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fultur, den Haß wider die Philister, Narren und Schurken der wir alle Schauer. Dieser Bursch hat wirklich um der Buhle willen Bourgeoisie. Und vor allem eint sie mit diesem Publikum feiner Mutter das Herz aus dem Leibe gerissen, und dieses im das gleiche Streben: Das Volksmäßige, die Volkskraft zu Staube zuckende Herz weint wirklich die Frage der unzerstörbaren adeln, hier in der Kunst, dort im Leben der Gesellschaft. Yvette Mutterbesorgnis.

Guilbert muß, obwohl sie französisch spricht und ein wenig

teinelogue Welt that sich auf, wenn Yvette Guilbert die alter­

Gallierin ist, doch das tiefste Verständnis beim internationalen tümelnde Geschichte von dem Schlächter fingt, der die Kinder zu Broletariat finden. Man sagt, fie sei ein Stüd Socialistin. Ich Pökelfleisch zerschnitten und dem heiligen Niclas, der die Ber weiß nicht, ob es sich bloß um den gewöhnlichen Gefühls- stückten wieder auferstehen läßt. Der Text hat für unser Gefühl focialismus der Künstler handelt oder ob sie bewußt auf das allzu viel von der schauderösen Morithat des Jahrmarkts. In tommunistische Manifest schwört- jedenfalls ihre Kunst ist Yvettes Wiedergabe wird eine rührende Legende daraus, ein rechtes. proletarischer Rasse. Sie ist aus Armut, Elend, Unterdrückung Märchen voll holdseliger Naivetät, findlicher Frömmigkeit und einer und unfäglicher Arbeit erwachsen, sie hat den stolzen Frohsinn der leisen Schelmerei, die treuherzig beteuert: das alles sei doch nur niedergerungenen Qual, fie tlagt an und befreit, sie verachtet und ein Spaß. Diese füßen trippelnden Kinderlein, der wüste Metzger, führt empor. und die lieblich plappernden Morgenstimmchen der ins Leben Zurüc kehrenden welche Fülle der Gesichte steigt aus der fargen Reimerei entpor!

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Yvette Guilbert hat den Stil ihrer Kunst sich selbst erarbeitet. Ihr Fleiß ward ihr zum Genie. Sie ist im Vortrag zur ältesten Form zurüdgekehrt, zur Vereinigung von Singen und Sagen zum Sprechgesang. Ich kenne niemand, der so wenig Stimmte hat und so herrlich singt. Ihre rhythmische Meisterung der Sprache ist uns vergleichlich, fie leitet Wort und Satz in souveräner Freiheit, jeder Laut wird zum Kunstwert. Aber mit dem föstlichen Instrument ihrer Sprache vereint sich zu orchestraler Einheitswirkung die Musik ihrer Klugen Augen, das zaubernde Mienenspiel ihres Gesichts, die Bewegungen der Arme und des Körpers. Der ganze Mensch folgt in all seinen Regungen dem Dirigenteustab ihres reifen Kunst­

willens.

Dann die von Haß und Hohn besessene Bäuerin, die über den Tod ihres rohen Mannes jauchzend wehklagt, Berangers lustige Groß­mutter, der so viel heißer das Blut rollte als dem langweiligen faden Nachwuchs, oder das im Champagnerschwips lachende Dämlein, deffen leichter Rausch im Hören ansteckend wirkt jedes ein unver geßliches Gebild.

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Wir haben in Deutschland keine Yvette Guilbert . Und wir können uns glücklich darob preisen. Denn würden wir sie haben, so müßte fie unter dem Drude der Censur elend verdorren, die es verwehrt, daß die Totalität des modernen Daseins in lockeren und schweren, grilligen und grimmigen, zürnenden und Höhnenden Liedern auf der Bühne erscheint.

Kleines Feuilleton.

Joc.

Die Difense" giebt heute unter ihren Darbietungen eine Parodie der Barrisons, vielleicht um den Abstand ihres Könnens von der sonstigen Tingeltangelei aller Welt finnfällig zu machen. Jedenfalls getvinut man an dem Vortrag dieser Parodie das richtige Maß für die Schäßung der Yvette Guilbert . Ihre Kunst verhält sich zu dem Handwert ihrer Kolleginnen, der Forschen, Schneidigen, Schreienden, Zappelnden, wie etwa Michel Angelos Morgen zu einer wächsernen er. Der Ehrengaft. Der Kellner hatte recht, es waren doch Schlafpuppe mit Slapppaugen. Die Gestalt des Morgens ist in jedem Glied gleichsam von Schlaf durchtränkt und jeder Nerv schon Gäste da. Herren und Damen, im ganzen so an fieben; sie und jeder Muskel sucht sich aus dem Bann der Nacht zu lösen. Die faßen am obersten Ende der langen Tafel und unterhielten sich, nur das alte Fräulein stand etwas abseits vor dem Gasofen und wärmte Buppe aber markiert das Schlafen, indem sie einfach die Augen die Hände an den Flammen. Als die Thür im Vorzimmer ging, schließt, das Wachen dadurch, daß sie sie wieder öffnet ändert sich nichts an ihrem Wesen. Die Chansonnetten vom Dußend- fah fie auf, mit einem Freudenschrei stürzte sie der Ankommenden schlag begnügen sich mit der Lieferung von solchen Marken, bei der entgegen: Yvette Guilbert stellt sich ihr ganzer feelisch- leiblicher Organismus in den Dienſt ihres Vortrags, mag es auch nur ein platter Gaffen hauer sein.

