Kunstfleißes dem Auge der Vorüberwandelnden darbieten� Zwischen ' den Fenstern des Entresols befinden sich reiche Basreliefs und Marmor- statuen der berühmtesten Männer Italiens . Darüber läuft ein zierlicher Balkon mit reich vergoldetem Eisengußgelünder, das hundert Relief- Medaillons trägt, die in Gold auf rothem Grunde die Wappen der größeren Städte Italiens zeigen. Die kostbar verzierten Fenster der oberen Etagen werden von gewaltigen Marmorpfeilern eingerahmt; und die letzte der Etagen wird in einer Höhe von 3ö Metern von 26 kühn gewölbten eisernen Bogen überspannt, deren Glasbedachung freien Aufblick zu dem Azur des italischen Himmels gestattet. Der Fußboden der Galerie ist zum Theil mit Lava, theils mit Metall- mosaiken■ gepflastert, deren Centren die Wappen von Mailand und England zeigen. Die Abendbeleuchtung der Galerie ist eine wahrhaft feenhafte: neben riesigen Lichtsonnen strömen 2ö0(i Gasflammen eine fast blendende Tageshelle aus. Den Erbauer der Galerie, den genialen italienischen Architekten Mengoni, ereilte ein tragisches Schicksal: er stürzte von einem in der Höhe der Galerie angebrachten Gerüst herab und war auf der Stelle todt. G. — Eine Lücke im Studium der Vererbungsgesetze.(Photogenea- graphie.) Maitz sagt in seiner Anthropologie Seite 18:„Die Mühe, welche man sich gegeben hat, die Art und Weise der Abhängigkeit zu erkennen, in welcher die eigenthümliche leibliche Begabung der Nach- kommen von der ihrer Eltern steht, scheint bisjetzt ganz vergeblich ge- Wesen zu sein."— Diese Wahrnehmung das Herrn Waitz wundert mich nicht; mich befremdet es nicht, daß es weder den Anthropolen noch den Genealogen gelingen will, einigermaßen verläßliche Naturgesetze über das Vererben der Eigenschaften auf Blutsverwandte zu entdecken. So- lange wir auf diesem Gebiete nicht den Boden der exakten Beobachtung betreten und beobachtete Thatsachen über Vererbungsvorgänge genea- logisch in Bildern fixiren und aufsammeln, ist es unmöglich, empirisch eine Regelmäßigkeit im Vererben zu entdecken, geschweige kausale Natur- gcsetze über das Vererben festzustellen.— Von dieser Ueberzeugung ausgehend begann ich vor einigen Jahren, unter den größten Schmie- rigkeiten in allen Volksschichten vom deutschen Kaiser und vom Fürsten Bismarck bis zum Bettler und zum Geisteskranken, nach solchen Ver- erbungsthatsachcn zu fahnden, welche, in Massen zusammengestellt, allein uns dereinst den Gang und die Gesetze der Blutsvererbung werden auf- schließen können. Ich suchte nämlich das erforderliche Forschungs- Material zunächst in den Ahnenporträts, welche in den Familien- gallerien der Geburtsaristokratic, wenn auch mehr oder weniger lücken- Haft, sich vorfinden mußten. Ich wandte mich zu diesem Zwecke an ji viele Familien, namentlich auch an die Herrscherfamilien Deutschlands und deren Hofmarschallümter. Im Interesse der Anthropologie und Geneagraphie bat ich, mir photographische Kopien der Ahnenbilder und die Portraits ihrer blutsverwandten Zeitgenossen nebst genealogischem Kommentar als Forschungsmaterial zu übermitteln.— Der Erfolg dieses meines Rundschreibens war im ganzen ein enttnuthigender. Mehrentheils mochte man draußen die große Bedeutung eiuer solchen � endlosen Sammlerarbeit noch unterschätzt haben. Ich hatte zwar weder Zeitopser gescheut, noch Organisationsauslagen gespart, welche mit einem derartigen Unternehmen verknüpft sind; dafür erhoffte ich von meinem Rundschreiben— leider aber vergebens— eine große Ausbeute an Porträtmaterial, so daß es mir als Unterlage zu einem vergleichenden analytischen Beobachten der Vererbungsthatsachen dienen könnte. Rur Porträtstammbäume vermögen uns ja die ersten Ausgangspunkte zur