morphologische Art hat ihren spezifischen, von dem der nächstverwandten Art verschiedenen Ausdünstungs­geruch, sondern auch jede Rasse, jede Varietät und in lezter Instanz sogar jedes Individuum.

Ueber das leztere belehrt uns allerdings unser verwahrloster eigener Geruchssinn kaum mehr, dagegen der hochentwickelte Geruchsinn des Hundes durch die Tatsache, daß ein feinnasiger Hund die Spur seines Herrn mit derselben Bestimmtheit(?) von der anderer Menschen unterscheidet, mit der wir die In­dividuen mittels unserer physikalischen Sinne auseinanderhalten. Für den hier aufgestellten Saz führt Jäger noch folgende Tat­sachen an. Wenn der Imker einem weisellos gewordenen Bienen­stock eine neue Königin geben will, so muß er sie verwittern, d. h. ihr den Ausdünstungsgeruch beibringen, welcher dem ganz vestimmten Stock eigen ist, und manche Umstände sprechen dafür, daß die Biene eines Bienenstocks und die Ameise einer be stimmten Kolonie für die Bewohner eines anderen Stocks oder einer anderen Kolonie einen fremden Geruch hat. Bei den monogamischen Tieren ist die Sicherheit, mit der sich die Ehe gatten stets, selbst in der Nacht, zusammenfinden, ohne Annahme eines Individualgeruchs schlechterdings nicht zu erklären.

Weiter ergänzt Jäger den Saz vom spezifischen Geruch( und Geschmack dahin: Es gibt nicht blos Individual, Varie­täten, Raçe und Speziesgerüche, sondern auch Gat tungs, Familien-, Ordnungs-, und Klassengerüche, d. h. die Speziesgerüche der verschiedenen Arten einer Gattung zeigen bei aller Verschiedenheit eine deutliche, oft sehr auffällige Ueber­einstimmung, und dasselbe gilt von den Gerüchen der Gattungen derselben Familie, Ordnung, Klasse 2c.

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Prägnanten Gattungsgeruch haben unter den Säugetieren 3. B. die Marder, die Kazen, die Stinktiere, die Ziegenarten, Einhufer, Antilopen, Hirsche. Unter den Vögeln ist der Tauben­geruch, Rabengeruch, Geiergeruch, Reihergeruch, Straußengeruch für unsern Geruchssinn am faßbarsten. Als Beispiele für die Uebereinstimmung der spezifischen Ausdünstungsgerüche größerer systematischer Gruppen führt Jäger an den Affengeruch, Wiederkäuergeruch, Nagetiergeruch, Schweinegeruch, Eidechsen­geruch, Schlangengeruch, Amphibiengeruch, Fischgeruch. Jäger will sogar einen allgemeinen Säugetiergeruch, Vogelgeruch und Reptiliengeruch annehmen. Von den wirbellosen Tieren gilt dasselbe. Der Geruch einer Schmetterlingssammlung ist ein ganz entschieden anderer als der einer Käfersammlung und der Wanzengeruch ist allgemein bekannt. Die unter Baumrinden steckende Cossusraupe findet der Erfahrene sicher durch den säuer­lichen Geruch, den sie ausströmt, ebenso die Kolonien des Eremit fäfers an dem Juchtengeruch, vom Moschusbock, spanischer Fliege, Meloë( Delfäfer) 2c. nicht zu reden. Die Männchen der Sphingiden und Noktuen( Nachtfalter) finden ihre Weibchen auf Grund des spezifischen Ausdünstungsgeruchs bei stockfinsterer Nacht auf weite Distanzen.

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Es ergibt sich also der Saz: Die Aehnlichkeit und Differenz der Gerüche steht in merkwürdig genauer Beziehung zu dem Grade der morphologischen Verwandtschaft.

Jäger untersucht nun weiter, inwiefern die Nahrung eines Tieres seinen spezifischen Geruch bedingt. Denn daß die Nah­rung auf die Art des Geruchs einen wesentlichen Einfluß übt, steht fest. Ein Hund z. B., den wir mit Pferdefleisch füttern, duftet nicht blos penetranter, sondern auch anders, als wenn wir ihn mit allerlei Küchenabfällen füttern, also als Omnivoren be­handeln. Holmgrans hat bei Tauben, die er ausschließlich mit Fleisch fütterte, eine raubvogelähnliche Abänderung des Aus­dünstungsgeruchs erzielt. Endlich wissen wir, daß durch den Genuß von Terpentinöl der Harn einen Veilchengeruch erhält, und daß die aasfressenden Tiere, wie die Fischfresser, eine ge­wisse Aehnlichkeit im Ausdünstungsgeruch haben.( Daß die Nahrung den Geschmack wesentlich verändert, ist hinlänglich be­kannt. Wir erinnern nur an das sogenannte Graseln" der Gänse, die statt mit Hafer gefüttert zu werden ihr Futter auf den Wiesen suchen.)

