( Nachdrud verboten.)

Schneegelföber.

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Wer einige Uebung in der Beobachtung des Himmels besitzt, der braucht nicht erst auf das schmerzende Reißen in seinem Wetter Inochen zu warten oder das Gebahren der hungernden Hauben lerchen auf der Landstraße und der scharfängigen Schneefrähen auf dem dürren Baumgeäft zu beobachten, um zu erkennen, ob es Schnee giebt oder nicht. Breite, glatte, graue Wolkenmassen schieben fich über den Horizont, ein grauer, dichter Dunstschleier begleitet sie, höher und höher rücken die mächtigen Wolfenflöge, ohne fast ihre Formen zu verändern, da ein einzelnes, einsames Flödchen flattert herunter, und nun noch eines, ein zweites, ein drittes, und jetzt wirbelt ein ganzes Heer von Flocken hernieder.

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Schnee empor, noch höher schleudern rechts und links die Räder fester geballte Massen auf, wenn die Speichen im windschnellen Drehen von der Schneeflut gefüllt werden. In Splittel-, Staub­und Graupelform umgiebt die Maschine ein Wirbel von Eis. Ge­blendet müssen der Führer und der Heizer das Gesicht abkehren; die Teile der Maschine überzieht angefester Schnee, so daß sie wie aus Buder geformt erscheinen. Noch bis vor wenigen Augenblicken spürte man es nicht, wenn die Maschine die niederen Schnee­wellen durchschmitt, doch dort vor dem Einschnitte liegt ein nichoher, breiter Schneewall. Mit voller Dampffraft faust die Maschine in die Schneewehe hinein, hellauf wirbelt, sprüht und dampft die wild angepackte Masse und eine gewaltige, ver zögernde Kraft stellt sich der flüchtigen Bewegung entgegen. Doch noch wird der Schneewall durchpflügt und weiter geht die Es ist schwer glaublich, aber es ist so, daß wir eine richtige Fahrt. Aber immer heiserer faucht der Sturm und immer höher Auffaffung über die Entstehung des Schnees erst seit recht furzer und höher fegt er die rinnenden Schneefluten auf dem Bahnkörper Zeit gewonnen haben. Vordem nahm man an, daß sich der zusammen. Jetzt naht sich der Zug dem berüchtigsten Einschnitt der unter dem Gefrierpunkt abgekühlte Wasserdampf erst zu tropfbar ganzen Strede. Eine mannshohe Schneemauer sperrt das Geleis, flüssigem Wasser verdichte und daß dieses Wasser dann erst zu auf die die Maschine feuchend, umiibelt von glitzernden Schnee­Eis gefröre. Heute wissen wir, daß bei der Schnecbildung die wolken, heranstürmt. Mit voller Schnelligkeit in gerader Linie trifft Zwischenstufe des tropfbarflüssigen Waffers übersprungen wird, fie auf den Schneewall. Wit dumpfein Schlage bricht sie in hinein, die sich, auseinanderfahrend vor und daß der Schnee oder die ihm zu Grunde liegenden mikro- die weiche Masse und polternd flopisch fleinen Eispünktchen unmittelbar aus dem abgekühlten ihr bis zur Höhe des Schornsteins aufftaut Wasserdampf entstehen. In der Chemie nennt man einen solchen und brausend die Maschine überschüttet, daß sich Führer Prozeß, bei dem ein luftförmiger Körper, ohne flüssig zu werden, und Heizer festhalten müssen, um nicht von dem Strom nieder­fofort in den festen Zustand übergeht, Sublimation. Diesen Subli geriffen zu werden. Noch zwei Augenblide behält das Dampfroß mationsvorgang bei der Schneebildung hat bereits Munde ex- feine Geschwindigkeit; wie Waffer schießen die gespaltenen Schnee­perimentell nachgewiesen. Er ließ in einem Glasballon sich fleine massen rechts und links vorbei, aber fürzer und schwerer wird der Mengen von Waifer in gefrorenem Zustande an einer Seite an die Atem, langsamer und langsamer mahlt es in dem hohen, alles ver­Wandungen anlegen und setzte dann den Ballon so in das geöffnete schittenden Schneestanb, endlich noch ein tiefer, ersterbender Hauch - steht. Fenster eines Zimmers, dessen Luft um ein Geringes wärmer als und der Zug

