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Wir sollen es sich entwickeln lassen. Lernen fönnen dabei nur wir.„ Drei Geheime Revisorstöchter mit solchem Tischlermädel!" Die Kunst kann hier nur schaden, denn Kunft ist etwas Fertiges, sagte da zierig. Abgeschlossenes.
Wie überhaupt all diese Kunsterziehungs- und Kunstbeglückungspläne vom Uebel sind. Natürliche und freie Entwicklung, das ist das Ziel. Nicht das Zeigen von Vorbildern und das überflüssige Reden, was schön daran ist.
Kleines feuilleton.
e. s.
th. Familie Windig. Grete kam mit einem Brief zurück, einem schmalen länglichen Kuvert, das offenbar kein Familien- und Geschäftsbrief war. Sie drehte ihn in der Hand." Was ist denn das?" Er sieht so komisch aus!" meinte Jda.
" Ja, er ist ganz anders, als sie sonst sind," nickte Lotte. ,, Von wem mag er bloß sein?"
„ Aber Kinder, so macht doch einfach auf," sagte der Vater. ,, An wen ist er denn überhaupt? Jst wohl wieder' n Mahnbrief vom
Doktor?"
,, An uns alle ist er
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Familie Windig."
Grete hatte schon das Kuvert aufgeschnitten, sie überflog das Kärtchen und stieß einen Jubelruf aus:" Ach, eine Einladung eine Einladung zum Ball der Gesangverein ladet für nächsten Sonnabend zum ersten Ball, wir werden tanzen, Kinder! Tanzen, tanzen, tanzen."
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" Zanzen, tanzen!" Die beiden anderen Schwestern flatschten in die Hände und jauchzten hell auf.
" Sagt mal, seid Ihr wieder mal verdreht?" fragte die Mutter vom Nebenzimmer her, wo sie nachlässig hingestreckt im Faulenzer lag. Was ist denn das für ein Lärm?"
" Tanzen, tanzen!" Die Mädchen faßten sich an den Händen und wirbelten im Zimmer umher.
Du hörst doch, Mama, der Gesangverein ladet uns zum ersten Ball." Grete warf ihr das Billet zu.
" Jetzt schon? Sm! Und nächsten Sonnabend? Na, dann haltet Euch nur' ran, daß alles da ift."
Wird schon! Ich tanze die ganze Nacht." Lotte drehte sich auf der Fußspite um sich selber! Vorausgesetzt doch mal erst, daß wir überhaupt hingehen!" warf der Vater ein.
„ Na hör' mal!" Die drei Mädchen riefen es wie aus einem Munde. Die Mutter, die hereingekommen, starrte ihn gleichfalls an, als hätte sie nicht recht gehört:„ Das ist doch einfach selbstver= ständlich!"
" Wir sollten nicht hingehen?" rief Lotte.
" Das müßte ja ganz fomisch sein,' n Ball, auf dem Familie Windig fehlt!" Jda lachte hell auf.
..Ach.. ist ja gar keine Frage, daß wir hingehen," sagte die Mutter verächtlich.
" Finde ich noch gar nicht," meinte der Vater." Wir haben an ganz andere Sachen zu denken, dem Schuster habe ich Geld versprochen, der Kaufmann will was haben.. Die AbzahlungsIhr habt ja doch schon gestern gesagt, der Schlächter borgt Euch bald nicht mehr."
raten.
" Dann borgen wir beim anderen! Nun hör' doch auf!" Die Mutter wurde ärgerlich." Ginge es nach Dir, könnten unsere Mädel natürlich zu Hause versauern!"
" Alte Jungfern werden!" brummte Grete.
Wenn's nach mir ginge, hättet Ihr die Bekanntschaft überhaupt nicht kultiviert," sagte die Mutter, aber Lottchen, sehen fannst Du ja, ob sie Dir nicht das Weiße gibt, dann wären wir wenigstens nicht in Sorge um die Jda."
