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und dort saß er hilflos und schnatterte vor Furcht. Großzahn" fonnte ihm nicht bel­ftehen, Hängohr" wußte feinen Rat. Vom Schwimmen hatten sie feine Ahnung. Sie waren schon zu weit von den niedrigeren Lebensformen entfernt, um instinktiv schwimmen zu können. Und sie hatten noch nicht genug menschliches Bewußtsein, um das Wesen der Schwimmfunft zu ergründen. Großzahn" lief troftlos am Ufer auf und ab, um so nahe als möglich bei seinem Freunde zu bleiben, der auf seiner unfrei­willigen Fahrt weiter trieb. Hängohr heulte und weinte, so daß es ein Wunder war, daß er nicht alle Raubtiere aus dem Umfreise einer Viertelmeile heranlodte.

Neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. waren sie von ihrem schönen Spiel, daß sie beinahe das Essen darüber vergaßen. So­gar des Nachts mochten sie den Platz nicht im Stich lassen und schliefen auf einem nahe­stehenden Baume. Die Erinnerung an Rothauge" entschwand ihnen ganz und gar.

Immer neue Stämme wurden von den Jungen in Dienst gestellt. Dabei merkten sie, daß sie mit einem fleinen Stamm schnel­ler vorwärts tamen als mit einem großen. Allerdings hatte der kleine Stamm den Nach. teil, leichter umzurollen und sie ins Wasser zu werfen. Bei diesem Spiel gab es viele Ueberraschungen. Eines Tages ruderte jeder mit seinem eigenen Stamm zu seinem Freunde hin. Als die Stämme Seite an

falte Schneewüste, ist es fast unbewohnt, jedoch kommen von Süden her in gewisse von der Natur bevorzugte" Striche ein­zelne tibetanische, aber nur fleine Familien auf Zeiten ins Land, das von ihnen Tschang­Tang: Nordebene" genannt wird. Im Sommer erscheinen Zelte aus dem südwest­lich gelegenen Gertselande, dessen Bewohner größere Herden besigen, die sie in der Nähe der zahllofen abflußlofen Seen weiden, wo­selbst es turze Zeit gutes und reichliches Futter gibt. Gegen den Herbst ziehen sie wieder südwärts. Dagegen erscheinen um diese Zeit erneut fleine Gruppen ärmerer Stämme im Lande, denen die Viehzucht Nebensache, die winterliche Jagd Hauptsache ist, und die den ganzen Winter in der ent­setzlich rauhen Gegend verbringen. Sie

Stunden verstrichen. Die Sonne er. flomm den Zenith und begann ihren Ab, stieg nach Westen. Die leichte Brise schlief ganz ein. Hängchr" trieb dreißig Meter weit draußen auf dem stillen Wasserspiegel. Plöglich aber, er mußte selbst nicht, wie's tam, machte Hängohr" eine unvorher­gesehene Entdeckung. Er steckte seine Hände ins Wasser und fing an zu paddeln. Zu nächst tam er nur ganz langfam voran und fonnte feine bestimmte Richtung einhalten. Dann drehte er allmählich den Stamm mit einem Enbe nach dem Ufer zu und ruderte aus Leibeskräften mühsam näher und näher. Großzahn" fah verwundert zu und hockte wartend am Ufer, bis sein Freund ans Land sprang.

" Hängohr" hatte etwas Neues gelernt. Sein Freund begriff das noch nicht. Später am Nachmittag stieß Hängohr" absichtlich vom Ufer ab und ruderte auf seinem Stamm umher. Noch etwas später überredete er feinen Freund, mit ihm hinauszurudern. So lernten beide die Ruderkunst und ver brachten die nächsten Tage bei diesem neuen Sport auf dem Waffer. So eingenommen

Paulie Poller Fibs

P. Potter: Die Aderpferde. Seite lagen, zeigte sich, daß jeder mit einer Hand und einem Fuß auf dem Stamm des anderen stehen konnte. Dies ergab die will­kommene Entdeckung, daß dann die Stämme nicht rollten, und daß jeder mit seiner freien Hand und seinem freien Fuß auf der Außen­seite rudern konnte. Und endlich fand sich, daß sie noch fleinere Stämme benutzen und noch schneller vorwärts rudern konnten, wenn sie zwei Stämme so nebeneinander festhielten. Weiter gingen ihre Entdeckun gen einstweilen nicht. Sie hatten das ein­fachste Floß erfunden, ohne diesen Begriff zu kennen. Sie verfielen nie auf den Ge­danken, zwei Stämme mit Ranken zusam­menzuschnüren. Es genügte ihnen, die Stämme mit Händen und Füßen zusammen­zuhalten. ( Fortsetzung folgt.)

Die Tschangpas.

Das nördliche Tibet ist ein ausgedehntes Hochland, die Fortsetzung des Karaforum­gebirges, des, nach dem von Sven Hedin entdeckten Transhimalaja, höchsten Gebirgs­rückens der Erde. Im Sommer eine bren­nendheiße Sand-, im Winter eine entseglich

werden Tschangpas: Leute des Nordens", genannt und besigen nur wenige gezähmte Yats( Grunzochsen) und Schafe, die bei den einfachen Hütten sich die Reste der Som­merpflanzen aus dem Schnee scharren müssen.

Diese Jägerfamilien verfolgen den wil­den Yak, der hier zuhause ist, den Wildesel sowie die verschiedenen Antilopen- und Wild­schafarten, die in dieser Gegend leben. Im hügligen Gelände schleichen sie sich, wie He­din berichtet, gegen den Wind an. Das be ständige Leben im Freien hat ihre Sinne unglaublich geschärft. Sie fennen die Eigen­fchaften und Gewohnheiten der Yaks genau und wissen, wie weit sie gehen können, ehe sie die Grenze seiner Sinnesschärfe über­schreiten. Sie wissen, daß sein Gesichts­und Gehörsinn nicht besonders fein ent­wickelt sind, daß er aber den Jäger bald mittert, so daß der Angriff genau gegen den Wind erfolgen muß. Obgleich er in seinem dicken Belz auf die Jagd geht, schleicht der Jäger doch so lautlos und geschmeidig wie ein Panther am Boden hin, bis er sich feiner Beute auf Schuhweite genähert hat. Dann legt er die altmodische Flinte auf die Gabel, schlägt mit dem Stahl Funken aus dem Feuerstein , fängt fie mit Zunder auf, setzt das Ende der Zündschnur in Brand