Man speiste zu Mittag. Morgenroth fühlte sich bewegt und aufgeregt. Er sollte erzählen, er sollte über Freimann berichten, ihn schildern. Die Worte erstarrten ihm im Munde. Er mußte sich gewaltsam bezwingen.-Dann kam der Kaffee.
Man
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brachte Kuchen und Zwieback. Man lachte, man scherzte. Morgenroth lachte auch, aber jedesmal überlief es ihn eistalt, wenn er nach Elisabeth hinübersah, der man Glück wünschte zu ihrer ( Schluß folgt.) Brautschaft.
Tanz und Religion.
Kulturgeschichtliche Stizze von Friedr. Volkmar.
Wie sich in den Tänzen und Spielen der Kinder das heitere| Architektur, Plastik und Malerei, welche alle in ihren Anfängen und fröhliche Wesen der Kindheit am vollkommenſten ausspricht, bis zu ihrer völligen Reife und Selbständigkeit an den Brüsten so spiegelt sich auch in den Tänzen der Erwachsenen der Cha- der Religion genährt und sozusagen unter der Obhut dieser gerafter sowohl der einzelnen wie ganzer Völker reiner und deut- waltigen Geistes- und Gemüthsmacht aufgewachsen sind. Denn licher wieder, als in so manchen andern, bei weitem beachteteren der Kultus der Götter nahm in dem Leben der älteren Zeiten Kulturerscheinungen. Denn im innigsten Zusammenhange mit und Völker eine weit wichtigere und ausschließlichere Stelle ein, der Denkart und dem Charakter eines Menschen oder eines als in dem unsrigen. Es wurden ihnen nicht nur Opfer geVolkes steht auch die Art, sich zu vergnügen und zu erheitern, bracht, Thiere und in den ältesten Zeiten Menschen geschlachtet, d. h. was für uns am wichtigsten ist, auch zu tanzen. Ernste von deren Fleisch und Blut sie sich nach der kindlichen Anschauund zumal politisch gedrückte Zeiten werden deshalb ernste und ung jener Tage ernähren sollten, zu ihrer, der Götter, Ehre und gemessene Tanzarten hervorbringen, während umgekehrt in Zeiten Erheiterung, oder um sie freundlich und gnädig zu men, von regem geistigen und politischen Leben auch die Tänze rascher, wurden an ihren hohen Festtagen auch allerlei Spiele gespielt freier und lebendiger sind. So hatte die erste Hälfte des vorigen und vor allem getanzt und gesungen. Bei unsern germanischen Jahrhunderts ihre steifgraziösen Menuetts voll gespreizter Würde Vorfahren, wie bei fast allen alten Völkern, war dies namentlich an den hohen Festtagen der Sommer- und Wintersonnenwende, und lächerlicher Geziertheit, in welchen sich das unterdrückte Selbstgefühl der Menschen jener Zeit, namentlich des sogenannten dem heutigen Johannis- und Weihnachtsfeste, wie zur Frühjahrsdritten Standes, Luft machte und oft bis zu unschöner häßlicher und Herbstzeit der Fall. Man tanzte in heiligen Hainen vor Tändelei verirrte. In der zweiten Hälfte dagegen, und nicht den Standbildern der Götter, oder, soweit diese nicht vorhanden minder in unserem vielgepriesenen und vielgeschmähten neun waren, vor den Bäumen, Felsen 2c., in denen man die Götter zehnten Jahrhundert, treten die Rundtänze( Polfa, Walzer 2c.) wohnen glaubte, unter feierlichen Gesängen und heiligen Gemit ihren rascheren Wirbeln und paarweisem Dahinfliegen immer bräuchen. Namentlich waren die Ostertänze zu Ehren der alten mehr an die Stelle der älteren geselligen Tänze( Contre, Qua- Frühlingsgöttin Ostera, welche das Wiedererwachen der Natur drille 2c.) und bilden deshalb ein bedeutsames Zeichen unserer feierten, sehr beliebt und über ganz Deutschland verbreitet. Ja Beit, das näher zu untersuchen wir uns für eine spätere Nummer Reste derselben haben sich bis auf den heutigen Tag in unsern der Neuen Welt" vorbehalten. Oster- und Pfingsttänzen, in einigen Orten, wie im Anhaltischen, auch Pfingstgelage genannt, erhalten, wie denn unser christliches Osterfest noch heute den Namen jener alten, heidnischen FrühSo unzerstörbar sind jene lingsgöttin unverändert fortführt. alten, volksthümlichen Vorstellungen und Gebräuche, so festgewurzelt in der Seele des Volkes, daß sie von Geschlecht zu Geschlecht, von Jahrhundert zu Jahrhundert sich fortpflanzen, und wie sehr sie auch ihre Gestalt im Laufe der Zeit geändert haben mögen, doch immer noch Zeugniß ablegen von den Zeiten, aus denen sie stammen. Und wir fühlen uns durch sie wie durch ein geistiges Band mit jenen Tagen unserer alten heidnischen Vorfahren verknüpft und freuen uns dieser fümmerlichen Ueberreste einer längst entschwundenen Zeit, wie sich der Enkel freut, der in einem unbeachteten Winkel seines Hauses von dem ehemaligen Reichthume seiner Väter plöglich einige seltene und köstliche Münzen findet. Lebt doch in solchen Resten alter Gebräuche noch ein Stück uralten Volkslebens, das seinen Werth wie gediegenes Gold durch seine unzerstörbare Dauer erwiesen hat, und das wir schon darum heilig halten sollten, und nicht immer ist das neue auch das bessere!
