Aus diesen Erscheinungen ergibt sich, daß bei dem Winterschlafe hauptsächlich der Zustand der Sinnentätigkeit Veränderungen erleidet. Der Schlaf beginnt mit Empfindungen, die das Tier veranlassen, sich in die Verborgenheit zurückzuziehen. Das tierische Leben tritt von der Oberfläche zurück. Zuerst nimmt das Atmen ab und dadurch vermindert sich der Blutumlauf und die Wärmeerzeugung. Beim Erwachen treten Atmen, Blutumlauf und Wärmeerzeugung nur allmälich in den regelmäßigen Zustand zurück, und zwar um so später, je tiefer der Schlaf war.
Die bedingenden Ursachen dieser Erscheinung liegen zunächst in dem Umstande, daß die äußere Welt in einer bestimmten Zeit die zur Erhaltung des tierischen Lebens nötigen Mittel versagt. Das Tier wird dann in einen Zustand versezt, in welchem es, ungeachtet jenes Mangels, sein Leben zu erhalten vermag. Der Winterschlaf soll aber auch gegen die ungünstige Luftbeschaffenheit der Jahreszeit schüzen. Die Winterschläfer sind sehr empfindlich gegen Kälte; der Igel z. B. erstarrt und stirbt, wenn man ihn einer Kälte von acht Grad aussezt. Wie wirken nun diese Umstände, die die Erscheinungen des Win terschlafs herbeiführen? Die Triebe des Tieres sind erloschen, und es zieht sich zurück, weil die Außenwelt ihm nichts mehr darbietet; es sehnt sich nach Ruhe, weil es nach halbjähriger Fütterung gesättigt ist. Das Fett, als Ueberschuß an bildender Tätigkeit, kündigt die Befriedigung des Nahrungstriebes an. Bei vielen Winterschläfern hat es sich so reichlich abgelagert, daß es die Eingeweide der Bauchhöhle ganz einhüllt, und die Brusthöhle ausfüllt. Es veranlaßt die Schläfrigkeit des gesät tigten und befriedigten Tieres und trägt mit andern Umständen, 3. B. der gekrümmten Lage, dazu bei, den Raum für die Lungen zu beschränken, wodurch das Atmen vermindert wird. Das Blut bleibt größtenteils in den Aderstämmen, und es findet nicht mehr ein vollständiger Kreislauf statt. Während indes in diesem Zustande die bildenden Lebenstätigkeiten fortdauern, entwickelt sich in der Ruhe allmälich eine neue Empfänglichkeit für Eindrücke. Die Trägheit weicht, Muskeln und Nerven wirken leb= hafter aufeinander, nach der Zersezung des Fettes wird die Lungentätigkeit freier und durch das vermehrte Atmen mehr rotes Blut gebildet, welches das Gehirn zu erregen vermag. Zugleich treten Umstände ein, die das Gemeingefühl beleben. Das Bedürfnis der Nahrung erwacht, und so erhebt sich das Tier zu neuer Tätigkeit gerade in der Zeit, wo die Außenwelt die Befriedigung seiner Triebe begünstigt.
Die Veränderungen in dem winterlichen tierischen Leben, welche wir bis jezt besprochen haben, sind weit häufiger als das Vorkommen solcher Tiere, die bei der Annäherung des Winters den Ueberfluß des Herbstes einsammeln, um sich für den Winter hinlängliche Nahrung zu sichern. Alle Tiere, die diese Gewohnheit haben, leben von Pflanzen und gehören fast ohne Aus
84
des Winters südwärts und findet sich nirgend in Höhlen im Zustande der Erstarrung. Die Nachtfledermaus hingegen kommt jährlich im Winter dort an und bringt den Sommer in nörd lichen Gegenden zu. Mehrere wiederkäuende Tiere verändern ihren Aufenthalt nach den Jahreszeiten, wie der Hirsch und das Reh bei der Annäherung des Winters die Alpen verlassen und Schuz in ebenen Gegenden suchen. So gehen auch die Gemsen vor dem Winter in die Täler hinab, um im Sommer wieder nach dem Hochgebirge zu ziehen, und der Steinbock wendet sich nach der Südseite der Gebirge, während er sich im Sommer an der Nordseite aufhält. Ausgedehntere Wanderungen machen besonders die Robben. Sie verändern ihren Aufenthalt, um sichere Pläze für ihre Brut zu suchen; der gemeine Seehund aber macht regelmäßige Wanderungen, um Nahrung zu finden. Die grönländischen Robben scheinen im Winter gemäßigtere Gegenden aufzusuchen, und kommen jährlich im Dezember in die Gegend von Island , wo sie bis zum Mai etwa verbleiben.
