpunkt erstehen, der Busammenhalt und Führer war. Das zu sein, ist die Aufgabe der Ausschüsse, und aus dieser Aufgabe erwuchs ihnen bald cine neue: die Schulung der Parteigenossinnen für die Wohlfahrtspflege.
Es wird so oft geglaubt, eine Arbeiterin branche nicht die Schulung für die Wohlfahrtspflege, wie das Mädchen aus bürgerlichen Streifen. Daran ist wahres und Falsches. Die Arbeiterin fennt das Leben der Arbeiterfamilien, die Söhe ihrer Einnahmen und die Kosten des Lebensunterhaltes, der daraus bestritten werden muß. Sie kennt aus Erfahrung den engen Rahmen, der fich daraus ergebend das Leben der Familie einengt. Die Mädchen aus gutfituierten bürgerlichen Kreisen erfahren davon in den iozialen Frauenschulen oft zum erstenmal, und es ist das für sie ein erschütterndes Er. lebnis, was sie erst innerlich verarbeiten müssen. Das fällt für die Arbeiterin weg. Aber die Kenntnis von Haushaltsführung und Gesundheitspflege, die man haben muß, wenn mon in anderen Familien auf Crdnung und Sauberkeit und gesundheitliche Fürsorge hinweisen soll, müffen ebeniogut
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Kaftens vierzig saubere und gerade Striche gemalt, und jeder Strich galt einen Tag. Am Morgen aus dem Bett gesprungen und hingefniet und mit Wonne einen Strich ausgelöscht, das war der Brennpunkt und die Tat des Tages, das Ziel der ganzen Zeit, die auf irgendeine Weise vollends totgeschlagen werden mußte. Das bedeutete nichts anderes, als vierzig Tage an den Fingern abzuzählen, jeden Tag nur einen Finger, und jeden Augerbid bloß daraufhin anzusehen, daß er vorüber war, und die feierliche Ungeduld des Herzens zu bezähmen bis ja bis. Bierzehn Tage vor Weihnachten ereignete es sich wohl, daß cs an einem Abend, wenns dunkel war, ans Fenster klopfte; hoch oben über der Straße in der Etube im zweiten Etod! Das Herz stand einem still. Und wenn die Mutter so beherzt war, das Fenster zu öffnen und hinauszusehen, so sab fie eben noch das Christkind in den Himmel hinauffliegen, fie sah noch einen Bipfel feines werken Kleides. und auf dem Sims stand dann ein Tellerlein voll Aepfel und Gutsle. Dann wußte man das Christkind vergißt einen nicht. Aber acht Tage vor dem Fest am Abend stampft etwas die Treppe herauf, poltert an die Tür, ein Spalt acht auf und Nüsse rollen herein. Das ist ein Ecred, heillos! Denn ein ganz reines Gewissen hat man als Knabe nie, und der Pelzmärte hat eine rauhe Art mit Buben umzu gehen, ein Bär ist er.
Am Tage vor dem heiligen Abend war ich still und blaß vor Erwartung. Die Nacht schlief niemand auf der ganzen Welt, das glaub ich nicht, und dann frühmorgens war der Weihnach13= tag da. Der letzte Strich von vierzig. Aber eine Schnecke friecht nicht so langsam wie die Zeit. Am Nachmittag versteckten wir uns unter Fetten und Tischen vor heimlichem Echauern, bloß mein Bruder, der immer ein Lausbub war, ging einmal durch und wurde am Abend wieder heimgebracht von einem Feldhüter: er habe in allen Weinberghäuschen die Echeiben eingeworfen; wir anderen warteten uns das Herz ab und lauschten auf Geräusche hinter verschlossenen Türen, bis es Abend wurde und das Christfind blics. E3 blics auf einer winzigen glasfilbernen Trompete. Und dann, und dann ich war der jüngste
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wie die unentbehrlichen Grundlagen der Sozialpolitik auch von ihr erworben werden. Wie will sie einen Kindergarten einrichten, wenn sie nicht weiß, wie er seine Aufgaben für die förperliche, geistige und seelische Erziehung der Kinder erfüllen fann? Auch die Kenntnis unierer sozialpolitischen Geschg.bung, unserer Wohlfahrtseinrichtungen und die Grundzüge unseres Verfassungs- und Verwaltungsrechts muß die Wohlfahrtspflegerin beherrschen. Warum, erklärt sich einfach am Beispiel: Sie fommt zur Witwe eines Kriegs beschädigten, von der sie hört, daß sie sich in matericller Not befindet. Die Frau ist io ichuver vom Echicial gebeugt, daß sie nicht in der Lage ist, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen. Die Wohlfahrtspflegerin fann ihr nicht allein mit Mitleid und Aufopferungsbereitschaft heffen, wenn sie nicht genau weiß, auf welche Renten die Frau Anspruch hat, bei welchen Behörden von Reich, Staat oder Gemeinde sie beantragt werden müffen. Sie muß wissen, wo die Kinder untergebracht werden fönnen, wenn die Frou so weit erholt ist, daß sie vormittags etwas verdienen fann. Sie muß wissen, wo die Frau beraten wird, welchen Beruf fie ergreifen fann. Dazu gehört nicht nur ruhige Ueberlegung, sondern auch Sachfenntnis.
