Anterhaltungsblatt des Vorwärts

M. 188.

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Drauf los!

Donnerstag. den 26. September.

( Nachdruck verboten.)

Roman von Jonas Lie . Eines spiegelhellen Vormittags glitt der Alert" an der von Barcelona Landzunge vorbei, welche den Hafen Sperrt. Der hohe Felstegel Montjuich mit seinem festen Schloß, das wie ein Nest an seiner Spize klebt, Reihen von Sanonen zeigt und auf der Zinne oben die Flagge von Castilien flattern läßt, der Felskegel traf unter dem Schiffstiel mit dem weißen Leuchtturm zusammen, welcher auf der andern Seite des Einlaufes stand...

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Der mächtige Hafen war ganz voll von Schiffen und dazu fuhren noch beständig eine Menge Lugger und Felucken mit lateinischen Segeln und brachten Fische, Weinfässer, Grün­zeug, Orangen, Nüsse, Eier und Hühner, alles in Körben, bis hoch an den Mast hinauf gestapelt.

Da fannst Du eine Spanierin sehen", sagte der Steward im Vorübergehen.

Rejer blickte hastig über die Reling... Ein paar Boote mit lateinischen Segeln und einigen aus vollem Halse schreienden Menschen hatten sich an der Schiffsseite ein gehakt. In dem einen Boot stand ein heiser freischendes, fonnverbranntes, rungeliges, altes Weib mit schivarzen Pferdehaaren und dito Bart und wahren Krallen an den Fingern und bot eifrig irgend ein kohlartiges Gemüsse und einen Korb gackernder Hennen zu den Finkenetten hinauf.

Abscheuliches Volk!" dachte Rejer... Aber mit welcher Fahrt doch diese Boote mit den abgeschnittenen dreifantigen Segeln dahinschossen, trotzdem die Lust so still war, faum ein Hauch sich rührte! Er hatte es schon während des ganzen Weges die spanische Küste entlang be­obachtet.

Während er abends bei der Pavianswacht umherging,- sie waren mit den Zollaufsehern fertig geworden und der Kapitän war aufs Land gefahren, kam der Steuermann auf Rejer zu.

Hör einmal", sagte er," Du hast wohl von den Spanierinnen reden hören; sie schauen nicht alle aus wie diese Eule auf der Felucke heute... Ich will Dir nur einen freundschaftlichen Wink geben, hier auf Dich aufzupassen, wenn wir zum Molo hineinkommen.. .. es giebt deren genug, die einen Seemann fischen wollen Halt Dich fest und arbeite, am liebsten mit dem Rücken gegen das Land, so ist es am sichersten... verstehst Du, ich möchte Dich nur warnen!" Er schlenderte weg.

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Es sich zu nuße machen, daß ich mich zufällig herbei­Lasse, seinen Untergebenen zu spielen! Na, mir schadet das nicht," sagte er gelassen, sie können Gift darauf nehmen, daß ich auch gegen sie nicht höflicher sein werde... Rejer Juhl läßt das Tauende nicht los, das er einmal anzuholen begonnen hat. Nei ein... das thut... er... nicht!" Eines Nachmittags schlug endlich seine Stunde Ur­laub bis Mitternacht, zugleich mit dem Zimmermann und dem Steward, der, aufgepugt, in hohem Kragen und in einem abgelegten schwarzen Kellnerfrack aus seiner Festland­dienstzeit, auf seinen furzen Beinen wie eine Krähe zum Fall­reep trippelte.

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Vom Markt am Molo oben hatten sie schon genug be­tommen, wenn sie bei Tag mit der Jolle anlegten. Sie waren der alten Weiber überdrüssig, welche mit ihren Papageien­fäfigen da saßen und freischten und Wein verkauften und Orangen und allerhand Warenkram, daher eilten die drei an ihnen vorbei und höher hinanf. Der Steward, als der erfahrenste, bugsierte sie in ein halbdunkles Loch der Hafen­gasse, wo sie Schwämme in ranzigem Del und irgend welches schwarze verbrannte Fleisch, das so trocken war wie Holz, zu sich nahmen. Nachdem sie eine Flasche Wein geleert, ohne den ranzigen Geschmack aus dem Halfe zu kriegen, und die Rechnung bezahlt hatten, begannen sie in den Straßen herum­zutreiben und sich umzuschauen.

Hinter all diesen herabgerollten Gardinen und zu­gezogenen Vorhängen saßen Spanierinnen, erklärte ihnen der Steward; sie fämen erst bei Sonnenuntergang heraus.

