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Die Starken der Halle.

C.

schaft, Entbindung und Wochenbett".( Berlag Leonh. I zu begrüßenden Schrift. Auch das Vorgehen der Gegner, die auß Simion, Berlin ) angelegentlichst empfohlen die alles Wichtige über verschiedenen Richtungen zusammenkommen, würde wahrscheinlich bie hier in Betracht kommende Ernährung, die notwendigen Gerät einem über den Parteien stehenden Blick zum Teil in milderem Licht Aber nun tommt der schaften und sonstigen Maßnahmen, nebst Gewichtsturben und Ta- erscheinen. springende Bunkt: fast bellen enthält.( Preis 0,50 M.) alle Beteiligten standen erst am Anfang einer Ahnung davon, daß auch hier berufsgenossenschaftliche Rechte gelten. Hätten nicht der Allgemeine Deutsche Musiker- Verband und ähnliche Organisationen in Desterreich usw. sofort scharf eingegriffen, so wären die Leiden der Münchener Kollegen und die Verleitungen zum Unrechthuin bei Gegnern, die erst recht ihren Stellungen nicht gewachsen scheinen, noch ärger gewesen. Die oft angerufene Würde des Künstlers" ' Im Pariser Stadtzentrum, namentlich im Hallenviertel, fann verbietet nicht nur nicht, sondern gebietet vielmehr, daß er sich man oft Männer in einer eigentümlichen Tracht sehen. Sie tragen feiner Haut wehre, daß er für einen festen Boden forge, auf dem weite Hosen, einen bis zu den Knien reichenden blauen Leinen- er seinen Idealismus" entfalten kann, auch daß seine Besteller ihm tittel und einen weißen Filzhut mit einem ungeheuren, mindestens genügend Gelegenheit zum Studieren, Proben usw. verschaffen. Das zwanzig Zentimeter breiten Rand. Es sind dies die Starken der größte Talent bedarf der Entwickelung, das größte können der gut Halle", die alte Zunft der Ablader der Markthalle, die ihre Orga- vorbereiteten Betätigung. Einst hieß es( S. 45): Wenn die nisation und ihre Privilegien durch alle Revolutionsstürme hin- Künstler nicht hungrig sind, machen fie feine gute Mufit." Jezt durch erhalten hat. Sie geht bis auf Ludwig den Heiligen zurück. sehen wir mehr und mehr ein, daß eine fachlich gute Arbeit nur bei Zuerst bestand sie aus den Abladern der Fischerboote, später wurde persönlich gutem Befinden zu erwarten ist. Sagt doch ein richtiger die Organisation auf die Ablader der anderen Lebensmittel aus- Lehrer zum Schüler: leben Sie nicht, wenn Sie nicht bei vollen gedehnt, und jetzt zerfällt sie in fünf Sektionen: das Fähnlein Kräften find!" So muß auch, wer bom Künstler den reinsten und des Geflügel- und Wildpretmarktes, das des Fischmarktes, des bestmöglichen Dienst für die Sache verlangt, ihn vor Mängel Butter, des Fleisch- und des Fruchtmarktes. Die Zahl der Star- Schüßen, die zu Mängeln seiner Leistungen auch dann werden müssen, fen" ist auf 618 festgesetzt. Die entstehenden Lücken werden von wenn für Augenblicke der Idealismus noch über persönliche Not Beit zu Zeit durch Neuaufnahmen ausgefüllt, die auf Grund einer hinaushilft. Sieht denn nicht der einfachste Verstand ein, daß die Prüfung vor sich gehen. Die Vorrechte der Starken" sind bedeutend. Sie allein haben ideale" Künstlertat, die über den fargen Zohn