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übermäßig ideal angehaucht und noch blutjung-." Und richtig,| besagtes Bäschen allerdings ungefähr eines aus dem zehnten Verwandtschaftsgrade- war es wirklich, das jedoch mit dem Nei­senden für Bertold Grönners Buntpapierfabrik dereinst in weit nähere Verwandtschaft zu treten bestimmt war, denn dessen denn dessen verlobte Braut war die Schwester des von Siegfried Band­meyer bis in alle Himmel erhobenen kleinen, drallen, aller­liebsten Dinges.

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Was täten Sie, Bandmeyer," fragte der Reisende, Gustav Jungmann mit Namen ,,, wenn ich nicht mit der drei Jahre älteren Schwester Klara Prechtling, sondern mit dem kaum siebzehnjährigen Lehnchen Brechtling verlobt gewesen

wäre?"

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Siegfried Bandmeyer fuhr sich mit beiden Händen in die Haare, der Gedanke war fürchterlich, aber die Gewißheit, daß das dralle Lehnchen nicht Gustav Jungmanns Braut, ja sogar allerhöchst wahrscheinlich noch ganz frei war von jeder Liebesverpflichtung war, erhielt ihn doch bei guter Laune.

Die ganze Nacht würde ich Zündhölzer geschabt haben," entgegnete er.

,, Was Zündhölzer geschabt,

Sie schnappen doch nicht etwa schon vor Verliebtheit über, Bandmeyer?" ,, Gott behüte! Im Gegenteil, ich hätte die Nacht über Zündhölzer geschabt, um mich bei Sonnenaufgang mit dem

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Noch eine flüchtig- kurze Stunde, So ist durchlaufen deine Bahn, Und hundert Glocken in der Runde Verkünden eines andern Nahn. Schon winkt und nicht man ihm entgegen Und füllt den Kelch und jubilirt, Indes auf nebelvollen Wegen Sich deine lezte Spur verliert.

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So gehts auf Erden einem jeden, Wie froh begrüßt es auch begann Ich aber will mit dir noch reden, So lang dein Ohr mich hören kann. Doch fürchte Bitten nicht und Klagen, Was auch in mir verglomm, versank, Was ich auch litt an trüben Tagen- Ich bringe dir den lezten Dank!

Wohl hast du nicht erfüllen dürfen Was ich zu bitten nicht gewagt, Wohl hast den feurigsten Entwürfen Die goldne Stunde du versagt, Wohl fühlt' ich oft die Kraft ermatten Und meine Seele wurde voll

Vom Ziehn und Wallen grauer Schatten Doch heg' ich darum keinen Groll.

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Phosphor zu vergiften, das ist doch ein sicherer Tod, Jungmann, denke ich."

,, Wenn es schon so schlimm steht mit Ihrem unberührten Junggesellenherzen, Bandmeyer, dann ist es am gescheitesten, Sie gehen der Geschichte gleich auf den Grund und sehen, ob Sie die Kleine mag."

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,, Das ist ganz meine Ansicht" jauchzte Siegfried hoch auf, ,, ganz und gar, ich möchte Ihnen einen Kuß geben, Jungmann, so sprechen Sie mir aus dem Herzen, aber sagen Sie mir nur, als Sachverständiger, was soll ich anfangen, was ich tue alles ich lerne noch diesen Herbst tanzen, reiten, schwim­ich mache die himmlischsten Verse

men,

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,, Ach was, schwimmen und Verse machen, das Bäschen ist weder ein Teich, noch eine hirnverrückte Bildungsdame, die partout einen Schiller oder Goethe zum Manne haben möchte. Werde mirs bis morgen überlegen, dann sag ich Ihnen, was zu machen ist heut trinken wir aber noch ein Gläschen Wein auf die zukünftige Verwandtschaft, Sie bezahlen, Band­meyer, wie?"

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,, Mit Vergnügen, nur her, aber Sie sind und bleiben mein treuer Berater und Freund, Jungmann

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,, Gewiß auf Ehre und entwickle mich mit möglichster Geschwindigkeit zum leiblichen Schwager angestoßen, so­noch einmal und zum leztenmale!" ( Schluß folgt.)