Beantwortung der Fragen zu bieten, ob aus viele Generationen hinaus in der Blutsvererbung z. B. das konscrvirende, oder ob das differenzirende, variirende Prinzip im Vererben vorherrscht, und ob selbst das individuelle Disserenziren, welches in den Descendenten immer zu Tage tritt, schließlich nicht dennoch im Grunde nur ein strengeres Konserviren, ein Wiederaufwccken, ein Reproduziren viel älterer Slam- meseigenthümlichkeiten(Atavismus) ist. Solche allgemeine Fragen, aus deren Lösung sich eine große Reihe von Naturgesetzen über Bluts- Vererbung ableiten ließe, veranlaßten mich, wie gesagt, in vielen vor- nehmen Häusern, bei vielen adeligen Geschlechtern, in welchen ich das Vorhandensein alten Porträtmaterials vermuthete, um Anlieferung photographischer Kopien der Blutsverwandten-Porträts anzuklopfen. Von den Fürsten , die ich anging, war der Herzog von Coburg der- jenige, welcher mir mit den werthvollsten Porträtbeiträgen aus der herzoglichen Aszendenz an die Hand ging. Er ließ mir für meine genealogisch-anthropologischen Studien eine erste Serie von 90 Ahnen- Porträts in ununterbrochener Linie von 1367 bis auf die Jetztzeit hinabreichend photographisch aufnehmen und mir zur Verfügung stellen. An anderen deutschen Höfen wurde ich mit meinen Gesuchen von den Oberhofmarschallämtern an die Hausmarschallämter und schließlich von i diesen an die einzelnen Schloßverwaltungen, in deren Bereich die Porträts der Ahnen zerstreut sind, verwiesen. So waren die Schmie- rigkeiten, Vererbungsthatsachen da, wo sie reichlich vorhanden sind, im Interesse wissenschaftlicher Forschung zu sammeln, anfangs für mich fast unübersteiglich. Wenn ich heute, trotz diesen Mißerfolgen meiner früheren Bestrebungen, die alte Sammelarbeit wieder ausgreife, und im geneagraphischen Porträtsammeln und Porträtordnen den Grundstein zu einem neuen Zweige der Anthropologie, zur Photogeneagraphie legen möchte, so werde ich dazu ermuthigt durch die interessanten Aufschlüsse, welche ich aus dem spärlichen Porträtmaterial, welches mir bereits zu- geschickt worden ist, erhalten. Die wenigen Bilderreihen, welche ich über Blutsverwandte besitze, lassen schon jetzt merkwürdige, ja wahrhaft wunderbare Thatsachen aus allen Vererbungsgebieten durchblicken. Es fehlt zur Begründung einer fruchtbaren Porträtgeneagraphie weiter nichts, als ein besseres Entgegenkommen des Publikums im Anliefern von Familienporträts. Dieses Entgegenkommen in dem Leserkreise unseres Blattes zu wecken, ist mit der Zweck der nachfolgenden Ab- Handlungen über diesen Gegenstand. Ich bin überzeugt, daß es uns gelingen wird, die alte, geburtsaristokratische Genealogie mit der neuen Descendenzlehre zu einer neuen, sozialpolitischen Lehre zu verknüpfen, zn einer Lehre, welche eine der Unterlagen unserer künftigen gesell- schaftlichen Ordnung bilden wird. Dr. H. Oidtmann. Der Diebstahl im alten Aegypten. Zu den originellsten Ein- richtungen des alten Aegyptens gehörte die Organisation des Diebs- gewerbes. Ob die Gesetzgeber erkannten, daß zwischen dem öffentlichen Diebstahl aus allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens und dem ge- Heimen, meist durch Roth und Elend veranlaßten, im Grunde genommen kein Unterschied besteht, oder ob es nur Nützlichkeitsrücksichten waren, welche sie bei dieser Organisation leiteten, das muß dahingestellt bleiben; die Historiker betonen nur den Nützlichkeitsstandpunkt. Es waren Be- Hörden eingesetzt, bei denen diejenigen Personen, welche das Diebs- gewerbe betreiben wollten, sich einschreiben lassen mußten. Der Ehes einer solchen Behörde hieß Diebshauptmann. Diesem Hauptmann mußte nun, nachdem der Diebstahl vollführt war, sofort das Gestohlene unter Angabe der Zeit, des Namens des Bestohlenen u. s. w. vorgezeigt oder übergeben werden. An den Diebs Hauptmann wandte sich auch der Bestohlene. Er hatte ein schriftliches Verzeichniß aller vermißten Gegenstände zu überreichen und dabei Ort, Tag und Stunde des Ver- lustes so genau als möglich anzugeben. Der Bestohlene hatte den vierten Theil des Werthes zu bezahlen und erhielt dafür die gestohlenen Gegenstände zurück. Nach Abzug der Kosten wurde die Zahlung, welche er geleistet, dem Diebe ausgehändigt.