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Nun, Ontelchen! Jetzt soll es losgehen!" sagen die Damen in hellen Reijetoilette.

Wollt Ihr denn nun wirklich nach Bergen?"

" Ja gewiß! Wenn's geht, sogar nach den Lofoten und nach Hammerfest!"

ihre gerechte Strafe gefunden. Und nun ereignet sich der Fall oder] etwas, was so aussieht, in Wirklichkeit. Ein Hauptmann Dreyfus der soll ertappt sein. Sofort bemächtigt sich die erregte Phantasie dieses Falles. Man empfindet die Bestrafung, das große Schauspiel der Degradation, mit vieler Genugthuung. Die Schrecken der Teufels­insel können nicht furchtbar genug ausgemalt werden. Dann werden Stimmen laut, die da zweifeln, ganz natürlich- mächtige Bundes­genossen des Verräthers, die ihren Komplizen los haben wollen. Die Finsterlinge um Dreyfus auf der einen, die strahlenden Kriegs­helden, die das Vaterland retten, auf der anderen Seite, das Sen­sationsstück ist fertig. Wie unverschämt solche Dinge literarisch aus­genugt werden, beweist, daß sich ein solches Antidreyfus- Stück in Paris sogar an das helle Licht der Rampen wagen durfte.

Nein, Kinder, das geht aber doch nicht, daß Ihr Euren Papa wieder wie im vergangenen Jahre zu längerer Bummelei ver­anlaßt." Aber Papa hat es doch wirklich nöthig!"

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bestellen."

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Ich auch! Nun, Benno, Du wirst ja wissen, was Du ge thun hast." Selbstverständlich; die dummen Dinger haben garnichts zu Die so groß gezogene Stimmung eines großen Theils des Und fieh' mal, Eure Villa in Westend ist ja auch nicht übel. Wolfes, die Thatsache, daß ein ritterlich veranlagtes Bolt sich durch Der schöne Garten und wenn ich das hätte, möchte ich garnicht chauvinistische Verhegung zu einer solchen Blindheit treiben ließ, verreisen." ist das schwerwiegende Phänomen an dem ganzen Handel. Aber Onkelchen, Du wirst uns doch nicht zumuthen, ewig in Die deutschen Zeitungen beschäftigen sich fast durchgehend der Villa zu hocken! Man muß doch seinen Nerven ein bischen Ab­in großer Ausführlichkeit mit dem Fall Dreyfus. Der Ton, wechselung bieten sonst wird man ja krank. Nein, im Sommer in dem sie die Nachrichten wiedergeben, und die Kommentare muß man sich auch auffrischen!" dazu zeigen, daß die nationale Verblendung in bürgerlichen Kreisen Sie tehren plaudernd nach der mit Hutschachteln, Körben und stetig Fortschritte macht. Wie oft fühlt man ein gewisses Behagen Koffern bepackten Equipage zurück. Der alte Schmied, ein kleiner über die schlechten Zustände beim Nachbar und die pharisäische Mann, der mit eingefnickten Knien und tiefgebogenem Rücken da­Empfindung durch, daß bei uns, im hehren Deutschland , so etwas steht, nimmt den Schürhaken zur Hand und stochert in der Gluth. natürlich unmöglich ist! Sehr richtig; aber das ist schlimm genug. Die Arbeiter springen auf, es läutet. Sofort brummen die Ma­Bei uns wäre es allerdings in bürgerlichen Kreisen ganz unmöglich, schinen wieder und die Hammerschläge flingen. Und der Alte legt daß sich für einen Dreyfus eine starke Bewegung, die auf die Dauer ein glühendes Eisenstück auf den Amboß, er sieht auf die sprühende nicht niederzuhalten ist, erhöbe. Und wenn auch das französische Esse und das flackernde Kesselfeuer, zwischen denen er steht, und Offizierkorps fich ebenso gut wie bei uns immer stärker zum Fremd- brummt:" Ja, ja, im Sommer muß man sich auffrischen!" förper im Volfe entwickelt, es ist undenkbar, daß bei uns die Sache eines abgeurtheilten Offiziers derartige Diskussionen in der breiten Oeffentlichkeit hervorrufen könnte; der Prozeß ist in Deutschland eben schon viel weiter gedichen.

