tief und feucht gelegener Orte, deren gedunsene Glieder die Energielosigkeit der Muskeln, und deren bleiche, gelbliche Hautfarbe die skorbutische Zersetzung ihres Blutes verrathen. Für ganz lokale Verhältnisse ist es wohl möglich, diesem Uebelstande eines Bauplatzes durch Ausgraben des sumpfigen Bodens und Ausfüllen desselben mit einer trocknen Isolirschicht von trocknem Flußsand 2c. theilweise abzuhelfen; aber bei einer einigermaßen größeren Ausdehnung des sumpsigen Terrains sollte eine solche Gegend immer als Baustätte menschlicher Wohnungen aufgegeben
oder vermieden werden.
Das geeignetste Füllmaterial für den Baugrund ist trockner, am besten geglühter Sand oder Koaks; hingegen ist es verwerf lich, alten Bauschutt hierzu zu verwenden, da dieser häufig feucht und fast immer mit Pilzkeimen und Verweſungsstoffen behaftet ist, und man sich bei ibnen stets der Gefahr aussetzt, den Hausschwamm gleich auf das neue Haus zu übertragen.
Auch die Richtung der Gebäude nach der Himmels gegend ist ein wichtiges Moment. Nach Norden zu belegene Wohnungen bleiben in unfrem Klima immer falt und feucht, da sie der wohlthätigen Strahlen der Sonne entbehren. Für die Hauptfronten empfiehlt sich daher die Richtung nach Osten oder nach Westen, und hauptsächlich die Südseite. Bei Neuanlagen müßte entschieden mehr auf diesen Umstand Bedacht genommen werden. Noch wichtiger aber ist die Höhe der Gebäude im Verhältniß zur Weite der Straße. In größeren Orten sind die Häuser meist zu hoch zur Straßenbreite. Es wird dadurch den unteren Geschossen das Licht und die Wärme genommen und der Luftwechsel behindert, so daß sich eine lokale Atmosphäre bildet, welche stets mit Verunreinigungen geschwängert ist, die die Gesundheit der Bewohner schädigen müssen. An einer auf beiden Seiten bebauten Straße dürfte die Höhe der Häuser nicht mehr als die halbe Breite der Straße betragen. Ueberhaupt können nur unter ganz besonders günstigen Umständen höher als drei Stock hoch belegene Wohnungen ohne Nachtheile für die Bewohner bleiben.
Auch die Wahl des Baumaterials ist für die Gesundheit der menschlichen Wohnungen von Wichtigkeit. Frisch gebrochne Kalksteine sogleich zu verwenden, ist verwerflich, da sie, so ver
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wendet, nie die Eigenschaft verlieren, Feuchtigkeit anzuziehen und zurückzuhalten. Auch Sandsteine geben fast stets den Wohnungen etwas Feuchtes. Man kann sich davon in Dresden , wo solche Sandsteine zum Bauen benutzt worden sind, leicht überzeugen. Aus demselben Grunde sind vollständig hölzerne Häuser und solche mit Lehmwänden ohne Cementbezug eigentlich nicht zum Wohnen geeignet, obschon sie noch häufig auf dem Lande anzutreffen sind.
In Städten baut man jetzt meist mit gebrannten Ziegeln, einem an sich ganz guten Baumaterial. Nur begeht man hier häufig den Fehler, daß man zu sparsam mit dem Baumaterial ist und daß man die neugebauten Häuser zu früh bezieht. Der Mörtel, mit dem die Ziegeln verbunden werden, trocknet nämlich nur in dem Verhältniß aus, als er sich chemisch verändert, d. h. durch Aufnahme von Kohlensäure aus der Luft in tohlenfauren Kalt umgewandelt wird. Je reichlicher nun ein Gebäude von trockner, warmer Luft durchströmt wird, um so schneller wird dieser Vorgang beendet sein, desto eher wird es mit Putz beworfen und bezogen werden können. In eng gebauten, der austrocknenden Wirkung der Sonne und der Winde wenig zugänglichen Stadttheilen kann dieser Prozeß nur sehr langsam vor sich gehen. Wird aber ein solches Haus bezogen, ehe es ganz ausgetrocknet ist, so tritt dann eine vollständige Austrocknung, zumal wenn es auf einem feuchten Grund gebaut ist, oft gar nicht ein. Durch die Ausdünstungen der gewöhnlich sehr zahlreichen Bewohner tränken sich die Wände dieser der Luft wenig zugänglichen Wohnungen schon wieder von außen mit Feuchtigkeit, ehe noch der innere Theil getrocknet ist. Dadurch wird der Luftaustausch durch das Mauerwerk vollständig verhindert. Die Luft dieser Wohnungen ist daher immer eine feuchte, die Schimmelbildung und Moderwucherung, der Schwamm und das Faulen des Holzes geben sich dem Eintretenden sofort schon durch den dumpfigen Geruch zu erkennen. Solche Wohnungen sind unzweifelhaft ungesund. Außer skrophulöser und skorbutischer Blutentmischung entstehen auch Reizungen der Brustorgane, Brustbeklemmungen, Ohnmachten und Schwindelzufälle. Wie die Menschen, leiden natürlich auch die eingeführten Möbel und Sachen und werden durch die fortwährende Feuchtig= ( Fortießung folgt.) keit verdorben.