— Es kam nun freilich nicht selten vor, daß die Diebe die Behörde umgingen und ibren Diebstahl nicht zur Anzeige brachten. Dann wurden in Ermangelung von Poli- zisten die— Orakel in Bewegung gesetzt, um die Thäter zu ermitteln, wobei es wie bei den Kietzergerichten zuging; auf bloßen Verdacht hin wurden zahllose Unschuldige in Strafe genommen.— Im allgemeinen erfreute sich die gesetzliche Organisation des Diebsgewerbs eines großen Ansehens und niemaud nahm daran Anstoß.— Es ist übrigens noch garnicht so lange her, daß auch bei uns ein gesetzlich gehegtes und ge- pflcgtes Diebs- oder Betrügergewerbe bestand. Wir meinen das so- genannte„Weißkäufer"-Gewerbc, bei dem das Publikum unter Mitwirkung der Polizei aus die schamloseste Weise ausgebeutet wurde. Von Katze und Bienen erzählt der amerikanische Bienenvater Charles Kaiser folgende interessante Geschichte. Als ich meinen Bienen- stock aufgestellt hatte, erregte das Thun und Treiben dieser kleinen. Thiere die gespannteste Aufmerksamkeit»reiner alten Katze Tabby, die nie vorher in ihrem Leben Bienen gesehen hatte. Zunächst beobachtete sie das Gehen und Kommen derselben aus der Ferne. Dann schlich sie mit wagrechtem, vor Aufregung zitternden Schwänze dicht am Boden hin dem Stocke zu: sie dachte augenscheinlich, Bienen seien für sie ein neues Beutethier. Endlich setzte sie sich neben das Flugloch und schlug mit der Pfote nach jeder passirenden Biene, ohne eine Zeitlang die Beachtung der Bewohner des Stocks zu erregen. Da aber traf Tabby eine Biene und zerdrückte sie ans dem Flugbrette. �Der Geruch des getödteten Kameraden alarmirte sofort den ganzen Stock. Schaaren- weise drangen die gereizten Thierchen hervor und fuhren in das Fell der Katze. Tabby rollte sich im Grase, sprudelte, fauchte, biß, kratzte und schrie, wie wohl noch nie eine Katze geschrien hatte. Sic sah aus wie ein Ball von Haaren und Bienen, als sie so daherrolltc. Endlich wurde Tabby mittels eines Rechens von der gefährlichen Nähe des Bienenstocks fortgezogen, wobei der Befreier jämmerlich zerstochen wurde. Selbst dann noch stak das Fell der Katze voll Bienen, die fortwährend unerhört quäkte und fußhoch in die Luft sprang. Wenn sie sich am Ohre kratzen wollte, erhielt sie wieder einen Stich in den Rücken, sodaß es ein fortwährendes Purzelbaumschlagen und ein Schnellfeuer von „Miau" war. Old Tabby war übel daran.— Zwei oder drei Tage nach diesem Abenteuer setzte Kaiser die Katze neben den Bienenstock. Aber sogleich erhob sie ein schreckliches Geschrei und sprang mit einem Satze auf den reichlich zwei Meter hohen Zaum. Dann sprang sie mit einem Schwanz so dick wie Nudelholz und mit einem Schrei in's Freie und war eine Woche lang unsichtbar. Dr. B.-R. Der Karneval mit seinen Maskeraden, der heutzutage bloßes Vergnügen ist, war einstmals Religion. Bei der Geburt des neuen Jahres tanzen in Hiiiterasicn, im Lande Tibet , noch heute Thiermasken zn Glassa, dem dortigen Rom , im Kloster Monn. Vorher geht das Fest der Austreibung der bösen Geister, bei uns die Geburt Christi. Das Hauptland der Maskeraden war im Alterthum Aegypten, von
Issue
3 (16/02/1878) 20
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