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Theater.

Physiologisches.

Das neue Theater in Christiania , das unter dem Namen Norwegisches National- Theater" am 1. Januar 1899 eröffnet In derselben Weise wie den Fall Dreyfus behandeln deutsche werden soll, ist theils mit bedeutenden Zuschüssen von seiten des Zeitungen die Nachrichten über den Untergang der Bourgogne ". Storthings, theils dant reichlicher Subskriptionen von Privatleuten Die französischen Matrosen sollen sich arge Nohheiten gegen die aufgeführt worden. Es ist ein Bauwerk von imponirendem Aeußern Passagiere haben zu schulden kommen lassen. Sie sollen zunächst und in seinem Innern mit einem für skandinavische Verhältnisse auf ihre eigene Rettung bedacht gewesen sein, andere mit Gewalt einzig dastehenden Lugus ausgestattet worden. Zu beiden Seiten zurückgehalten haben. Von franzöfifcher Seite wird dies energisch des Haupteingangs werden die Kolossalstatuen von Henrik Ibsen und in Abrede gestellt. Die Nachrichten vom Untergang lauten so wider Björstjerne Björnson aufgestellt. Ein Sohn des letzteren, der bei sprechend, daß über keinen einzelnen Punkt ein flares Bild zu ge- den Meiningern in die Schule gegangen ist und vor kurzem das winnen ist. Und trotzdem ist es sofort für deutsche Zeitungen aus- Drama" Johanne" geschrieben hat, ist zum Direktor des National­gemachte Thatsache, daß die französischen Matrofen rohe Kerle find Theaters ernannt worden. und sich an den deutschen ein Beispiel nehmen könnten. Derartige Klagen werden von den Passagieren doch nach jedem größeren Schiffsunglid erhoben. Sie haben bezahlt und glauben damit Eigengeruch der Menschen. Vorurtheilslose Physio­den Anspruch erworben zu haben, daß ihre Nettung jeder anderen Togen haben immer zugegeben, daß die Beobachtungen des Woll­vorangehe, und zwar je nach der Höhe der Einzahlung. Apostels Jäger nicht aus der Luft gegriffen sind, wenn sie auch mit Mit dem Schicksal der Passagiere der ersten Klasse beschäftigte sich dessen übertriebenen Folgerungen nicht einverstanden waren. A. Bothe eine ganze Reihe von Telegrammen besonders. Erst hieß es, fie theilt im Archiv der gesammten Physiologie" Beobachtungen mit, wären alle gerettet; dann stellte sich heraus, daß keiner von diesen welche Jäger's Ansichten bestätigen und theilweise sogar erweitern. gerettet war, weil ihre Kabinen in der Gegend des Schiffes lagen, Nach Bethe hat jedes Individuum seinen eigenen Geruch, an dem in welcher der Zusammenstoß erfolgte. es nicht mur von Hunden, sondern auch von Menschen mit empfindlichem Geruchsorgan erkannt werden kann. So fennt Bethe einen Herrn, der in einer Gesellschaft von zwanzig und mehr Personen jede einzelne mit verbundenen Augen sicher erkennt, der riecht, wenn jemand in seiner Abwesenheit im Zimmer oder bei Be­kannten war. Der Eigengeruch ist nicht angeboren, sondern ent­wickelt sich allmälig, scheint in der Zeit der Pubertät seine volle Ausbildung zu erreichen und von da an gleich zu bleiben. Alle Mit­ihrer glieder einer Familie haben im Geruche etwas gemeinsam schiedenen Orten leben, was also nicht von der übereinstimmenden Ernährung und Lebensweise bedingt sein kann. Vermuthlich beruht die Verschiedenartigkeit der Eigengerüche auf einer veränderlichen, aber für jedes Individuum beständigen Zusammensetzung der Stoff­wechsel- Produkte, besonders der Fettsäuren, und diese Unterschiede im Stoffwechsel können nur durch Keimvariation entstehen, gerade so wie die verschiedenen Gesichtszüge.-

