und der Wind bläst einmal zu sehr, so läßt man einfach den Spaß, bis das Wetter günstig ist.

Ungleich schwieriger und anstrengender als das horizontale Fortbewegen bei ruhiger Luft würde für den Flieger das Auf steigen, das Emporfliegen sein, dessen Möglichkeit jedoch nicht aus geschlossen, sondern daran gebunden ist, daß man genügend große Flügel, resp. Flächen anbringt, welche das Zurückfallen durch Druck auf die Lust möglichst reduziren.

Ist für das Schweben nur nöthig, daß der von einem Flügel­schlag zum andern durchfallene Raum durch die Arbeit der Flügel­bewegung immer wieder eingebracht wird, also Fallraum und Steighöhe sich gleich sind, so verlangt das Emporsteigen, daß letztere den Fallraum übersteigt.

Nach der von mir oben gegebenen ungefähren Berechnung würde für das Schweben eines Menschen, der mit Flugapparat 75 Kilogramm wiegt, etwa 7,5 Kilogrammmeter erforderlich sein. Hierzu würde noch der Betrag der durch Reibung in den Ge­lenken u. s. w. absorbirten Arbeit kommen, die mit 3 Kilogramm­meter veranschlagt, zu der zum Schweben nöthigen theoretischen Leiſtung von 7,5 Kilogrammimeter addirt, als erforderliche Kraft­leistung die Summe von 10,5 Kilogrammmeter ergibt. Da der Mensch, und zwar mit den Beinmuskeln, auf furze Zeit ganz gut eine Arbeit von 20 Kilogramımmeter zu leisten vermag, so würden nach Abzug der für das Schweben nöthigen Leistung noch ca. 10 Kilogrammmeter für das Aufsteigen übrig bleiben. Diese Arbeitsgröße würde hinreichen, um die gegebene Last von 75 Kilogramm unter Voraussetzung aller vorhin angegebenen Verhältnisse in 2 Minuten an 15 Meter emporzuheben.

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Auch die Flugmaschinen mit Dampfbetrieb können die Kraft entwickeln, um sowohl das Aufsteigen als auch das Schweben zu ermöglichen, wenn sich nur die Kraft vermittels gehörig großer und geeigneter Flügel oder anderer Vorrichtungen die aber immer als wichtigste Attribute mächtige Fläche und Leichtigkeit besitzen müssen die nöthige Stüßfläche und Wirkungsbasis in der Luft verschaffen kann. Zur regelmäßigen Anwendung der Dampf- Flugmaschinen zu Vergnügungszwecken wird es wohl aber ebenfalls niemals kommen, weil die Benutzung derartiger eiserner Riesenvögel stets mit allerlei Gefahren verbunden sein muß. Man denke, daß die kleinste Flugmaschine nicht unter 20 bis 30 Meter Flügelspannung zu haben wäre, weil die treibende Maschine selbst schon bei 1 Pferdestärke eine Last von einigen Centnern reprä­sentirt. Was also von der ganzen Luftfliegerei sich möglicherweise realisiren wird, das ist das Fliegen einzelner Menschen mit Hülfe eines im wesentlichen aus großen Flügeln bestehenden, vielleicht auf den Rücken geschnallten Apparates, bewegt von der eigenen Muskelkraft, und es ist vielleicht manchem von Interesse, wenn die allgemeinen Erfordernisse eines brauchbaren Flugapparates noch schließlich kurz angeführt werden.

Das Urbild und Muster der Flügel bieten die Fittige der Vögel. So wie diese müssen sie erstens äußerst leicht sein, da­mit das unthätige Heben der Maschinenbauer würde sagen: der Leergang oder der todte Hub derselben schon an sich so wenig als nur möglich Kraft erfordert. Sodann ist es nöthig,

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daß die Flügelflächen beim Emporheben die Luft an allen Stellen durchlassen, weil sonst ein schädlicher Luftwiderstand erwächst, der den fliegenden Körper nach unten zu bewegen strebt, außer­dem unnöthig Kraft verbraucht. Die Flügel müssen sich genau, wie die der Vögel, beim Emporheben gewissermaßen ventilartig öffnen. Beim Abwärtsschlagen der Flügel dagegen muß das Gegentheil eintreten: jeder Flügel muß sich in seiner ganzen Fläche dicht schließen, damit nicht der mindeste Luftdurchtritt stattfinden kann. Die Flügel der Vögel sind ganz regelrecht nach diesen Prinzipien eingerichtet, wie sich jeder überzeugen kann. Flugapparate, bei denen diese Einrichtung an den Flügeln fehlt, werden niemals zum Fliegen tauglich sein; vermuthlich liegt hier auch der Hauptgrund, daß bisher noch keiner der gebauten Flug­apparate viel mehr gewesen ist, als ein Haufen vergeudetes Ma­terial. Ferner müssen die Flügel, wiederum gleich den natür­lichen Vorbildern, nach unten zu etwas konkav sein, um das seitliche Entweichen der Luft möglichst zu vermindern.

