Unterhaltungsblatt des Vorwärts
GT
. 68.
Dienstag, den 8. April.
Nachdrud verboten.)
Auf der lehten Schäre. Roman von Gustav af Geijerstam.
1902
eines magischen Uhrwerks wird der Schein über Klippen und Wasser geworfen, lichte, breite Wege in den Schatten schneidend, den die Sonne hinter sich gelassen, als sie verschwand. Uebers Meer hinaus und hinein in die Schären werden die Lichtwellen geschleudert, und sieht man weiter hinaus, so entdeckt zusteigen und in den Schlagwellen zu ertrinken scheinen; es man fleine leuchtende Pünktchen, die aus dem Meere emporist, wie wenn ein starkes gesundes Menschenkind in seligem Schlummer sachte atmet.
Niels sagte das, als wäre es gar nicht an eine einzelne Person gerichtet, sondern an alle Frauenzimmer zu gleicher Beit, und verlegen blieb er stehen und ließ seine Augen rings über das belebte Bild schweifen, die vielen Frauen, die Berge von Fischen, die Brücke, das Wasser und die Der Küstenbewohner ist an all das gewöhnt. Aber denFelsen. Aber er sah eigentlich nichts von alldem. Er hörte noch kann er lange siten und es betrachten, und er kann Felsen. Aber er sah eigentlich nichts von alldem. Er hörte fühlen, wie die Gedanken verstummen und sich gleichsam nur nur den Klang der Stimme, die ihm dies ins Ohr geflüstert, ehrfürchtig und fachte regen vor dieser Majestät des und da er selbst so geradeheraus und unbehilflich war, Schweigens; und er fühlt, wie die Unruhe betäubt wird, und empfand er beinahe Ehrfurcht für jene hurtige Geistesgegen alles, was sich empören, was verwunden und verlegen will, wart, die ihm ein Stelldichein zugeflüstert hatte, ohne fenkt die Waffen und beugt das Knie vor jener großen Stille. daß jemand außer ihm es hören konnte. Niemand hatte es auch gehört, so leise hatte Märta die kurzen Worte gehaucht. Als Niels weiter den Hügel hinauf zur Windmühle ging, warf bloß Mutter Albertina Märta einen bedeutungs: vollen Blick zu. Doch Märta war so froh, daß sie dem Blick " Ihr habt wirklich recht behalten, Mutter", sagte sie,„ der , Delphin' ist richtig heute früh morgens gekommen."
trogte.
Mutter Albertina verwunderte sich in ihrem stillen Sinn über die Kühnheit des Mädchens. Auch liebte sie es nicht, wenn man in Gegenwart von Zeugen auf ihre prophetische Gabe anspielte. Sie kniff verdrossen die Lippen zusammen, und auf ihr Antlitz legten sich düstere Gewitterwolfen.
5.
Der Tag ging zur Rüste und die Arbeit wurde beiseite geTegt. Golden und warm stand die Sonne am Horizont, und ihre langen gelben Strahlen füßten das Wasser, rosenrote Streifen hervorrufend, die sich zu Purpur sammelten, auf einer langen, silbergeränderten Wolfe, welche in einem weiten Bogen zu beiden Seiten des lichtblauen Raumes schwebte, so weit das Auge blicken konnte. Die Farben glitten vom Himmel hinab auf die schimmernden Flächen der äußersten Schären und vermischten sich mit dem Wasser, dessen großer, weiter Spiegel rosig und violett leuchtete, gleichsam in matterem Glanze das wiedergebend, was dort oben brannte.
feiner Abendruhe so oft in mir selbst den Gedanken an eine Ich weiß nicht, warum dieser Anblick des Meeres in barmherzige Macht erweckt hat, die ohne Empfindsamkeit, doch mit unendlicher Milde die Wogen auf dem großen Meer der Leidenschaft zwingt, innezuhalten und sich zu glätten. Der Spiegel ist blank, und selbst in der Tiefe herrscht Ruhe. Dort unten blüht nur die ganze Flora der Tiefe, die niemals ans Tageslicht kommt.
blauem Anzug, mit weißer Müße und neuen, dunkelblauen Auf dem Abhang des Felsens fißt ein Maun in dunkelSegeltuchschuhen. Er hat sich so gefeßt, daß er vom Dorfe aus nicht bemerkt werden kann, und wenn er sich von Zeit zu Zeit erhebt, um über den Abhang den Steg hinunter zu spähen, auf dem man von der Kirchhofsmauer hinaus zu den Klippen gelangt, da nimmt er die Müze ab, damit sie nicht in der Dämmerung gegen die klare Luft leuchtet und ihn den Stameraden oben auf dem Lotsenausguck verrät. Hie und da versinkt er in eine träumende Stellung, als könnte er seine Augen nicht am Anblick jenes Bildes sättigen, das er doch so viele Male zuvor geseheit.
