nicht seiner Person, wol aber dem vom Volke übertragenen Amte die gehörige Achtung zu erweisen.

Als einst fünfhundert Bewohner von Hundwyl durch einen Gemeindeprozeß aufgeregt, sich vor der, eine halbe Stunde von der Ortschaft Teufen entfernten Wohnung des Landammanns Zürcher einfanden und das Oberhaupt ihres Freistaates bei dem Ausbessern des Daches beschäftigt sahen, schickten sie zwei Ab­geordnete die Leiter hinauf, um ehrfurchtsvoll um Gehör ersuchen zu lassen.

Ruhig und gelassen ging Zürcher in sein Haus hinab und er­klärte den beiden Abgeordneten:" Ihr habt gegen Eid und Pflicht diese Menge zu mir gefürt, um mir eine ungesezliche Ermäch tigung abzupressen. Ich befehle euch, laut dem Eide, welchen ihr eurem Lande geleistet habt, diese Leute zu beruhigen und heim­zufüren."

Zürcher war beim Volke allgemein beliebt und hohe Ver­ehrung zollte die Masse dem echten Volksmanne. Ein Sohn des Ein Sohn des Zürcher war in eine schwere Strafe verfallen, der Landrat glaubte aus Rücksicht gegen den Vater die Strafe mildern zu können, wurde aber von demselben daran verhindert. Landammann Zürcher , so wird uns berichtet, erhob sich von seinem Plaze und

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richtete folgende ernste Mahnung an die Betreffenden: Mein Sohn stet unter dem Gesee, wie jeder andre Bürger; euer Wol­wollen rürt mich; allein in Betracht der Folgen verlange ich die volle Anwendung des Gesezes."

Dieser Fall stet zwar in der Geschichte nicht vereinzelt da, beweist aber doch die edle Denk- und Handlungsweise des Staats­manns, der keine tiefklassische Bildung aufweisen konte, dem wol die altrömischen oder griechischen Vorbilder unbekant sein mochten.

Die spätere, resp. neuere Geschichte beider Kantonshälften gehört der allgemeinen Schweizergeschichte an, kein hervorragendes, außergewöhnliches Ereignis oder Verhältnis tritt in den Vorder­grund des staatlichen Entwicklungsganges. Was immer im Wechsel der Jarzehnte in den andern Kantonen der Schweiz verändernd und umgestaltend einwirken mochte, in Appenzell blieben die alten, urdemokratischen Gebräuche erhalten, und noch heute ziet, wie vor Jarhunderten, sowol in Appenzell- Außer- Rhoden als auch in Appenzell- Inner- Rhoden das souveräne Volt mit der Waffe an der Seite zur Landsgemeinde, um unter freiem Himmel, angesichts seiner Berge, die wichtigsten politischen Handlungen zu vollziehn und das Wolergehn der Gesamtheit zu beraten.

II.

Im Dorf der Schmied.

Eine Geschichte aus dem Elsaß von Max Vogler.

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" Der Jobbi ist so frisch und gesund wie stets, ihr sollt's ihr sollt's hören, wenn morgen der Ambos flingt!" hatte Jakob Barthold am Abend vorher zur Meisterin gesagt, und der Ambos klang hell und laut, mit munterem Getön dem halben Dorfe kündend, daß der junge Schmied wieder bei emfiger Arbeit war. Und er brauchte wegen lezterer nie in Verlegenheit zu sein, er hatte stets alle Hände voll zu tun, denn wenn ein großer Teil der Bauern im Dorf, die es ihm nicht vergessen konten, daß er im lezten großen Kampfe für sein Land gestanden, ihm auch den Haß, den man heimlich gegen ihn im Herzen trug, am liebsten da­durch bezeigt hätten, daß sie sich aus der Kundschaft der freilich schon seit langen Jaren jedem einzelnen von ihnen liebgewordenen Schmiede begaben, so war er doch der einzige seines Handwerks im Dorf, und es würde allzu umständlich und beschwerlich ge­wesen sein, zu denselben Zwecken mit einem Meister der benach barten und nicht unbedeutend von lezterem entfernten Ortschaften in Verbindung zu treten.

