fette war m ziSer Felder geteilt, und die waren durch Gruppen- bilder geziert, die man als Kain und Abel und David und Jonathan erkannte� Und an der unteren Leiste längs war quer über beide Felder weg frei nach Matthäi 5, 23/24 ein Spruch hinge schnitzt:Sobald du denkst, es Hab' ein Bruder etwas gegen dich, geh' hin, versöhne dich! Und dann zu mir, zu deinem Gottl" Die Lade bat Hans sich aus. Aber Klaus wollte nicht. Nicht aus Eigennutz(beide Brüder hatten weder� von dem materiellen noch von dem Kumtwert des alten Stücks eine Ahnung), nein! aus Ehrfurcht gegen das Andenken der Mutter, die er ebenso tief und ebenso verschlossen geliebt hatte, wie sein Bruder Hans. Laß sie mir, Klaus!" bat Hans.Mutter hat mir zu­gesagt, daß ich sie haben solle." Da war das unselige Wort heraus, das die beiden Männer. die so ehrlich waren und so ehrlich liebten, vor der Welt und auch vor sich selbst zu bitteren Feinden machte. Denn auch Klaus glaubte von der Mutter die gleiche Zusage erhalten zu haben. Tie Mutter kann nicht falsch gewesen sein. Das war der Vordersatz, von dem beide ausgingen. Daher, folgerten beide Brüder, kann sie nur einem das Versprechen gegeben haben: einer von uns beiden muß lügen, muß unglaublich ge- mein und falsch sein. Und da ich die Wahrheit auf meiner Seite weiß, so ist mein Bruder der Lügner und Lump. Natürlich waltete ein Mißverständnis bei einem von ihnen oder bei beiden vor. Aber wer hätte diesen Ährlichen und heftigen Männer» von Mißverständnrsien predigen wollen? Wenn sie nur nicht so heftige Leute gewesen wären, wie es die Paulsen von Hohenwichel, die immer wegen ihres ge° rechten Sinnes in hohem Ansehen gestanden hatten, von jeher gewesen waren.. Wenn sie nur ein bißchen weniger rechtlich und ehrlich und sittlich hätten denken können,... ein bißchen sich selbst betrügend um den Pol, der alle hält, herum denken können,... Wenn nur ein bißchen bei ihnen anders gewesen wäre, als es war,.. dann wären sie vielleicht selbst auf den Gedanken gekommen, daß doch wohl ein Irrtum vorliege, oder sie hätten es nicht so hochernst genommen, hätten sich erzürnt und wieder vertragen, oder der eine hätte sich von dem andern auskaufen lassen. Aber da sie das alles nicht waren und das alles nicht kannten, so war jeder bereit, den lang bewährten rechtlichen Sinn seines Bruders für nichts zu achten, zu vergessen, daß jener immer ehrlich gewesen sei. Jeder war bereit, das alles lieber für eine Täuschung zu halten als die Falschheft, die er jetzt mit Händen greifen zu können glaubte. Jeder glaubte an einer Charakterverkehrnng seines Bruders und hielt ihn für einen ganz erbärmlichen Kerl. So flammte ihre sittliche Empörung auf. Hans sagte es zuerst. Klaus" sagte er,wcrt böst du för'n leegen Kerl!" Klaus wurde bleich und schwieg eine halbe Minute, dann spie er vor feinem Bruder aus. Pfui Deibel, dat seggt mi en Lump. Ja, en Lump. Un hat man mit so'n Lump ünner en Tack sin motl" Solch harte Worte fielen auf der Diele, wo die alte Truhe stand and cur der untern Leiste der fromme, sanfte Spruch:Sobald du denkst, es Hab' ein Bruder etwas gegen iieffc geh' hin. versöhne dich!"... Die Zornentbrannten sahen ihn nicht, wollten ihn nicht sehen, oder hatte» vergessen, was die-alle Lade sagte. Daß man mit einem solchen Lump unter einem Dache Haufen muß," hatte Klaus geschrien. (Schluß folgt.) Die pbonetife. L Wohl jeder kennt eine sogenannte Stimme aus einer Zieh- Harmonika. Wer sie als Knabe fand, nahm sie, blies Luft hindurch «ud freute sich an dem entstehenden Ton. Manchmal war die dünne, längliche Metallplatte, Zunge genannt, verbogen und bei dem Versuche, sie zurecht zu biegen, bemerkte er, daß diese gelb« Zunge durch eine längliche viereckige Oeffuung in dem dickeren Srauen Metallstück hindurchschlug, ohne die Ränder zu berühren. bcr eS gelang ihm niemals, die verbogene Zunge wieder in Ordnung zu bringen, die daneben liegende unversehrte Nachbarin gab einen viel schöneren Ton. Die Veränderung des Tones mußte also mit der Verbiegung der Zunge zusammenhängen. Dadurch war fie anders, unregelmäßig geworden, schlug an die Ränder und rächte sich durch ein unangenehmes Schnarren. Die plötzliche Hemmung infolge des Anschlagens hinderte die Entwickelnng eines Tones, es gab nur noch ein verdrießliches Geräusch. Für unsere Darlegung genügt ein so kleines Ding wie die Harmonikastimme nicht ganz. Machen wir sie daher ein wenig größer und angemessener, indem wir eine schmale Konservenbüchse ohne Deckel in der Mitte von oben nach unten durchschneiden und die so entstandenen offenen Halbzhlinder der Länge nach wieder mit einer Blechplatte zulöten. Jetzt schneiden wir eine längliche viereckige Oeffnung in die aufgelötete Platte, nieten eine hindurch­schlagende Metallzunge darauf fest und setzen diese große Stimme in