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fonst

Yvette Guilbert beherrscht alle Formen und Farben der französischen Lyrik. Sie singt alte Balladen und Legenden, voll übermenschlicher Leidenschaften und graufiger Wunder; sie singt modische Couplets mit ihren tecken Anspielungen und derben Späßen; sie singt die schwülen, trampfigen Haschischlieder eines Beaudelaire; fie fingt die Lieder der Verkommenen, der Dirnen und Zuhälter, der Hungernden und Verbrecher; sie singt Fuselschnaps, Absynth und Champagner; fie fingt von der Liebe in allen Höhen und Tiefen, fie singt die fociale Revolution und die Gesellschaftskarikatur, fie fingt schließlich auch lustige Harmlosigkeiten, namentlich wenn sie in Deutschland gaftiert und die Polizei, die für das Niedliche schwärmt, sie zum Unbedeutenden zwingt. Was immer aber sie vorträgt, stets gestaltet sich ihr das Lied zu einem Drama, das in einer abgerissenen Begebenheit Lebens- und Weltschicksale zu er

schöpfen scheint.

Todesernft, eherne nordische Stimmung, Größe und Grauen, tanzende Fragen, ein blutender Schrei aus nächtigen Felsschlünden das ist die geistige Scenerie, in der die Künstlerin Richepin's Bretonische Legende La glu" vorträgt. Sigmar Mehring hat dieses dämonische Bänkellied in seinem prächtigen Buch Die französische Lyrit im 19. Jahrhundert" also verdeutscht:

' s war ein armer Tropf vernarrt, tiriliri, tralala!

' s war ein armer Tropf vernarrt, Doch sein Mädel falt ind hart.

Bring' mir's Herz von Deiner Mutt'r 1" Otiriliri, o tralala!

Bring mir's Herz von Deiner Mutt'r

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Schrie sie. Branch's zum Hundefutt'r." Schleicht der Kerl zum Muttermord.

O tiriliri, tralala!

Schleicht der Kerl zum Muttermord, Reißt das Herz' raus und läuft fort. Läuft und purzelt in den Sand Otiriliri, o tralala!

Läuft und purzelt in den Sand, Und das Herz rollt aus der Hand. Wie das Mutterherz so rollt Otiriliri, tralala!

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Wie das Mutterherz so rollt, War's, als ob es sprechen wollt! Und es wimmert in den Wind

O tiriliri, o tralala!

Und es wimmert in den Wind:

" Hast Dir weh' gethan, mein Kind."

Das wird in Yvette Guilberts Vortrag aus einer Legende zur Leibhaften Wirklichkeit. Bom Brutalsten zum Erhabensten durchleben

Ach Fräulein Helene, s' ist ja reizend. Kommen Sie mir gleich zu uns herauf, wir fißen doch wieder zusammen."

" Ja natürlich, Fräulein Werner". Fräulein Helene schüttelte die dargebotene Hand:" Sind ja schon' ne ganze Menge da, ich glaubte, ich wäre die Erste. Ach, da sind ja auch Ebersteins 1" Sie nickte in den Saal hinein, während sie Hut und Mantel abnahm.

" Ja, die sind auch da und Mainzers die kommen selten." Aber sie sind doch recht nett." Fräulein Helene hatte sich aus­geschält. Ja dann gehen wir wohl hinein." Arm in Arm traten fie in das Sigungszimmer. Die Anwesenden erhoben sich, man be­grüßte fich mit Händeschütteln. Setzen Sie sich hierher", sagte Frau Doktor Eberstein, hier fist auch Fräulein Werner und Sie beide sind ja doch die Unzer­Na ja, manchmal." Fräulein Helene lachte.

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trennlichen."

"

Wie geht es Ihnen, Frau Mainzer?" Sie reichte der jungen Frau über den Tisch weg die Hand." Hat Ihr Herr Gemahl den Gruß bestellt? Wir trafen uns neulich in der Königstraße." und den beiden andren Herren plauderte, drehte sich der Fragenden Alles ausgerichtet." Herr Mainzer, der mit Doktor Eberstein 3. War es übrigens interessant in der Nationalgalerie, haben Sie die neuen Bilder zu sehen bekommen?". ja, dante, es sind sehr schöne Stücke dort, besonders die franzöfifchen, möchten Sie etwas von mir, Fräulein Werner?". Sie wandte sich zu ihrer Nachbarin, die sie am Arme zog.

" Jawohl Sie, laffen Sie mal ihre alten dummen Bilder! Hören Sie mal hier her. Wissen Sie eigentlich schon, warum heut außerordentliche Sigung ist?"

" Ach ja, ist ja wahr, ist ja außerordentliche Sigung"-Fräulein Helene nickte ja, ich denke, es soll wegen der Bibliothek beraten

werden?"

"

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Soll es auch, aber noch was andres."

Wollen wir einen Vall arrangieren?"

Fräulein Werner ticherte in sich hinein:" Nein, Sie raten es doch nicht."

"

Wir haben nämlich einen Gast," mischte sich Frau Eberstein in die Unterhaltung.

Einen Gast?"

" Wen denn?" Herr Mainzer Horchte gleichfalls auf.

Fräulein Werner lachte, mit einem triumphierenden Blick sah sie von einem zum andern:" Frau Doktor Henziger kommt!" Pause. Dann ein allgemeines: Ah!"

" Ist die wieder in Berlin ?" Der eine Herr neben Eberstein berzog das Gesicht.

Aber bloß auf acht Tage." Doktor Eberstein erhob sich. Ja, und da sie im vorigen Winter immer so gern im Vereiu war, hab' ich ihr zu Ehren heut die Sigung angesetzt. Ich denke, Sie werden fich doch freuen, sie wiederzusehen!"

" Ja natürlich... aber sehr... ob und wie!" Alle Stimmen flangen durcheinander, mir die beiden Mainzers und Helene schwiegen.

Frau Mainzer sah Helene an: Ich mag sie nicht."