Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage..
wieder der menschliche Egoismus lebhafter, und der Wundermann Savonarola hatte Feinde genug in der eigenen Republik . Er hatte die bürgerliche Mündigkeit vom dreißigsten auf's vierundzwanzigste Lebensjahr herabgesezt und damit verdarb er es zunächst mit den fonservativeren Elementen. Er hatte während der entsetzlichen Pest, als von den auswärtigen Schußorten die Armen nach Florenz flüchteten, angeordnet, die Fremden zu pflegen wie die eigenen Armen. Aber die Pest hatte alle frommen Bande der Priesterrepublik gelöst, und die humane Vorschrift von Fra Girolamo erbitterte. Hält man dazu die geistige Verfassung der Volksseele jener Zeit, so begreift man vollends Savonarola's Tragödie. Auf die höchste Energie folgten Muthlosigkeit und Zweifel in den Massen,
=
165
gang all jener politisch kirchlichen Tragödien. Es In der Salzkammer des deutschen Reiches.
tommt die peinliche Frage: Bist du ein Prophet? Das Volk, das noch in alten Vorstellungen steckt, wie sein Prophet auch, wird enttäuscht und endlich ergrimmt, und ein äußeres wie inneres Martyrium zerbricht den Helden. Savonarola wurde nach einem glücklichen Ueberfall von San Marco, dem Kloster, gefesselt vor die Signoria gebracht und der peinlichen Frage unterworfen. Sieben Tage lang wurde er entseßlich gefoltert, so daß es selbst den Folterfnechten grauenhaft wurde. Ein Gottesurtheil sollte Ein Gottesurtheil sollte entscheiden. Ein Bruder von San Marco erbot sich zur Feuerprobe. Savonarola aber, dem früher das Gottesurtheil als glaubhaft mögliches Wunder erschien, meinte jezt: das wäre ein Mord. Das Schauspiel der Feuerprobe unterblieb. Es geschah
Von Karl Schulz.
evor die praktischen Wissenschaften sich zur Herstellung künstlicher Düngemittel und anderweitiger Verwendung der Alkalien emporgeschwungen hatten, reichte der Salinenbetrieb zur Gewinnung des Chlornatriums( Kochsalz), des fast ausschließlichen Konsum- Artikels, vollkommen aus. In Staßfurt - Leopoldshall, dem Mittelpunkte des umfangreichen Salzlagers, das sich vom Fuße des Harzes bis Magdeburg und Salzwedel erstreckt, wurden Salinen schon seit Jahrhunderten betrieben; doch sah sich der Fiskus, der Besitzer der Werke, zu Anfang unseres Jahrhunderts genöthigt, den Be
Die Wetterharten. Nach dem Bilde von M. Ancher.
die ja von mystischen Neigungen beeinflußt waren. Warum die entsegliche Heimsuchung? Also ist Savonarola der Mittler nicht, der mit dem Himmel spricht?
"
Das war die gelegene Zeit, da Nom eingreifen konnte. Dort herrschten die Renaissancemenschen, die Borgias. Die päpstliche Krone hatte der sechste Alerander erkauft. Der Kollektivist und AntiRenaissancemensch Savonarola, der den Spruch fand: Man muß ein Gott oder eine Bestie sein, um fiir sich allein zu leben," hatte oft gegen den päpstlichen Atheisten gedonnert. Nun kam die Zeit der Vergeltung. Am 4. Mai 1497 wagte sich während einer Predigt Fra Girolamo's die Nebellion hervor. Es entstand ein Tumult, aber noch hatte die Genossenschaft Savonarola's die Oberhand. Darauf fam ein Bannspruch Alexander's. Der hatte aber noch nicht die Macht, Savonarola zu erschüttern. Im Februar 1498 erschien er wieder auf der Kanzel und sprach schonungsloser als je.
Der Ausgang der Tragödie gleicht dem Aus
fein Wunder. Und so fam's, wie es fommen mußte. Die Legende erzählt, ein berüchtigter Notar, Cecconi, hätte während des Prozesses sich versteckt gehabt und mit außerordentlichem Geschick ein gefälschtes Protokoll verfaßt. Auch dieser Cecconi ist nicht nöthig, um schwankende, unsichere Aussagen eines gräßlich gefolterten Mannes, der zwischen Ohnmacht und Fieber schwebt, zu erklären. Am 23. Mai wurde Savonarola erlöst und als falscher Prophet gehenkt und verbrannt.
Ihm selbst war sein Gedanke heilig, und darum mußte er ihn offenbaren, wie ein ungeduldig stiirmender Fanatiker. Von ihm gilt, was der Dichter vom überschüssigen Temperament sagt:
„ Die Liebe rechnet nicht mit Küssen, Die Feinde zählt kein tapf'rer Mann; Vom Himmel strömt in Wettergüssen Mehr als die Erde trinken kann."
trieb der geringen Ertragsfähigkeit wegen einzustellen. Abteufungen, welche man südlich des Harzes nicht ohne Erfolg vorgenommen hatte, veranlaßten den Fistus, auch im nördlichen Salzlager Bohrungen vorzunehmen, um für den eingegangenen Salinenbetrieb rationellen Abbau einzuführen.
Das Ergebniß der Abbohrung war wider alles Erwarten günstig. In einer Tiefe von etwa 300 Meter stieß man auf ein Steinsalzlager mit bedeutenden alkalischen Zwischenlagerungen, welches in seiner Tiefe heute noch nicht ermessen ist; an anderer Stelle wurde 1293 Meter tief gebohrt, ohne das Liegende( den Fuß des Salzlagers) zu erreichen. Die ungeahnte Ausdehnung des Salzlagers und die gesteigerte Nachfrage nach Alkalien ließen den rationellen Abbau am zweckmäßigsten erscheinen. In den vierziger Jahren wurden kurz hintereinander drei Schächte niedergebracht. Um nur kurz anzudeuten, wie mächtig Produktion und Konsum in der Zwischenzeit gestiegen sind, mag die Thatsache genügen, daß heute im Magdeburg