Dem alten Jahr.

Gedicht von Rudolf Savant. Das mußte sein und sei vergessen: Des Schicksals wars, nicht deine Schuld Doch laß die Hand dir innig pressen Für jedes Zeichen deiner Huld, Für jeden Blick, der süßverhohlen Und scheu ins Auge mir getaucht, Für jeden Kuß, den du verstohlen Auf meine heiße Stirn gehaucht.

Ich danke dir für jedes Lächeln Von rosig- frischem Kindermund, Für jedes fühlen Lüftchens Fächeln Im bachdurchrauschten Wiesengrund; Für jeder Blume stilles Düften, Die sich in Mädchenlocken schmiegt, Die über eingeſunknen Grüften Im Abendwind das Köpfchen wiegt. Ich danke dir für jedes Rauschen Im dämmergrünen, stillen Tann, Das für mein ahnungsvolles Lauschen Unsäglich tiefen Sinn gewann; Für jedes Lied, das ins Gezitter Der Blätter sanft ein Böglein sang; Für jedes Lied, ob süß, ob bitter, Das sich der eignen Bruſt entrang.

Für jede Rast auf Berg und Dünen, Für Sternenlicht und Mondenschein, Für jeden Wandertag im Grünen, Für jeden Becher Feuerwein,

Für jede Windsbraut, die mit Stöhnen Die Wipfel bog in schwarzer Nacht, Für jeden Blizstrahl, jedes Dröhnen Der Donner sei dir Dank gebracht.

Ich danke dir für jede Stunde, Die mich auf lichte Höh'n geführt, Da ich in meiner Seele Grunde Verwandten Wesens Hauch gespürt, Da ich, von Stolz und Freude trunken, In schön're Geisteslande drang; Ich danke dir für jeden Funken Des Zorns, der aus den Augen sprang.

Es wird mir schwer, von dir zu scheiden, Viel schwerer noch, als ich gedacht: Du hast durch Freuden und durch Leiden Mich reifer, sinnender gemacht. Du zeigtest mir das schlichte Echte, Du zeigtest Gleißendes als hohl- Ich löse zaudernd meine Rechte Aus deiner Rechten: fahr' denn wohl!

Unsere Illustrationen.

aus einer Streifhaz auf Sauen, wie man die Wildschweine in Die Eberjagd.( S. 201.) Wir sehen auf unserem Bild eine Episode der Jägersprache gewöhnlich bezeichnet. Bei einer solchen Streishaz wird der Wald, in dem man das Gewild vermutet, von den Jägern rings besezt und die Hunde( Hezen, Rüden, Braden nennt sie der Waid­ mann ) losgelassen. Boran rennt der Saufinder", der Hund, der

das Wild den Jägern zum Schuß oder zum Abfangen zuzutreiben. Das ist keine leichte Aufgabe, und häufig muß dieser oder jener flinke Rüde" seine Verwegenheit mit dem Leben bezahlen. Wenn ein Eber oder Keuler aufgejagt wird, so kostet es gewöhnlich Opfer. Grimmig steht dann der Keuler inmitten der ihn umschwärmenden Meute, die ihm keinen Augenblick Ruhe läßt und ihn von vorn, von hinten und auf den Flanken anfällt, und seine kleinen tückischen Augen vollen unheimlich umher. So lauert er, bis einer der Rüden sich frech zu

die wilden Schweine aufspürt; wenn sein kurzes Gebell und das dumpfe nahe herangewagt hat und mit Blizesschnelle, wie man sie dem plumpen

Grunzen eines Wildschweins anzeigt, daß er gefunden hat, was er sucht, so folgt mit wütendem Geheul die ganze Meute auf seiner Spur, um

Tier gar nicht zutrauen sollte, fährt er aus mit seinen gewaltigen Hauern, seinem Opfer den Bauch aufschlizend. Aber die Mente läßt