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Man hatte einen hellen Sommertag gehabt, als Jakob Bart­hold, aus dem badener Lande über den Rheinstrom herüberge­kommen, den Wanderstab in der Hand und das Ränzel auf dem Rücken, zum erstenmal an dem Schmiedfeuer des Meisters El­singer Halt gemacht, um ein kleines Zehrgeld angesprochen und um Arbeit nachgefragt hatte. Es war nun seiner sechs Jare her. Und Meister Elsinger hatte sich das Wanderbuch des jungen Arbeitsgenossen vorweisen lassen," poztausend!" hatte er freudig überrascht ausgerufen, als er den ersten Blick in dasselbe hineingeworfen: stand da einer vor ihm, der just aus demselben Schwarzwaldflecken fam, wo seine Großeltern, des Meisters El­singer Großeltern, die aus rechtsrheinischem Land besserer Lebens­fristung wegen nach dem Elsaß ausgewandert, einst Haus und Herd gehabt, und von dem ihm sein Vater selig so oft und so erinnerungsweh erzält. Es war ihm das ein merkwürdiges Zu­sammentreffen gewesen, er hatte darin eine Fügung und den Wink eines höheren Willens gesehen, und da die Zeugnisse des jungen Schmieds so belobigend lauteten und er damals gerade einen neuen Gesellen gebrauchen konte, so hatte Jakob Barthold sein Ränzel ablegen und den Wanderstab in die Ecke stellen müssen, und es war ihm in einem Oberstübchen des Hauses Bett und Kleiderschrein angewiesen worden. Und Meister Elsinger brauchte es nicht zu bereuen, daß es so gekommen; nie hatte er einen braveren und fleißigeren Mithelfer bei seiner Arbeit gehabt. Da war wieder ein heißer Sommer gewesen, und es hatte plözlich eines Morgens geheißen, daß Kriegsnot gekommen sei. Meister Elsinger hatte freilich den Kopf geschüttelt, als die hüben über dem Rheinstrom zum Kampf auszogen gegen die vom jen­

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( 3. Forsezung.)

seitigen Land, die so mancherlei freundschaftliche Beziehung zu einander unterhalten; und noch verwunderter war er gewesen, als Jakob Barthold seiner Kriegsordre folgte und in die Heimat hinüberging, um bald darauf kampfgerüstet wieder herüberzu­ziehen, das alles, weil drunten in den weidenbebuschten Auen der grüne Rheinstrom zwischen hüben und drüben sauſt... Aber Jobbi hatte doch scheiden müssen, und die heißen Schlachten wurden geschlagen. Und als nun der Krieg unter wechselnden Stimmungen Meister Elsingers vorübergegangen, als die tren­nende Linie aufgehoben und die hüben mit denen drüben wieder ein Volk sein sollten, ein Volf, wie es von Alters gewesen, ein Volk, wie sie gleichen Stammes waren und zueinander ge­hörten, wie sich das Meister Elsinger recht zum Bewußtsein brachte und, daß alles so gekommen, mehr und mehr in der Ordnung fand, bewegte ihn fort und fort nur der Gedanke an das Geschick seines einstigen braven Gesellen und der Wunsch, wenn es sein könte, ihn wieder bei sich zu haben. Er hatte denn auch auszukundschaften gewußt, daß Jobbi noch lebte und wo er jezt seines Handwerks pflog, und Jakob Barthold hatte zwar, als ihm der Meister briflich sein Verlangen ausgesprochen, ob der veränderten Lage, in die drüben sich die Verhältnisse umge­staltet, im Anfang seine Bedenken gehabt, war aber in Erin­nerung an die glücklich dort verlebten Jare mit sich dahin ins reine gekommen, daß er's wol versuchen und dem guten alten Meister seinen Willen tun könne. Kaum vierzehn Tage jedoch waren vorbei, daß der leztere mit seinem wacker dreinschlagenden da raffte Gesellen Jobbi auf's neue in der Werkstatt stand, den wackeren Meister ein jäher Tod dahin. Auf noch nicht ganz volle dreiundsechzig Jare hatte er sein Leben gebracht. Er hinter­ließ niemanden sonst als seine in ziemlich demselben Alter stehende Ehefrau, ein lieber Sohn, den er mit dieser großgezogen, war, kaum zum Jüngling herangereift, ihm schon lang zum Grabe voraufgegangen. Auf den Wunsch der Meisterin blieb der er­probte Gesell, um in der Schmiede im Dienst derselben das Hand­werk fortzutreiben. Und obgleich es ihm nicht leicht wurde, sich in der unter'm noch lang nicht verwischten Eindruck der Kriegs­jare sehr gereizten und verbitterten Bevölkerung wieder einzuge­wöhnen, so hielt er doch aus und verrichtete seine Arbeit unver drossen wie zuvor. Er nam innigen Anteil an der bejarten Frau, deren Gesundheit unter dem Schmerze um den Verlust ihres Mannes sichtlich litt, und die noch dazu seit Jaren von einem schweren Augenleiden heimgesucht war, das eine immer bedenk­licheer und gefärlichere Gestalt annam. Einmal, noch bei Leb­zeiten ihres Gatten, hatte sie schon die nicht kleine Reise nordwärts unternommen und bei dem Heiligtum der Nonnen zu St. Ottilia Linderung und Heilung gesucht; sie hatte brünstig gebetet und mit dem Wunderwasser, daß da droben fließt, die kranken Augen ge­nezt, aber umsonst die geheimnisvolle Wirkung gegen ihre Leiden

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