Die Berufsarbeiterinnen auf dem Gebiete der Wohlfahrtzpflege müssen eine umfassendere und andere Schulung baben als die ehrenamtlichen Kräfte. Aber auch die letteren müffen, menn ihre Arbeit wirksam werden soll, die gesetzliche und organisatorische Grundlage der Wohlfahrtspflege beherrschen. Altes ändern und Nenes schaffen kann man ja doch nur, wenn man weiß, was besteht, welche Wirkungen es hat, und welche Menderungen wirkliche Verbesserungen find Die Ausschüsse für Arbeiterwohlfahrt können durch Vorträge, Kurie ihre Mitarbeiterinnen belehren und muß diefe B- lehrung durch die schriftliche Aufklärung durch unfere Breffe, vor allem durch die Frauenzeitschrift Tie Gleichheit " ergänzt werden. Das schriftlich Vorgebrachte hat den Vorteil, daß sein Klang nicht im Chr verwehet", sondern daß es immer wieder zum Nachschlagen dienen kann.
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und mußte voran Herzklopfen und Glück und Lichter, und cine Festung und eine Apotheke.
In dieser alten, schöngeschnitten Apotheke bom Großvater her standen Mörser, die einen Klang gaben, und eine Wage mit Gewichtchen, und Töpfe und Krüge und Schachteln und Schubladen lockten, so wie es in der großen Apotheke war. Genau wie dort stand der lateinische Name an allen Tingen und sie gehörten mir, zum Essen und zum Verkaufen, ich brauchte sie nicht zu stibißen wie in Vaters Avotheke. wo der Bärendred, das Hustenleder, die Zibeben, die Mandeln und die Feinen in mir sehr gut bekannten Schubladen lagen. bereit, den Weg in unsere Hand und in den Mund zu finden. Aber diese Apotheke unterm Christbaum war doch tausendmal schöner als die rechte. Bloß daß das Christkind eines Weihnachtstanes, vielleicht im Trange der Geschäfte, sich auf die lateinischen Namen nicht mehr besann und wahllos seinen Tegen in den Schubladen verstreute. Als ich die crite froh herauszog, um nach der Aufschrift füße Mandeln zu finden, war Pfefferminz darin, und in der zweiten lag Schnupfpulver, Schneeberger statt gestoßenem Zuder; erst war ich bloß erschrocken über die Vergeßlichkeit und Flüchtig keit des Christkinds; aber als ich in dem dritten Fach statt Schokolade Wurmsamen vorfand, versiente der Tränenstrom, mit dem ich kämpfte, und ich fand die zornigenttäuschten Worte: D das Christkindle hat mi b'ichisse." Es war das erstemal in meinem jungen Leben, daß mein Glaube an etwas Heiliges erschüttert wurde.
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Später betrug sich das Christkind noch öfters so unlauter. Und ich habe es ihm nie verzeihen können, daß es mir einmal anstatt eines beißersehnten Märchenbuches den alten Kaiser brachie, rechts Moltke und links Bismard, alle drei in einem dicken Golde rahmen. Was gingen mich gemalte Uniformen an, wo ich nach alten Märchen verlangte? Seither haßte ich die drei, trotz aller Liebe, und wenn meine Vaterlandsliebe nachher einen argen Stoß erlitt und ich lange mit manchem nicht mehr einverstanden war, was der Kaiser tat, jo hatte er es dem Christkind von damals zu danten. ( Schluß folgt)