die Wand eines Holzlastens von der Gestalt einer Zigarrenkiste ein. Bohren wir nun oben und unten ein Loch in die Kiste, schieben in das untere Loch ein bequemes Rohr und blasen tüchtig Luft hinein, so entsteht ein kräftiger Ton. Dies st» geschaffene Gerät ist im wesentlichen ein« sogenannte Zungenpfeife, wie sie in jeder Orgel zu finden ist. Der Borgang bei der Erzeugung des Tone» spiell sich auf folgende Weise ab. Durch das Hineinblasen in den Kasten wird die Lust durch die von der Zunge nicht fest verschlossene Oeffnung in den Zlzlrnder getrieben und versetzt die Zunge in leb­hafte Schwingungen. Um überhaupt einen Ton von sich za geben, braucht sie, wie oben bei der Harmonikastimme, nur ein wenig angeknipst zu werden. Dieser schwache Ton wird aber durch die mit in Schwingung versetzte Luft des Zylinders so sehr verstärkt daß er deutlich hörbar wird. Dieser Vorgang ist derselbe bei allen Musikinstrumenten. Durch das Anstreichen einer Saite gerät diese in Schwingungen und läßt einen schwachen Ton hören. Die Schwingungen setzen sich durch den Steg, auf dem die Saite liegt, auf die Decke der Geig« fort, der in dem Hohlraum der Geige befindliche Luftkörper gerät ebenfalls in Schwingung, verstärkt dadurch den Eigenton der Saite, und wir erhalten einen hörbaren, angenehmen Ton. Wollen wir den Ton der Iungenpfeifc, der durch das Hinein- blasen von Lust entsteht, noch mehr verstärken, müssen wir uns bemühen, noch mehr Luftkörper in Schwingungen zu versetzen. Ties erreichen wir, indem wir in die obere Oeffnung des Holz- kastcns einen Schalltrichter aus irgend welchem festen Stoffe setzen. Solche Schalltrichter kennt der Leser in dem unteren Ende einer Klarinette, Trompete, Posaune usw. Jetzt merke man genau auf! Nicht nur verstärkt wird der angeblasene Ton durch den Schalltrichter, den man auch Ansatz- rohr nennt, sondern er erhält erst durch diesen Schalltrichter seine eigentliche Klangfarbe. Verändere ich die Form dieses Ansatz- rohres, so zeigt sich ebenfalls eine mehr oder weniger bedeutend« Aenderung seiner Klangfarbe. Macht man den Aussatz Würfel- förmig, klingt der Ton anders, als wenn er kugelförmig ist, ohne im übrigen seine Höhe oder Schärfe zu verändern. Dies ist genau zu beachten! Wozu denn diese ganze Erzählung von der Zungeup seife k" fragt jetzt der Leser ungeduldig. Ich will es ihm verraten. Mit der Beschreibung der Zungenpfeife habe ich stieben seine eigene Zungenpfeife, womit er die Frage tat, im wesentlichen beschrieben: das Luftrohr zum Anblasen ist die Luftröhre, der Kehlkopf mit seinen beiden Stimmbändern die eigentliche Stimme mit ihrem Zylinder, die Rachen- und Mundhöhle der allerdings stets ver- änderliche Schalltrichter. Veränderlich aber muß er auch sein, denn in dem ersten Wort der Fragewozu" hat die erste Silbewo" schon eine ganz andere Klangfarbe als die zweite Silbe zn ". Wie ich schon gesagt habe, hat zunächst jeder in Schwingung gebrachte Körper seinen Eigenton, wie die Zunge in der Har- monikastimme, die man zu diesem Zwecke nur anzuknipsen braucht. Wenn das von jedem Körper gilt, muß auch jeder eingefchloffen« Luftkörper seinen Eigenton haben. Dieser entsteht denn auch schon, wenn man dessen Hülle schwach beklopft oder ihn schwach an- bläst. Man nennt diesen schwachen Eigenton den Grundhall des betreffenden Luftkörpers. Bringen wir nun einmal den Lufftörper unserer Rachen- und Mundhöhle in die Form, in der wir gewohnt sind ein a zu sprechen, und blasen diesen Lufftörper durch einen sehr schwachen Lnftstro« aus der Luftröhre an, so erhalten wir als Eigenton für dies« de- stimmte Einstellung, also als Grundhall, den geflüsterten Vokal a. Setzen wir nun durch Anspannung unserer Stimmbänder einen Ton von beliebiger Höhe hinzu, so erhalten wir den kanten Vokal a. Verändern wir die Gestalt des Schalltrichters oder An- satzrohres, hier unserer Mundhöhle, und setzen wieder einen Ton von beliebiger Höh« hinzu, so erhalten wir einen anderen Vokal. vielleicht ein u. Also find unsere Vokale oder Selbstlauter, wie sie auch genannt werden, Verschmelzungen beliebiger Töne unserer Stimmen mit gewissen Hallen des Lautrohres. Die verschiedene Stellung der einzelnen Teile deS Lautrohres nennt man dessen Gliederung oder mit einem Fremdwort dessen Artikulation. Die Artikulation verhält sich also zu dem hervorgebrachten Laute wie Ursache und Wirkung. Daß der Inhalt dieser Darlegung richtig ist. davon kann man sich selbst durch einen ohne Schwierigkeit auszuführenden Versuch sehr leicht überzeugen. Man bringe das Lautrohr(Mundhöhle) in die a-Stellung, klopfe mit dem fleischigen Teilender Fingerspitze mehreremale an die straffe Wange und man hört deutlich den Grundhall a. Noch deutlicher kommt uns dieser Hall zum Bewußt- sein, weun wir durch geeignete Artikulation in die u- Stellung