Im Abendgrau'n an des Palastes Pforte Steht, um ein Obdach bittend, die Idee, Und sicher scheint es ihr an solchem Orte; Ihr Kleid ist weiß und makellos wie Schnee, Und tiefer rührt, als ihre scheuen Worte, Um ihren schönen Mund ein Zug von Weh Und so, mit auf der Brust gekreuzten Armen Und feuchten Augen, fleht sie um Erbarmen. Da naht mit weinumnebeltem Gehirne Der Herr des Hauses, streng und würdevoll; Er schilt die Fremde eine lose Dirne,
Er hebt die Faust zum Schlag in finsterm Groll. Wie auf der glatten, furchenfreien Stirne Des Zornes böse, steile Ader schwoll, Wie in die Schläfe schoß des Blutes Welle! Er weist gebietend sie von seiner Schwelle. Sie hat von ihm und seinem rohen Zanken Mit müdem Blick sich trauernd abgewandt Sie legt in tiefen, schmerzlichen Gedanken Auf ihre reine Stirn die schlanke Hand; Wund ist ihr Fuß und ihre Kniee wanken Und dennoch schreitet sie hinaus in's Land, Um ungebeugt, in rührendem Vertrauen, Nach Schutz und Obdach weiter auszuschauen. In niedrer Hütte heißt man froh erschrocken Willkommen sie als einen lieben Gast, Und glättet ihr mit schüchternem Frohlocken Den groben Pfühl für eine lange Rast;
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Sie schlummert bis zum Hall der Morgenglocken Viel süßer als auf Daunen im Palast,
Und sie gelobt sich selbst in ernstem Schweigen, Zum armen Manne nun hinabzusteigen.
Vision.
Und als das Spiel der irren Morgenlichter Durch Weingerank und blinde Scheiben brach, Da bot ein Bild, wie es im Traum ein Dichter Zuweilen schaut, das ärmliche Gemach. Im Kreis verhärmter, bleicher Angesichter, Aus denen Hunger, Noth und Sorge sprach, Stand schlank und stolz, mit rosig frischen Wangen, Die fremde Maid in ihrer Schönheit Prangen. Es war ein seltsam sonnenhaftes Leuchten,
Es war ein Glühen, still und wunderbar, In diesem schönen, dunkelblauen, feuchten, In diesem großen, tiefen Augenpaar, Dess' Blige sieghaft Alles von ihr scheuchten, Was menschlich- edel nicht und schlicht und wahr, Und das ein Bürge war der großen Wendung, Die angebahnt durch sie und ihre Sendung. Sie sprach in weichen, flagenden Accenten Von der Enterbten und Verstoßnen Noth, Und daß kein Gott vom Himmel werde senden Ein Engelheer, von heil'gem Zorn durchloht, Um allen Jammer, alle Qual zu enden Durch seiner Allmacht zwingendes Gebot, Daß sich das Volk erheben muß zur Fehde Aus eigner Kraft so schloß sie ihre Rede. Wie haben die verkümmerten Gestalten, Die von der Mühsal lange schon erschlafft, Und deren Stirnen tief gefurcht von Falten, Zu fühler Haltung mählich sich gestrafft! Wie sich die Fäuste unwillkürlich ballten Dem Knaben selbst in heißer Leidenschaft, Und wie, im Bann des Zaubers, die Berauschten
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In athemlosem, tiefem Schweigen lauschten!