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Brief aus der Tasche, den er nochmals las. Der Brief] Als er das Afyt erreichte, fand er dessen Thür offen lautete: ftehen; er trat ein. Er fam in cin langes, schmales Zimmer,

Die Journalisten."

Hochwürdiger Herr Pfarrer! Es thut mir ungeheuer in dem er eine Weile stehen blieb, um sich über die Dertlich leid, daß ich Sie meinetwegen bemühen muß, aber ich weiß, feit zu orientieren. In der horderen Hälfte des Zimmers daß Sie meine Lage verstehen werden. Seitdem ich nämlich war es fast ganz dunkel, während der hintere Teil durch ein nach London gekommen bin, habe ich noch keine Arbeit finden im Kamin brennendes Feuer erhellt wurde. In der Mitte können. Und, lieber Herr Pfarrer, ich habe kein Geld mehr. war ein Zisch, auf dem zwei Lampen standen und um den Das ganze Geld, das mir meine Mutter hinterlassen hat, ist herum eine Anzahl Männer saßen, die sich mit Kartenspiel schon alle geworden. Ich sage Ihnen auch meinen herzlichsten die Zeit vertrieben. ( Fortsetzung folgt.) Dank für das Gute, das Sie mir und ganz besonders meiner lieben Mutter erwiesen haben. Ich hoffe und vertraue auf Gott , daß diese Trübsal bald wieder schwinden wird, aber, lieber Herr Pfarrer, schicken Sie mir etwas Geld. Sowie ich Arbeit bekomme, schicke ich es Ihnen wieder. Ach, guter Herr Pfarrer, Sie können es sich nicht vorstellen, wie schwer es mir fällt, Sie bitten zu müssen, aber ich habe keine Schuld, und mir geht es so schlecht, daß ich wohl noch frank werden werde. Wenn Sie so gut fein wollen und mir meine Bitte zu gewähren, dann wäre ich Ihnen zeitlebens sehr dankbar. Es empfiehlt sich Ihnen

ein armer Mann, dem es sehr schlecht geht, Joseph Coney. Ach, lieber Herr Pfarrer, sagen Sie doch allen Leuten bei uns zu Hause, daß sie ja nicht nach London kommen follten, hier finden sie keine Arbeit, nur verhungern können sie hier."

Wenn es unrecht von mir war, daß ich nach London fam, so war es wenigstens nicht meine Schuld," dachte Jos bei sich. Jm Dorfe war keine Arbeit mehr zu haben und es war doch am wahrscheinlichsten, in London Arbeit zu finden. Und angenommen, ich wäre irgendwo anders hin­gegangen, so wäre es mir, vermute ich, genau ebenso schlecht gegangen. Die Arbeit ist überall knapp; es sind eben zu biele von uns da, und die Arbeit reicht nicht für alle."

Beim Weitergehen dachte er an Polly Elwin. Er war froh, daß sie ihn jezt nicht sehen konnte und auch nicht wußte, wo er hin ging. Seit drei Monaten, seitdem er von ihrer Mutter weggezogen war, waren seine Aussichten immer trüber geworden. Morgen schon mußte er es versuchen, in den Docs Arbeit zu finden, denn dann hatte er keinen Pfennig Geld mehr.