" Na schließlich, wenn sie nicht will, gehe ich zu Cousine Betty. Die hilft mir auch mit' nem Ballkleid aus, und die hat auch elegante Sachen."
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,, Nee, laß man die Betty, die will ich um Schuh bitten," rief Grete. Ich hab' ihre Größe."
,, Und ich will mir auch' n Fächer von ihr holen," sagte Lotte. „ Das werdet Ihr beides bekommen. Ich hol' mir von Bettys Mutter den Ballumhang, dann lasse ich mir die Sachen für Euch gleich mitgeben," sagte die Mutter. Unter Tante Klaras Ballumhang geht mein Schwarzjeidenes noch ausgezeichnet, da sieht man weder das Speckige, noch die Löcher."
,, Ach, wir werden überhaupt sehr elegant aussehen, wenn wir all' die Sachen kriegen, die ich mir so vorstelle," nickte Grete. Wir machen einfach Furore!" stimmte Lotte bei. Besonders ich in Ellas blauer Bluse. Ihr sollt mal sehen! Und wenn ich dann noch Bettys Straußenfächer habe... Giweh!" " Ja, und da sagst Du gleich, wir machen nicht mit!" Die Mutter warf dem Vater einen geträukten Blick zu. Als ob folch' Ball' n Weltuntergang wäre; jetzt wirst Du einfach den Schuster warten lassen, dann haben wir Geld für den Abendtisch, und das Andere borgen wir uns zusammen. Du sollst mal sehen, wir friegen alles!"
" Jawohl," nickte der Papa. Seht mal zu, vielleicht bekommt Ihr auch für mich irgendwo ein Paar ganze Strümpfe!"
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Verteidigerspäße. Das„ Wiener Extrablatt" berichtet: Die Erkenntnisgerichts- Verhandlung gegen einen wegen Gewalttätigkeit Angeklagten sollte beginnen, aber sein Verteidiger war noch nicht erschienen. Um eine Vertagung des Prozesses zu verhindern, sprang ein zufällig anwesender Kollege für den säumigen Anwalt ein und hielt in temperamentvoller Weise ein treffliches Plaidoyer. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Als er den Saal verließ, tam eiligst sein von ihm bestellter Verteidiger daher, der sich verspätet hatte.
" Nun?" fragte er den Klienten. " Freigesprochen," erwiderte dieser.
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Sehen Sie," sagte der Anwalt, sich in die Brust werfend, ich nüße meinen Klienten immer, geradezu ein Glück für Sie, daß ich nicht erschienen bin!"
Der Verteidiger eines wegen Crida Angeklagten schloß sein Plaidoyer mit folgenden Worten:
Und dann bitte ich, als mildernd zu berücksichtigen, hoher Gerichtshof, daß der Mann neun Kinder und nur sechs Gläubiger hat, er hat also mehr Kinder als Gläubiger!" Ob dieses Argument im Urteilsspruche zum Ausdrucke kam, ist nicht bekannt geworden.
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Theater.
Neues Theater.„ Die Kronprätendenten". Historisches Schauspiel in fünf Aften von Henrik Ibsen . Die tiefsinnige, altnorwegische Heldentragödie, die Jbsen in den dreißiger Lebensjahren, bald bald nach der romantisch- satirischen Komödie der Liebe" schuf, wurde hier in Berlin vor etwa einem halben Jahrzehnt von der Schillerbühne aufgeführt. Nun hat das Neue Theater mit seinen so viel reicheren Mitteln das Wagstück
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" Ja, es wird Zeit, daß Du uns verheiratest, Papa," maulte unternommen. Das bildhaft- stimmungsvolle, die dekorativen HinterBotte, Grete ist schon fünfundzwanzig."
Vierundzwanzig, bitte!" Grete fuhr auf.
" Nu, das Vierteljahr, was noch fehlt!" Lotte zuckte die Achseln. " Frechheit!"
