Keiner, der es mit den Fortschritten der Kultur und der Gesell­schaft ernst meint, sollte sich denselben verschließen und eine unab­hängige Würdigung derselben, selbst wenn sie die Verneinung der der­zeitigen eigenen Existenzen einschließen würde, verwerfen. Nur die volle und klare Einsicht, frei von teleologischem Beigeschmacke, kann hier Frucht bringen.

Der detaillirte Nachweis des hier gesagten für die Industrieent wicklung Rheinlands und Westfalens würde zwar zu weit führen, auch fehlt es uns hierfür an genügendem Materiale, aber wenigstens in einem Beispiele, dem alle anderen mehr oder weniger konform sind, sei der Beweis hier erbracht.

Die Entwicklung der Steinkohlenindustrie stellt sich nämlich für Rheinland und Westfalen von 1860 bis 1878 wie folgt:

Jahr

Gesammt= Jahresbeitrag

in Centnern

Gesammt Anzahl der Arbeiter

Gesammt anzahl der Werke

Durchschnitts Anzahl der Ar­beiter pro Wert

1860 135 359 800

46031

328

140

1878 495 549 942

102073

242

422

Jahresbeitrag in Centnern pro Arbeiter

2938

4855

Hieraus resultirt mit Evidenz die zunehmende Konzentration und hiermit in Verbindung die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit. Erwägt man noch, daß im Laufe der Jahre auch die humanitären Vor­schriften in Bezug auf den Normalarbeitstag verschärft wurden, so tritt der technisch ökonomische Fortschritt in Proportion mit der progressiv zunehmenden Centralisirung des Betriebes um so lebhafter in die Augen.

Die Leistungsfähigkeit der rheinisch- westfälischen Industrie ist eine verhältnißmäßig hohe und das dankt sie neben ihrem natürlichen Reichthume an Erzen und Kohlen, sowie dem ausgedehnten Transport­wesen hauptsächlich ihrem ausgeprägten Hange zur Großindustrie.

Daß die allgemeine Geschäftslage in den letzten Jahren eine äußerst schlechte, ist längst bekannt, und daß es in dieser Beziehung auch heute noch nicht besser steht, kann man von neuem auf der düsseldorfer Ge werbeausstellung studiren. Wenn nicht die Produktion sehr stark ist, so ist dieses doch desto mehr der Fall mit der Anzahl der beschäf­tigten Arbeiter und mit der Erzielung des Reingewinnes, über welch leẞtere Verhältnisse uns in Düsseldorf hauptsächlich die Bergwerks­direktion zu Saarbrücken in musterhafter Darstellung Aufschluß gibt, während wir bei Privatwerken vergeblich nach diesbezüglichen Dar­legungen suchten.

