sm seiner bescheidenen Wohnung, nachdenkend über die Zukunft nes Vaterlandes, über das Glück und die Freiheit der Völker; id dann besuchte er wieder im Stillen seine armen Freunde, röstete die Betrübten, öffnete seine Börse den Verzweifelten und richtete selbst die Schuldigen wieder auf.

Nichts konnte ihn bewegen, seiner Zurückgezogenheit zu ent­sagen, auch nicht die wiederholte Wahl zum Mitglied der republi­tanischen gesetzgebenden Versammlung( 1848), die er stets ablehnte. Sein Haus war das eines Glücklichen, Weisen, welcher gelernt hat, was seiner Seele frommt. An seiner Tafel saßen täglich Auserwählte seiner Freunde, darunter die berühmtesten Franzosen jener Zeiten, und andere, welche nicht mit ihm zu Tische jizen fonnten, sandten auserlesene Geschenke, um diesen zu schmücken. um ihn walteten, da er sich niemals verheirathet hatte, seine alte

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Tante Merlot und eine Freundin seiner Jugend, Mademoiselle Judith Frère. Diese Freundin war ein edles und geistig hoch­begabtes Weib, und ihr Andenken verdient als das der treuesten Pflegerin, welche jemals einem Dichter seine Lebensstunden ver­süßt, der Nachwelt bewahrt zu bleiben.

Im Jahre 1850 verließ der Dichter Passy, um sich in einer bürgerlichen Pension zu Paris einzulogiren. Seine außerordent­liche Freigebigkeit hatte die kleinen Ersparnisse aufgezehrt, aber er empfing mit derselben Freude auch ferner seine Bekannten und bewahrte sich jenen Frohsinn, der ihm angeboren war. Von Paris nahm er bald wieder Abschied und siedelte nach Beaujon über, wo er sich noch drei Jahre vollster Gesundheit erfreute. Als er indeß wieder nach der Hauptstadt zurückkehrte, fing er an zu kränkeln.

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Brotueid unter Künstlern. ( Seite 575.)

Noch hielt er die gewohnten Zusammenkünfte mit seinen Freunden; noch entsagte er seinen gewöhnlichen Spaziergängen nicht, auf welchen er von Alt und Jung voll Verehrung begrüßt wurde. Wenn er so festen und doch leichten Schrittes dahinging, und sein außergewöhnlich großer Kopf, von dem die wenigen blonden, fast garnicht gebleichten Haare über die Schultern herab­fielen, hätte er den Begegnenden mit den großen blauen Augen scheue Achtung abnöthigen können, wenn nicht aus seinem Antlitz auch die gewinnendste Herzensgüte, aus seinen Blicken, die im Zorn oder in der Begeisterung flammend aufleuchteten, und deren Ausdruck niemand vergessen konnte, die Wilde und Weichheit seiner Seele, ja, zuweilen eine sanfte Schwermuth gesprochen hätte. Auf diesen Spaziergängen schuf er übrigens fast alle seine Lieder.

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Bald war er gezwungen, jene Vereinigungen und die ge­wohnten Promenaden aufzugeben. Dies, sowie neue Geldverluste

und Verdächtigungen von seiten seiner Feinde stimmten ihn mehr und mehr traurig. Die Frische seines Gedächtnisses fing an ab­zunehmen, und die Aerzte waren bereits im Jahre 1856 darüber einig, daß Béranger einer Herz- und Leberkrankheit zum Opfer fallen müsse.

Der Tod der armen Judith( 1857) stimmte den Dichter nur noch trüber. Er vermochte ihre Leiche kaum bis au's Grab zu geleiten. Bald darauf folgte er der Freundin nach.

Der Mund, den so oft das heitere Lächeln des Wohlwollens oder der leise, ironische Spott umschwebt, er fing an irre zu reden; die lebendige und harmonische Stimme verlor nach und nach ihren Klang; der Dichter, der ganz Frankreich in einen Taumel feurigster Begeisterung gerissen, er saß da, ermattend an Leib und Seele.

Und doch sind nur wenige so schön gestorben wie Béranger; doch hat nur selten die Liebe so das Krankenbett eines Dichters