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Freytags bekanntes Lustspiel wurde am Sonntag von der Stüdes muß in mehr als einer Beziehung als eine glüdliche bes " Freien Volksbühne aufgeführt. Die Wahl eben dieses zeichnet werden. Einmal liegt ein Schimmer echter Poefie über der Dichtung, und zum andern schildert sie politische Vorgänge, die als solche dem Publikum der Freien Volksbühne recht nahe liegen. Ja, auf den ersten Blick könnte es fast scheinen, als ob die politischen Vorgänge den eigentlichen Kern des Stückes bildeten. Ein liberaler Professor und ein konservativer Oberst a. D. sind miteinander sehr befreundet. Der politische Kampf aber bringt sie auseinander; sie sind nicht mehr Gegner nur, sondern Feinde. Durch allerlei luftige Intriguen aber, die von einer jungen Dame und einem jungen daß ihr Hag thöricht ist, und reichen fich wieder in aller Freundschaft Redacteur gesponnen werden, kommen sie schließlich zu der Einsicht, die Hände. Um die Verföhnung vollständig zu machen, heiratet der Profeffor noch die Tochter des Obersten und die gemütlichen Es war dies ein Brief an den Pfarrer seines Heimats- Abende", die durch den Gang der Welt so schlimm gestört waren, dorfes, der erste Bettelbrief, den er jemals in seinem Leben sind nun wieder zur allgemeinen Zufriedenheit hergestellt. Das geschrieben hatte. Er steckte ihn wieder in die Tasche, obgleich wäre, wenn man den Konflikt zwischen den beiden politischen Gegnern schon eine Marke aufgeklebt war. für die eigentliche Handling nimmt, so ungefähr der Inhalt des leicht, eine Handlung zu erfinden, die hier und da zum Stückes. Und das wäre erbarmungswürdig wenig. Es ist sehr Lachen reizt. Daß zivci Menschen sich entzweien, unt fich bald darauf wieder zu versöhnen, kann zu sehr komischen Scenen führen, aber nur zu einen Lustspiel führt es nicht. Ein Lustspiel ist mehr als eine schnurrig erzählte Anekdote und mehr als eine Reihe von komischen Situationen. Eine humoristische Bühnendichtung muß uns die Welt so zeigen, daß wir zum Lachen greifen müssen, wenn wir der Verzweiflung nicht verfallen wollen; sie muß uns einen Fall zeigen, um den ohne Humor gar nicht herum zu kommen ist. Wir müssen so gestellt sein, daß der Humor schlechthin not­wendig fommen muß, wenn wir anders den Weg durchs Leben ungebrochen fortsetzen sollen. Daß aber zwei Freunde fich entzweien, 1017 bald wieder mit einander versöhnt werden, braucht ganz und gar nicht den Humor zu wecken. Bei einem solchen Handel kanit es freilich sehr lustig hergehen; er kann sich aber auch in ernsten oder durchaus gleichgültigen Formen Historie von dem tonservativen Oberst und dem liberalen Professor, vollziehen. Wenn Freytag nichts zu bieten hätte, als die lustige hätte er nichts zu bieten. Er hätte dann nichts geleistet als etwa ein Lustspiel à la Moser, was fast noch weniger als nichts ist. Glüdlicherweise aber liegen die Dinge nicht so. Freytag hat mit den Journalisten" nicht nur etwas, sondern sogar viel geleistet, wenn auch lange nicht so viel als Augengruber. Die Redensart, daß die Journalisten" neben Lessings" Minna" das beste deutsche Luſt­Jos hatte sich in Polly schon an demselben Tage verliebt, fpiel" feien, ist seit Anzengruber eben eine Redensart, wenn man sie als er zu Mrs. Elvin als Zimmerherr zog. Nachmittags were nicht mit einem noch härteren Namen belegen will. dem auch sei: die Journalisten" find unter hatte er Polly in ihrem kleinen Zimmer an einer Näharbeit allen Umständen ein Lustspiel, das den Ehrenplatz verdient, den es sizend gesehen. Von diesem Augenblick an hatte er sich in so lange in der Litteratur und im Spielplane der Bühnen ein­feinem Geifte ein Bild von ihr gemalt, ein Bild, das in der genommen hat. Der gleichgültige Zwist zwischen einem konservativen einen oder anderen Weise dem seiner Mutter ähnelte, und in und einem liberalen Professor ist eben nicht der Inhalt des Stückes. irgend einer Weise mit Dingen da unten auf dem Lande in Diefer ganze Vorgang ist vom Dichter nur erfunden, um einem ein­loser Beziehung stand. Er versuchte es gar nicht, seine Gefühle zelnen Menschen Gelegenheit zu geben, seinen Charakter zu entfalten. zu zergliedern, aber Polly stand beständig vor seinen Augen Ein Mensch zeigt erst dann, was er ist, wenn er mit andern Menschen und lebte in seinen Gedanken. Er erinnerte sich der zusammenstößt. Und im Getriebe der Welt enthüllt sich das innere Wesen einer Persönlichkeit. Dieser Oberst, dieser Professor, diese Tage, die sie in dem kleinen Zimmer zusammen ver- Adelheid, dieser Herr v. Senden all diese Menschen werden uns nur bracht hatten, zu jener Zeit, bevor er noch die Verkommenheit gezeigt, damit ein anderer Mensch, der eigentliche Held der Dichtung, und den Schmuß des Ostends kennen gelernt hatte, wirken und schaffen kann. Dieser andere Mensch" aber, der zugleich als er noch ganz frisch vom Lande nach der Stadt gekommen Mittelpunkt und Sinn des Stückes ist, ist sonrad Bolz. In war, wo ihm alles noch so neu und fremd erschienen war. ihm zeigt der Dichter wirklich einen Mann, um dessen Schicksal ohne Er erinnerte sich des Abends, an dem er sie gefragt hatte, ob Humor gar nicht herumzukommen ist. Er ist mit einem klaren Geist fie seine Frau werden wolle. Er sagte damals zu sich: Wir ausgerüstet, hat Phantasie und Wig, wird von einem starken Tempe werden dies thun und wir werden das thun, wenn ich erst weannesherz unter der Weste. An den politischen Kämpfen der Zeit ramient getrieben und trägt neben alledem noch ein ehrliches Arbeit haben werde. nimmt er regen Anteil. Seine lustige Klinge schlägt Wunden, die für den Gegner gar nicht lustig sind. Er wird von seinen Freunden geliebt und von seinen Gegnern gefürchtet. Und trotzdem ist in seinem

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er Polly alles erzählt hätte. Aber je mehr sich seine Lage verschlechterte, desto inniger hielt er an Polly Elwin fest. Wie die Dinge nun einmal lagen, war sie noch das einzige Glied, das ihn mit seinem früheren Leben verband, der Strohhalm, der ihn bor vollständigem Untergang bewahrte. Und überdies liebte er das schöne Methodisten- Mädchen.

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Sich von ihr frei machen? An so etwas hatte er bisher noch gar nicht gedacht. In seiner Absicht lag es vielmehr, so lange auf den Docks zu arbeiten, bis er sich genug Geld er- Schicksal etwas, das sehr wohl einen Mann bedrücken kami. Er spart hätte, um in seinem Gewerbe etwas für eigene Rechnung darf freilich am Wahlkampf teilnehmen, und die Konservativen anfangen zu können. Er war überzeugt, daß er eine Existenz fuchteln, daß es nur so eine Art hat, aber nicht er kommt in die finden müsse, wenn er es nur aushalten könne. Und Polly Stammer, sondern ein langweiliger Spießer, der sich Professor Olden­müßte es ja genügen, wenn er ihr sage, daß er noch immer Häupter, die in den Parlamenten figen, verdächtigen ihn, indem sie dorf nennt. Sein Stil ist knapp und scharf, aber die ehrwürdigen feine Arbeit gefunden habe". Er würde ihr niemals sagen ausstreuen, daß er mit philosophischer Gründlichkeit nicht vereinbar und sie würde auch gar nicht ahnen, wie schlecht es ihm er- sei. Gerade daß sie so leicht und elegant und glänzend nicht gangen und wie nahe er schon dem Verhungern gewesen war. schreiben tönnten. fei ein Beweis für den tiefen Ernst ihrer Staats­