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die Außenluft war, daß die Eisteilchen nach innen gerichtet waren. In einem schneereicheren Winter gehen schon in der Ebene ganz Während mun die wärmere Luft aus dem Zimmer durch den Ballon ungeheuere Schneemassen herab. Noch größer aber sind sie im nach außen strömte, wurden mikroskopische fleine Partifelchen des Eises Hochgebirge. Tyndall hat berechnet, daß seit Beginn unserer Zeit­als Dampf mit fortgeriffen, aus denen an der entgegengesetzten Wan- rechnung in den Alpen eine Schneedecke von 1700 Meter Dide dimg sehr schöne und regelmäßig frystallisierte Schneefloden entstanden, gefallen ist. Der Schnee, der im Jahresdurchschnitt im ganzen die nur sehr lose an dem Glase festhingen. Die Beobachtungen der Forstgebiet der Schweiz fällt, beläuft sich auf rund 143 179 Millionen Luftschiffer und Nordpolarforscher sprechen dafür, daß der Berlauf Stubikmeter. Und der größte Teil dieser Massen schmilzt im Früh der Schneebildung in der freien Natur ein ganz ähnlicher ist. jahr und eilt in brausenden Bächen in die Thäler hinab. Man hat Uebrigens hat man auch sonst zuweilen Gelegenheit, die Schnee- ermittelt, daß die Kegel, die die Lawinen am Ende ihrer Bahn auf­bildung genau zu verfolgen. So hat man an sehr falten Tagen häufen, 10, 20 and 100 tausend Kubikmeter Schnee umfassen. Die­wiederholt feststellen können, daß, wenn man die Außenluft durch ein felben Mengen an Wasser dürften in der Schneeschmelze die ein geöffnetes Fenster in ein gut geheiztes Zimmer eindringen ließ, der 3elnen Gebirgsbäche aus ihrem Zuflußgebiet abführen. All die Wafferdampf sofort zu fleinen Schneekrystallen gefror. Eine gewisse Rinnfale, Bächlein und Bäche führen aber ihr Wasser im gemeinsamen Berühmtheit hat ein Petersburger Vorkommnis aus dem Jahre Flußbett zusammen, und so ist es denn kein Wunder, wenn im Früh 1773 erlangt. Ein Konzertsaal war derartig überfüllt, daß mehrere jahr in der Ebene die gewaltigen Hochwaffer anschwellen, die als Damen vor Hize ohnmächtig wurden. Hasch entschlossen, schlug die legte Folgewirkung der winterlichen Schneegestöber zu betrachten einer der anwesenden Herrn ein Fenster ein, um der frischen Luft find.- Leonhard Fint. schnell Zutritt zu verschaffen. Da verdichtete sich der Wasser­dampf zu Schnee, der lustig im Saal auf die Versammlung nieder­flatterte.

Kleines Feuilleton.