hinausstürmt, auch Zutritt zu den Stapelplätzen des En- gros- Handels, und ihre Auf ein Geldgeschent an ihre Empfänger ist?! Alle Gattungen von Künstlern kennen die verwunderten Gefichter gabe ist es, die Waren von dort den gewöhnlichen Trägern zu derer, die da glaubten, der Künstler arbeite um der Kunst übermitteln. Ihr Amt setzt eine große Ehrlichkeit voraus, und willen, und die nun erstaunt hören, daß gerade dies mur dann demgemäß sind die Starten eine Elitemannschaft, die neben den Gelegenheitsarbeitern, die in den Hallen ihren Erwerb suchen und möglich ist, wenn der Empfänger die würdigen Gegenleistungen gibt. die mit deklassierten Elementen start untermischt sind, eine Son Kritiker, sondern auch die übrigen Beteiligten fragen, wie weit fie und bei jeder künstlerischen Unvollkommenheit müssen nicht nur wir derstellung einnimmt. Sie sind in Gruppen von 15 bis 20 verschuldet ist von anderen, die dem Künstler falsche Aufgaben ge­Mann eingeteilt und unterstehen einem Syndikus bezw. dessen stellt oder ihn( S. 17.) atemlos von Ort zu Ort gejagt oder ihm Stellvertretern.( Diese Aemter werden durch Wahl übertragen und find unbesoldet.) Der Lohn ist für alle Starten" einer Sektion Leistungen ohne genügende Proben, etwa gar ohne eine Probe ab­gleich. Jeden Vormittag um halb zwölf, nach vollendeter Arbeit, berlangt haben, und die nicht einsehen, daß alles eigentlich fünstlerische wird der von einer Sektion erzielte Gewinn zusammengetan und Stonnen ein ruhiges Wachstum wie das eines Lebewesens verlangt, nach Abzug der Kosten- und Verlustspesen nach Mann und Kopf daß es werden muß und nicht fünstlich gemacht werden kann. Die Münchener Tonfünstler haben schließlich gefiegt, in einer aufgeteilt. Ein Frank wird zugunsten der Hilfskaffe abgezogen, Weise, die aus der vorliegenden Broschüre nicht deutlich zu erkennen die auch eine Altersrente gewährt. Eine Verschiedenheit besteht ist. Aber wir freuen uns, daß sie( S. 62 f.) dem kommenden aber zwischen den Löhnen der verschiedenen Sektionen, und das Vorrücken des Starken besteht im Uebergang von einer Set- Sommer mit guten Aussichten entgegengehen und auch bei den tion zu einer gewinnreicheren. Der Unterschied ist sogar sehr bedeu- dortigen Festspielen des Deutschen Theaters aus Berlin mitwirken tend. In der Sektion für Wild und Geflügel beträgt die Jahres- sollen. Am meisten aber freuen wir uns, daß durch die gesamten einnahme 2600 Frant, beim Fleisch und bei den Früchten bis zu Münchener Vorgänge die bereits bei anderen Künstlergruppen 6000 Frant. Merkwürdig ist es, daß, während sich ebedem die lebendigen Kämpfe ergänzt und vielleicht auch wieder gestärkt werden. Starken fast durchwegs aus Gebirgsbewohnern, Savoyarden und Auvergnaten rekrutierten, jetzt auch Pariser Familien Starte" hervorbringen. In einer von ihnen erbt sich der Beruf sogar schon in der vierten Generation fort. Der Typus dieser Pariser Starken" unterscheidet sich auffallend von dem der Gebirgles. Es ist der eines faum mittelgroßen Mannes von starker Muskel- und Willenskraft, dessen Leistungen vor allem aus der Energie und der Hartnädigkeit zu stammen scheinen.