Die Wanderungen der Vögel sind seit den ältesten Zeiten ein Gegenstand allgemeiner Beobachtungen gewesen, aber ob gleich wir viele wichtige Tatsachen kennen, so ist doch das Feld der Beobachtung noch keineswegs erschöpft.
in
in
Die Zugvögel zerfallen in solche, welche im Frühlinge den gemäßigten Gegenden ankommen und im Herbste sie wieder verlassen, die Sommerzugvögel, und in solche, die im Herbste eintreffen und im Frühling wegziehen, die Winterzugvögel. Die Zeit der Ankunft und des Wegziehens ist jedoch keineswegs derselben Gruppe gleich; ja nicht einmal bei derselben Art fritt sie immer zur gleichen Zeit ein. Zuweilen beträgt der Unter schied in einem Jahr gegen das andere 8 bis 30 Tage, und es ist klar, daß dies von Umständen abhängt, die sich selbst der gewöhnlichen Beobachtung darlegen. Kälte verzögert die An kunft der Frühlingsboten und die frühe Ankunft der winter lichen Zugvögel deutet auf einen frühzeitigen Winter. Auch Wanderung der Vögel geht mehr aus einem Vorgefühle der fünftigen, als aus einem Gefühl der gegenwärtigen Temperatu hervor. Sie suchen mildere Gegenden auf, in welchen sie ihre Nahrung in reichlichem Maße finden und gegen die Kälte de nördlichen Gegenden geschüzt sind.
ver
die
Ehe die Zugvögel wegziehen, pflegen sie sich zu versammeln Man bemerkt das namentlich bei den Schwalben, die sich großen Zügen vereinigen. Der Entschluß, die Heimat zu lassen, scheint ihnen einen Kampf zu kosten; sie sind in große Unruhe, einige sizen lange wie unschlüssig, und einzelne, den Flug versucht haben, kehren zurück, wenn die andern ihne nicht nachfolgen. Die Störche fliegen mehrmals eine fur Strecke und kehren wieder zurück, bis sie endlich ganz we bleiben. Interessant ist es, die Ordnung zu beobachten, m welcher sich einige Vögel beim Wegziehen sammeln. Die wilde Gänse z. B. bilden zwei Reihen, die sich vorn in einen spiz nahme zu den Nagetieren, obgleich nicht alle Tiere dieser Fa- Winkel vereinigen, wo der Führer des Zuges die Luft durch milie Vorräte sammeln. Außer dem Biber und Hamster, die schneidet und wenn er müde ist, dem nächsten in der Nei alle Tiere dieser Art an Betriebsamkeit und Sorgfalt im Ein- seinen Plaz überläßt. Können sie mit günstigem Winde ziehen sammeln und Aufbewahren übertreffen, gehört vorzüglich das so ist dies ein Vorteil, wo nicht, so laviren sie, so gut Eichhörnchen hierher, das sein Winterlager unter den größten können, den Widerstand zu überwinden. Es gibt einige Aesten alter Bäume, oder in hohlen Baumstämmen wählt, sich vögel, welche, so weit unsere Beobachtungen reichen, nie eine Vorratskammer anlegt und sie mit Eicheln, Nüssen und Gesellschaft wegziehen. Es ist merkwürdig, daß bei vielen Zug andern Früchten anfüllt. Diese Vorräte werden nicht eher be- vögeln die Männchen einige Tage vor den Weibchen erscheinen rührt, bis die rauhere Jahreszeit das Tier abhält, seine Nah- Die meisten Vögel ziehen am Tage; die Berchen nur in rung zu suchen. Alle zur Familie der Mäuse gehörenden Tiere Morgenstunden und zuweilen auch noch am Abend eine Strede Viele aber ziehen vorzüglich in der Nacht, z. B. die Wachtel Ratte, vorzüglich aber die Feldmaus. Unter den Vögeln, Fischreiher, Kraniche, wilde Enten, mehrere von Insekten lebente
Amphibien und Fischen, sowie unter den niedern Tierklassen findet man keine Beispiele dieser Fürsorge für den Winter, unter den Insekten aber ist vorzüglich die Biene zu nennen.
Ein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit sind die Wan
Vögel, besonders in hellen Nächten.
Zug
Man hat oft gefragt, wie die Zugvögel auf ihren Reifa so lange fliegen können, ohne öfters hinlängliche Nahrung, finden.
derungen mehrerer Tierarten gewesen; namentlich verdienen in außerordentliche Schnelligkeit des Fluges der Vögel denkt. Bick dieser Hinsicht die Vögel Beachtung. Wir kennen nur wenige Vögel legen in einer Stunde über zwanzig Meilen zurüd. G finden. Die Schwierigkeit aber hebt sich, wenn man an bi Umstände in Beziehung auf die Wanderungen vierfüßiger Tiere. ist es bekannt, daß ein Falfe Heinrich IV. aus Fontaineble Einige Arten haben diese Gewohnheit. In Italien zieht die wegflog und vierundzwanzig Stunden später in Malta antam dort häufig vorkommende gemeine Fledermaus bei dem Eintritt eine Entfernung von mehr als dreihundert Meilen. Defter
bie