Gottfried Wilhelm von Leibnitz( Schluß). Nach Leibniz ' philo­sophischer Auffassung sind die Hauptepochen in der Entwicklung der Dinge Leben(= Monade) Seele und Geist. Diese sind aber durch eine Reihe von Mittelgliedern verbunden, und als ein Zeitgenosse des Leibnitz durch seine Untersuchungen gezeigt hatte, daß sich die Insekten in Rücksicht der Respirationsorgane den Pflanzen näherten, schrieb er: Indessen finden sich vielleicht noch außerdem Mittelwesen zwischen beiden."" Hat sich diese nebst ähnlichen an anderen Stellen ausgesprochenen Vermuthungen nicht glänzend bestätigt durch die fast zwei Jahrhunderte später zutage geförderten Resultate der Naturfor­schung, namentlich Darwins! Wenn es keine Lücke in der Stufen­reihe der Entwicklung zum Vollkommneren gibt, so kann im Menschen das Reich des Lebens auch nicht seinen Abschluß finden, er müßte denn das vollkommenste Wesen sein. Das ist er aber nicht, denn er ist ein beschränktes Individuum und mit ihm die Stufenreihe unterbrechen hieße das Gesetz der Kontinuität aufheben. Nach Leibniz nimmt der Mensch unter den gesammten Wesen des Alls die Mitte ein und es ist deshalb ,, auch vernunftgemäß, daß Wesen von vorstellender Kraft unter und über uns sind." Vom Menschen aus müßten sich demnach noch eine unendliche Reihe von Wesen bis zur unendlichen Vollkommenheit entwickeln. Ihrer höhern Natur wegen können wir sie uns nur un­deutlich vorstellen, weshalb auch ein deutliches Erkennen derselben unserer­seits nie möglich sein wird. Aber dem Gefeß der Analogie entsprechend, müssen sie vollkommenere Individuen, höhere Geister, durchsichtigere Körper, mit einem Wort Genien sein, in die sich vielleicht der mensch­liche Geist nach der Metamorphose, die man gemeinhin Tod nennt, verwandelt, um in immer höheren Verwandlungen zu immer höherer Vollkommenheit zu gelangen. Der menschlichen Phantasie mag es un­benommen bleiben, auf diesem Felde zu allegorisiren und zu spekuliren, für die Philosophie geht mit den fehlenden klaren Begriffen und kon freten Anhaltspunkten auch das Interesse verloren, sich ernsthaft damit zu befassen. Der höhere Organismus ist eine Gesellschaft von Mo­naden, beherrscht von einer Centralmonade. Wenn nämlich die un­zähligen Monaden ebenso unzählig verschieden sind, so ist damit ihre höhere und niedere durch ihre Qualität bedingte Organisation gegeben. Das Niedere ist aber dem Höheren stets untergeordnet und es besteht infolge dessen zwischen den niedern und höchsten Monaden das Ver­hältniß der Unterordnung, welches bei der aufsteigenden Stufenreihe als weitere, nähere und nächste Verwandtschaft erscheint. In der Mo­nade als solcher bildete Seele und Körper eine unmittelbare Einheit, das Verhältniß von Seele und Körper im höheren Organismus ist da gegen nächste Verwandtschaft. Beide Verhältnisse sind sich in der Unter­ordnung insofern gleich, als im ersten Falle ein Moment dem andern,