" Bankt Euch nicht, Kinder," sagte die Mutter. Ueberlegt lieber die Kleiderfrage. Ihr habt doch rein nichts anzuziehen!"
Wenn Du etwa denkst, daß ich neue Kleider kaufe, irrst Du Dich," warf der Vater ein. Ich habe zunächst dem Schuster versprochen!"
Nu hör' doch mit Deinem Schuster auf! Was soll denn das nun wieder heißen?" " Papa, Du bist abscheulich," schmollte Lotte.„ Ueberhaupt ist das doch gar nicht schlimm; was wir nicht haben, pumpen wir uns. „ Na, das sollt' ich auch meinen," sagte die Mutter.„ Du weißt doch, daß wir uns zu helfen wissen, aber Du redest bloß, um zu
reden.'
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" Ich gehe zu Ella Weingart," nickte Lotte, die gibt mir schon ihre neue Bluse. Das ist obendrein solche schöne, blauseidene, und himmelblau steht mir gut."
" Dann laß Dir auch gleich ihre Perlenkette geben. Die haft Du voriges Jahr doch auch getragen," sagte die Mutter. " Ja, und ihre Armbänder!" rief Grete. Sie hat ja drei, dann trägt jede von uns eins."
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Vielleicht gibt sie Dir auch ihr weißes Mullkleid für mich," bat Jda, es würde mir gerade passen. " Du bist wohl?" fragte Lotte." Das wär' doch unverschämt!" ,, Nu, was denn bei Ella Weigert? Das ist doch so ein gutmütiges Schaf!"
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" Was dent'ste denn," rief Jda,„ die fühlt sich doch noch riesig gebumfiedelt, wenn wir überhaupt mit ihr verkehren!"
gründe, die bunte Bewegung der Massenszenen, der Kirchengesang all das war, wie zu erivarten, mit hohem, fünstlerischem Feingefühl herausgearbeitet, und einige der entscheidenden Rollen wurden geradezu vorzüglich gespielt. Doch eine dauernde Bereicherung des Repertoires durch das Stück ist schwerlich zu erwarten. Seine Dimensionen spotten des engen Bühnenrahmens. Viereinhalb Stunden dauerte die Aufführung und, wenn man Jbsen nachliest, sieht man, daß ohne die starken Streichungen im Schlußakt auch fünf Stunden kaum gereicht haben würden. Die Ueberfülle der Begebenheiten wirft erdrückend im Theater. Um herrliche Szenen rankt sich üppig wuchernd eine weit verstreute, und darum auch die Spannung der Zuschauer zerstreuende Aktion. Dieses Intermitieren der inneren Anteilnahme spiegelte sich in der Unregelmäßigkeit des Beifalls wieder., Die Dichtung hat etwas Sprödes, nicht so sehr in der unmittelbaren Bühnennähe, als bei nachfinnender Betrachtung, die aus dem Aeußeren den Kern herausschält, entschleiert sie das Tiefste ihrer Reize. Es ist der Gegensatz des von der Natur zu einer großen Aufgabe Berufenen und des aus Neid und kleinlichem Ehrgeiz zu solchem Amt sich Drängenden, den Ibsen schon damals ein symbolischer Gedankendichter von erstaunlicher Gestaltungskraft der Phantasiezum Mittelpunkte seines Dramas macht." Die Königssagen die Streitigkeiten zwischen Häuptlingen und ihren Gefolgschaften" als solche fesseln mich nicht", erklärte er einmal. Wenn er hier, wie auch sonst in jener Periode wohl zu einem Sagenstoff gegriffen, so darum, weil der Möglichkeiten zu bieten schien, das was Jbsen im Grund bewegte, Verhältnisse, Konflikte allgemeiner menschlicher Art, durch keine Schranken moderner Konvention eingeengt, zum Aus druck zu bringen. Jener Kampf, der von Hakon und Stule in dem Drama um Kronen gefochten wird, das ist nach des Dichters Auf
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