Als für die Bewegung der Flügel am geeignetsten müssen die Beine bezeichnet werden, weil nur deren Muskeln die nöthige Stärke besißen. Die Bewegung des zur Lenkung vielleicht an­gebrachten Schwanzes oder Steuers würden die Arme übernehmen können. Die übrigen speziellen Einrichtungen, die sich vielfach erst aus praktischen Versuchen ergeben würden, müssen demjenigen überlassen bleiben, der sich den Ruhm erwirbt, der erste zu sein, der einen praktischen Flugapparat schafft.

Die Arbeit des Schwebens ließe sich noch durch Zuhülfenahme eines kleinen Ballons in etwas erleichtern, freilich dürfte der Hülfsballon nicht größer sein, als dadurch die Widerstandsfähig­feit des ganzen Apparates gegen Luftströmungen nicht zu ſehr beeinträchtigt wird.

Ob die Anwendung eines in ungefähren Umrissen angedeu­teten oder eines andern Flugapparates zu Vergnügungs- oder Ausnahmezwecken eine dauernde, wie die der Schlittschuhe, oder eine zeitweise, vorübergehende, wie die der Velocipeden, sein würde, das läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Es würde dies haupt­sächlich darauf ankommen, in welchem Grade das Fliegen an­strengen und ob zu regelrechtem Fliegen erst die Erlangung einer Virtuosität sich als nöthig erweisen würde.

Lernt man die Flügel so leicht herzustellen, daß man ihnen eine genügende Größe geben kann, ohne das Gewicht zu sehr zu ver­mehren, so wird auch das Fliegen nicht allzu anstrengend sein, und es liegt alsdann in der Möglichkeit, daß das Vergnügen, mit Storch und Stieglitz in Konkurrenz zu treten, ein allgemeines und dauerndes, eine willkommene Leibesbewegung unserer, durch die Arbeit der Maschine von den Lasten mechanischer Arbeit be­freiten Nachkommen werden wird.

Wir sprechen heute, wenn wir, gelockt vom schönen Wetter und der frohen, freien Natur, der Prosa der Werkstatt und des Berufes auf einige Stunden entfliehen und eine Vergnügungs­partie unternehmen, oft bildlich von einem Ausfluge- im etwai­gen Zeitalter des Flugapparates würden lustige Gesellschaften von Herren und Damen alsdann im buchstäblichen Sinne des Wortes- Ausflüge veranstalten.

Mein Freund, der Klopfgeist.

Eine Spiritistengeschichte aus dem letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts. Von H. E. ( VI. Wintersturm am Weihnachtsabend draußen und im Herzen.

Wunder und Schrecken der Gespensterstunde.)

Wie ein Eisbär muß ich anzusehen gewesen sein, als ich ohn­gefähr dreiviertel Stunden vor Mitternacht am Weihnachtsabend nachhause kam. Es schneite Lawinen; ein furchtbarer Wind trieb die riesengroßen Flocken vor sich her, wirbelte sie wild durch­einander und drohte den Verwegenen, der sich auf die Straße wagte, umzuwerfen und unter stockwerkhohen Gebirgen des sich fest zusammenballenden Schnees zu vergraben, zu ersticken. Ein Unwetter da draußen und ein Unwetter da drinnen im eigenen sturmdurchwühlten Herzen!

Ich kam von meiner Braut! Heute hatte sie mich in ihr Haus eingeführt, heute war sie ihrem Mütterchen bitterlich schluch­zend um den Hals gefallen und hatte ihr endlich gestanden, was Mutterscharfblic längst erkannt, daß ihr Kind liebe rein und innig und ewigtreu. Und ich der Geliebte war vor die Mutter hingetreten, hatte sie um die Hand des Töchterleins ge­

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beten, dessen Herz ich seit vielen Monden schon mein eigen wußte, hatte die zitternden Finger der alten Frau auf meinem Haupte gefühlt, die Thränen in ihren matten, beinahe erblindeten Augen blinken sehen und den aus tiefstem Mutterherzen kommenden heißen Segenswunsch lispeln hören, den die Alte für das Glück des einzigen Kindes am Weihnachtsabend, der neu geweiht wurde durch des Mädchens Geständniß, zum Himmel schickte. Ursache genug hatte ich gehabt- nicht nur heftig bewegt zu sein, sondern auch glücklich, mindestens doch so glücklich, als ich es war an jenem Julitage, dessen sich der freundliche Leser wohl erinnert. Aber ich war nicht glücklich, nicht zufrieden ich sah nicht heitren, hoffnungsfrohen Blickes in die Zukunft.

Was ich heute gethan hatte, war nicht das Werk meines vollen freien Willens gewesen. Von Anbeginn unserer Liebe war mir der Gedankel, von meinen Gefühlen, die so unerwartet und überwältigend über mich gekommen waren, zu irgend einem dritten Menschen zu sprechen, nicht angenehm gewesen.

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