Nachdem sie int Schatten der Häuser des langen und breiten herumgewandert und sich in der Hitze mit Gefrornem und Anisbranntwein gelabt, standen sie endlich vor einem erleuchteten Hause mit schwerfälligem Portal.

Es war das große Theater auf La Rambla. Es whmmelte hier von Menschen und Wagen, und die drei befanden sich plötzlich mitten im Strome.

Der Zimmermann wurde bedenklich. Der Steward plaidierte dafür, daß man nach Barcelonetta solle; er sei schon zweimal dort gewesen, da habe man einen Hauptspaß, sowohl Seiltänzer als Theater.

Jedoch Rejer war min nicht mehr vom Fleck zu bringen. Es stachelte ihn etwas in dieser gepußten Umgebung. So lange er an Bord war, da mochte es angehen, als Koch gehunzt zu werden, dazu hatte er sich nun einmal entschlossen; aber hier zu Lande? Sie, die Dame, welche so stolz da stand mit ihrer Spigenmantille um Haar und Schultern,- sie merkte wohl, daß er von guter Familie... Wenn sie gewußt hätte, daß er tagsüber als rußiger Koch am Herde stand, hätte sie ihm wohl nicht solche Blicke geschenkt!

Sie hatten tiefer innen im Hafen verhalt, wo die Fisch- Er schämte sich plötzlich seiner Begleiter und that, als ge­ladung gleich in Lichter geladen wurde, die nach Barcelonetta hörte er nicht zu ihnen. Als der Zimmermann mit be­gingen, und die Arbeit an der Schiffsseite hörte den ganzen scheidenem Zweifel äußerte, hier sei es wohl zu fein für sie, langen Tag nicht auf. Am Abend erhielt die Mannschaft warf er trotzig das Kinn in die Höhe: leicht zu zwei und zwei auf einmal Urlaub, und daß es auf" Zu fein? Für mich?" U Und ohne auf die Vor­dem Lande Werkwürdigkeiten gab, ging wohl aus den herstellungen der andren zu hören, drängte er sich dorthin, wo vor, was sie berichteten, wenn sie wieder an Bord waren. man die Billets taufte. Hinein wollte er einmal... ihnen Es schien aber, als ob die Reihe, Urlaub zu erhalten, stand es frei, ihm zu folgen oder sich von ihm zu trennen. niemals au Rejer kommen sollte! Die paarmale, wo er Die Billette bekamen sie und dann ließen sie sich, die darum angesucht, war seine Bitte stets abgeschlagen worden. Starten beständig vorweisend, vom Strome bugsieren, bis sie Der Koch müsse an Bord sein, hieß es immer. so ganz oben an der Saaldecke, gerade unter den Laternen, an­gelangt waren.

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,, Mich nicht einmal mit den Steward gleichzustellen!" rief er erbittert eines Abends, als die Jolle von Bord abstieß. Unten in der Last" war es gestopft voll.... Daß über Nings im Hafen zündete man die Laternen an und auf dem den hohlen Raum keine Zwischendeckbalken und Planken Land flammiten überall gefärbte Lichter auf. Er blieb öfter gelegt waren, tam nach der Ansicht des Zimmermanns und öfter stehen und schaute ins Dunkel hinaus und dem daher, daß man hier Platz brauchte, um auf dem Seil zu leuchtenden Streifen nach, welchen das Boot im Wasser tanzen.... Hu, war das ein Trubel, wenn man in den Topf zog... hielt enblich an der Brasse und folgte dem hellen hinabsah! Schein bis ins Molo hinein.

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Die Mujit begann so plötzlich, daß sie zusammenzuckten, und dann wurde das Großsegel aufgegeit.

Pst!" sagte Rejer er liebte den Ausdruck Topf" " Ich hätte gemeint, der Kapitän habe doch soweit nicht und beugte sich über das Geländer, um auf eigene Augen genug im Kopfe, um zu entdecken, daß ich nicht gerade Fauft zu sehen. einer von seinen gewöhnlichen Nudergasten bin. nicht wie ein andrer Kohlrabi", den man geradewegs aus dem Boden genommen! Er weiß außerordentlich genau, wessen Sohn Da stand unten ein Ritter mit dem Säbel an der Seite ich bin... Niemand kann aber behaupten, daß man und die Hand auf der Brust und stimmte ein fürchterlich hier mit mir viel Geschichten macht... man prajet mich lautes und langes Bulienehal" an, und hernach kam eine nur bei Nacht an und läßt sich an Bord bringen... Nieder- weißgekleidete Donna mit offenem Haar, welche die Hände trächtig!" Er schlug das Tauende heftig gegen die Reling rang, auf die Knice fiel und wieder aufstand.

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