Es scheint ja in der That, daß auf dem Schiffe nicht alles in Ordnung gewesen und daß bei größerer Umsicht der Bemannung noch mehr Leute hätten gerettet werden können. Aber man braucht sich nur vorzustellen, unter welchen Umständen sich das Unglück er­eignete, daß nicht alle Boote klargemacht werden konnten, daß daher wohl einige von den Booten zurückgestoßen sein können, weil sie sonst übervoll geworden wären, man braucht nur daran zu denken, daß die um das Leben kämpfenden Passagiere in

Ang taun scharfe Buſchuldigungen zu halten hat. Charakteristisches, was ihnen erhalten bleibt, wenn sie auch an ver­

wiffen, was man von

Es charakterijirt nur die deutschen Beurtheiler, wenn sie den Fall in folcher Weise ausnutzen. Wie man, auch angenommen, es wäre alles Gemeldete wahr, gleich von den französischen Matrosen im allge­meinen sprechen konnte, ist überhaupt unerfindlich. Vor kurzem erst wurde von der Heldenthat französischer Matrosen berichtet, die unter furchtbaren Mühen im Sturme zweihundert Insassen eines in Noth gerathenen holländischen Schiffes retteten. Was hat man nicht ge spöttelt, gehöhnt, geschimpft über die Franzosen , die durchaus als ,, grande nation" etwas vor allen anderen voraus haben wollten! ie. Ein Bohnenkrebs. Eine gefährliche Krankheit der Es scheint, als ob die deutschen Philister ihnen in dieser wider- Bohnen wird von dem Engländer Massee in Gardeners Chronicle" wärtigen Arroganz zum mindesten gleich kämen.-

Kleines Feuilleton.

h- d. Ferieuzeit. Es ist still auf dem fleinen Vorhof der Fabrik, die zwischen verräucherten und verwitterten Hinterhäusern liegt. Die jungen Damen und den Herrn, die eben vor dem Gitter aus der Equipage gestiegen sind, berührt die Ruhe peinlich. Große Refsel liegen breit, schwarz in der heißen Sonne. Aus den Fenstern der Fabrik ertönt nicht wie sonst das Brummen und Schnarren der Maschinen. Nur dort, aus dem Kesselhaus scheint das Feuer. Da ist ja Onkel!" Sie gehen alle in das Kesselhaus. Der Onkel, ein großer graubärtiger Mann, dessen Gesicht den Kaufmann zeigt, kommt ihnen lächelnd entgegen. Er hat eben mit einem alten Schmied gesprochen. Der steht noch vor seiner Esse mit einer Welle in der Hand. Sein Draufschläger und die anderen Arbeiter sizzen auf alten Maschinentheilen herum und frühstücken. Also darum die Nuhe! Nur der Heizer schaufelt Kohlen in das flackernde Feuer unter dem Reffel,

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Aus dem Pflanzenleben.

beschrieben und als Bohnenkrebs bezeichnet. Diese Krankheit, die seit einigen Jahren in den englischen Gemüsegärten bedenkliche Fort­schritte macht, tritt an den Blättern, Stengeln und jungen Trieben der Pflanze auf. Besonders auffällig zeigt sie sich an den jungen Trieben in Form dunkler Flecken von geringer Größe, die einzeln von einem rothen Kreise umgeben sind. Die Flecken, die von einem Pilze herrühren, nehmen allmälig an Größe zu, verschmelzen, wenn sie einander sehr nahe rücken, ineinander, so daß größere unregel­mäßige Flecken entstehen, die Vertiefungen in dem gesunden Gewebe bilden. Auch die Schote einer erkrankten Pflanze bekommt ein ganz besonderes Aussehen, sie ist gewöhnlich verbogen und miß­nehmen zu gestaltet.. Befällt das Uebel die Blätter, so dann bilden nächst die Adern eine schwarze Färbung an, sich Flecken, die immer größer werden und das darunter befindliche Gewebe derart angreifen, daß vollständige Löcher in dem Blatte ent­stehen. Wirft sich der Schmaroger auf die Stengel, so bekommen dieselben ähnliche Verlegungen, oberhalb deren die Organe welken Fund aus Mangel an Nahrungszufuhr absterben. Sogar die Frucht