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Wie jede Zeit, so hat auch jedes Volt besondere Tänze. Man könnte deshalb von Zeit- und National- oder Volkstänzen sprechen, insofern die ersteren nicht wie die letzteren nothwendig an die Eigenthümlichkeit eines bestimmten Volkes, das sie hervorgebracht hat, gebunden sind, sondern nur einer bestimmten Zeit, gleichsam der Laune oder der Noth eines Jahrhunderts ihr Dasein verdanken und zu gleicher Zeit von verschiedenen Nationen geübt, und getrieben werden. Dies ist namentlich in der neueren Zeit der Fall, welche die Unterschiede der Nationen, ihrer weltbürgerlichen Tendenz getreu, auch in den Tänzen immer mehr zu verwischen bemüht scheint, während die eigentlichen Vollstänze, wenigstens ihrer Entstehung nach, fast durchweg den früheren Jahrhunderten angehören, ja mit ihren ersten Anfängen oft in die fernste Vorzeit eines Volkes zurückreichen. Von dem wich tigsten Einfluß auf die Entstehung und Entwicklung derselben ist unstreitig das Temperament, d. h. die Naturanlage eines jeden Volkes gewesen, die wiederum zum Theil durch die klimatische Beschaffenheit des betreffenden Landes bedingt wird. Unter der heißen Sonne Spaniens und Italiens rollt das Blut schneller und feuriger durch die Adern, als in dem kühlen germanischen Norden. Demgemäß loht auch in dem Nationaltanze des Spaniers wie des Italieners, dem Fandango als in der Tarantella , südliches Feuer und die glühende Leidenschaft des romanischen Volkscharakters, während die Volkstänze unserer deutschen Heimat, der langen Winterruh und unserer deutschen Schwerfälligfeit entsprechend, fast durchweg eine größere Ruhe und Beschaulichkeit zur Schau tragen: in ,, Großmutter will tanzen!" u. s. f., worin sich die Langsamkeit und Bedächtigkeit der deutschen Natur, verbunden mit einem Zuge von Humor, wie er uns eigen ist, unseres Erachtens sich vollkommener ausdrückt, als in dem sonst als deutschen ,, Nationaltanz" verschrienen Walzer. Aehnlich verhält es sich mit dem Czardas des Ungarn , dessen vibrirende Melodien im raschen Wechsel von größter Schwermuth und ausgelassener Lust, sowie die eigenthümliche Tanzart eine tiefe mühsam verhaltene Leidenschaft aussprechen, wie sie dem ungarischen Bolfscharakter eigen ist, und ähnlich verhält es sich mit allen echten Volkstänzen.
Schon bemerkt wurde, daß der Tanz, und zwar wahrscheinlich bald nach seiner Entstehung, in den Dienst anderer Kulturmächte, hauptsächlich der Religion, getreten sei. Er theilt dieses Schicksal jedoch mit fast allen andern Künsten, Musit, Dichtkunst,
Das Christenthum trat freilich gegen den religiösen Tanz, als eine heidnische Unfitte, welche mit der neuen Lehre und deren Gebräuchen unverträglich schien, von Anfang an mit Heftigkeit auf. Zuerst mag es wohl der heilige Bonifazius, der Apostel der Deutschen , gewesen sein, welcher im Jahre 743 auf dem Konzil zu Leptines diese höchst unchristliche und heidnische Sitte, von welcher seine Neubekehrten, wie von so manchem andern Anstößigen und Aergerlichen auch als Christen nicht lassen wollten, mit dem größten Nachdruck bekämpfte und wirklich auch Der Bischof Burchard von strenge Gebote dagegen erwirkte. Worms wiederholte dieselben in seinem Beichtspiegel vom Jahre 1024; dennoch war er ebensowenig wie das Konzil zu Würzburg vom Jahre 1208, welches den Uebertreter des gegen die religiösen Tänze ergangenen Erlasses mit einer dreijährigen Kirchenbuße bedrohte, im Stande, diese tief eingewurzelte Volkssitte auszurotten. Sie klammerte sich vielmehr wie ein zähes Schling= kraut an dem Kultus der Kirche selbst fest, und führte unter christlichem Namen ihr altes Leben noch lange fort. Ja sie blühte im siebzehnten Jahrhundert, also beinahe tausend Jahre nach Einführung des Christenthums noch so, daß der Jesuit Mentries in seinem 1682 erschienenen Buche über alte und neue Ballete erzählt: er selbst habe noch gesehen, wie in einigen Kirchen
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