Aus dem Inhalt: Pariser Verkehrsstreik beendet Faruk entläßt das Wafd-Kabinett Ein SdP-Arbeiter kommt zur Sozialdemokratie Das Urteil ImPatria-Prozeß Goebbels auf Japanisch Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 70 Heller Redaktion und Verwaltung: PragXII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Verantwortlicher Redakt««: Karl Kern,Prag 17. Jahrgang Freitag, 31. Dezember 1937 Nr. 307 i «i Wie verlautet, hat das Marineministerium ein mehrjähriges Bauprogramm ausgearbeitet, das die Kiellegung von 10 biS 15 schweren Kreu­zern von je 10.000 Tonnen vorsieht. Die sollen mit srchszölligen Geschützen bestückt werden. Die Baukosten sind auf je 20 Millionen veranschlagt. Washington.(Renter.) Innenminister Ickes hielt Donnerstag abends eine große Rund­funkrede an daS amerikanische Bolk. Er sagte u. a., die konzentrierte Macht des amerikanischen Reichtum- müsse im Laufe der künftigen Session deS Kongresses gezwungen werden, sich den amerikanischen Gesetzen zu unterwerfen. Der unversöhnliche Konflikt der Finanzmacht mit der Kraft des demokratischen Instinktes habe während der letzten Monate einen solchen Grad er­reicht, daß rS heute offensichtlich sei, daß dieser Kampf zu Ende gekämpft werden müsse und daß entweder die Plutokratie oder die Demokratie, entweder 60 amerikanische Fami- lien oder 120 Millionen Amerikaner siegen wer­den. Diese 60 Familien drohen«ns mit ihrer Finanz- und Wirtschaftsmacht, ihnen entweder freie Hand zu lassen, um frei und ohne jede Be­schränkung ihr« Spekulationen vornehmen und uns alle gleich schrankenlos beherrschen zu können, oder die Bereinigte« Staaten ihren ersten General­streik mit verschränkten Armen erleben zu lassen, keineswegs jedoch einen Streik der Arbeiter, keines­wegs einen Streik des amerikanischen BolkeS, son­dern den Streik der 60 Familien und den Streik des Kapitals, daS zwar von der gesamten ameri­ kanischen Ration geschaffen wurde, dessen Kontrolle sich jedoch diese 60 Familien bemächtigt haben. Wenn das amerikanische Bolk diesen Bluff znrückweisen wird, dann werde Amerika demokra­tisch und frei sein, unterwirft sich jedoch daS ame­ rikanische Bolk diesem Bluff, dann wird Amerika ein großes Geschäft werden, rin faschistisches Amerika , ein versklavtes Amerika . ein Interview mit dem Evenlns Standard** Kanton bombardiert Kanton. (Reuter.) Japanische Flieger begannen Donnerstag ein heftiges Bombardement von Kanton und Umgebung. Ein großer Teil der Bevölkerung nahm in unterirdischen Drckungeu Zuflucht, während di« Flugabwehrverteidigung energisch eingriff. Di« Japaner hatte« es offen­sichtlich auf das Arsenal und auf die Industrie­unternehmungen abgesehen. Wie es scheint, haben die Angriff« jedoch nur wenig Opfer gefordert. Die Bevölkerung setzte nach Beendigung des Bombar­dements in aller Ruhe ihre normale Tätigkeit fort. Wie derC« r« n t« I" meldet, wird eine der ersten Regierungsmaßnahmen die Zurückzie­hung der Schankkonzessionen sein, welche von Juden ausgrübt werden. Inden werden ferner nicht mehr das Recht haben, Tabaktrafiken oder Berschleißstellen sonstiger staatlicher Monopol, artikel zu führen. In der Linie dieser Maßnahmen liegt auch demCurentul" zufolge daS Verbot für jüdische Kaufleute, sich in Dörfern niederzu­lassen. Ferner soll der jüdische Land-Grundbesitz enteignet werden. Auch sollen alle Einbürgerungen revidiert werden, um allen jenen das Staats­bürgerrecht zu entziehen» welche eS aufunrecht­mäßige" Weise erworben haben. Die Entziehung von Schankkonzessionen soll sich auch auf all« Aus­länder beziehen. Auch die Konzeffionierung zur Er- zrngung und Bertrilung von SpiritnS soll mit den politischen Anschauungen der nationalchristlichrn Partei in Einklang gebracht werden. Wohlwollende Haltung der Liberalen DieJndependence Roumaine", welches nunmehr lediglich als offiziöses Organ der Libe­ralen anzusehen ist, veröffentlicht einen Artikel, in welchem gesagt wird, daß die liberale Partei gegenüber der neuen Regierung eine wohl­wollende abwartende Haltung einnehmen werde. Rebellenaufmarsch Im SQden? Gibraltar.