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Kann's Auge froh zur Ferne dringen, Wenn es die Sklavenzähre näßt? Und fann ein Herz die Welt umschlingen, Das Sklavengram zusammenpreßt?- Willst Du den Bund nicht anerkennen Des Glaubens, der uns Brüder macht, So will ich einen Bund Dir nennen, Den wohl Dein Herz noch nie bedacht. Der Bund, dem Ihr nicht könnt entlaufen, Ihr Könige! Der fest und dicht In einen trauten Jammerhaufen Mit Bettlern Euch zusammenflicht. Es ist der Schmerz, die Eisenkette, Die Euch, ihr Fürsten, stolzverirrt, Oft freilich erst am Todesbette Zurück in Euer Elend klirrt.

Schon wenn Euch läßt die Mutter sinken An ihrer Brüste süßen Quell,

Müßt Ihr mit uns den Leutkauf trinken Auf Noth und Tod sie reifen schnell."

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Lorenzo starb und sein Sohn Pietro war nicht der Mann, den Verfall des Medicäer­hauses aufhalten zu können. Er war ein Mann der Feierlichkeit; im Aeußerlichen ging sein Wesen auf. Er paradirte gern, war bei aller Schwäche anmaßend und liebte festliche Aufzüge und Ritterspiele, bei denen er in erster Reihe sich zeigen durfte. So konnte er seine absolutistischen Neigungen nicht durchsetzen. Im Innern wuchs die Un­zufriedenheit, und der Heerzug Karl's VIII. von Frankreich nach Italien leitete eine Um­wälzung der italienischen Verhältnisse ein.

Für den extatischen Geist Savonarola's war der Heerzug Karl's eine Bestätigung seiner Prophetie. Die verfiindete Geißel Italiens war erschienen, und der fremde Eroberer war politisch genug, sich die Hilfe des einflußreichen Mönches, der den König Karl wie ein Fatum, ein vorbestimmtes Schicksal ansah, gefallen zu lassen. Die andere Hälfte der Prophezeiung mußte der Priester selbst erfüllen, und Savonarola ging daran, das Reich Christi, die theokratische Republit, zu er

richten.

Die revo lutionäre That war durch die allgemeine Ver­wirrung erleich­tert. Lange schon waren Drei Viertel der Bür­ger von Florenz eigentlich ent­rechtet. Bei den Wahlen hatten sie nichts zu sagen und die medicäische Herrenpartei war aus den Fu­gen gegangen. Im Dom von Florenz predigte und diftirte be= reits Savona­rola wie ein feuriger Volks­tribun.„ Ein Reich ist um so stärker," rief er aus,„ je geiſti­ger es ist, und um so geistiger, je fester es sich an Gott an= schließt." Dann forderte er eine allgemeine Amnestie. Die von der Medi­cäerpartei Ver­bannten sollten zurückkehren dürfen, und doch

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Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

ERA JERE

Porträtbüfte des

avonarola von Baftianini. ( Jm Kloster von S. Marco zu Florenz .)

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Girolamo seinen Grundsaz: Alles oder Nichts" gegenüber den realen Erwägungen der Politik nicht festhalten. Der Mann der Brüderlichkeit mußte die Medicäer verbannen und sie von der Amnestie ausnehmen. Für Wohlfahrtseinrichtungen mancherlei Art wurde gesorgt, und der Massennoth gegenüber ver­fündigte Savonarola schon im gewissen Sinne das Recht auf Arbeit. Ein öffentliches Leih­haus wurde errichtet. Das Institut kehrte sich gegen die Ausbeutung durch die damaligen jüdischen Wucherer. Das Berufungsrecht im Gerichtsverfahren wurde eingeführt.

Wie der neue Geist die florentinische Welt bewegte, wie das Volk an seinen Propheten glaubte, und wie dieser Glaube selbst die egoistischen menschlichen Triebe für einige Zeit überwand, dafür hat man einen flassischen Zeugen, den Staatsmann Macchia­velli . Bei seinem rein weltlichen Staats­begriff, mit seinen flugen und offenen Augen durfte er, wie der Historiker Karl v. Hase mittheilt, die florentinischen Vorgänge als genauer Beobachter verfolgen. Und staunend berichtet Macchiavelli , wie mitten unter den fieberhaften Zuckungen einer jungen demo­fratischen Republif unrechtmäßiges Gut heraus­gegeben wurde, und Todfeinde einander in die Arme fielen."

Jäh nach dieser revolutionären Erhebung folgte der Niedergang. Auf Eraltations­zuständen baut man fein festes Gebäude, und der eifernde Priester, mit seinen idealen, urchristlichen Forderungen verlangte von der Menschlichkeit mehr, als sie zu geben im Stande ist. Dazu kam, daß der Mönch ja fein vorwärtsschauendes, intellektuelles Genie, und so mannigfach befangen war. So machte er drakonische Geseze wider die Spieler und wider Vergehen gegen die Sittlichkeit. Da

sollte die Tortur angewandt wer­den. Majestäts­beleidigungen wider die Ne­gierung griff er schwer an, und am Ende kehrte sich der Bußeifer gegen feſtwur zelude Volks= sitten. Für eine Zeit hörten alle Volfs- und Lie= beslieder, über­müthige Karne­valsziige und derlei mehr voll­ständig auf. Fra Bartolomeo , der Maler, der dann der Freund und Berather des finnenfrohen Rafaël werden

jollte, schämte

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Kunst und zwei­

Savonarola's Hinrichtung auf dem lahe der Signoria zu Florenz .

Gemälde etnes Unbekannten im Kloster von S. Marco zu Florenz .

felte, ob sie nicht Sünde sei. Das war ein so ent­schiedener und schroffer Bruch mit der Ver­gangenheit, daß bei dem beweg­lichen Genie der Florentiner nothwendig ein Umschwung tommen mußte. Zudem regte sich