In der letzten Woche wurden die Prüfungen von 530 Kandi­baten vorgenommen, die sich um 60 vakante Boften bewarben. Zu­gelassen werden nur Personen, die ein gutes Leumundszeugnis beizubringen vermögen. Die Prüfung zerfällt in zwei Teile. Der erste hat die physische Kraft zum Gegenstande. Die Bedin gungen dieser Probe sind seit Jahrhunderten dieselben: Jeder Bewerbe hat vor dem Gericht und den bersammelten Starken" in der Halle des Tale" eine Steinladung von 400 Pfund 45 Meter weit zu tragen! Diesmal haben 270 von den Bewerben diesen Teil der Prüfung glücklich überstanden und wurden zum zweiten Teil zugelassen, der sich auf der Polizeipräfektur abspielt. Es handelt sich um den Nachweis einer guten Volksschulbildung. Aufgegeben wurde ein Diftat von 15 Drudzeilen und eine Multiplikation mit dreistelligen Zahlen. Man sieht, die alte Zunft der" Starken" geht mit der Zeit vorwärts: sie begreift, daß die Stärke des heutigen Menschen nicht allein auf der Muskulatur beruhen kann.

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Aus München wird uns geschrieben:

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SZ,

Am 27. April tritt das Tonkünstler- Drchester( Boykott- Orchester) unter Führung seines jungen strebsamen Dirigenten Josef Lassalle( eines Südfranzosen von Geburt) eine Konzertreise nach Paris an, um dort im Saal Lamoureuse moderne deutsche Kom­wie Mahler, Brudner, Reger in zwei großen ponisten Orchesterkonzerten zu Ehren zu bringen. Diese Tatsache ge­nügt wohl als Beweis dafür, wie wenig das Prinzip der Selbst verwaltung und der Drdnung in Freiheit" ohne den Druck des fapitalistischen Unternehmertums einem vielgliederigen fünft lerischen Organismus schadet. In der Tat hat das einst jahrelang vom musikalischen Unternehmertum( Hofrat Kaim in München ) aus gebeutete, von der Willfür egoistischer Dirigenten mißbrauchte und dadurch endlich zur Selbstbesinnung und Auflehnung" gebrachte Drchester durch treues Zusammenhalten nach der Katastrophe( es wurde solidarisch von Kaim auf die Straße geworfen und ein halbes Jahr lang mit dem fritischen Boykott der Münchener Unternehmer und Geschäftspresse bestraft"), durch energische fünstlerische Selbst zucht einen Grad des Könnens erreicht, der es direkt neben das Münchener Hoforchester stellt und es weit über das aus Streif brechern gebildete, vom Wiener Stapellmeister Ferdinand Löwe birigierte Konzertbereinsorchester erhebt. Freilich, ohne die tatkräftige opferwillige Hilfe des Berliner Deutschen Musikverbandes", der regelmäßig außer Jahressubventionen zur Unterstützung der immer noch vom Hasse des musikalischen, auch des komponierenden(!) Unternehmertums verfolgten Zon­tünstler große Summen nach München schickt, hätte das Drchester die schwere Zeit der Not kaum überstanden. Gestärkt Das Zonfünstler- Drchester in München hatte feit wurde es in seinem Ausharren auch durch das moralisch erhebende mehr als zwei Jahren einen wirtschaftlichen Kampf durchzufechten, Bewußtsein, daß fast der gesamte deutsche Orchestermusikerstand der an allen dafür interessierten Stellen lebhaftes Aufsehen erregt solidarisch mit ihm fühlte, zum großen Aerger unserer musikalischen und im ganzen einen siegreichen Fortschritt des Gefühls für fünft- Scharfmacher, an deren Spize leider der talentvolle Siegmund Terische Berufsgemeinschaft ergeben hat. Ungeschicklichkeiten aller- von Hausegger, ein durchaus lebensunkluger Jdealist, und der schon dings müssen zugegeben werden und stören ein wenig auch die eben mehr praktische Max Schillings , zurzeit Generalmusikdirektor in erfcheinende Rechtfertigungsschrift von May Krabic: Der Kampf Stuttgart , in einigen Jahren vielleicht im gleichen Amt in München , des Münchener Tonkünstler- Orchesters und seine Bedeutung für die getreten sind. Durch das Entgegenkommen der Stadtgemeinde deutschen Musiker"( München bei G. Birk u. Co.). Kapitel München ist das Tonkünstlerorchester durch ausreichende Beschäftigung überschriften wie Das Treiben der musikalischen Spezlclique" im Ausstellungspark München 1909" über den Sommer weg schädigen das Ansehen einer solchen sonst nur mit Dank und Freude finanziell geborgen.

Kleines feuilleton.

Musik.

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Berantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.- Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u.Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.