(Ag. Esp.) Dienstag nachmit­tags haben mehrere Lastwagen mit deutscher Infanterie, ausgerüstet mit modernsten automa- tischen Schußwaffen, von Algeciras kommend. La Roque in der Richtung nach Malaga durch­fahren.'Gegen Ende der vorigen Woche sind von Sevilla und Zlerez 4500 Mann und von Alge­ ciras 3000 Mann an die Cordobafront geschickt worden. Die Reellen konzentrieren sehr viel Kriegsmaterial bei Cabra, wo auch einige Panzer­züge stehen. London.(Eigenbericht.) DerE v e n» ing Standard" veröffentlicht ein Inter­view mit dem neuen rumänifchen Ministerpräsi­denten Goga, der erklärte, daß der Grundsatz sei­ner Politik die ParoleRumänien den Rumä­nen" sein werde. Seine Partei sei nicht prin­zipiell antisemitisch, werde jedoch den Ein­fluß der ausländischen Juden auf die Industrie, den Handel und die geistigen Beruf« beseitigen. Goga beabsichtige, diese Juden aus ihren Stel­lungen zu werfen und st« durch Rumänen zu er­setzen. Die Industrie werde nach dem Muster der faschistischen Länder organisiert werden, doch werde das rumänische Regierungssystem sonst keine besonderen Aehnlichkeiten mit diesen faschi- stischrn Systemen haben. DaS Rrgirrungssystem werde sich von den früheren Systemen nicht we­sentlich unterscheiden, die Berfaffung werde nicht geändert werden, doch beabsichtige Goga rin« Re- volution durch friedliche langsame und stabile Methoden zu erzielen: London . WieEvening Standard" berichtet, ist zwischen der polnischen und der französischen Regierung eine Verständigung darüber erzielt worden, daß die Insel Madagaskar für jüdische Auswanderer aus Polen zur Verfügung gestellt werden soll. Schanghai . Die amerikanischen Flüchtlinge aus Tsingtau erzählen, dah bereits drei Viertel der Bevölkerung der Stadt sich nach dem Innern Chinas begeben haben. Mit der Bevölkerung ver- ließen auch di« Martneschützen und di« Polizei die Stadt und verblieben dort nur etwa 1000 Mann, die das BernichtungSwerk an japa­nischen Eigentum beenden: Mittwoch früh wurde die Stadt durch mehrere Explosionen aus dem Schlafe geschreckt. Die Chinesen hatten die Ka­belstationen in die Lüft gesprengt. Auch die Te­legraphenämter und Radiostationen wurden zer­stört. Vier britische Dampfer, mit Flüchtlingen dicht gefüllt, sind nach Schanghai ausgelaufen. Hinsichtlich der Außenpolitik be­merkte Goga» daß die neue rumänische Regie­rung eine engere Freundschaft mit En gland herbeiführen wolle, als sie bisher bestand Uebcr das Verhältnis zu Frankreich , das bisher außerordentlich herzlich war, äußerte Goga, Ru­ mänien werde mit einem Lande» das sich in so enger Freundschaft mit England befinde wie Frankreich , ebenfalls ein treuer und verläßlicher Freund sein. Mit Deutschland werde ein Han- delspakt abgeschlossen werden, doch werde die innenpolitische Lage Rumäniens nicht zwangs­läufig dazu führen, daß die Freundschaft Rumä­ niens zu Deutschland und Italien anders geartet sei««erde als zu anderen Staaten. Goga hoffe jedoch, die Beziehungen zu den beiden Ländern z« besser«. Die Regierung beabsichtigt, die Durch- führung von Gemeindewahlen und(offenbar nach dem Verbot der