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schon dem Protoplasma eigen sein und kann nicht lediglich von der Nahrung herrühren. Der Mensch kann einen Hund oder ein Schwein noch so lange mit seinen Küchenabfällen, also mit dem füttern, was er selbst genießt, und doch entsteht keine Harmonie zwischen seinem Ausdünstungsgeruch und dem dieser Tiere. Meine Affen in dem wiener Tiergarten bekamen fast genau die gleiche Nahrung wie ein Mensch und behielten ihren Affengeruch unverändert. Meine Belifane, Reiher, Möwen, Fischottern, Kormorane, Seehunde erhielten zur Nahrung die gleiche Fischspezies jahraus jahrein; trozdem behielt der Kor­ moran seinen rabenartigen Geruch, die Fischotter ihren an Moschus erinnernden Muſtelengeruch, und zwischen Seehund und Fischreiher war, wenigstens für mein Geruchsorgan, die Dif­ferenz stets so groß, wie die zwischen einem Vogel- und Säuge­tiergeruch ist. Endlich frappirte mich vor einigen Jahren der mir ganz fremdartige Geruch der Leiche eines ja ebenfalls Fische fressenden Delphins. Pferd und Rind, die jahraus jahrein das gleiche Heu und Stroh als Nahrung erhalten, verlieren nie die Differenz ihres Ausdünstungsgeruchs, und die Versuchsmäuse, die ich gegenwärtig lebendig halte und seit Monaten mit Brot füttere, haben ihren spezifischen Mausgeruch noch wie am ersten Tage."

Es geht hieraus hervor, daß die Nahrung zwar die Ge­ruchsspezifität beeinflußt, sie aber nicht einzig bedingt, vielmehr der spezifische Geruch schon dem Protoplasma zukommen muß, was sich freilich durch Experimente schwer nachweisen läßt.

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Jäger weist nun auch auf die Rolle, welche die spezifischen Düfte im Gesellschaftswesen spielen, wobei er an die interessante Mitteilung von Dr. Friz Müller über Schmetterlingsdüfte an­knüpft.-Stellt man sich im Mai in einem lichten Buchen­walde zur Seite eines Stammes auf, an dem man ein Weibchen des Buchenspinners entdeckt hat, so wird man bald beim Aus­spähen dieses oder jenes Männchen da oder dort in gaufelnd revierendem Fluge dahin eilen sehen. Nähert es sich auf seinem Wege nicht zufällig auf geringere Distanz als 20-30 Schritt dem Stamm, so zieht es vorüber. Hat es dagegen sein Flug näher herangebracht und wenn es unter den Wind kommt, so genügt auch eine Distanz von über 40 Schritten so ändert es plözlich seine Flugrichtung und stürzt schnurgerade auf den Stamm los, umkreist ihn suchend und gaukelnd ein und das anderemal, bis es das Weibchen entdeckt hat, um sich dann bei ihm niederzulassen. Daß das Männchen nicht durch den Gesichtssinn auf die angegebene Entfernung von der Anwesenheit des Weibchens Kunde erhält, wird durch die Fälle bewiesen, in welchen das Weibchen auf der entgegengesezten Seite des Stammes fizt. Es kann also auf der einen Seite nur der Geruchssinn, auf der anderen nur der Besiz eines spezifischen, auf so weiten Abstand wirkenden Ausdünstungsduftes die Ver­einigung herbeiführen. Noch in anderer Weise erhält der Schmetterlingssammler Beweise hierfür. Hat man ein frisch­gefangenes Weibchen eines Schmetterlings in eine Umhäng­schachtel gesteckt, so kann es einem begegnen, daß sich ein Männchen der gleichen Art zudringlich auf die geschlossene Schachtel sezt: es hat das Weibchen durch den geschlossenen Deckel hindurchgewittert. Hat man das Weibchen eines Schwärmers gefangen, so kann man selbst mitten in Städten, entfernt von jeder Vegetation, Männchen, und zwar in staunens­werter Bahl, fangen, wenn man das lebende Weibchen Nachts im Zimmer an einem Faden um den Leib aufhängt; die Männ chen stürmen ins Zimmer herein, und zwar nur solche der gleichen Art, und man macht dabei die Erfahrung, daß der Anflug zum Weibchen erst tief in der Nacht, in der Regel erst nach Mitternacht , beginnt, die Zeit der Dämmerung wird nur zum Nektarschmaus auf Blüten benuzt. Hat man auch den größten Respekt vor der Befähigung der Nachttiere, im Dunkeln zu sehen, so kann hier doch nur der Geruchssinn die genügende Erklärung geben.

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Auch bei andern Tiergruppen treten uns Tatsachen entgegen, welche den Ausdünstungsduft zum Träger des Paarungsinstinkts Anderseits aber muß der spezifische Geruch eines Tieres stempeln. Unter den Wirbeltieren sind es am unverkennbarsten