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monade

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im zweiten ein Individuum dem andern untergeordnet ist. Jede höhere Monade muß Centralmonade sein und sie wird umsomehr ihr durch Verwandtschaft nahestehende Monaden um sich vereinigen müssen, jemehr sie in ihrer deutlichen Vorstellung, d. h. in ihrem Körper zu vereinigen im Stande ist. Die dominirende Monade erscheint als die Seele, die subordinirten als der Körper, in Wirklichkeit ist jedoch der früher ge­schilderte Charakter der den Organismus bildenden einzelnen Substanzen unverändert. Nur die Subordination des Niederen unter dem Höheren und der Affinität des ersteren zum leßteren hat dieses Verhältniß herbei­geführt. Fehlt aber in einer Vereinigung von Substanzen die Central­was zur Voraussetzung haben muß die Verbindung von beschränkten Individuen so gibt es teine Unterordnung, Gliederung, sondern nur einen Haufen, dem das Prinzip der wirklichen Einheit gänzlich mangelt. Solche Verbindungen erscheinen uns als unorganische Körper, unter deren sie bildenden Einheiten Koordination herrscht, während die organischen Körper systematische Einheiten sind, deren sie bildenden einzel­nen Monaden nach dem Gesetz der Subordination geordnet wurden. Alle Monaden sind Kräfte, nach dem Gesez der Analogie herrscht dem­nach unter ihnen die größte Einförmigkeit; sie unterscheiden sich jedoch durch den Grad ihrer Bildungsstufe, woraus sich das zweite Gesez, das der Kontinuität, also die allmälich aufsteigende Entwicklung, erklärt. Da also Einheit und Mannichfaltigkeit in der Natur herrschen, so herrscht auch Form und Ordnung. Verbindet sich aber die größtmögliche Ein­heit mit der größtmöglichen Mannichfaltigkeit, so bewirkt dies vollkom­mene Ordnung oder Uebereinstimmung, d. h. Harmonie. Die harmo­nische Verbindung der Monaden ist erst möglich durch deren oben er­wähnte kontinuirliche Abstufung, welche andererseits in ihrer Ver­schiedenheit ihren Grund hat. Es sind die kleinen Vorstellungen", welche die Lücken ausfüllen und die Sprünge in der aufsteigenden Ent­wicklung vermeiden. Da aber die einfachsten Einheiten nur ihren Körper vorstellen, so ist es die körperliche Natur der Monaden, aus der die Verschiedenheit resultirt. Leibniz sagt: ,, Wenn die Dinge frei oder befreit von der Materie wären, so würden sie in demselben Augenblicke losgerissen sein aus dem Weltzusammenhange und gleichsam Deserteure der Weltordnung". Damit bezeichnet er die Materie als das Band, welches die Monaden verbindet und als die Bedingung der Harmonie. Aber Leibniz lehrt außerdem noch die prästabilirte Harmonie. Es ist bereits erwähnt worden, daß der Mensch nicht die Reihe der Entwicklung abschließt, sondern daß es außer ihm noch höhere für uns wegen unserer beschränkten und verworrenen Vorstellungen nicht wahrnehmbare Wesen gibt. Jede Entwicklung muß aber einen Abschluß und ein Ziel haben. Strebt jede Monade nach einer höheren, so muß es eine höchste geben. Diese höchste ist Gott . Er ist das Ziel und die Ursache aller Dinge. Tragen die Monaden den Grund ihrer Handlungen in sich, fönnen sie von außen nicht beeinflußt werden, so sind sie dagegen nur durch einen göttlichen Schöpfungsaft entstanden und können auch nur durch Gott ver­nichtet werden. Die Monaden sind nach Leibniz von nichts abhängig außer von Gott ." Hat Gott kraft seiner Allmacht alles geschaffen, so ist dieses infolge seiner Weisheit und Güte auch das beste. Die Welt ist nicht blos die bewundernswürdigste Maschine, sondern auch, soweit sie aus Geistern besteht, der beste Staat, der den Geistern die größt= mögliche Freude und Glückseligkeit einträgt." ,, Weil Gott diese Welt, so wie sie ist, gewählt hat, darum ist sie die beste." Gegen diesen Optimismus ist auch das in der Welt vorhandene Uebel kein stichhal­tiger Beweis, denn dieses ist die nothwendige Folge der Beschränktheit aller Dinge. Das Wesen des Uebels hat nach Leibniz kein positives, wirkendes Prinzip, sondern besteht vielmehr in dem, was die wirkende Kraft nicht that. Das Uebel ist ihm eine aus der Existenzmöglichkeit des Alls hervorgehende Macht, die existiren muß, um überwunden zu werden. Er führt deshalb auch des näheren aus, wie alles Ungemach nie im Stande gewesen sei, den Fortschritt zum Guten aufzuhalten und hat die felsenfeste Ueberzeugung, daß der Menschengeist schließlich die Glückseligkeit der Menschheit erringen werde. Faßt man den Gottes­begriff nicht in dem beschränkten theologischen Sinn auf, so ist auch dieser Theil der leibniz'schen Lehre viel erträglicher, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Sehr gewagt ist es wohl auch nicht, wenn man den Gott mitsammt der prästabilirten Harmonie aus seinem System fortläßt, liegt doch die Vermuthung allzu nahe, daß Leibniz damit nur Rücksicht auf die herrschenden Anschauungen seiner Zeit genommen hat. Strenggläubige Geistliche zu Hannover hielten ihn so schon für einen Atheisten, weil er die Kirche nicht besuchte und das Volk verwan­delte seinen Namen in ,, Lövenix( Glaubenichts)". Auch die Thatsache, daß seiner Leiche nur sein getreuer Sekretär Eckhart folgte, dürfte be­weisen, daß der von allen Seiten mit Ehren überschüttete Mann sehr vielen, namentlich auch seinen hochgestellten Gönnern unsympathisch war. Eine Aeußerung des Chr. Thomasius: ,, Man hat gesagt, Leibniz werde den Bodin( ein französischer Schriftsteller von ziemlich skeptischer Richtung) herausgeben... Hätte er es gethan, so wären noch wenigere seiner Leiche gefolgt," zeigt nur allzudeutlich auf die Ursachen dieser Antipathie. Das ursprüngliche Dasein der Monaden, ferner der Um­stand, daß alle Dinge im Universum aus Monaden gebildet sind, dann ihre eminente Entwicklungsfähigkeit, führen den einigermaßen scharf Denkenden zu so radikalen Schlußfolgerungen und stellen so rücksichts­los das ,, Ebenbild des Schöpfers" mit dem unscheinbarsten Wesen auf eine Stufe, daß uns das schließliche Verhalten der Zeitgenossen des Leibniz nur zu erklärlich erscheint. Als besonders wichtig verdient noch hervorgehoben zu werden das Bestreben Leibnit', die Lage der niedern

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