gegnerischen Presse) die Abschaf, i fung der Pressezensur. Demokratie gegen Plutokratie Amerikas Innenminister ruft zum Kampf gegen die Finanzmagnaten USA -Flusseschwader nach Hawai Washington . Der Marineminister be­schloß, die Entsendung einer Eskadrille nach Pearl L>arbour auf Hawai zur Berstärkung der dor­tigen Flugbafis um einen Monat vorzuver- legen. Die Eskadrille verläßt San Diego am 18. Jänner. geschriebenen zwei Prozent der Gesamtstimmen­zahl(3,072.000) nicht erreichten. Loyal respektieren Ein Telegramm an Krofta Der neu-rnannte rumänische Außenminister Jstvati Micescu sandte dem Minister des Aeußern Dr. Krofta folgendes Telegramm: Aus Anlaß meiner Ernennung zum Mini­ster für Auswärtige Angrlegenheten sehe ich rS als meine Pflicht a«, Euer Exzellenz zu ver­sichern, daß ich zur Aufrechterhaltung deS Friedens beitragen will und die Berpflichtungen und freundschaftliche« Bande, die»nS verbinden, loyal respektiere. Auch bin ich glück­lich, daß ich mit Euer Exzellenz spätestens auS Anlaß der nächsten Tagnug der Kleinen Entente persönliche Beziehungen änknüpfen kann. Jstrati Micescu." Paris . Die Agence Havas meldet auS Bu­ karest : Der neue Außenminister Micescu sandl» dem französischen Außenminister Avon DelboS eine Depesche, in welcher er ihn der Treue, der Freundschaft und der Bundesgenoffenschaft Ru­ mäniens mit Frankreich versichert. Verdeusimz vor Italien Ministerpräsident Goga hat der in Bukarest arbeitenden AgenturOriente" folgende Erklä­rung abgegeben: Ich brauche meine alten Gefühle der In- nKgung gegenüber Italien nicht zu erneuern. Die Politik der Annäherung an Italien , welche ich während der Opposition stets vertreten habe, wird nnnmehr, da ich an der Regierung bin, ver­wirklicht werden." Bulgarien sperrt sidi gegen Flüchtlinge ab Sofia . Wie der Reuter-Korrespondent er­fährt, hat die bulgarische Regierung jüdischen und anderen Flüchtlingen auS Rumänien das Betre­ten bulgarischen Staatsgebietes verboten. Gogas erste Tat Einstellung dreier demokratischer Blätter Bukarest . Wie derCurentul" meldet, find die BlätterD i m i n e a t a",Ade- v« r u l" undL« p t a " durch Ministerrats Veschluß e i n g e si e l l t, worden. Diese Bestimmung ist den Berlagsleitungen noch im Laufe der Rächt bekanntgegrben worden. Donners­tag krüh ist dieDimineata " nicht mehr erschienen. Sämtliche genannten Zeitungen waren link­orientiert. Antisemitische Maßnahmen folgen] Die endgültige Mandatsverteilung Nach achttägigem Warten hat der Oberste Wahlausschuß amtlich die Verteilung der Kam ­mersitze bekanntgegeben. Es erhielten: 6ogS5 Berufung auf das faschistische Vorbild Liberale 152 Sitze Rationalzaranisten... 86 u Eiserne Garde 66 Nationalchristliche Partei. 30 Ungarn ...... 19 Georg Brattanu... 16 Junian 9 Auf der liberalen Liste wurden auch vier Deutsche gewählt. Alle anderen Parteien und Gruppen bleiben ohne Mandat, da sie die vor» Rumäniens gefährlicher Weg Das unerfreuliche Halbdunkel, in dem sich die rumänische Politik in den letzten Jahren voll­zog, ist einer unerfreulichen Klarheit gewichen: es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß eS sich bei der Regierung Goga nicht um eine demo­kratische, sondern um eine autoritäre Regierung handelt. Das innenpolitische.Programm des neuen Ministerpräsidenten gleicht aufs Haar dem Programm der Hitler, Goebbels und Göring , und Goga hat durch das Verbot der demokratischen Zei­tungen, die zugleich die größten und angesehensten des Landes sind, den Beweis erbracht, daß er es auch nicht an Forschheit fehlen laffen will. Rumänien , daS von. den revisionistischen