Der Mann ist auch in einer wunderlich weichen Stimmung. Er ist nicht ungeduldig. Denn er weiß, daß sie, die er erwartet, kommen wird, und daß er nicht zu fürchten braucht, bergeblich harren zu müssen. Er ist in einer glücklichen Es senkte sich jene Stimmung auf die Schäre, in der Stimmung, doch dieses Glück ist mit einem Zusat dumpfer die Stille tief und ruhig ist und selbst der eintönige Laut Unruhe vermischt, als sollte ihm aus dem Grunde des der Wellen in dem allgemeinen Schweigen zu ertrinken Meeres des Ungekannten etwas entgegentreten, das er niemals scheint. In dieser Stille flingt nichts wunderlicher als fennen zu lernen wünschte. Er ist ein Arbeiter des Meeres, das Quaken der Frösche in dem Sumpfe, der sich an dem aber es ist zugleich ein Träumer, und wenn er auch nicht alle äußersten Ende der großen Insel befindet. Es schneidet seine Gefühle in Worte kleiden oder sie auch nur zu klaren so seltsam durch die Stille und hört sich so wunderlich Gedanken formen kann, so ist doch der lichte Spiegel des in all dem Schweigen an. Es scheint beinahe, als diente Meeres, die Sonne, die versunken ist, und die Dämmerung. dieser herbe, mühselige Laut dazu, die Gedanken sachte die sich über die Höhen gebreitet hat, die Frösche mit ihrem auf jene Wege zu leiten, die unmittelbar in die geheimnis tuarrenden Gesang im Wloor, und die Wellenbrandung, die volle Werkstatt der Natur führen, wo nichts still steht, ans Ufer schlägt all dies ist ihm entgegengetreten und hat wo beständig etwas Neues geschieht. Der Küstenbewohner in ihm gerade jene Gedanken zum Leben erweckt, die sich in kann zuweilen dasigen und diesem Laut zuhören, und wäh- die Stille einfügten. Und in dieser Stunde erlebt er das, rend er darauf horcht, verbindet sich dieser Laut in seltsamer was vor menschliche Gedanken tritt, wenn alles, was das Weise mit dem großen Anblick des Meeres, das unaufhörlich Leben birgt, sich in jener großen Woge vereinigt, die von wechselt. Und was er sieht, scheint sein eigenes Leben zu einer Sommernacht in ein Menschenherz strömen kann. bertiefen.
Die Sonne fintt immer mehr. Sie versinkt in die triangel förmige Vertiefung zwischen zwei dunkeln Felsen, die sich gleich phantastischen Schatten über dem Wasser erheben. Je tiefer die Sonne sinkt, desto schwärzer wird der Schatten am Fuße der Klippen, während ihre Kämme und der Himmel ringsherum in stärkeren Farben glühen. Ein Blinken, ein sachtes Glizern, das sich zusammenzieht, als glitte eine behutsame, unsichtbare Hand über das ganze Farbenspiel- und ein ruhiger weißer Schimmer löst den Glanz der starken Farben ab. Die Dämmerung beginnt sich gleich einem Schleier über Wasser und Schären zu senken, und das Quaken der Frösche ertönt lauter, als wäre es vorher durch den Glanz der Sonne gedämpft gewesen, die nun dahin gegangen ist.
Da blitt es wie ein Teuchtendes, ungeheures Auge aus der milden Julidämmerung auf, und über den unermeß lichen Spiegel des stillen Meeres ergießt sich eine Lichtflut; die Lichtflut konunt vom Leuchtturm, und wie auf das Licken
Der Mann auf der Klippe legt sich nieder und sieht zum Himmel empor, wo die Sterne im matten Schein der Julinacht erstrahlen und das Firmament tiefblau ist mit einem Schimmer ins Helle, das an Sonnwendzeit und Frühling er innert, aber die ganze, volle Wärme des Sommers hat. Und wie er da liegt, bergißt er sein Sehnen, vergißt alles außer feinen eignen Gedanken. Und er erinnert sich. Ach, er er innert sich an so vieles.
Er erinnert sich, wie er hier als Kind just über diese selben Klippen sprang, gleich einem köstlichen Schatz seine erste Krabbe, seinen ersten Fisch in der Hand haltend. Er erinnert sich, wie er hier umherging, als er schon so weit war, nachzudenken, wie er die Welt groß fand und gar zu gerne wissen wollte, ob er je das zu sehen be kommen würde, was sich hinter der tiefen Linie befand, in der Himmel und Meer ineinanderfließen. Er erinnert sich, wie er als vierzehnjähriger Knabe hier herumwanderte, als das Unglück mit Vater geschehen war, und er sich als ganzer Mann fühlte und meinte, daß nun er allein es wäre,