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Bekanntlich feßen sich die Schneeflocen aus sechsstrahligen Sternchen zusammen, von denen gegen 140 verschiedene Formen be g. Der arme Hund.' n Froschen de Schachtel Wachsstreich­kannt sind. Die Form und Größe dieser Schucegebilde ist nun bis hölzer!... Einen Froschen de Schachtel Wachsstreichhölzer!" zu einem gewissen Grade abhängig von der herrschenden Temperatur. Kaufen Se doch' n verjnügten Seehund, Madamchen! Zwee Je fälter es ist, desto dünner und kleiner sind die Schneekrystalle und Froschen der verjnügte Sechund er braucht teen Futter und beißt desto mehr wiegen die Schneeplättchen vor, während bei höheren ooch nich!" Temperaturen vorzugsweise größere, wohl ausgebildete Sterne auf Einen Groschen die Schachtel Wachsstreichhölzer, einen Groschen treten. Diese Erscheinung erklärt sich aus den wechselnden Gehalt die Schachtel Wachsstreichhölzer!" der Luft an Wafferdampf bei den verschiedenen Tempe Eintönig endlos lachte und ftöhnte der Chor der Straße sein raturen. Mit abnehmender Temperatur nimmt nämlich auch Jammerlied. Es war bitter talt. Hell, wie geschliffene Diamanten, der Wasserdampfgehalt der Luft ab, und daraus ergiebt funkelten die Sterne durch die frostklare Winternacht. Der Wind fich, daß bei sehr niedrigen Temperaturen mur spärliches fani gerade von Norden her. In langen eisigen Stößen fuhr er die Bildungsmaterial vorhanden ist, aus dem leine und Friedrichstraße entlang. Die Kinder, die am Straßenrande ihre einfache Krystallformen hervorgehen können. Aus diesem Grunde Waren feilhielten, sprangen von einem Fuß auf den anderen und zeichnen fich auch die Schneeformen der polaren Gegenden durch schlugen die Hände ineinander. Die alten Frauen gingen auf und eine außerordentliche Kleinheit aus, so daß man sie als Diamant- ab- drei Schritte hierhin, drei Schritte dahin, drei Schritte hierhin staub bezeichnet hat. Verwandt mit dem Diamantftaub der drei Schritte dahin- der Blinde steckte die Hand tief in die Taschen Polarländer ist der Staubschnee der Hochgebirge. Zuweilen find feines dünnen Röckchens und drückte sich dicht an die Mauer, aber diefe Kleinsten Krystalle äußerst scharf und spitz und dann gehört es half hent alles nichts, fein Bewegen und keine Tasche half. Der ein Schneegestöber gerade nicht zu den Annehmlichkeiten. Der eisige Wind schnitt in das Fleisch, als bestände er aus lanter artige Schneeformen treten häufig am Golf von St. Lorenz auf. Messern. Die Stimmen der Kinder wurden immer kläglicher und und sie verursachen ein Gefühl, als ob das Geficht mit fchartigen jammervoller. Meffern geschabt würde. Der anterikanische Volkswitz hat daher diese Schnecart Barber, also Barbier, getauft. Schlimmer freilich find noch jene nordamerikanischen Schneestürme. die Blizzards, die plöglich hereinbrechen und ungeheure Massen eines feinen, beißenden Schnees mit sich führen. Der Wanderer, der von einem Blizzard überfallen wird, wird von dem stechenden, vom Sturm ge­peitschten Schnee so gepeinigt, daß er in eine förmliche Raferei gerät. Findet sich nicht ein schüßender Wald oder ein gastliches Haus, so ist er fast ftets verloren. Alljährlich fordern denn auch die Blizzards zahlreiche Menschenleben.

Allerdings kann auch bei uns ein fräftiges Schneegestöber, in das der Sturm hineinbläft, eine recht unangenehme Geftalt au­nehmen. Am meisten wissen davon die Lokomotivführer ein Liedchen zu fingen. Wuchtig streift der Wind über den Boden hin und läßt die sich schlängelnden Bäche von gleitendem Schnee auf dem tief liegenden Bahnförper zusammenfließen. Aber machtvoll durch schneibet noch der Schnellzug die weichen Wogen. Hoch und helt stiebt vor den Bahnräummern der Maschine der geteilte

Die beiden Damen schienen von der Kälte nichts zu merken. Sie hatten die weichen Belzmäntel fest um die Schultern gezogen, langsam und behaglich schlenderten sie dahin. Die Jüngere maß die Schaufenster im Vorübergehen: Nein, solch eine Berlgarnitur mußt Dir mir auch noch faufen, Mama, weiße Wachsperlen mit Stahl­flittern, ja? Für mein Grünseidenes zum Silvesterball..

Ach, aber Kind, laß einen doch endlich in Ruhe!" Mit un­mutiger Handbewegung schiebt sie das eine Mädchen beiseite, das mit seinen Wachsstreichhölzern schon geraume Zeit neben ihnen herläuft. Die Mutter überfliegt die Schar am Straßenrande mit einem hochmütigen Blick. Ja es ist unterhört, daß das überhaupt helitten wird. Solch Wolf! Man kann keinen Schritt gehen, ohne daß fie einen belästigen, und die Kinder sind die allerunverschämtesten."

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Ja, ganz richtig"- die Tochter nicht zustimmend, und was ist das Ganze? verstedte Bettelei, eine Spekulation auf das Mitleid. Man soll denken, sie stehen da und frieren, damit man ihnen etwas abkaufe, damit sie schneller nach Haus kommen... Aber nein, fich doch, was giebt es da?"