Ungarn hart bedrängt wird, hat im Verbände der Kleinen Entente erfolgreich an der AÄvehr dieser revisionistischen Bestrebungen gearbeitet. Die Ungarn werden kaum bereit sein, um der schönen Augen des Herrn Goga willen auf ihre Revisions­bestrebungen zu verzichten. Es ist auch nicht gut anzunehmen, daß die Ungarn Ratschläge dieser Art befolgen würden, selbst wenn diese Ratschläge auS Deutschland kämen, daS die Etablierung der Regierung Goga ebenso begrüßt, wie es die Exi­stenz der Kleinen Entente bedauert. Rumänien kann aber auch keine Beunruhigung seiner LandeS- grenzen durch die Sowjetunion brauchen; die Sta­bilität der Verhältniffe an diesem Teile der rumänischen Grenze war in den letzten Jahren durch die Verbindung der rumänischen Außenpoli­tik mit der tschechoslowakischen gesichert. Rumä­ nien bedarf auf militärischem Gebiet der Unter« stützung durch die Tschechoslowakei , auf finanziel­lem der Hilfe Frankreichs . Die faschistischen Freunde Gogas in Rom und Bersin, unzureichend gerüstet und finanziell auSgeblutet, können in die­ser Hinsicht die bisherigen Freunde Rumäniens nicht ablösen. ES ist deshalb glaubhaft, daß der rumänische König keine andere Außenpolifik haben will als die bisherige. ES ist aber unwahrschein­lich, daß der autoritäre Kurs im Innern, den die Regierung Goga bereits eingeschlagen hat, keine Rückwirkungen auf die Außenpolitik haben wird. Vorläufig hat Goga erklärt, die bisherige Außen- politik werde fortgesetzt werden. Diese Außenpoli­tik war bisher jener der europäischen Demokratien koordiniert. Der Widerspruch Zwischen autoritä­rer Innenpolitik und demokratischer Außenpolitik wird nicht lange aufrechtzuerhalten sein. , Warum wurde, als die Mission TatareScuS gescheitert war, nicht die nächststärkste Partei, die NatiSnalzaranisten, berufen? Warum haben sich die demokratischen Rationalzaranisten durch rin Wahlbündnis mit den faschistischen Eisernen Garte« kompromittiert? Warum wurden, wenn in Rumänien schon autoritär regiert werden soll, nicht die stärkeren und agileren Eisernen Gar­den berufen, hinter denen ein großer Teil der rumänischen Jugend steht? Nun, die Ursache für daS unnatürliche Bünd­nis zwischen Rationalzaranisten und Eisernen Garden war die gemeinsam« Ablehnung gewisser Verhältniffe am königlichen Hof. Das Verhältnis zwischen dem König und diesen beiden Parteien ist außerordentlich schlecht, so schlecht, daß bei dem Besuche deS französischen Außenministers Telbos in Bukarest ein eigener Empfang für die oppositionellen Parteien abgehalten werden mußte, die es ablehnten, sich an dem offiziellen Empfang zu beteiligen. Die Rationalzaranisten sind jedoch weit davon entfernt, Feinde des monarchisttschen Systems zu sein. Der König hat aber die Rationalzaranisten nicht gewollt, ihre Berufung, insbesondere aber die Berufung seines Gegners Maniu war für ihn nicht tragbar. DaS gleiche aber gilt für Codreanu, den Führer der Eisernen Garden. Von zwei so starken Par­teien bedrängt, hat der König eine starke inner­politische Hand gewählt, von der er hofft« daß sie die von ihm gewünschte Ordnung schaffen wird. Er hat nur übersehen, daß er dadurch die Kräfte der Opposition noch stärker zusammen- manövrierte. Goga stützt sich auf die staatliche Exekutive. Aber diese ist, was das Verhältnis zu den Eiser­nen Garden betrifft, nicht zuletzt durch die Schuld der Innenpolitik TatareScuS, ziemlich löchrig. Dazu kommt, daß nun wohl auch ein Teil der Liberalen eine scharfe Oppositionsstellung be­ziehen wird. In anderen Ländern hat eine faschistische Partei gegen die demokratischen Par-